Medizinische Woche

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Die Medizinische Woche (Medizinische Woche Baden-Baden) ist eine jährlich in Baden-Baden stattfindende Messe für Pseudomedizin, Alternativmedizin sowie entsprechende Heilmittel und Gerätschaften. Veranstalter ist der Karl F. Haug Verlag, der zur Thieme-Verlagsgruppe gehört und Erfahrungsheilkunde herausgibt. Zuvor war die Messe eine Zusammenarbeit zwischen dem Lobbyverein Ärztegesellschaft für Erfahrungsheilkunde e.V. und dem Karl F. Haug Verlag: "Die Medizinische Woche wird veranstaltet von der Ärztegesellschaft für Erfahrungsheilkunde e.V. in Zusammenarbeit mit dem Haug-Verlag in MVS Medizinverlage Stuttgart GmbH & Co. KG." (Zitat 2006; die Bezeichnung "Medizinverlage Stuttgart" wird von Thieme inzwischen nicht mehr verwendet).

Nach Veranstalterangaben entstand die Medizinische Woche 1967. Sie findet regelmäßig im Herbst in Baden-Baden statt.

Eine enge Beziehung besteht auch zum Lobbyverein Ärztegesellschaft für Erfahrungsheilkunde e.V. in 79291 Merdingen[1] und zur alternativmedizinischen Deutschen Gesellschaft für Onkologie e.V.. Ein Förderer der Medizinischen Woche ist der ehemalige Verleger Ewald Fischer des Haug Verlags, der 35 Jahre lang die Messe leitete und 1952 Initiator des Vereins Ärztegesellschaft für Erfahrungsheilkunde e.V. war. Seit 2002 wird dieser Verein von Hans-Peter Friedrichsen geleitet.

Der australische Buchautor Marcus Freudenmann besuchte die Medizinische Woche 2016 und berichtet von einer Art Geheimniskrämerei auf der Messe. Ihm sei verboten worden, Fotos zu machen und Interviews zu führen:

"I completely forgot how complicated things are in Germany with patent and copyright and all the company secrets that need to be protected by all means. It’s a wonder why they even go to an exhibition to show their products. In Baden Baden I would have needed a press license to film and interview. Since I did not apply and PAY for this license in advance I was almost kicked out when I unpacked my camera. I just managed to get one interview before they caught me which I will post tomorrow."[2]

Hinweis: Die hier thematisierte Alternativmedizin-Messe hat nichts mit der vormals in Halle erschienenen Fachzeitschrift "Medizinische Woche" zu tun.

Themen und Inhalte

Bei der Medizinischen Woche können Referenten problemlos auch über absurde Krankheitserfindungen wie Morgellonen berichten bzw. bereits im 19. Jahrhundert widerlegte Hypothesen wie den historischen Pleomorphismus (Pleomorphismus: unerklärliche mikroskopische Befunde im Blut von Tumorpatienten, Vortrag von Christian Humburg 2009) wieder auferstehen lassen. Laut der seit langer Zeit nicht mehr wissenschaftlich diskutierten Pleomorphismushypothese (siehe Artikel Günther Enderlein) käme es regelmäßig zu "Umwandlungen" unbelebter Materie zu Bakterien oder Pilzen. Auch könnte beliebig Bakterien in Pilze verwandeln. Die Hypothese war Ausgangspunkt diverser obskurer Heilverfahren und Heilmittel wie etwa die Sanum-Therapie, die immer noch von ihren Anbietern und Anwendern für Patienten beworben wird.

2008 berichtete Fritz Albert Popp über Biophotonen in einem Vortrag "Kohärenz als Basis der Vernetzung", Ulrich Warnke über Quantenmedizin - die Verbindung von Bewußtsein und apparativer Technik und ein Yuri Kronn über Ein technisches Verfahren zur Imprägnation von Materialien mit Subtle Energy. 2011 wurde wohlwollend-unkritisch über Kolloidales Silber berichtet.[3] 2012 trat der Medizinlaie Dieter Broers bei der Medizinischen Woche auf und sprach zum Thema "Neueste Entwicklungen der nichtthermischen Hochfrequenz-Therapie". Der Parapsychologe Bernd Kröplin berichtete über ein angebliches Wassergedächtnis und David Noakes sprach über sein GcMAF. 2014 trat Konstantin Meyl auf der Medizinischen Woche auf, um als Medizinlaie über "Übertragung von Medikamentenwirkung über Skalarwellen" zu berichten. Die Existenz von Skalarwellen ist mit heutigen Erkenntnissen aus der Physik nicht vereinbar. Auch traten die Österreicherin Noemi Kempe sowie der Esoteriker Harald Kautz-Vella auf, um über hypothetisch gebliebene Morgellons (Morgellons - die neue unheimliche Krankheit) zu sprechen und dazu Verschwörungstheorien zu verbreiten. Zitat Kautz-Vella: "Dabei ist das Krankheitsbild [Anm. gemeint sind die angeblichen Morgellonen] deutlich als Mykose erkennbar... Die Mykose ist der Kollateralschaden einer transhumanistischen Technologie, die mit Deckung der globalen Eliten illegal zur Anwendung gebracht wurde, und die Mykose involviert die DNA einer hochentwickelten, arachnoiden Spezies, was viele Therapeuten als Symptomatik schlichtweg überfordert..."[4]

Die mobilfunkkritische Kompetenzinitiative zum Schutz von Mensch, Umwelt und Demokratie e. V. hatte jahrelang einen Stand während der Medizinischen Woche, trotz der allgegenwärtigen WLAN-Versorgung auf der Messe und zahlreicher Smartphones der Besucher.[5] Enthusiastisch berichtete der Teilnehmer Karl Braun-von Gladiß darüber, dass Teilnehmer zunehmend völlig wirkungslose "Chips" auf ihren Mobiltelefonen hätten und auch ansonsten obskure und wissenschaftlich wertlose Elektrosmog-Schutzprodukte nutzten. So wurde auch eine unbekannte elektrosensible Ärztin zitiert, die begeistert davon gewesen sei, dass sie nun ein „Pen-Yang-System“ bei sich aufgestellt habe. Dadurch nutze sie nun die "Energie" ihres stets eingeschalteten Handys um ihre Umwelt zu "verbessern".[6]

Eigenverständnis

Im Eigenverständnis sieht sich die Medizinische Woche als Europas größter Ärztekongress für Naturheilverfahren und Komplementärmedizin.

Karl F. Haug Verlag

Der Karl F. Haug Verlag aus Heidelberg war in der Vergangenheit Mitorganisator der Medizinischen Woche in Baden-Baden. Mit seinen Publikationen (Bücher, Zeitschriften wie "Erfahrungsheilkunde", begleitendes Werbematerial) ist der Verlag Förderer diverser fragwürdiger Methoden. Er war von Beginn an ein der Esoterik, Quacksalberei und Pseudomedizin zugewandter Verlag. So gab der Verlag die Bücher der Scientologen Franz Morell und Hans Brügemann (geb. 1925) heraus, Erfinder der Scharlataneriemethode Bioresonanz. Mitte der 1980er Jahre ging der Verlag in den Besitz des Publikationskonzerns Hüthig über, wobei er aber offenbar wenig in dessen naturwissenschaftliches Portfolio passte. Ende der 1990er Jahre kaufte der Thieme-Konzern den Haug-Verlag aus dem Hüthig-Konsortium heraus. Thieme war bereits in der Zeit der wirtschaftlichen Verlagsdepression Ende der 1980er durch den Zukauf des F. Enke Verlags zum großen Anbieter medizinischer Fachpublikationen in Deutschland geworden. Der eingekaufte Sonntag-Verlag deckte die Nische der Homöopathen, Bachblüten-Anhänger und anderer rein pseudomedizinischer Methode wie Biochemie nach Schüssler ab. Durch den Zukauf des Haug-Verlags gelang dann die weitere Abdeckung des Martes Pseudomedizinbereich.

Somit ist der Thieme-Verlag heutzutage einer der wichtigsten Verlage in diesem Bereich, der insbesondere von Anzeigen der entsprechenden Pharmaindustrie profitiert. Gesponsort wurden die Bücher des Verlags durch teure Anzeigen von Finanzdienstleistern (MLP) und Versicherungsunternehmen (Vereinte Krankenversicherung, Hallesche Nationale, Alte Leipziger). MLP verkauft deren Versicherungspolicen und genau diese Versicherungen bieten u.a. die Kostenerstattung von Pseudomedizinmethoden in ihren Privatversicherungstarifen für Besserverdienende an.

Sowohl der Sonntag- als auch der Hippokrates-Verlag sind wie der Haug-Verlag regelmäßig auf der Medizinischen Woche vertreten.

Referenten 2016

Vortragsankündigung mit Nennung von Dieter Broers, Kai Börnert und Hans Joachim Kempe mit Doktortitel

Zu den Referenten gehörten unter anderem im Jahre 2016:

  • Kai Börnert Aus der Regulations-Medizin der Erfahrung zur Energie-Informations-Medizin der Wissenschaft - Prof. Dr. nauk. (VEKK Moskau) Dr. med. Kai Börnert, Grimma, Dr. med. Manuela Wagner, Grimma (akadem. Scheintitel: Scheinakademische Titel, die sich auf eine russische angebliche "Oberste Interakademische Attestationskommission" (VMAK) oder ein russisches angebliches "Oberstes Sachverständigen- und Qualifikationskomitee" (VEKK) beziehen, mit den Titeln "Doktor Nauk" und "Professor" sind in der Bundesrepublik Deutschland nicht staatlich anerkannt i.S.v. § 34 a BerlHG. Sie dürfen deshalb in Deutschland auch nicht mit Hinweis auf die verleihende Stelle (VEKK Moskau oder VMAK) geführt werden. Dies ergibt sich aus dem Urteil des Berufsgerichts für Heilberufe Berlin vom 3.12.2014 im Fall (Az. 90 K 7.13 T).[7])
  • Dieter Broers (Das therapeutische Potenzial von niederfrequent modulierten 150 MHZ. Die Möglichkeiten einer nicht palliativen Therapie, Dr. Dieter Broers, Kyparissia (Griechenland) (akadem. Scheintitel)
  • Hans Joachim Kempe (alias "Graf von Roit zu Hoya" alias Prof. Dr. Hans J. Kempe (VEN)) (akadem. Scheintitel)
  • Dietrich Klinghardt
  • Walter Medinger
  • Viktor Philippi (Geistheiler)
  • Thomas Neßelhut (Duderstadt)
  • Gerhard Siebenhüner
  • Arno Thaller
  • Ulrich Warnke als Vertreter der Firma "Bionmed Technologies" (bis 2011 "Warnke United") seines Sohnes. Seit 2009 hält die Saarländische Wagnisfinanzierungsgesellschaft mbH eine Beteiligung.

Zu beachten sind bei diesen Referenten die zahlreichen wertlosen scheinakademischen Titel.

Aussteller und ihre pseudomedizinischen Produkte

Bei der Medizinischen Woche treten zahlreiche Anbieter obskurer Geräte und alternativmedizinischer Präparate auf. Auch finden sich mehrere Apotheken, die umstrittene Arzneimittel wie Amygdalin, Organisches Germanium, DCA, 3-Bromopyruvat, 2-DG oder Curcumin anbieten.

Zu den angebotenen Geräten, Diagnostikmethoden und Produkten gehören unter anderem:

Quellennachweise

  1. Ärztegesellschaft für Erfahrungsheilkunde e.V., Hans-Peter Friedrichsen, Schönbergstr. 11a, D-79291 Merdingen
  2. http://trulyheal.com/medical-week-baden-baden/
  3. Kolloidales Silber: die alternative Therapie bei chronischer Sinusitis, Vortrag Wolfgang Gebhardt, Ettlingen (2011)
  4. http://www.medwoche.de/fileadmin/content/2014/Abstracts_2014/3010_EnergyMedicine_Gesamt.doc.pdf
  5. http://www.izgmf.de/scripts/forum/index.php?id=58529
  6. http://www.gladiss.de/index.php/newsletter/9-newsletter-published/105-reflexionen-zur-mobilfunkkritik
  7. Vor der Obersten Interakademischen Attestationskommission (VMAK) verteidigte und von dem Obersten Sachverständigen- und Qualifikationskomitee (VEKK) verliehene akademische Grade (Doktor Nauk) und Titel (Professor) sind nicht staatlich anerkannt i.S.v. § 34 a BerlHG. Sie dürfen deshalb in Deutschland auch nicht mit Hinweis auf die verleihende Stelle (VEKK Moskau) geführt werden. § 34a Abs 1 HSchulG BE, § 34a Abs 5 HSchulG BE, § 2 Abs 5 ÄBerufsO
    https://www.juris.de/jportal/prev/JURE150000341
  8. Advanced Balance Systems, Veldeksterweg 56, NL 8172 WV Vaassen (Niederlande)