Radiästhesie

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Radiästhesie bezeichnet das esoterische Konzept einer "Fühligkeit" für angenommene geopathogene Phänomene (Störzonen) wie Wasseradern oder Erdstrahlen, über die bestimmte Personen verfügen sollen. Zum Nachweis werden in der Radiästhesie das Pendel und die Wünschelrute eingesetzt. Die entsprechende Wahrnehmung wird auch Apperzeption oder muten genannt. Wahrnehmungsergebnisse werden gerne in Bovis-Einheiten angegeben.

Geschichte

Zwei französische Provinzpfarrer, Abbé Bouly und Abbé Mermet, verhalfen dem Pendeln Ende des 19. Jahrhunderts zu enormer Popularität. Der Begriff geopathogen geht auf Gustav Freiherr von Pohl (1873-1938) aus dem Jahre 1932 zurück. [1]

Zu Grunde liegender Mechanismus

Entgegen der Überzeugung der Radiästheten hat der Ausschlag des Pendels allerdings keinerlei "mediumistische" oder sonstige paranormale Ursachen. Er wird vielmehr durch ideomotorisch induzierte Muskelimpulse ausgelöst: Allein die Vorstellung einer Bewegung - beispielsweise das Schwingen eines Pendels in eine bestimmte Richtung - führt zu geringfügigen, bewusst nicht registrierten Bewegungsimpulsen in jenen Muskeln, die zur Verwirklichung dieser Vorstellung erforderlich sind (Carpenter-Effekt). Darüber hinaus spielen rhythmische Impulse aus Muskeltonusänderungen eine Rolle: Den Resonanzgesetzen der Physik gehorchend, schaukeln sich die minimalen Impulsstöße zu einer harmonischen Schwingung des Pendels auf.

Anwendungen

Ging es früheren Rutengängern vor allem um das Erspüren von Wasser oder Bodenschätzen, ist der Hauptzweck der Radiästhesie heute, gegen Bezahlung "strahlenfreie" Schlafstellen zu finden. Die Rute wird dabei zum Auffinden angeblich krankmachender "Erdstrahlen" eingesetzt: Neuralgien, Ekzeme und nicht zuletzt Krebs sollen durch derlei (tatsächlich gar nicht existente) "Strahlen" verursacht werden.

Daneben dient die Wünschelrute als alternativheilerisches Diagnoseinstrument: Krankheiten jeder Art lassen sich angeblich mit ihrer Hilfe zuverlässig früherkennen.

Kritik

Die Radiästhesie ist wissenschaftlich nicht anerkannt und "radiästhetische Gutachten" sind wissenschaftlich gesehen wertlos.

Quellennachweise

  1. Freiherr von Pohl G.: „Erdstrahlen als Krankheits- und Krebserreger. Fortschritt f. alle Vlg.; 1932