Zeitenschrift

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ZeitenSchrift ist eine seit 1993 viermal jährlich erscheinende Publikation, die sich hauptsächlich der Propaganda totalitärer und brauner Esoterik verschrieben hat. Sie wird in der Schweiz vom Zeitenschrift Verlag Seiler & Co. in Risch (Kanton Zug) produziert; Herausgeber sind Benjamin Spielmann und Ursula Seiler-Spielmann.[1] Als Inhaber der Internet-Domain zeitenschrift.de ist Ursula Seiler in Gaussig bei Bautzen angegeben. Die ZeitenSchrift wurde in der Vergangenheit als antisemitisch-rechtsextrem bezeichnet.[2][3]

Themen

Themen der ZeitenSchrift sind Esoterik, Verschwörungstheorien, Okkultismus, Theosophie, "Hitlers Fluchtweg nach Argentinien", die Illuminaten und die Neue Weltordnung, "Juden: Ihre Rolle in der Welt von heute - ihre wahre Herkunft" und Nazi-Apologetik. Schon die Titelgeschichte der ersten Nummer aus dem Jahr 1993 hatte den okkulten Mythos von den Übermenschen und der unterirdischen Stadt Shambala im Himalaya-Gebiet zum Thema. Auch in den Folgeausgaben wird immer wieder behauptet, dass die Welt innen hohl sei und im Erdinnern deutsche Nazis samt ihren Flugscheiben wohnten. Angereichert werden diese Themen von antisemitischen Anspielungen und dem ariosophischen Gedankengut des Jörg Lanz von Liebenfels. Die Nazis, so Seiler-Spielmann, hätten das "hohe geistige Geheimwissen der Thule-Gesellschaft missbraucht.

Themen sind auch alternativmedizinische Methoden, so die Mikromagnetische Medizin oder pseudomedizinische Bion-pads. Obwohl das Oberlandesgericht Karlsruhe im Jahre 2012 irreführende Werbung zu den silikonhaltigen Pads untersagte und keine Belege einer Wirksamkeit vorliegen, finden diese sich in mehreren Ausführungen zum Verkauf im Internetshop der Zeitenschrift. Regelmäßig wird mit absurden Behauptungen gegen Impfungen agitiert ("Impfungen können nicht vor Infektionskrankheiten schützen – das zeigen weltweite Studien längst.").[4] Des Weiteren gibt es eine Reihe von Beiträgen, welche die Existenz des HI-Virus bestreiten.[5][6][7] Merkwürdigerweise wird andererseits mitgeteilt, dass ein verkannter polnischer Forscher eine Therapie entwickelt habe, die "das Aidsvirus" HIV zerstöre.[8]

Die ZeitenSchrift wird gern von publizierenden Verschwörungsphantasten zitiert. Darunter finden sich Jan van Helsing alias Jan Udo Holey, Jo Conrad und andere. In der Ausgabe des 1. Quartals 1997 wird Jo Conrad im Impressum auch als Mitarbeiter aufgeführt.

ZeitenSchrift und Germanische Neue Medizin

Verbreitung unsinniger Behauptungen zu Todeszahlen durch Krebs in Israel, so wie sie von Ryke Geerd Hamer, dem Erfinder der Germanischen Neuen Medizin behauptet werden. (Zeitenschrift, Heft 64/2009)

Die ZeitenSchrift fungiert außerdem als ein Sprachrohr von Helmut Pilhar sowie des nach der GNM behandelnden Heilpraktikers Johann Siegfried Mohr aus Köln[9]. Zur propagandistischen Unterstützung der Germanischen Neuen Medizin nach Ryke Geerd Hamer passen auch im Jahre 2009 von der Zeitenschrift verbreitete Falschmeldungen über angeblich extrem niedrige Todeszahlen durch Krebs im Staat Israel. Mit nicht überhörbarem antisemitischen Unterton behauptet die Zeitschrift, dass die angeblich niedrigen Zahlen von in Israel an Krebs gestorbenen Menschen mit einer angeblichen, heimlichen Akzeptanz der pseudomedizinischen GNM zu erklären seien. In Wirklichkeit verwechselt die ZeitenSchrift Mortalitätsraten (Anzahl Verstorbener an Krebs pro 100.000 Menschen) mit den absoluten Todeszahlen, die zusätzlich auf Grund der geringeren Bevölkerung in Israel natürlich niedriger als in Deutschland sind.

Siehe Hauptartikel: Mythos der geringen Krebssterblichkeit in Israel.

Verbindungen der ZeitenSchrift zur Universalen Kirche

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Die ZeitenSchrift steht der Universalen Kirche (UK) nahe.[10] Die Herausgeber wurden wegen des Abdrucks eines Interviews mit dem "Patriarchen und Erzbischof“" Peter Leach-Lewis im Heft 13/97 wegen Volksverhetzung zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.[11] Der Artikel in ZeitenSchrift enthielt ein 24-seitiges Interview mit dem Sektenführer Peter Leach-Lewis, in dem dieser sich zu der Verurteilung seines Schweizer Statthalters Reimer Peters sowie des Leiters des UK-Ablegers "Weltfundament für Naturwissenschaft" nach der Rassismus-Strafnorm äußert. Beide hatten einen von Leach-Lewis verfassten Rundbrief verbreitet, in dem dieser sich unter anderem auch auf das antisemitische Falsifikat der "Protokolle der Weisen von Zion" bezog. Sie waren nicht bereit, vor Gericht von diesen Aussagen abzurücken. In dem ZeitenSchrift-Interview wiederholt der Sektenführer nicht nur die menschenverachtenden antisemitischen Invektiven, wonach "die Juden in ihrer satanischen Gier" den Zweiten Weltkrieg angezettelt hätten, sondern er meint auch, es wäre besser gewesen, wenn die Nazis in die Schweiz einmarschiert wären.

Der häufige Gebrauch des Begriffs "ICH BIN" in der Zeitschrift deutet auch auf die amerikanische theosophische I-AM-Bewegung hin, auf die sich die Universale Kirche explizit beruft und die über ihren Ableger "Bridge to Freedom" einen Ableger in Berlin unterhält ("Brücke zur Freiheit").

Weblinks

Quellennachweise

  1. Siehe Artikel in der Schweizer "WochenZeitung" vom 20.12.96
  2. Tobias Jaecker: Antisemitische Verschwörungstheorien nach dem 11. September. LIT Verlag, Berlin 2005. S. 80
  3. Stefan Meining: Rechte Esoterik in Deutschland. Ideenkonstrukte, Schnittstellen und Gefahrenpotentiale, Seite 45ff. Thüringer Landesamt für Verfassungsschutz, Tagungsband zum Symposium 2002. S. 74
  4. Die verheimlichte Geißel der Menschheit. ZeitenSchrift 12
  5. Aids: Die HIV-Lüge ist nicht mehr haltbar. Zeitenschrift 5
  6. HIV: Ein Phantom geht. ZeitenSchrift 26
  7. Aids: Nur eine lukrative Lüge. ZeitenSchrift 37
  8. Aids: HIV müsste kein Problem mehr sein! ZeitenSchrift 58
  9. Mohr S: Krankheiten gibt es nicht. Die „Neue Medizin“ – Einblicke und Ausblicke. ZeitenSchrift Nr. 32 / Oktober 2001
  10. Jürg Frischknecht: Nach aussen neutral. KLARTEXT, 10. Juli 2007
  11. Ingolf Christiansen, Rainer Fromm, Hartmut Zinser: Brennpunkt Esoterik: Okkultismus, Satanismus, Rechtsradikalismus Behörde des Inneren - Landesjugendbehörde. Hamburg 2006, S. 164-65