Wolf-Dieter Storl

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Buchtitel von Storl

Wolf-Dieter Storl ("Der Schamane aus dem Allgäu"; geb. 1. Oktober 1942, bei Ansbach in Sachsen) ist ein deutsch-amerikanischer Kulturanthropologe, Ethnobotaniker, Geistheiler, Veganer und Buchautor. Bei öffentlichen Auftritten wird Storl auch als "Waldmensch, Indianer, Autor, Schamane" vorgestellt.

Seit einigen Jahren verbreitet der Medizinlaie Storl Hypothesen zu einer pseudomedizinischen Behandlung der Lyme-Borreliose mit einem Präparat der Pflanzengattung Karde (Dipsacus, siehe Karden-Therapie der Borreliose nach Storl), die auf heftige Kritik stieß und für die keinerlei seriöser Wirksamkeitsnachweis vorliegt. Neben der Empfehlung seiner Karden-Therapie behauptet er auch spekulativ die Wirksamkeit von Katzenkralle (Uncaria tomentosa, Cats Claw, ein Lianengewächs aus der Familie der Rötegewächse Rubiaceae), der Ganzkörperhyperthermie sowie der aus der anthroposophischen Medizin her bekannten Misteltherapie gegen Borrelien.

Storl selbst ist nicht der Erfinder der Idee, Kardengewächse gegen die Borreliose einzusetzen. Er beruft sich vielmehr auf den US-amerikanischen Phytotherapeuten Matthew Wood und dessen Werk The Book of the Herbal Wisdom. Wood wiederum beruft sich auf die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) der "alten Chinesen". Die Lyme-Borreliose als eigenständige Krankheit wurde jedoch erst in den 1970er Jahren entdeckt (Ortschaft Lyme).

Kurzbiografie

Als Elfjähriger wanderte Storl mit seinen Eltern in den US-Bundesstaat Ohio aus. Er studierte Botanik an der Ohio State University und wechselte später zur Völkerkunde. Im Alter von 24 Jahren, nach Abschluss seines Studiums, war er hauptberuflicher Dozent für Soziologie und Anthropologie an der Kent State University. 1974 promovierte er zum Dr. phil. der Ethnologie in Bern (Schweiz). Er unterrichtete danach in Wien, Oregon (USA), Genf und Wyoming (USA). 1988 zog er mit seiner Familie in ein abgelegenes Haus im deutschen Allgäu und lebt seither zurückgezogen. Er schreibt Bücher und bietet Seminare an.

Ansichten zur Behandlung von Borreliose

In seinem Buch Borreliose natürlich heilen geht Storl neben der Anwendung von Kardentinktur auch auf einen möglichen Einsatz der Mistel (Weißbeerige Mistel, Viscum album) bei Borreliose ein. Diese Pflanze findet bei unkonventionellen Krebstherapien der Alternativmedizin (insbesondere der anthroposophischen Medizin) als Misteltherapie eine umstrittene Anwendung, für die trotz längerer Forschung kein seriöser Wirksamkeitsnachweis vorliegt. Storl macht in seinem Werk den Fehler, nicht resorbierbare "Misteltropfen" zu empfehlen. Die Mistelextrakte zeigen zwar gewisse immunstimulierende Effekte (die auch für die Nebenwirkungen verantwortlich sind), eine Wirkung gegen Borrelien ist aber unbekannt. Die hochmolekularen Inhaltsstoffe können im Verdauungstrakt nicht nennenswert resorbiert werden und müssen injiziert werden. Auf diesen Umstand geht Storl offenbar aus Unkenntnis nicht ein.

Weitere abwegige pseudomedizinische Therapieempfehlungen von Storl betreffen die Anwendung von Katzenkralle (Uncaria tomentosa, Cats Claw, Uña de Gato, Griffe de Chat, Samento). In Untersuchungen zeigte sich jedoch, dass Katzenkrallen-Extrakte gegen Borrelien nicht nur wirkungslos sind, sondern sogar wachstumsfördernd wirken.[1] Die Katzenkralle (ein Lianengewächs aus der Familie der Rötegewächse Rubiaceae) ist beliebter Inhaltsstoff zahlreicher wirkungsloser Anti-Krebsmittel in der Alternativmedizin. Zu nennen sind hier beispielsweise N-Tense und der CoD-Tee.

Außerdem propagiert Storl eine überflüssige und zugleich den Patienten belastende Hyperthermie-Behandlung bei Borreliose. Dabei soll die Körpertemperatur stark erhöht werden.

Storls Thesen zur Naturheilkunde sind umstritten. Insbesondere sein Buch Borreliose natürlich heilen zog heftige Kritik auf sich.[2][3]

Aussagen zu Risiken der Pflanzenheilkunde

In Interviews bezeichnet Storl die fachliche Kritik an Maria Treben als Hetzkampagne gegen die Pflanzenheilkunde und widerspricht der schädlichen Wirkung von Pyrrolizidinalkaloiden in Beinwell und Huflattich auf die Leber.[4] Dokumentierte Todesfälle in Deutschland und der Schweiz[5][6] verschweigt er. Storl suggeriert, die behauptete Schädlichkeit der Pyrrolizidinalkaloide sei nur eine Kampagne gegen Heilpflanzen.
Nun wurden in einem aktuellen Artikel aus der Fachzeitschrift "Internistische Praxis" Hepatotoxizität von Phytopharmaka und Nahrungsergänzungsmitteln, mit Angaben von Quellen behandelt. Vor allem die Toxizität der Pyrrolizidinalkaloide gilt als gut dokumentiert. Auch für einige der Rezepturen welche, in der Traditionelle Chinesische Medizin verwendet werden, ist das leberschädigende Potenzial gut beschrieben. So sind für das milde Sedativum "Jin-BuHuan" mehrere Fälle mit akuter und chronischer Hepatitis dokumentiert.
Auch für Kava Kava, Gamander, Schöllkraut-Extrakte, welche mehr als 20 verschiedene Alkaloide, darunter Berberin, Coptisin und Chelidonin enthalten und verschiedene Nahrungsergänzungsmittel werden schädliche Effekte genannt[7]

Veröffentlichungen (Auswahl)

  • Die Seelenpflanzen des Edward Bach (Co-Autorin M. Scheffer), Hugendubel Verlag, 1995, 3. Aufl., ISBN 3880348219
  • Von Heilkräutern und Pflanzengottheiten, Aurum Verlag, Braunschweig 1997, ISBN 3-591-08344-5
  • Kräuterkunde Aurum Verlag, Braunschweig, 1996, ISBN 3-591-08372-0
  • Götterpflanze Bilsenkraut, Nachtschatten Verlag, Solothurn 2000, ISBN 3-907080-63-7
  • Heilkräuter und Zauberpflanzen zwischen Haustür und Gartentor, AT-Verlag, 2000, ISBN 3-85502-556-8
  • Hexenmedizin (Co-Autoren: Claudia Müller-Ebeling, Christian Rätsch), AT-Verlag, 1998
  • Pflanzen der Kelten - Heilkunde, Pflanzenzauber, Baumkalender, AT-Verlag, Aarau 2000, ISBN 3-85502-705-6
  • SHIVA - der wilde, gütige Gott, KOHA-Verlag, Burgrain, ISBN 3-929512-90-4
  • Bom Shiva - Der ekstatische Gott des Ganjas, Nachtschatten Verlag, Solothurn 2003, ISBN 3-03788-114-3
  • Ich bin ein Teil des Waldes. "Der Schamane aus dem Allgäu" erzählt seine Lebensgeschichte. Franckh-Kosmos Verlag, Stuttgart, ISBN 3-440-09548-7
  • Naturrituale - Mit schamanischen Ritualen zu den eigenen Wurzeln finden, AT-Verlag, Aarau, ISBN 3-85502-964-4
  • Der Bär - Krafttier der Schamanen und Heiler, AT-Verlag, Aarau
  • Bekannte und vergessene Gemüse (Co-Autor: Paul Silas Pfyl. AT-Verlag, 2002, ISBN 3-85502-808-7
  • Streifzüge am Rande Midgards. koha-verlag, 2006, ISBN 3-936862-86-9
  • Borreliose natürlich heilen. AT-Verlag, 2007, ISBN 978-3038003601
  • Heiler am Wegesrand - Kräuter- und Pflanzenwissen DVD, ca. 100 Min., Aurum Verlag, 2008, ISBN 978-3-89901-147-0

Siehe auch

Weblinks

Quellen

  1. Borreliose Magazin Nr. 13, Februar 2006, S. 5
  2. Anna Klott: Fahrlässige Tipps gegen Borreliose. In: Neue Zürcher Zeitung, 26. August 2007.
  3. Martin Koradi: Karde & Borreliose-Therapie nach Storl: Beiträge zur Debatte 4. Auf: heilpflanzen-info.ch, 25. Februar 2009.
  4. Wolf Dieter Storl: Pharmazeutische Industrie & Heilkräuter. Auf youtube.com, 24. September 2009.
  5. Helmut Wiedenfeld: Gefahr von Pyrrolizidinalkaloiden in Kreuzkrautarten. Folie 16.
  6. Tipp des Monats: Gemeines Kreuzkraut oder Gemeines Greiskraut (Senecio vulgaris L.) als giftige Verunreinigung von Rucola-Salat. Institut für Pharmazeutische Biologie und Phytochemie der Universität Münster.
  7. Hepatotoxizität von Phytopharmaka und Nahrungsergänzungsmitteln