Timewaver, daneben ein (nicht mehr beworbener) "Skalarwellen-Transformator"
"Verstärkermittel"

TimeWaver ist ein Radionik-Gerät. Beworben wird es als medizinisches Gerät für eine "Informationsfeld-Medizin".

Timewaver-Produkte

Wie in der Radionik üblich wird auch beim Timewaver-Gerät von der Existenz einer "Aura" um den menschlichen Körper ausgegangen, die je nach Quelle und Anbieter unterschiedliche Bezeichnungen trägt: "Energiefeld", "Bioenergie", "Chakra", "Schwingungen, "Energiekörper", "Information" usw. Beim Timewaver heißt dieses unbestimmte Etwas globales Informationsfeld und das Gerät sei deshalb ein "Informationsfeld-System". Durch Lesen in diesem Feld sollen sich materielle Vorgänge analysieren lassen, durch Hineinschreiben sollen sie optimiert werden.

Das Gerät könne ein "Informationsfeld" des Patienten analysieren, wobei Rauschgeneratoren und "Kozyrev-Spiegel" eine Rolle spielen sollen, und daraufhin eine Liste der "zur Behandlung empfohlenen homöopathischen, naturheilkundlichen und schulmedizinischen Heilmittel und -methoden" erstellen. Mit einem anscheinend nicht mehr erhältlichen "Energiepunkt-Modul" sollte man sogar Röntgenbilder, Computertomogramme und gewöhnliche Fotos eines Patienten analysieren können. Auf der Oberseite hat Timewaver zwei Mulden, in die Behälter mit Proben gestellt werden können, üblicherweise Haare oder Körperflüssigkeiten des Patienten. Eine weitere Mulde dient dazu, Substanzen wie z.B. Wasser zu "informieren" (siehe auch Wassergedächtnis); dieser Vorgang wird wie in der Radionik üblich als "Aufschwingen bezeichnet".

Neben diesem Gerät, das "Timewaver med" heißt, gibt es "Timewaver frequency", das der portugiesischen Homöopath Nuno Nina mitentwickelt habe, der auch für das Inergetix-CoRe-System wirbt. Das Gerät zur "Frequenztherapie" enthalte Datenbanken mit Frequenzen nach Hulda Clark und Raymond Rife und ermöglicht verschiedene Arten der Elektrostimulation mit Ähnlichkeiten zur Elektroakupunktur und zu Bioresonanzverfahren. Weitere Produkte sind "Timewaver cardio", das anhand einer von Messung der Herzraten-Variabilität den "Gesamtstress eines Patienten" ermittle, und "TimeWaver Vascular" zur "Pulswellen-Analyse". Beide Geräte sollen weitreichende medizinische Diagnosen und anhand von mitgelieferten Datenbanken Therapievorschläge ermöglichen.

Laut Anbieter eigne sich Timewaver beispielsweise zur Schmerztherapie und zur "Therapie psychischer Erkrankungen". Zur Unterstützung der Therapie werden [Nahrungsergänzungsmittel]] verkauft, die "Verstärkermittel" genannt werden. Wie in der Werbung für pseudomedizinische Produkte verbreitet, wird ein ungewöhnlich großer Anwendungsbereich genannt: Timewaver helfe nicht nur bei körperlichen und seelischen Beschwerden, sondern könne auch bei Beziehungsproblemen, Schimmelpilzbefall in Wohnungen, schlecht motivierten Mitarbeitern im Betrieb, zur Unternehmensberatung und Verkaufsförderung und gegen Missernten und Forstschädlinge hilfreich eingesetzt werden.

Behauptungen zur Funktionsweise

 
"HighTech-Lichtquanteneffekt" halbdurchlässiger Spiegel

Laut Anbieter sei Timewaver das erste Gerät seiner Art, das "auf einem schlüssigen physikalischen Modell ruht". Davon kann jedoch keine Rede sein. Es enthält wie bei Radionik-Geräten üblich technisch unsinnige Komponenten, und die Werbetexte enthalten eine große Zahl von pseudowissenschaftlichen Scheinerklärungen. Es wird auf etablierte wissenschaftliche Theorien wie die Quantenphysik Bezug genommen, aber auch auf Außenseitertheorien wie die einheitliche Feldtheorie von Burkhard Heim (die vom Timewaver-Hersteller als "Theorie über den Zusammenhang zwischen Bewusstsein und Materie" bezeichnet wird) und eine Theorie von "Zeitwellen" des russischen Astrophysikers Nikolai Kozyrev (1908 - 1983). Ferner werden vollständig pseudowissenschaftliche Konzepte verarbeitet wie Global Scaling, eine Erfindung des Mathematikers Hartmut Müller, der wegen Anlagenbetrugs im Zusammenhang mit der Global-Scaling-Masche Anfang 2012 zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt wurde, ferner auf die nicht existenten elektromagnetischen Skalarwellen. Ein Bezug der Gerätefunktionen zur Quantenphysik ist indes nicht zu erkennen, die Aussagen hierzu sind der Quantenmystik zuzurechnen. Ähnliches lässt sich zu allen vorgeblich wissenschaftlichen Erklärungen zum Timewaver-Gerät sagen. So heißt es an einer Stelle:

TimeWaver kommuniziert erstmals durch echte Quantenprozesse [...] TimeWaver verwendet einen HighTech-Lichtquanteneffekt zur radionischen Analyse und Optimierung. Ein Strom einzelner Photonen wird im Winkel von 45° auf einen halbdurchlässigen Spiegel gelenkt. Passiert ein Photon den Spiegel, wird eine binäre 1 erzeugt, eine Reflektion liefert den Wert 0. Die Entscheidung darüber ist ein reiner Quanteneffekt. Er hängt von keiner physikalisch fassbaren Ursache ab.

Von "einzelnen Photonen" (Photon = Lichtteilchen, Lichtquant) könnte man sprechen, wenn tatsächlich das Auftreffen einzelner Photonen in Detektoren ausgewertet würde (wie z.B. ein einzelnes Gamma-Photon in einem Geigerzähler einen Impuls auslösen kann). Das ist im Timewaver-Gerät aber nicht der Fall. Als "Strom einzelner Photonen" kann man aber auch z.B. das Licht einer Glühlampe bezeichnen, nur dass die Anzahl der Photonen dabei sehr hoch ist (Größenordnung 1018 bis 1020 je Sekunde). Wenn nun ein halbdurchlässiger Spiegel - das ist im Wesentlichen eine schräg gestellte Glasscheibe - die Hälfte dieses Lichtes durchlässt, die andere Hälfte ablenkt (welches Photon im Einzelnen welchen Weg nimmt, ist nach der Quantenphysik unbestimmt), könnte man das einen "Quanteneffekt" nennen, ohne damit allerdings etwas zu erklären. Vor allem wird aber überhaupt nicht klar, welchen Sinn diese Anordnung für die Funktion des Gerätes hat, d.h. warum überhaupt Lichtstrahlen aufgespalten und Photonen "verglichen" werden müssen.

Eine wesentliche Rolle spielt eine weitere Baugruppe namens Kozyrev-Spiegel: ein Aluminiumzylinder, in dessen Zentrum sich beim Timewaver eine "Rauschdiode" befindet. Dioden als Rauschgeneratoren bzw. Zufallsgeneratoren sind auch bei einigen anderen Radionik-Geräten ein zentrales Element, siehe z.B. Quantec. Kozyrevs Theorie von "Zeitwellen" wurde in der Fachwelt kaum beachtet, stieß aber auf Interesse bei Esoterikern und Pseudowissenschaftlern, z.B. in der Freie-Energie-Szene. Auch von Hartmut Müller wurde ein Zusammenhang mit seinem Global-Scaling-Konzept hergestellt; der "Feinstofflichkeitsforscher" Klaus Volkamer beruft sich ebenfalls auf Kozyrev. Der dubiose Spiegel geht allerdings nicht auf Kozyrev zurück, sondern auf zwei Russen namens Vlail Kaznacheev und Alexander Trofimov von einem "International Institute of cosmic Anthropology", die mit dem Spiegel psychosomatische Erkrankungen heilen wollen.[1] Kaznacheev habe sogar "mit Hilfe von Kozyrev-Spiegeln telepatisch Symbole in die Vergangenheit geschickt". Die Ausführungen der Firma Timewaver enthalten zahlreiche erfundene Begriffe wie "verdichtetes Zeitkontinuum", "Zeitflussdichte" und "globale Zeitwellen" und ergeben physikalisch keinerlei Sinn:[2]

Auf der zentralen Achse des Kozyrev-Spiegels entsteht nach Kozyrev ein Feld mit einer verdichteten Zeitflussdichte. Dieses verdichtete Zeitkontinuum ist mit allen anderen Orten im Universum verbunden, so dass es eine direkte Informationsübertragung zwischen diesen Orten erlaubt, unabhängig von der Entfernung. Es öffnet sich sozusagen ein Informationskanal zwischen dem zentralen Zeitkontinuum im Kozyrev-Spiegel und allen anderen Orten im Universum. Die lokalen Zeitwellen innerhalb des Kozyrev-Spiegels werden sozusagen kurzgeschlossen, so dass nur der Einfluss der globalen Zeitwellen übrigbleibt. Die globale Zeitwelle verbindet alle Lebewesen und alle physikalischen Prozesse miteinander. Auf diese Weise sollte es Menschen in einem Kozyrev-Spiegel möglich sein, rein mental Informationen aus entfernten Orten zu empfangen und Informationen mental zu versenden. Mit Hilfe eines Kozyrev-Spiegels lässt sich unserer Auffassung nach daher die Verbindung der Rauschdioden des TimeWaver mit dem Informationsfeld verbessern.

Schließlich werden noch Gravitationswellen für Erklärungsversuche bemüht:

TimeWaver kommuniziert mit der Zeitwelle durch Gravitationswellen-Resonanz.

Gravitationswellen sind eine Vorhersage der Allgemeinen Relativitätstheorie. Danach werden sie von beschleunigten Massen erzeugt, sind jedoch derart schwach, dass nur bei kosmischen Vorgängen wie Supernova-Explosionen Gravitationswellen entstehen, die hinreichend stark sind, um eventuell messbar zu sein. Ein direkter experimenteller Nachweis ist aber bis heute nicht gelungen. Die Behauptung, Gravitationswellen könnten bei der Funktion irgendeines Gerätes eine Rolle spielen, ist absurd.

Entwicklung und Vertrieb

Entwickelt wurde das Gerät von Marcus Schmieke, vertrieben wird es von der Timewaver GmbH, deren Sitz mit dem von Schmiekes Veden-Akademie in Kränzlin (Brandenburg) identisch ist. Geschäftsführer ist Jochen Weiß, der auch als Mitarbeiter der Veden-Akademie genannt wird.

Die Timewaver GmbH hat im deutschsprachigen Raum eine Anzahl von Vertriebspartnern. Auch versucht sie, Anwender dadurch an sich zu binden, dass diese "TimeWaver Gebiets-Therapeut" oder "TimeWaver Master-Therapeut" werden können. Als Master-Therapeut habe man die Möglichkeit, bei ca. 1.000 Apotheken in Deutschland auf einer Liste geführt zu werden, die ihren Kunden diese Therapeuten und die medizinisch fragwürdige Diagnose und Behandlung mit dem Timewaver-Gerät empfehlen würden. "Anwender, die moderne Medizin im großen Stil betreiben", können auch ein "TimeWaver Gesundheitszentrum" eröffnen. Eine solche Einrichtung existiert im Schweizer Oberuzwil als "TimeWaver Gesundheitszentrum AG", die von Alexander Glogg (siehe Fostac) geleitet wird und in der auch Manfred Doepp tätig ist.

Quellen

  1. RU 2122446 C1: Device for correction of man's psychosomatic diseases. Erfinder: V.P. Kaznacheev, A.V. Trofimov. Veröffentlichungsdatum: 27.11.1998
  2. Prospekt von 2011 ("TimeWaver med. Das Expertensystem für Informationsfeldmedizin. Fachinformation für Ärzte und Heilpraktiker")