Flugscheibe

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Reichsflugscheibe in der Vorstellung der Anhänger
Nazi-Ufo Flugscheibe der Firma Revell. Erst nach öffentlicher Kritik wurde das Spielzeug vom Markt genommen.[1]
Spielzeugmodell Haunebu II der Firma Squadron Products
Merchandising-Artikel zur SF-Komödie Iron Sky

Flugscheiben, auch Reichsflugscheiben, sind angebliche Flugobjekte des 3. Reiches und spielen in Verschwörungstheorien der rechten Szene eine gewisse Rolle. Es gibt jedoch keinen Nachweis der Existenz dieser Objekte.

Als Reichsflugscheiben werden untertassenförmige Flug- und Raumfahrzeuge bezeichnet, die angeblich in den letzten Tagen des Dritten Reiches gebaut und getestet worden sein sollen. Von Anhängern der entsprechenden Verschwörungstheorien wird die Existenz der Reichsflugscheiben angenommen. Tatsächlich gab es in Nazi-Deutschland mit der Sack AS-6 ein nachgewiesenes kreisförmiges Experimentalflugzeug, dessen "Flugleistung" (es ist nie geflogen) allerdings nicht überzeugen konnte, weshalb es später sogar als Brennholz genutzt wurde.

Verschwörungstheorien zufolge hätten Reichsflugscheiben eine Rolle bei der angeblichen Flucht einiger Nazis (unter anderem Hitler) nach Neuschwabenland gespielt. Sie sollen denselben Hypothesen folgend außerdem zur Kontaktaufnahme mit nazifreundlichen Außerirdischen gedient haben. Bei der Konstruktion der Flugscheiben soll dementsprechend auch außerirdische Technik eine Rolle spielen.

Vertreter der Reichsflugscheiben-Theorien sind:

  • der Nazi Wilhelm Landig
  • Jan Udo Holey
  • der Holocaustleugner Ernst Zündel unter dem Pseudonym Christof Friedrich
  • der Braunesoteriker Norbert Jürgen Ratthofer

Vor allem die Deutsche Ufo/Ifo-Studiengesellschaft DUIST, die von 1956 bis 1988 exitierte, förderte die Verbreitung dieser These. Von der DUIST bestanden Verbindungen zur Hermann-Oberth-Gesellschaft, die sich mit Raketentechnik und Raumfahrt beschäftigt. Hermann Oberth war ein Raketenpionier der Nazis, Ehrenvorsitzender der DUIST und in den 1960er Jahren NPD-Mitglied.

"Reichsflugscheibe" als Spielzeug

2018 brachte der deutsche Plastikmodellbaubetrieb Revell GmbH ein 1:72 Modell einer "Reichsflugscheibe" / "Flying Saucer Haunebu II" auf den Markt. Zielgruppe für Plastikbausätze sind insbesondere Kinder. Der Hersteller behauptete in der Beschreibung auf der Verpackung eine tatsächliche Existenz von "Rundflugzeugen", die mit einer hypothetischen Vril-Energie angetrieben worden seien und als eines "erstes weltraumfähiges Objekt der Welt" anzusehen seien:

"1934 begannen die Arbeiten an den Rundflugzeugen. Ihr Antrieb und die Neutralisierung der Fliehkräfte im Innenraum erfolgten über Vril-Energiefelder. Flugfähige Exemplare der bis zu 6000 km/h schnellen Haunebu II starteten Mitte 1943, kamen aber kriegsbedingt über die Erprobungsphase nicht heraus."[2]

Dass es keinerlei Beweis für die Existenz derartiger Rundflugzeuge/Flugscheiben geschweige denn einer Vril-Energie gibt, wird verschwiegen. Nach öffentlichen Protesten gegen das Spielzeug (unter anderm durch den Deutschen Kinderschutzbund), nahm Revell den Bausatz von ihrer Webseite. Unter anderem wurde Revell Geschichtsverfälschung und Verbreitung von esoterischen und rechtsextremen Verschwörungstheorien vorgeworfen. Nachdem der Bausatz anfangs für Kinder ab 14 Jahre angeboten wurde, korrigierte man die Zielgruppe: "Dieses Modell ist nur für erfahrene, erwachsene Modellbauer geeignet und nicht für Kinder gedacht."

Weblinks

Quellennachweise

  1. https://www.wa.de/nordrhein-westfalen/revell-nimmt-nach-kritik-vermeintliches-naziprodukt-markt-9961434.html
  2. https://www.vice.com/de/article/bj3an3/modellbauhersteller-verkauft-nazi-ufos-und-behauptet-es-habe-sie-wirklich-gegeben