Die Bandbreite

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Auftritt bei AZK
"Die Bandbreite"-Band bei der AZK

Die Bandbreite (ursprünglich bis 2005 Die komplette Bandbreite) ist der Name eines Hip-Hop-Duos aus dem Ruhrgebiet (Duisburg), das sich auf Auftritte in der so genannten Truther-Bewegung, bei EU-Ablehnern, Ron Paul-Anhängern und in der Verschwörungstheorie-Szene spezialisiert hat, und sich im Eigenverständnis allgemein dem "Polit-Pop" zurechnet. Das Duo entstand 1999, die erste Gemeinschaftsproduktion erschien 2000 auf dem Sampler "Komm in die Pötte".

Tonträger von "Die Bandbreite" werden über "Lärmquelle Records" in Oberhausen vertrieben.

Einen gewissen Bekanntheitsgrad erreichte die Band um Marcel Wojnarowicz aber nicht durch ihre Auftritte bei Ruhrpott-Stadtfesten oder Veranstaltungen des DGB, sondern durch Songs wie "Selbst gemacht" im Internet, in denen Verschwörungstheorien wie Wahrheiten verbreitet werden.

Mediale Unterstützung und Lob erhielt "Die Bandbreite" von der DVU-nahen Webseite "Deutschlandpolitik", der Webseite des rechtsextremistischen Netzwerks Altermedia, sowie auch beim rechtsoffenen teilkommerziellen und anonymen Blog Alles Schall und Rauch. Für ein Interview mit der rechten Zeitschrift "Junge Freiheit" war das Duo 2007 ebenfalls zu haben.

Auch zu Verschwörungserfinder Gerhard Wisnewski gibt es wechselseitig profitable Beziehungen. So räumt er der Band in einem seiner Bücher 10 Seiten Platz ein. Im Gegenzug wird ein Wisnewski-Buch dann auf der Bandbreite-Webseite beworben.

Interpreten

Marcel Wojnarowicz
Torben Eckhoff

Interpreten sind:

  • Torben Eckhoff ("Torben Pape", "DJ-Torben", DJ und Co-Produktion)



Positionen

"Die Bandbreite" mit Verschwörungstheoretiker Albert Stubblebine III (Bild: wojna.de)

Die Songtexte sind ausschließlich auf Deutsch. Der Band wurde mehrfach vorgeworfen, antisemitische und islamfeindliche Agitation zu betreiben und sich gegen vermeintliche "Antideutsche" zu wenden, denen sie ein Stück gleichen Namens widmeten. Verschwörungstheorien zum 11. September 2001 werden kritiklos ins Repertoire integriert, etwa im Stück "Selbst gemacht". O-Ton: Wenn man sich Berichte anguckt, dann wird es plausibel, warum die Amerikaner Terroranschläge auf ihre eigenen Hochhäuser verübt haben - Es gibt genügend Berichte im Internet, informiert Euch doch einmal darüber.

Eigene Positionen ergäben sich nach Auskunft von Marcel Wojnarowicz aus Analysen eines eigenen verlässlichen Netzwerks, zu dem zahlreiche Experten gehören würden. Der Anschlag am 11. September 2001 ginge schon deshalb auf das Konto der USA, weil die US-Flugabwehr ausgeschaltet gewesen sei und die beiden WTC-Türme auf Grund ihrer hohen Fallgeschwindigkeit gesprengt worden sein müssten.

Auch wurde dem Duo vorgeworfen, frauenfeindliche Texte in "Man kennt uns" und "Miesmuschel" integriert zu haben, sowie eine brutale und ekelhafte Vergewaltigung in "Eingelocht" beschrieben zu haben.[2]

Die Bandbreite beruft sich auch auf die anti-emanzipatorisch-rechtskonservativen Ansichten der Anti-Feministin Eva Herman, die von dem "Bandbreite"-Frontmann Wojnarowicz in der Debatte auf dem "Linken Liedersommer" explizit bemüht wurde. Er müsse sich Eva Herman anschließen, sagte er dort und beklagte mit dieser rechten Ikone eine angebliche "Gleichschaltung der Mainstreammedien", die Herman ablehnten.

Kritik an "Die Bandbreite" wird im Sinne einer Verschwörungstheorie völlig beleglos einer "bezahlten" Kritikergemeinschaft zugeordnet. Dazu würden mächtige Institutionen aus den USA, linke Blogs und Antifaschisten gehören, die durch ein nicht genanntes "Zensurbüro" koordiniert würden. So behauptet „Wojna“ Wojnarwicz: Irgendjemand bezahlt das doch, oder? [...] Man braucht sich eigentlich nur angucken, wer hat ’nen Nachteil davon, dass wir so ’nen Song über 11. September gestalten. Dann kann man sich ungefähr vorstellen, wo diese ganzen Diffamierungen herkommen und wer dafür bezahlt. Und ich bin mittlerweile sehr überzeugt davon, dass dafür bezahlt wird.

Die politischen Ansichten werden auch in einem Band-Buch mit dem Titel "Die Wahrheit sitzt im Backstage" im Culex-Verlag verbreitet.

Vorwurf antisemitischer Äußerungen

twitter-Eintrag von Marcel Wojnarowicz
Internet-Gästebuch von "Die Bandbreite"

Am Rande einer Demonstration am 4. Juni 2010 sagte Bandleader Marcel Wojnarowicz in Duisburg, Israel würde fast schon eine Ausrottung der Palästinenser betreiben. Zitat: Wir demonstrieren gegen das Unrecht, was den Menschen im Gazastreifen angetan wird. [...] Und wir hoffen, dass es eine friedliche Demo wird, wo wir zum Ausdruck bringen können, dass wir diese Art der Aggression [von Israel] und der Ausbeutung [der Palästinenser] und fast ja schon Ausrottung nicht dulden.[3]

Im Zusammenhang mit Artikeln der Berliner "TAZ" über "Die Bandbreite" kam es zu gerichtlichen Auseinandersetzungen. Wojnarowic erreichte es, der TAZ untersagen zu lassen, die Band sei für ihre antisemitischen Texte bekannt.[4] Ein Unterlassungsanspruch gegenüber dem Rechtsanwalt der TAZ, J. Eisenberg, wegen der von ihm vertretenen Meinung, Wojnarowic leugne den Holocaust, indem er Bush und Hitler gleichsetze, sah das Gericht hingegen nicht.[5]

Im moderierten und offiziellen Gästebuch von "Die Bandbreite" wird offen Nazi-Literatur (Eintrag 4589) und antisemitische Filme (Eintrag 4654) beworben. Überdies wird dort die NS-Diktatur relativiert (Eintrag 3628) und seit Jahren werden Einträge mit positivem Bezug und Links zu antisemitischen und Nazi-Webseiten trotz gegenteiliger Behauptung nicht gelöscht (Eintrag 3740 / Eintrag 2550, 2566, 2582, 2733, 4288).

Der von "Die Bandbreite" gewählte Rechtsanwalt für Klagen gegen die Verbreitung des Vorwurfs, sie sei antisemitisch, ist Dominik Storr

Die Bandbreite als Verbreiter von Verschwörungstheorien

Die Band wurde 2011 von der Tageszeitung "Der Western" als die "Lieblingsband deutscher Verschwörungsfans" tituliert.[6]

Auftritte

Auftritt bei AZK
Die Banbreite bei Anti-Bilderberger Veranstaltung mit SVP (Schweiz) Beteiligung

Auftritte der Band sind von der IG Metall bekannt, aber sie trat auch zusammen mit dem "Bergwerksorchester Niederrhein" auf einem Duisburger SPD-Parteitag auf, ohne dass es zu Protesten kam.

Auftritte von "Die Bandbreite" erfolgten auf den Anti Zensur Koalitionen des Schweizer evangelikalen Sektengründers und Verschwörungstheorieverbreiters Ivo Sasek. Dabei verwendeten sie T-Shirts mit der Aufschrift Alles Schall und Rauch, einem anonymen kommerziellen Blog der Verschwörungstheorieszene um einen Schweizer namens Freeman und beschwerten sich über Kritik seitens an­ony­mer Kräf­te, die die Auf­tritte der Band ver­hin­dern wol­len. So inszenierten sie sich in der öffentlichen Veranstaltung selbst als vermeintliche Opfer von Kampagnen "mächtiger Kreise" als Hexenjagd.[7] Über Ivo Sasek schrieb der Moderator des "Die Bandbreite" Internet-Gästebuchs: "Ivo hat eine Freikirche und keine Sekte. Diese Lügenscheiße mit der sie ihn überziehen glaube ich nicht - ist doch der gleich Kack, den die Medien mit uns betreiben. Es sind einfach tolle und engagierte Menschen" (Eintrag 4258 im Gästebuch). Kritik an anderen geladenen Referenten der AZK-Show wird nicht geübt. Unweigerlich, weil auch offiziell Teilnehmer der AZK, solidarisieren sich stattdessen Wojna und DJ Toben mit einer Riege von Referenten, die vom deutschen "Reichsbürger" und Unternehmer Andreas Clauss, über den Schweizer Scientology-Chef Jürg Stettler bis hin zum bekannten Holocaustleugner Bernhard Schaub reicht. Im Backstage-Interview der Sasek-AZK sagte Wojna: "Ich bin der Meinung, jede Information muss nach draußen dürfen. Es darf nicht zensiert werden. Und dass wird ständig getan. [...] Man darf ganz bestimmte Sachen nicht sagen. Dann wird man sofort stigmatisiert, in eine ganz bestimmte politische Ecke gestellt."[8]

Sprecher der DGB Jugend und der IG Metall Bayern erklärten, die Gruppe nicht mehr auftreten lassen zu wollen.[9]

Die Kritik an der Band führte dazu, dass sich im Juni 2008 nur rund ein Dutzend Zuhörer zu einem Gratiskonzert in der Berliner "Kulturbrauerei" verirrten. Als eine Gruppe Infozettel zu "Die Bandbreite" verteilten, verließen die Hälfte der wenigen Besucher den Saal.[10]

Am 10. Juni 2011 trat "Die Bandbreite" auf einer Gegenveranstaltung "Anti NWO Party" (Hotel Ran­do­lins) zu einem Bilderbergertreffen in St. Moritz (Schweiz) auf. Die Veranstaltung stand unter dem Motto "Die Bil­der­ber­ger und ihr Ein­fluss" und wurde sowohl von dem Ver­schwö­rungs­blog Alles Schall und Rauch als auch der "Jun­gen SVP" un­ter­stützt, als Or­ga­ni­sa­tor tritt die Ver­schwö­rungs­platt­form "Info8" in Er­schei­nung. Bei der SVP handelt es sich um eine rechtspopulistische Schweizer Partei. Der Ju­gend­ver­band der rechts­po­pu­lis­ti­schen Schwei­zer Volks­par­tei (SVP) nutzt das Tref­fen der Bil­der­ber­ger, um sich für den schwei­ze­ri­schen Na­tio­nal­staat stark zu ma­chen, den er durch die Kon­fe­renz ge­fähr­det sieht. Un­ter­stützt wird die­ses Tref­fen durch den Schwei­zer Na­tio­nal­rat Pir­min Schwan­der (SVP), einem Po­li­ti­ker, der sich in der Ver­gan­gen­heit unter an­de­rem für eine re­strik­ti­ve Mi­gra­ti­ons­po­li­tik aus­sprach. Au­ßer­dem soll der Ab­ge­ord­ne­te Lukas Rei­mann (SVP) auf­tre­ten. Rei­mann sprach sich unter an­de­rem gegen die Öff­nung der Schwei­zer Uni­ver­si­tä­ten für aus­län­di­sche Stu­die­ren­de aus und en­ga­gier­te sich für „be­währ­te Werte“. „Unser Land muss schwei­ze­risch blei­ben“, lau­tet ein Wahl­spruch des Rechts­po­pu­lis­ten, der sich nun durch die Kon­fe­renz der Bil­der­ber­ger be­droht fühlt.[11]

Zitate

  • [...] eigne Leute geopfert im Massaker von Pearl Harbor, ja die bösen Japaner, die euch nur dabei halfen, endlich mit in den zweiten Weltkrieg einzugreifen [...] ("Selbst gemacht")
  • Ja jetzt bist du Antideutscher und bist ein Moslemhasser, denn Zions Feinde sind schließlich auch deine. ("Der Anti-Deutsche")
  • Man braucht sich ei­gent­lich nur an­gu­cken, wer hat ’nen Nach­teil davon, dass wir so ’nen Song über 11. Sep­tem­ber ge­stal­ten. Dann kann man sich un­ge­fähr vor­stel­len, wo diese gan­zen Dif­fa­mie­run­gen her­kom­men und wer dafür be­zahlt. Und ich bin mitt­ler­wei­le sehr über­zeugt davon, dass dafür be­zahlt wird. "Wojna" Wo­jna­ro­wicz über Kritiker der Band "Die Bandbreite"

Weblinks

Quellennachweise