Stickstoffmotor

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Wünschelrutengänger Heinrich Schmid
Heinrich Schmid (rechts) mit Nuoviso-Moderator Robert Stein (2017)

Der Stickstoffmotor ist ein Motor (bzw. eine Turbine), der mit Stickstoff-Gasdruck betrieben wird.

Der Erfinder, Lehrer, KFZ-Mechaniker, Buchautor und Radiästhesist[1] Heinrich (Heinz) Schmid aus Deggendorf glaubte an ein realisierbares Konzept, das verflüssigten Stickstoff (N2) zum Antrieb für Golfcars und Bootsmotoren nutzen sollte.[2] Der verflüssigte Stickstoff solle in isolierten Druckbehältern bei -197 °C aufbewahrt werden und die Umgebungswärme hätte einen Druck von 12 bar zum Betrieb von Stickstoffmotoren und -turbinen ermöglicht. Stickstoff geht bei -197 °C vom gasförmigen in den flüssigen Zustand über.

Freie Energie-Anhänger Schmid gründete die Firma NGINE Germany GmbH und im kalifornischen Westlake Village (USA) die N-GINE Corporation. Beide Unternehmen gingen bankrott. Genauso scheiterte eine Zusammenarbeit mit der Firma Aircar AG in der Schweiz, die Druckluftautos entwickelt. Verschwörungstheorien mussten als Begründung für das Scheitern eines ökologisch unsinnigen Konzepts herhalten, das an einer viel zu geringen Reichweite des Produktes scheiterte. Analoge Reichweitenprobleme ergeben sich ebenfalls beim Druckluftauto. Nach Angaben des NET-Journal von Adolf Schneider sei Schmid dann verarmt und verbitterte in eine Waldhütte gezogen. Später war Schmid Autor eines Buchs mit dem Titel “Die Energie-Revolution - Freie Energie für alle!”, für das er den Osiris Buchversand gewann. Der Buchklappentext bezeichnet Schmid als Wünschelrutengänger, der sich auf das Aufspüren "krankmachender Störfelder" spezialisiert hätte.

Anlagewerbung für das Konzept eines Stickstoffmotors betrieb die Leipziger Firma SVI GmbH von Gerhard Steinbach. Werbung für das Konzept wurde 2017 auch bei Nuoviso gemacht.

Einen derartigen Stickstoffmotor bot auch die Firma Perendev-Group an, die ansonsten nicht funktionierende Perpetuum Mobile anbot. Gründer von Perendev war Mike Brady, der wegen Betruges zu 5 Jahren 9 Monaten Haft verurteilt wurde. Erfinder Heinrich Schmid behauptete der eigentliche Erfinder vom Magnetmotor der ehemaligen Perendev gewesen zu sein, der jedoch nie funktionierte.[3] Schmid trat auch beim Regentreff auf, um Vorträge zum Thema Wünschelruten und Pendeln zu halten. Er ist auch Erfinder eines "Hydro-Stickstoffmotor" und eines so genannten Energiekonverters, der nach einem physikalisch unmöglichen Prinzip eines Auftriebskraftwerks funktionieren soll.

Ähnliche Konzepte

  • Der Kaltluftmotor (KLM) von Klaus Herrmann (Patent DE20317319U1 vom 21. April 2005 für eine Umweltfreundliche mit Druckgas betriebene Kraftmaschine - Kaltluftmotorsystem[4])

Energiekonverter nach Schmid

Energiekonverter. Rechts der Motor und die Batterie

Der Energiekonverter nach Schmid (auch Hydro-Gravitationskonverter genannt) ist eine der vielen nicht funktionsfähigen Varianten eines so genannten Auftriebskraftwerks. Schmid behauptet die Schwerkraft als Energiequelle nutzen zu können. Obwohl Schmid scheinbar funktionierende Modelle bei Youtube vorführt, sind keine entsprechenden Produkte erwerbbar. Schmid veröffentlicht in seinem Werk "Die Energierevolution - Freie Energie für Alle!" (Osiris Buchversand) eine Bauanleitung zu seinem physikalisch unmöglichen Energiekonverter. Allerdings gibt es aus der Leserschaft bislang keine positive Rückmeldung. Vielmehr gibt es Meldungen über gescheiterte Nachbauversuche. Schmid gibt paradoxer Weise selbst an, dass sein eigenes Vorführmodell, das er bei Youtube zeigt, Energie verbraucht und nicht produziert. Dadurch dass Schmid nur die Bauanleitung veröffentlicht, die über den Buchkauf kostenpflichtig ist, kann ein Nichtfunktionieren einfach auf mangelnde Sorgfalt beim Buchkäufer zurückgeführt werden. Eine unabhängige positive Rezeption ist aktuell (2017 für den Energiekonverter nach Schmid nicht erkennbar.

Das Funktionsprinzip ist relativ einfach: Ein Elektromotor der von einem Akku mit Strom versorgt wird, drückt rhythmisch einen Kolben in ein Rohr, welches in mehreren vertikalen Abschnitten verläuft und am Ende offen zu sein scheint. Dadurch heben sich rhythmisch (unter Reibungsverlust) Wassersäulen auf und ab. Schwimmer mit einem Permanentmagneten werden dabei an Spulen vorbeibewegt, sodaß sich durch Induktion eine Spannung in den Spulen ergibt. Diese Spannungen werden durch Dioden gleichgerichtet und sollen den Akku nicht nur aufladen, sondern eine überschüssige Energieabgabe ermöglichen, die dann nutzbar wäre. Dass sein Perpetuum Mobile des Typs I nicht funktioniert erklärt Schmid nicht mit den sich ergebenden Reibungsverlusten und den Gegenkräften auf die Magneten durch den Stromfluss, sondern einzig und alleine mit dem Spannungsverlust an den Gleichrichtern. Tatsächlich fallen an den Gleichrichtern Spannungen ab, bei Siliziumdioden etwa 0,7 V. Bei Verwendung von Schottkydioden liessen sich die Verluste auf 0,2 V reduzieren (bei 13 V Batteriespannung sind das etwa 1,5%), was Schmid aber aus unbekannten Gründen nicht macht. Auch durch Verwendung einer anderen Wicklungszahl liesse sich die Induktionsspannung stark erhöhen, sodass der Spannungsverlust von wenigen hundert Millivolt dann nicht merklich ins Gewicht fällt. Auch dies macht Erfinder Schmid nicht. Der Verweis auf die Spannungsabfälle an den Gleichrichterdioden ist daher nichts als eine Art Ausrede für die physikalisch völlig unmögliche Maschine "Energiekonverter".

Weblinks

Quellennachweise

  1. http://www.transgallaxys.com/~aktenschrank/ENIGMA_Archiv/Regentreff_April_2006.html
  2. http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-31548474.html
  3. NET-Journal Jg. 22, Heft Nr. 9/10, September/Oktober 2017, Seite 25
  4. https://data.epo.org/publication-server/getpdf.jsp?cc=EP&pn=1722068&ki=A1