Curcumin

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Curcumin ist ein intensiv orange-gelber, jedoch nicht lichtbeständiger Farbstoff, der in natürlicher Form in den Rhizomen der Kurkuma-Pflanze (Gelbwurz, lat. Curcuma longa), einem Ingwergewächs, vorkommt und daher auch seinen Namen hat. Er ist auch synthetisch herstellbar. Curcuma verliert bei Lichteinwirkung schnell an Farbe und Aroma.

Verwendung

Lebensmittel

Curcumin findet weitreichende Verwendung als Lebensmittelzusatzstoff mit der Nummer E 100 zur Färbung von Nahrungsmitteln,[1] z.B. bei der Herstellung von Margarine, Teigwaren, Kartoffelflocken, Reis-Fertiggerichten, Konfitüre, Marmelade und Senf. Curcumin wird auch als billiger Ersatz zum Vortäuschen der Farbe von Safran in Gerichten verwendet. Getrocknetes Pulver aus dem Rhizom der Kurkuma-Pflanze bildet einen wesentlichen Bestandteil von Currypulver.

Ein ganz wesentlicher Punkt, der in der Vermarktung von Curcumin in der Regel verschwiegen wird, ist die Tatsache, dass diese Verbindung so gut wie gar nicht im Darmtrakt aufgenommen wird. Die biologische Verfügbarkeit ist daher gering und die Verweildauer im menschlichen Organismus sehr kurz.

Curcumin als Arzneimittel in der Medizin

In der Alternativmedizin werden Curcuma verschiedene Wirkungen zugeschrieben, z.B. als cholesterinsenkendes, leberentgiftendes, antibakterielles, antivirales und entzündungshemmendes Mittel, als Radikalfänger, als Insektizid sowie als Mittel gegen Tumore ("Komsakap T" / "Complex T" nach Rainer Schäfer). In der Ayurveda wird Kurkuma als entzündungshemmendes Mittel verwendet, dem eine reinigende und energiespendende Wirkung zugesprochen wird. Curcumin-Präparate werden daher auch als Nahrungsergänzungsmittel vermarktet.

Zu einer Wirkung von Curcumin gegen Krebs liegen bislang nur widersprüchliche Tier- und Zellkulturversuche vor sowie Tests an Menschen, die den Anforderungen an einen klinischen Wirksamkeitsnachweis nicht genügen. Viele der Studien weisen grobe Mängel im Design und in der Ausführung auf und haben keine Aussagekraft. Daher gilt eine Wirkung von Curcumin gegen Krebs wissenschaftlich nicht erwiesen.[2]

Aussagen zu Curcumin als Mittel zur Behandlung von Depressionen sind bisher nicht belastbar bestätigt worden. Bei genauerer Betrachtung entsprechender Arbeiten fanden sich grobe methodische Mängel. Die Ergebnisse waren positiv gefärbt und das Resultat von persönlichen Interpretationen der AutorenInnen geprägt und nicht gedeckt durch die statistischen Daten.[3]

Curcumin-Infusion

Im April 2017 wurde aus San Diego (USA) bekannt, dass ein örtlicher "naturopatic" namens Kim Kelly einer Patientin eine Curcumininfusion verabreichte, die zum Tode der Patientin Jade Erick (30 Jahre) führte.[4][5] Aus der Literatur lässt sich eine Förderung des Gallenflusses bei hohen Dosen (8 bis 12 g/Tag) und eine mögliche Magenverstimmung ableiten. Allerdings werden in einer Studie von Schallreuter und Rokos mögliche negative Auswirkungen hohen Curcumin-Konsums bei asiatischen Patienten beschrieben, bei denen sich dieser kontraproduktiv in der Behandlung bzw. Repigmentation von Vitiligo, einer Pigmentstörung, die mit weißen Hautflecken einhergeht, auswirkte.[6][7]

Die amerikanische Gesundheits-Aufsichtsbehörde FDA warnte in einem Rundschreiben vor Curcumin-Injektionen. Zuvor hatte die Behörde Berichte über Überempfindlichkeitsreaktionen nach Curcumin-Injektionen erhalten. Eine Pharmahersteller in den USA (ImprimisRx) musste danach seine Produkte zurückrufen.

Der Frankfurter Alternativmediziner Gerhard Siebenhüner bietet das Verfahren von Curcumin-Infusionen in seiner Praxis an. Der Apothker Uwe-Bernd Rose (Burg Apotheke Königstein / Eurozyto GmbH, auch Lieferant von Amygdalin) ist Inhaber von Patenten zu i. v. Gabe von Curcumin.

Curcumin als Nahrungsergänzung

Auf dem Markt der Nahrungsergänzungsmittel-Produkte werden Curcumin-Präparate für eine ganze Reihe von Krankheiten und Befindlichkeitsstörungen beworben, die teilweise noch nie Bestandteil einer nennenswerten wissenschaftlichen Forschung waren. Verwendet werden dabei üblicherweise blumige, schwammige und völlig übertriebene Wirkungen und Eigenschaften. Beschreibungen und Behauptungen sind in der Regel vage und anekdotisch.

"Für beide Curcuma-Arten liegt eine über Jahrhunderte zurückreichende Anwendungstradition vor. Curcumawurzelstock wurde traditionell bei Gelbsucht, bei Darmbeschwerden und bei entzündlichen Prozessen der Haut angewandt. In der Naturheilkunde gilt Curcumin heute als ein entzündungshemmendes Mittel, das bei vielen chronischen entzündlichen Erkrankungen wie z.B. der Rheumatoiden Arthritis oder Osteoarthritis angewandt wird. Aufgrund der ausgeprägten choleretischen Wirkung (den Gallefluss steigernd) wird Curcumin auch bei Verdauungsbeschwerden, insbesondere bei Störungen der Fettverdauung eingesetzt."[8]'

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Studienlage

Zum Thema der Aufnahme von Curcumin im Verdauungstrakt gibt es gute und übersichtliche Untersuchungen wie z.B. in einer Arbeit aus dem Jahre 2011, in der die Mechanismen erörtert wurden. Dabei wurden 90% aller Versuche mit Zellkulturen durchgeführt, es wurde aber ein grundlegendes Dilemma offensichtlich, dass mit Mengen und Konzentration gearbeitet wird, die beim Menschen faktisch nicht erreichbar sind. Dies würde umgerechnet bei Erwachsenen zu einer Aufnahme von 2-3g/kg Körpergewicht führen. Selbst dann liegt der Serumgehalt immer noch bei 1-2 ng/ml.[10]

Mittlerweile wird an Nanopartikeln gearbeitet, mit denen es möglich sein soll, die Aufnahme im Darm um das 27-fache zu erhöhen. Dies beschreibt dann aber immer noch keine unmittelbare Auswirkung auf positive und schützende Effekte bei Krankheiten.[11]

2005 wurde an der University of Texas in Houston in Tierversuchen mit Mäusen eine metastasenhemmende Wirkung bei Brustkrebs festgestellt. Während erste Studien den Eindruck erwecken, dass Curcumin als Nahrungszusatz in der Chemotherapie verabreicht die Toxizität von Paclitaxel verringert und die Wirkung des Zytostatikums erhöht, scheint es bei der Behandlung mit anderen Zytostatika wie Camptothecin abträglich zu sein.

Weitere Forschungsergebnisse deuten andererseits darauf hin, dass Curcumin sogar zum Abbau des Tumorsuppressorproteins p53 (ein Protein, das das Wachstum von Krebszellen hemmt) beiträgt und so das Wachstum von p53-kontrollierten Krebszellen fördern könnte. Diesbezüglich ist die Datenlage allerdings widersprüchlich, da in Aggarwal et al. (2005) ein Experiment beschrieben wird, bei dem das p53-Protein in Curcumin-behandelten Brustkrebszellen zunahm. Ein wissenschaftlicher Nachweis dieser Mechanismen an menschlichen Versuchspersonen erfolgte bisher nicht.[12] [13]

Es wurde spekuliert, dass Curcurmin gegen die Alzheimer-Krankheit wirksam sein könnte.[14] Die Ergebnisse einer 2005 begonnenen Phase-I-Studie[15] wurden bislang nicht publiziert.

Bis heute sind die Ergebnisse nicht in Humanstudien bestätigt worden. Es wurden keinerlei Arbeiten publiziert, die den Zusammenhang zwischen dem Konsum von Gelbwurz oder Curry und der Beeinflussung z.B. von Krebserkrankungen beschreiben. So ist festzuhalten, dass die zugeschriebenen Eigenschaften bis dato trotz allem rein theoretischer Natur sind.

Im Journal of Medicinal Chemistry wurde eine Arbeit veröffentlicht, in der beschrieben wird, dass die interpretierten Eigenschaften und Aktivitäten von Curcumin in vitro und in vivo zwar zu mehr als 120 klinischen Untersuchungen der Substanz geführt haben, aber auch keine der doppelblind- und placebokontrollierten Studien mit Curcumin die Erwartungen bestätigen konnte.

In dieser Arbeit wurden die wesentlichen chemischen Eigenschaften von Curcumin untersucht, beurteilt und in der Folge aufgezeigt, dass Curcumin eine instabile und reaktive Verbindung mit einer sehr geringen Bioverfügbarkeit ist und mittlerweile als IMPS (invalid metabolic panaceas)-Kandidat eingestuft wird. Dies bestätigt viele vorhergehende Arbeiten, die sich mit dem gleichen Thema beschäftigt hatten.[16]

In einem weiteren Artikel wird die Entwicklung der Untersuchungen von Curcumin und ihrer Ergebnisse analysiert. Dabei wird darauf verwiesen, dass die vielen chemische Analysen von Curcumin deutlich dokumentieren, dass es aufgrund der geringen Bioverfügbarkeit nicht als Substanz zur therapeutischen Verwendung in Frage kommt. Ein Großteil der Untersuchungen wird als irreführend und als eine Vergeudung wissenschaftlicher Ressourcen bezeichnet, die nur darauf ausgerichtet sei, mit Cherry-Picking“ zur Unterstützung und Förderung des Medienrummels beizutragen.[17]

Weblinks

Quellenverzeichnis

  1. http://das-ist-drin.de/glossar/e-nummern/e100-kurkumin/
  2. http://www.medizin-transparent.at/curry-gewurz-gegen-krebs
  3. http://www.medizin-transparent.at/kurkuma-stimmungsmacher-bei-depression
  4. https://www.forbes.com/sites/brittmariehermes/2017/04/10/confirmed-licensed-naturopathic-doctor-gave-lethal-turmeric-injection/#4b96d0be6326
  5. https://sciencebasedmedicine.org/naturopathic-death-from-iv-turmeric/
  6. http://www.vitiligo.eu.com/turmeric%20influence1.htm
  7. http://www.shgostheim.de/index2.php?option=com_content&do_pdf=1&id=125
  8. http://wirksam-oder-unwirksam.blogspot.de/2013/03/welche-wirkungen-hat-curcumin-beim.htmlWirksam oder Unwirksam
  9. vitaminexpress.org/de/curcumin-royal-kurkuma-kapseln
  10. Wilken R, Veena MS, Wang MB et al. A review of anti cancer properties and therapeutic activity, Mol Cancer 2011, 12
  11. Sasaki H, Sunagawa > et al. Innovative Preparation of curcumin for improved oral bioavailability , Biol Pharm Bull, 2011, 34: 660-665
  12. Peter Tsvetkov, Gad Asher, Veronica Reiss, Yosef Shaul, Leo Sachs & Joseph Lotem (2005): „Inhibition of NAD(P)H:quinone oxidoreductase 1 activity and induction of p53 degradation by the natural phenolic compound curcumin“. Proc Natl Acad Sci USA 102(15):5535-5540
  13. Aggarwal BB, Shishodia S, Takada Y, Banerjee S, Newman RA, Bueso-Ramos CE, Price JE (2005): „Curcumin suppresses the paclitaxel-induced nuclear factor-kappaB pathway in breast cancer cells and inhibits lung metastasis of human breast cancer in nude mice“. Clin Cancer Res. 11(20):7490-8
  14. http://www.wissenschaft.de/wissenschaft/news/247845.html
  15. Ringman JM, et al.: A potential role of the curry spice curcumin in Alzheimer’s disease. Curr Alzheimer Res. 2005(2): S. 131–136.
  16. http://pubs.acs.org/doi/abs/10.1021/acs.jmedchem.6b00975
  17. http://theness.com/neurologicablog/index.php/curcumin-hype-vs-reality/