Fernheilung

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Fernheiler João Teixeira da Faria (João de Deus)

Fernheilung (engl. distant healing, remote healing) bezeichnet den pseudomedizinischen Versuch, die Heilung eines Menschen aus räumlicher Distanz durch Geistheilung zu bewirken. Fernheilungen gehören zur Gruppe der "kontaktlosen" Geistheilung [1], die bei fehlender Arzt-Patient Beziehung verboten ist (Fernheilungsverbot). Verboten ist auch die Werbung für Fernheilungen.

Trotz zahlreicher Untersuchungen ist es bislang nicht gelungen, einen Nachweis der Wirksamkeit von Fernheilung auf wissenschaftliche Weise zu zeigen, die über den Placeboeffekt hinausginge,[2][3] noch wurde ein etwaiger Wirkmechanismus bekannt.

Fernheilungen spielten und spielen als Gebetsheilung auch weiter eine bedeutende Rolle bei gläubigen Menschen. Gebete zur eigenen Heilung und zur Heilung einer anderen Person sind in vielen Religionen verbreitet, auch als Form einer Gebetsfernheilung.[4] Ein Bericht über eine typische Fernheilung findet sich beispielsweise in der christlichen Bibel im Neuen Testament (Beispiel: Befreiung der Tochter des kanaanäischen Weibes von einem bösen Geist.[5]). Fernheilungsberichte findet sich auch im Judentum.

Mit Fernheilung im Sinne dieses Artikels sind nicht ärztliche Fachberatungen in besonderen Situationen gemeint. So wird Schiffsbesatzungen oder entfernten Expeditionsteams eine telefonische Unterstützung im Notfall geboten. Auch gibt es telefonische Gift- und Pilznotrufdienste, die von spezialisierten Ärzten bestimmter Krankenhäuser angeboten werden.

Erscheinungsformen

Die verschiedenen Formen der Distanzheilung können unterschieden werden in:

  • Ferngebetsheilung, Fürbitten und Anrufungen von Göttern und Geistern (distant intercessory prayer).
  • Fernheilung durch Gebetsgruppen religiöser Gruppen oder neureligiöser Sekten. Auch als kommerzielle Internetprojekte.
  • Heilungsversuche anhand von Fotografien der zu behandelnden Person, durch Visualisierungen des Patienten. Der Heiler versucht sich die zu behandelnde Person im Geiste vorzustellen und nimmt im Geiste „Krankheitselemente“ aus seinem Bild fort, lässt "heilendes Licht ins vorgestellte Bild fließen" oder lässt „positive Energien“ auf ihn einströmen.
  • telefonische oder "Skype"-Fernheilungen (siehe Franz Erdl).
  • Fernheilung als „Kanal“ einer „göttlichen“ oder „übernatürlichen“ Heilenergie.
  • homöopathische Fernheilung. Von Samuel Hahnemann ist ein Brief bekannt (an Freiherr von Reichenbach vom 28.2.1829), in dem er von einer homöopathischen Fernbehandlung spricht.[6]
  • Reiki (ab Stufe 2)
  • Fogo Sagrado
  • Harmopathie

Vielfach wird in der Literatur Therapeutic Touch auch zu den Fernheilungsformen gezählt. Zur Unterscheidung der verschiedenen Formen des Geistheilens siehe: [7]

Die Fernheiler

Einer der bekanntesten Fernheiler ist der Brasilianer João de Deus. In Deutschland wurden mehrere Fernheiler im Rahmen einer wissenschaftlichen Studie (EUHEALS) zur Fernheilung bei chronischer Müdigkeit (CFS) auf ihre behaupteten Eigenschaften hin untersucht.[8][9] Die Studie ergab keinen statistisch nachweisbaren Vorteil bei von Geistheilern behandelten Patienten mit chronischer Müdigkeit (CFS).[10] Einer der Teilnehmer der EUHEALS-Studie war anfangs der umstrittene Lübecker Geistheiler Jürgen Podey (alias "Mille Artifex"), der allerdings später ausgeschlossen wurde, als er sich nach der Studie als staatlich geprüfter Heiler bezeichnete. Ein weiterer untersuchter Fernheiler der Studie war Alexander Tarasov.

Forschung zum Thema

Zum Thema liegen zahlreiche Untersuchungen und Übersichtsarbeiten vor.

Einerseits wurden Stimmen laut, die jegliche experimentelle Untersuchung von Fernheilung aus ethischen Gründen ablehnen,[11] andererseits wurden auch Fernheilungsversuche (Fürbitte-Gebete) ohne ansonsten vorgeschriebene Aufklärung und Einwilligungserklärung an Patienten durchgeführt, da davon ausgegangen wurde, dass ja (das in den USA ja sehr populäre) Beten in jedem Falle keine schädliche Wirkung haben könne.

Rechtliche Fragen

Eine Definition von Fernheilung findet sich in einem "Lexikon des Arztrechts" aus dem Jahre 1984: "Eine Fernbehandlung liegt vor, wenn der Kranke selbst oder für ihn ein Dritter, dem Arzt der die Krankheit erkennen und/oder behandeln soll, Angaben über die Krankheit insbesondere Symptome oder Befunde, übermittelt und dieser, ohne den Kranken gesehen und die Möglichkeit einer Untersuchung gehabt zu haben, entweder eine Diagnose stellt und/oder einen Behandlungsvorschlag unterbreitet."[12]

Eine ärztliche Behandlung darf nicht ausschließlich über das Internet betrieben werden. Dies verstößt gegen $7 der Musterberufsordnung.[13]

Das Heilmittelwerbegesetz gilt auch in Bezug auf Fernheilungen oder Versuche einer Fernheilung, beispielsweise per Telefon. Nach einer Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts (AZ 1BvR 1226/06) vom 20. März 2007 unterliegt Fernheilen in Deutschland den Bestimmungen des HWG. Derartigen "Heilern" ist jegliche Werbung zu ihrer Fernheilung oder Fernbehandlung bei Strafe verboten. Unter ”Werbung” werden auch Erwähnung und erklärende Aussagen des Heilers dazu (z.B. auf seiner Homepage oder in Diskussionsforen) im Internet verstanden. Zitat HWG § 9: "Unzulässig ist eine Werbung für die Erkennung oder Behandlung von Krankheiten, Leiden, Körperschäden, oder krankhaften Beschwerden, die nicht auf eigener Wahrnehmung an dem zu behandelnden Mensch oder Tier beruht (Fernbehandlung)." § 15: "Ordnungswidrig handelt, wer vorsätzlich oder fahrlässig [...] entgegen §9 für eine Fernbehandlung wirbt", und in diesen Fällen droht eine Geldbuße bis zu 50.000 Euro.

Literatur

  • Edzard Ernst. Distant healing — An “update” of a systematic review. Wiener Klinische Wochenschrift, Heft 115, Numbers 7-8 / April 2003. Seiten 241-245.
  • Kern BR, Zur Zulässigkeit der ärztlichen Behandlung im Internet, MedR 2001, 10, S. 495
  • Das Fernbehandlungsverbot als rechtliche Grenze im Einsatz Neuer Medien in der psychosozialen Versorgung, 2008, Verlag Springer Berlin Heidelberg. ISBN 978-3-540-75735-1, DOI 10.1007/978-3-540-75736-8

Quellennachweise

  1. H. Walach, Verfahren der Komplementärmedizin. Heilung durch Gebet und geistiges Heilen - Ein Beitrag zur Diskussion, Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung – Gesundheitsschutz. Springer Berlin / Heidelberg, ISSN 1436-9990, Heft 49, 8, August 2006. Seiten 788-795, DOI 10.1007/s00103-006-0009-5. PDF
  2. Edzard Ernst. Distant healing — An “update” of a systematic review. Wiener Klinische Wochenschrift Heft 115, Numbers 7-8 / April 2003. Seiten 241-245. DOI 10.1007/BF03040322
  3. M. Ebnetera, M. Binderb, R. Sallera: Fernheilung und klinische Forschung, Forschende Komplementärmedizin und Klassische Naturheilkunde 2001;8:274-287, DOI: 10.1159/000057237
  4. Ferngren GB (1992) Early Christianity as a religion of healing. Bulle History Med 66: 1–15
  5. Mk 7,24-30 und Mt 15,21-28
  6. Habacher M. Homöopathische Fernbehandlung durch Samuel Hahnemann. Medizinhist J. 1980;15(4):385-91. PMID: 11610925
  7. Walach H, (2005) Heilen durch „Energien“: Theoretische Überlegungen. In: Ritter WH, Wolf B (Hrsg), Heilung – Energie – Geist: Heilung zwischen Wissenschaft, Religion und Geschäft. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen, Seiten 80–105
  8. Harald Walach, H Bösch, Haraldsson, E., Marx, A., Tomasson, H., Wiesendanger, H. & Lewith, G. (2002) Efficacy of distant healing – a proposal for a four-armed randomized study (EUHEALS). Forschende Komplementärmedizin und Klassische Naturheilkunde 9: 168-176
  9. Walach H, Bösch H, Lewith G, Naumann J, Schwarzer B, Falk S, Kohls N, Haraldsson E, Wiesendanger H, Nordmann A, Tomasson H, Prescott P, Bucher HC: Effectiveness of Distant Healing for Patients with Chronic Fatigue Syndrome: A Randomised Controlled Partially Blinded Trial (EUHEALS). Psychother Psychosom 2008;77:158-166 (DOI: 10.1159/000116609
  10. Zitat aus Walach et al 2008: [...] There were no differences over 6 months in post-treatment MHCS scores between the treated and untreated groups. There was a non-significant outcome (p = 0.11) for healing with PHCS (1.11; 95% CI -0.255 to 2.473 at 6 months) and a significant effect (p = 0.027) for blinding; patients who were unblinded became worse during the trial (-1.544; 95% CI -2.913 to -0.176). We found no relevant interaction for blinding among treated patients in MHCS and PHCS. Expectation of treatment and duration of CFS added significantly to the model. Conclusions: In patients with CFS, distant healing appears to have no statistically significant effect on mental and physical health but the expectation of improvement did improve outcome [...]
  11. Chibnall JT, Jeral JM, Cerullo MA (2001), Experiments on distant intercessory prayer. God, science, and the lesson of Massah. Arch Internal Med 161: 2529–2536
  12. Rieger, Lexikon des Arztrechts, 1984, Rdnr 621
  13. Till Hausdorf, Rainer Erlinger: Psychotherapie und Internet. Psychotherapeut 2004, 49, S. 129-138 [1]