Auftritt von Daniele Ganser bei der AZK von Ivo Sasek im Juli 2014
Als Alternative für deutsche Medien empfiehlt Ganser den russischen Staatssender RT Deutsch (Russia Today). Quelle: RT
Ganser im Gespräch mit Ken Jebsen. Quelle: Youtube
Ganser im Gespräch mit dem Rechtsextremisten Karl-Heinz Hoffmann (rechts), moderiert durch Compact Magazin-Herausgeber Jürgen Elsässer (mitte)
Lob für Band Kilez More von Daniele Ganser im Februar 2017. Kilez More verbreitet in eigenen Song zahlreiche Verschwörungstheorien

Daniele Ganser (geb. 29. August 1972 in Lugano) ist ein Schweizer Historiker, Autor und Verschwörungstheoretiker, der sich selbst als Energie- und Friedensforscher bezeichnet.[1] Er wurde mit seiner 2005 publizierten Dissertation über „NATO-Geheimarmeen“ bekannt und veröffentlichte unter anderem eine Untersuchung zum globalen Fördermaximum von Erdöl. Ganser greift in der Truther-Szene populäre Verschwörungstheorien um den 11. September 2001 auf und stellt sie in Aufsätzen und Vorträgen als diskutable wissenschaftliche Erklärungen dar.

Als Autor veröffentlicht Ganser im Kai Homilius Verlag. Er ist mit Rainer Mausfeld und Daniela Dahn im Beirat von Rubikon.news (Magazin für die kritische Masse), die ursprünglich von Maren Müller (Propagandaschau) initiiert worden sein soll.

Einordnung als Verschwörungstheoretiker

Auch andere Ereignisse mit terroristischem Zusammenhang stellt er gerne als "False Flag"-Operationen dar, also als nur vorgetäuscht durch angebliche Terroristen durchgeführte Aktionen, hinter denen aber tatsächlichlich staatliche Institutionen stünden. So stellt er zum Anschlag auf das französischen Satiremagazin Charlie Hebdo am 7. Januar 2015 fest: "Für mich ist der Terroranschlag auf «Charlie Hebdo» ungeklärt. Sicher ist, dass der militärisch-industrielle Komplex davon profitiert."[2]

Im Ukraine-Konflikt interpretiert er bisher nicht abschließend geklärte Zusammenhänge als gegen Russland inszenierte Täuschungsmanöver: "Betrachten wir den Abschuss der MH17 in der Ukraine. Die Maschine könnte im Sinne einer False Flag Operation beispielsweise durch einen Jagdflieger der ukrainischen Armee abgeschossen worden sein".[2] Die Terroranschläge in Paris vom 13. November 2015 werden pauschal ebenfalls als fälschlicherweise dem IS (Islamischer Staat) zugeschriebene Taten bezeichnet. Obwohl es ein Bekennerschreiben und zahlreiche Hinweise auf einen islamistisch motivierten Anschlag gibt, vermutet Ganser, es ginge nur darum, Syrien zu diskreditieren. Einen Beleg für seine Annahmen bleibt er schuldig.[3]

Markus Linden, Politikwissenschafter an der Universität Trier, urteilt:

"Er [Ganser] setzte sich nicht wissenschaftlich mit Terrorismus auseinander. Anstatt systematisch und historisch vergleichend vorzugehen, picke Ganser jeweils nur einzelne Aspekte heraus, um ein Ergebnis zu suggerieren".[4]

In einem Interview mit den unseriösen Deutsche Wirtschafts Nachrichten (Artikel "Nato-Experte: aus Sicht der USA ist Deutschland ein besetztes Land" / "Nato-Experte: USA wollen militärische Kontrolle der Ukraine") suggerierte Ganser, Deutschland sei als "Juniorpartner" ein "besetztes Land" (Zitat: "Deutschland ist in der Nato ein Juniorpartner, weil die USA die Nato anführen. Aus Sicht der USA ist Deutschland besetztes Land... Das ist also die Position Deutschlands: Es befindet sich in einer untergeordneten Position im amerikanischen Imperium und die meisten deutschen Medien getrauen sich nicht das offen darzustellen").[5] Eine Meinung, die nur in der deutschen rechtsoffenen KRR-Szene, in der auch weitere Positionen von Ganser verbreitet werden, populär ist .[6]

Im November 2014 trat Ganser auf einem "Quer-Denken.TV-Kongress" auf, organisiert von Michael Vogt. Weitere Vortragende bei dieser Veranstaltung waren Andreas Clauss, Konstantin Meyl, Andreas Popp, Franz Hörmann und Gerhard Wisnewski. Am 26.7.2014 war Daniele Ganser zusammen mit Jürgen Elsässer auf einer sogenannten AZK-Konferenz des Schweizer Sektengründers Ivo Sasek vertreten.

Er ist gelegentlich auch Redner auf universitären Veranstaltungen. So war er am 15. Dezember 2014 an der Universität Tübingen mit dem kostenpflichtigen Vortrag „Die Terroranschläge vom 11. September 2001 und der „Clash of Civilizations“: Warum die Friedensforschung medial vermittelte Feindbilder hinterfragen muss” geladen.[7] Hier rief er auch dazu auf, seinen Wikipedia-Eintrag nach seinen Vorstellungen zu ändern, auch wenn diese Änderungen immer wieder rückgängig gemacht würden (Edit-War). Einzelheiten der Einstellung von Ganser zur Online-Ezyklopädie Wikipedia finden sich in einem Abschnitt weiter unten. Die Universität Tübingen verbot es Ganser, das Logo der Uni im Veranstaltungshinweis auf seiner Homepage zu verwenden.[4]

Am 29. Oktober 2015 hielt er an der Universität Witten/Herdecke einen Vortrag mit dem Titel: „Fakten, Meinungen, Propaganda - Wie mache ich mir selbst ein Bild?“. Der Vortrag konnte trotz Protesten der örtlichen SPD, der Piraten, der Grünen und einiger politisch arbeitender Jugendgruppen, wie etwa dem Zentrum Trotz Allem, der städtische Antifa und der Parteijugend der Grünen, nicht verhindert werden.[8] In seinem Vortrag empfahl er, Tageszeitungen kritisch zu lesen, da sie "überwiegend Außenstellen der Nato-Pressestelle" seien, und sich verstärkt auf alternative Informationsquellen zu verlassen. Dazu zählt er etwa KenFM und das Compact Magazin.[9]

Seinen geplanten Auftritt als Referent des 2. Alternativen Wissenskongresses in Iserlohn im Februar 2016 sagte er ab, da er in Folge seines Vortrages an der Uni Witten/Herdecke in einigen Presseartikeln als Verschwörungstheoretiker bezeichnet worden war, was er strikt ablehne. Er könne in Deutschland nicht mehr frei seine Meinung äußern, ohne diffamiert zu werden.[10] Neben Ganser sind u.a. Vorträge von Christoph Hörstel und Michael Vogt geplant.[11]

Kontakte existieren zur Psychosekte VPM und der US-amerikanischen LaRouche Bewegung. In seinen Büchern gibt er häufig Artikel aus der VPM nahen Zeitschrift "Zeit-Fragen" als Quellen an. So beruft er sich mit der Aussage, die "USA hätten im Rahmen der Bilderberg-Konferenz bereits drei Jahre vor dem Kriegsausbruch in Syrien den Sturz von Baschar al-Assad gefordert" ebenfalls auf einen Beitrag der "Zeit-Fragen".[12]

Der Ron Paul-nahen Organisation We Are Change gab Ganser ein ausführliches Video-Interview. Mit der Zeitgeist-Bewegung existieren inhaltliche Überschneidungen über die Association for Peak Oil Studies und deren Gründer Colin Campbell sowie über Michael C. Ruppert.[7]

Ganser ist regelmäßiger Interviewpartner von Russia Today und Ken Jebsen, auf dessen Youtube-Kanal KenFM die Interviews zu sehen sind.

Im Mai 2015 konnte Ganser in der anthroposophischen Wochenzeitung „Das Goetheanum“ auf vier Seiten seine Thesen über einen angeblich von den USA geführten, antirussischen Putsch in der Ukraine verbreiten.[13]

Aufgrund von Kritik, welche unter anderem an diesen Auftritten, seiner Herangehensweise bei der Forschung und seinen Thesen zu den Terroranschlägen am 11. September 2001 geübt wurde, sagte die Katholische Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) Freising einen für den 28. Mai 2016 geplanten Vortrag Gansers ab, den dieser vor seinem ohnehin geplanten Vortrag für die Ökologisch-Demokratische Partei in München halten sollte.[14][15]

Der Grüne Stadtrat Dominik Krause beurteilte Gansers Auftritt bei der ÖDP mit folgender Aussage:

„So jemandem ein Podium zu bieten, hat nichts mit unbequemen Wahrheiten zu tun, denn diese ,Wahrheiten’ sind längst widerlegt. Es hat auch nichts mit Umweltschutz zu tun. Es hat vor allem mit einem zu tun: Opportunismus. Denn das Raunen über dunkle Eliten ging eben schon immer gut“ [16]

Kurzbiographie

Ganser studierte ab 1992 an den Universitäten Basel und Amsterdam Internationale Zeitgeschichte, Antike Geschichte, Philosophie und Anglistik.

Ab 1998 forschte Ganser im Rahmen seiner Doktorarbeit im Bereich Zeitgeschichte an der Universität Basel und an der London School of Economics and Political Science in England zum Thema NATO-Geheimarmeen und inszenierter Terrorismus in Europa im Kalten Krieg. Er promovierte im September 2001 an der Universität Basel.

Von 2001 bis 2003 war Ganser Senior Researcher beim wirtschaftsliberalen Think Tank Avenir Suisse, zuständig für Wirtschaftsgeschichte und Politikgeschichte. Er leitete die Kampagne von Avenir Suisse zum Beitritt der Schweiz zur UNO. Von 2003 bis 2006 war Ganser Senior Researcher am Center for Security Studies der ETH Zürich. Er wurde von der Universität, die sich von seinen Aussagen distanziert, entlassen.

Von 2007 bis 2010 leitete Ganser am Historischen Seminar der Universität Basel das Forschungsprojekt „Peak Oil“ zum globalen Kampf um Erdöl und zur Versorgungssicherheit der Schweiz.

Im Jahr 2011 gründete er das private Swiss Institute for Peace and Energy Research (SIPER), dessen Geschäftsführer er ist (Unternehmensform: AG). Die SIPER AG untersucht angeblich den globalen Kampf um Erdöl und das Potential von erneuerbaren Energien. Finanziert werde das Institut von Vorträgen Gansers, für die er pauschal rund 5000 Schweizer Franken (etwa 5000 €) berechne.[4]

Seit 2011 hält Ganser an der Universität Basel im Studiengang „Interdisziplinäre Konfliktanalyse und Konfliktbewältigung“ am Seminar für Soziologie einmal im Jahr einen Vortrag. Die Universität Basel verbot ihm die Verwendung des Logos der Uni, da Ganser dort nicht angestellt sei und nicht im Namen der Universität sprechen könne. Der Rektor der Universität Antonio Loprieno stellt klar:

"Persönlich messe er Gansers Thesen zu 9/11 dieselbe empirische Wahrscheinlichkeit bei wie der Theorie, dass Außerirdische die ägyptischen Pyramiden gebaut haben könnten".[4]

Seit 2012 ist Ganser Dozent (Lehrbeauftragter) an der Universität St. Gallen HSG und unterrichtet zusammen mit Rolf Wüstenhagen das Modul „Geschichte und Zukunft von Energiesystemen.“[17]

Daniele Ganser und NATO-Geheimarmeen

Ausgehend von freigegebenen Dokumenten zur italienischen Stay-behind-Organisation „Gladio“ untersuchte Ganser verschiedene Geheimarmeen in Westeuropa, die im Falle einer sowjetischen Invasion einen Guerillakrieg führen sollten. Er versuchte zudem den Nachweis zu führen, dass diese Geheimarmeen von zwei NATO-Ausschüssen koordiniert worden und einige an Staatsterrorismus beteiligt gewesen seien. Er vermutete zum Beispiel, dass eine deutsche Gladio-Einheit am Oktoberfestattentat 1980 in München beteiligt gewesen sei. Ein entsprechendes Buch erschien 2008.

Der dänische Historiker Peer Henrik Hansen[18] kritisierte Gansers Buch 2005 als journalistisch und teilweise verschwörungstheoretisch. Ganser behaupte eine Verschwörung der westlichen Regierungen und ihrer Geheimdienste, vor allem CIA und MI6, mit den NATO-Geheimarmeen. Deren Existenz sah Hansen als bewiesen an; fehlende Primärquellen dafür führte er auch auf die fortdauernde Geheimhaltung westlicher Staaten zurück. Hansen kritisierte aber Gansers Umgang mit Sekundärquellen: Er habe hauptsächlich Presseberichte und Politikeraussagen verwendet, ohne Desinformation auszuschließen und seine Methodik zu erläutern. Laut der herangezogenen Zeugenaussagen hätten Geheimdienstvertreter in den NATO-Gremien kein Stimmrecht gehabt. Eine von Gansers Hauptquellen, ein angebliches US-Armeehandbuch, sei seit 1976 als Fälschung des KGB enttarnt. Viele Stay-Behind-Truppen seien aus Freiwilligenverbänden hervorgegangen und nicht von US-Geheimdiensten, sondern den späteren NATO-Mitgliedsstaaten gegründet worden. Trotz unbestreitbarer Verbrechen einzelner Geheimtruppen könne man sie nicht alle als Terroristen darstellen.[19] Der Historiker Gregor Schöllgen urteilte 2009, in Gansers Buch werde auf spärlicher Quellenbasis das tatsächliche Ausmaß der Stay-behind-Aktivitäten „grotesk überzeichnet“. Während Ganser von „geheimen deutschen Nazi-Stay-behind-Armeen“ in Divisionsstärke ausgehe, sprächen andere für die 1960er Jahre von weniger als 100 hauptamtlichen BND-Mitarbeitern und etwa 500 Helfern.[20] Philipp Gessler urteilte in der taz, Ganser bewege sich mit seiner These, Gladio stecke auch hinter dem Oktoberfestattentat von 1980, auf „dünnem Eis“.[21]

Der Historiker Tobias Hof meint, Ganser spekuliere trotz seiner fehlenden Einsicht in relevante Aktenbestände über die Beteiligung der NATO-Einheiten an Terroranschlägen. Dabei stütze er sich unkritisch auf unzuverlässige Quellen (Presse, Zeugenaussagen, umstrittene Untersuchungsberichte). Ihm unterliefen immer wieder historische Falschangaben. Im Fall des entführten und ermordeten italienischen Politikers Aldo Moro übernehme er ausschließlich durch aktuelle Forschung schon widerlegte Verschwörungsthesen. Er unterstelle eine Beteiligung von Gladio an rechtsterroristischen Bombenattentaten zwischen 1969 und 1980 in Italien. Dabei berücksichtige er nicht, dass sich die italienische Geheimdienstpolitik nach 1972 von der bis dahin verfolgten Strategie der Spannung abgewandt habe. Seiner Arbeit fehle ein umfassendes Quellen- und Literaturverzeichnis. Er halte die Gliederung nach Ländern nicht ein, so dass sich Wiederholungen einschlichen. Für seine These, die Nato-Geheimarmeen seien „Quelle des Terrors“ gewesen, bedürfe es weitergehender Einzelforschung.[22]

Ganser und Verschwörungstheorien zum 11. September 2001

Ganser bezweifelt seit 2005 in Aufsätzen und Vorträgen die ermittelten Ursachen der Terroranschläge vom 11. September 2001 und hält Verschwörungstheorien dazu für gleichrangige, von Historikern erst noch zu prüfende Erklärungsansätze. Er vertritt die Ansicht, eine Überwachung einiger 9/11-Attentäter durch das US-Programm Able Danger, ein Handel mit Put-Optionen an der New Yorker Börse vor den Attentaten, das zu späte Eingreifen der US-Luftwaffe und der Einsturz des WTC 7 seien unzureichend erklärt. Er hält eine Sprengung dieses Gebäudes für möglich. Dabei beruft er sich auch auf Richard Gage, einen Vertreter des 9/11 Truth Movement.[23] Wie dieses verlangt Ganser angesichts angeblich „offener Fragen“ eine neue, von US-Regierungsbehörden unabhängige Untersuchung der Ereignisse.[24] Er veröffentlichte seinen Aufsatz über „Verdeckte Kriegsführung“ gemeinsam mit David Ray Griffin, einem weiteren Vertreter des 9/11 Truth Movement.[25][1]

Ganser will sich nicht als Verschwörungstheoretiker bezeichnen lassen, wird aber in der Truther-Szene positiv rezipiert.[26] Die ETH Zürich und die Universität Zürich, an denen Ganser tätig war, distanzierten sich 2006 von seinen „völlig absurden Ideen“ und betonten, dass er sich dazu „als Privatperson“ äußere.[27]

Für einen angeblichen Wissenschaftler fordert er ungewöhnliche Belege, um alternative Hypothesen ausschliessen zu können. So zweifelt er an, dass ein Flugzeug in das Pentagon gestürzt sei:[28]

Frage: Gehen wir zu American Airlines Flug 77 und dem Pentagon: Hältst du es 2011 immer noch für möglich, dass nicht AA 77, sondern eine Cruise Missile des US-Militärs das Pentagon getroffen haben könnte?
Ganser: Solange es keine Live-Videoaufnahmen gibt, die ein Flugzeug zeigen, halte ich es weiterhin für möglich. Wir wissen aufgrund unscharfen Videobilder nur, irgendetwas flog ins Pentagon.
Frage: Immerhin gibt es sehr viele Augenzeugen, die einen AA-Jet gesehen haben, es gibt die Blackbox mit den Flugdaten, es gibt Trümmer- und Leichenteile, es gibt DNA-Spuren…
Ganser: Ich möchte einen Film sehen…
Frage: Das Pentagon hat ja seine Überwachungskameras 2006 veröffentlicht, aber diese Kameras nahmen nur 1 Bild pro Sekunde auf, das ist zu langsam für ein Flugzeug, das mit hoher Geschwindigkeit ins Pentagon rast…
Ganser: Das überzeugt mich überhaupt nicht. Es macht doch keinen Sinn zu sagen, es gab beim Pentagon nur schlechte Kameras. Ich hätte gerne einen Film, der zeigt wie ein Flugzeug ins Pentagon fliegt.

In einer Sendung des Schweizer Sendes SRF1 "Arena" vom 25. Februar 2017 wurde Ganser vom Moderator und anderen Gästen als umstrittener Verschwörungstheoretiker und als jemand der es "mit der Wahrheit nicht so genau nimmt" bezeichnet. Ganser setzte sich dagegen zur Wehr mit der Aussage und Frage: "Ich habe eine Dissertation geschrieben und sie?"[29] Bedeutung und Zusammenhang dieser Frage mit den Aussagen und Vorwürfen der Gesprächspartner bleiben vorerst unklar. Bei dieser turbulenten Sendung, die lt. Aussagen Beteiligter kurz vor dem Abbruch stand, gingen alle Teilnehmer phasenweise unsachlich und polemisch miteinander um. Dennoch bezogen sich die vielen Beschwerden, die in den nächsten Tagen eingingen, ausnahmslos auf den Umgang mit Ganser. Dies und die Tatsache und die Aussage des SRG-Ombudsmanns: "Ein beträchtlicher Teil der Beanstandungen ist praktisch gleichlautend, was darauf hindeutet, dass die Welle organisiert ist.[30] dokumentieren die in der Truther-Szene übliche und gängige Praxis. Auch in den diversen Truther-Portalen wurde helle Empörung inszeniert.

Daniele Ganser und die deutschsprachige Wikipedia

 
Ganser fordert zu einem Edit-War auf Wikipedia auf, da ihm die Einordnung als Verschwörungstheoretiker bei Wikipedia nicht gefällt ("Das ist jetzt das Spiel...wir werden sehen wer gewinnt")

Ganser ist in Lauf der Zeit zu einem engagierten Gegner der deutschsprachigen Wikipedia geworden. Seinen deutschen Wikipedia-Eintrag versuchte er zu ändern, da ihm der Hinweis, er wolle Verschwörungstheorien als wissenschaftliche Erklärung für die Vorfälle um den 9.11.2001 im akademischen Rahmen etablieren, nicht gefiel. Da dort nur Aussagen Dritter, die ihn in dieser Weise titulieren, Verwendung finden, die als legitime Quellen im Sinne der Wikipedia gelten, konnte er sich nicht durchsetzen. In einem Vortrag und einem KenFM-Interview forderte er seine Anhänger auf, immer wieder den Wikipedia-Artikel in seinem Sinne zu verändern, was dann zu häufigen Löschungen und so genanntem Edit-War führte.[31] In diesem Zusammenhang hob sich insbesondere Markus Fiedler hervor, der dazu auch einen auf KenFM veröffentlichten Film produzierte. Auch in der englischsprachigen Wikipedia wird auf die Nutzung von Verschwörungstheorien als Quelle für Hypothesen von Ganser hingewiesen: (Zitat englischsprachige Wikipedia von März 2017) ..presenting conspiracy theories as potential explanations..

Der Name "Daniele Ganser" tauchte bis zum Erscheinen eines Psiram-Artikels zu Markus Fiedler in den Metadaten eines Textes (veröffentlicht als pdf-Datei) auf, der als Skript zum Markus Fiedler - Video "Die dunkle Seite der Wikipedia" verbreitetet wurde: Eigenschaftenfeld "Verfasser: Daniele Ganser"[32]. In einer weiteren Datei, die als odt-Text (openoffice von Apache) veröffentlicht ist, findet sich der Eintrag "Company: Universität Basel".[33] Ganser war in der Vergangenheit Mitarbeiter der Universität Basel. Eine Mitarbeit von Ganser am Video wird von den Herausgebern aber nicht genannt. Nach Erscheinen des Artikels zu Fiedler bei Psiram, wurden die Metadaten entfernt. Über diese Änderung wurde nicht Auskunft gegeben.

In seinem Video versucht der deutsche Biologielehrer Fiedler zu belegen, daß die deutschsprachige Wikipedia von "linksextremen Antideutschen" unterwandert sei, und die darüber wache, dass im entsprechenden Wikipedia-Artikel zu Ganser die Einschätzung als Verschwörungstheoretiker vermerkt ist.

Publikationen (Auswahl)

  • Reckless Gamble: The Sabotage of the United Nations in the Cuban Conflict and the Missile Crisis of 1962. University Press of the South, New Orleans 2000, ISBN 1-88943-172-9.
deutsche Ausgabe: Die Kubakrise – UNO ohne Chance. Edition Zeitgeschichte. Kai Homilius Verlag, Berlin 2006, ISBN 3-89706-863-X.
  • mit Uwe Wagschal, Hans Rentsch: Der Alleingang: Die Schweiz 10 Jahre nach dem EWR-Nein. Orell Füssli, Zürich 2002, ISBN 3-280-05041-3.
  • Brauchen wir eine Ökonomie des Friedens? Eine Schweizer Perspektive auf die Verbindung der Wirtschaft mit Gewaltkonflikten. In: Die Friedens-Warte 79 (2004), S. 57–74
  • The CIA in Western Europe and the Abuse of Human Rights. In: R. Gerald Hughes, Len Scott (Hrsg.): Intelligence, Crises and Security: Prospects and Retrospects. Routledge, 2007, ISBN 0415464307, S. 108-129 (Textauszug online)
  • NATO-Geheimarmeen in Europa: Inszenierter Terror und verdeckte Kriegsführung. Orell Füssli, Zürich 2008, ISBN 978-3-280-06106-0
  • Die dunkle Seite des Westens: Verdeckte Terroraktivitäten der NATO. Kai Homilius Verlag, Berlin 2009, ISBN 978-3-89706-206-1 (Video-DVD, 60 Minuten).
  • Europa im Erdölrausch: Die Folgen einer gefährlichen Abhängigkeit. Orell Füssli, Zürich 2012, ISBN 978-3-280-05474-1.

Weblinks

Online-Artikel

Blogs

Quellennachweise

  1. 1,0 1,1 Die Weltwoche: Glaubensbrüder Ausgabe 37/2006
  2. 2,0 2,1 bz Basel: «Attentat auf ‹Charlie Hebdo› ist meiner Meinung nach ungeklärt» 02. Februar 2015
  3. Tele Basel (Video): «Was steckt hinter den Anschlägen in Paris?» 16. Novembder 2015
  4. 4,0 4,1 4,2 4,3 Schweiz am Sonntag: Die Ganser-:Verschwörung 14. Februar 2015
  5. „Nato-Experte: USA wollen militärische Kontrolle der Ukraine“, Deutsche Wirtschafts Nachrichten, 14.7.2014, http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2014/07/14/nato-experte-aus-sicht-der-usa-ist-deutschland-ein-besetztes-land/;
  6. Frankfurter Allgemeine: Im Netz der Wutbürger und Verschwörungstheoretiker 2. Februar 2015
  7. 7,0 7,1 Sochi 2014 und der Völkermord an den Tscherkessen - Nachgefragt: Rainer Rothfuß goes Querfront: Tübinger Ringvorlesung "Clash of Civilizations" bedient antiukrainische Propaganda, rechtsesoterische Verschwörungstheorien und Islamophobie 15. Dezember 2014
  8. Ruhrbarone: Daniele Ganser: Offener Brief gegen 9/11-Truther an der Uni Witten Herdecke 26. Oktober 2015
  9. Ruhrbarone: Medienkompetenz in Witten: „Lesen Sie Bücher?“ 30. Oktober 2015
  10. taz: „Wissenskongress“ von AfD-Funktionären - Für alle Verschwörungsfans was dabei 11. November 2015
  11. http://www.alternativer-wissens-kongress.de/die-referenten/
  12. https://www.woz.ch/-768a
  13. Das Goetheanum, Nr. 18 vom 1.Mai 2015
  14. Christian Gschwendtner: Reißleine gezogen – Der ausgeladene Gast. In: Süddeutsche Zeitung. 2016-05-19. Abgerufen am 2016-07-25.
  15. Christian Gschwendtner: Einladung – Umstrittener Historiker spricht in München. In: Süddeutsche Zeitung. 2016-05-20. Abgerufen am 2016-07-25.
  16. Abendzeitung München: Münchner ÖDP lädt Verschwörungstheoretiker ein 19. Mai 2016
  17. Center for Energy Innovation, Governance and Investment (EGI-HSG)/University of St. Gallen
  18. Peer Henrik Hansen: Fighting Communism in the North. The secret work of the Danish organization »The Firm« („Über den Autor“)
  19. Peer Henrik Hansen: Daniele Ganser. NATO’s Secret Armies: Operation Gladio and Terrorism in Western Europe. In: Journal of Intelligence History: Summer 2005. LIT, 2006, ISBN 3825806502, S. 111 f.
  20. Gregor Schöllgen: Gladiatoren im Kalten Krieg. „Stay behind“-Truppen gegen kommunistische Invasoren. In: Frankfurter Allgemeine. 25. April 2009.
  21. Philipp Gessler: Viele offene Fragen. In: taz vom 7. August 2009.
  22. Tobias Hof: Daniele Ganser: Nato-Geheimarmeen in Europa. In: Sehepunkte. Rezensionsjournal für die Geschichtswissenschaft 9 (2009), Nr. 4
  23. Arthur Scheuerman: How the Fire Collapsed the World Trade Center Buildings. Llumina Press, 2011, ISBN 9781605947662, S. 2
  24. Der Tagesanzeiger, 7. September 2011: WTC7 und andere Rätsel um 9/11
  25. David Ray Griffin, Peter Dale Scott (Hrsg.): 9/11 and American Empire: Vol. 1: Intellectuals Speak Out. Interlink, Northampton, Massachusetts (USA) 2006
  26. Die Zeit, 6. Dezember 2012: Die „Truther“. Unter Verschwörern
  27. SonntagsZeitung, 17. September 2006: ETH und Uni Zürich gehen auf Distanz zu Verschwörungstheoretiker (Faksimile)
  28. Aargauer Zeitung: Historiker Daniele Ganser fordert, 9/11 neu zu untersuchen Aktualisiert am 09.09.11
  29. http://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/standard/GanserArena-Moderator-Projer-machte-sich-unglaubwuerdig/story/15202523
  30. https://www.bluewin.ch/de/entertainment/tv/artikel-redaktion-tv-2017/03/-arena--unter-beschuss--so-viele-reklamationen-gabs-noch-nie.html
  31. Diskussionsseite des Wikipedia-Eintrags zu Daniele Ganser abgerufen am 21. November 2015
  32. https://www.psiram.com/ge/index.php/Datei:Markus_Fiedler_pdf.jpg
  33. https://www.psiram.com/ge/index.php/Datei:Markus_Fiedler_odt.jpg