Antje Bultmann

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Antje Bultmann (Bild: Vebidoo)

Antje Bultmann (geb. 1941) ist eine deutsche freie Journalistin, Wissenschaftsjournalistin und Wissenschaftskritikerin, Sachbuchautorin und Künstlerin aus dem bayerischen Wolfratshausen. In den letzten Jahren widmete sich Bultmann der Fotographie (insbesondere Wasserbilder) und PC-Kunst.

Antje Bultmann engagierte sich für Whistleblowing und ist Gründungsmitglied des 2006 gegründeten Vereins Whistleblower-Netzwerk e.V., in dessen Vorstand sie bis 2008 vertreten war. Sie gehörte dem Stiftungsrat der Solbach-Freise Stiftung für Zivilcourage an, die jährlich einen Preis für Zivilcourage verleiht. Ferner ist Bultmann Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats der Deutschen Umweltstiftung. 2006 erhielt sie von der Stadt Wien und dem Club of Vienna den Rupert-Riedl-Preis. Sie ist auch Mitglied des Vereins Kompetenzinitiative zum Schutz von Mensch, Umwelt und Demokratie e. V. und trat mit den Vereinsmitgliedern Karl Richter und Markus Kern bei Veranstaltungen auf.

Kurzbiographie

Antje Bultmann studierte Verhaltens- und Sozialwissenschaften in Heidelberg, Tübingen und Göttingen. Anschließend war sie zehn Jahre lang als Heimleiterin, Lehrerin und Dozentin tätig und absolvierte dann ein weiteres Studium an der Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart. Danach leitete sie ein Projekt „Umweltschutz und Kirche“ in München.

Seit 1991 arbeitet Bultmann als freie Journalistin und Wissenschaftsjournalistin für verschiedene Zeitungen und Zeitschriften, unter anderem für die Süddeutsche Zeitung (als Gerichtsreporterin), das Münchner Sonntagsblatt, das ökumenische Magazin Publik-Forum, das Wissenschaftsmagazin W&F Wissenschaft & Frieden und die Schweizer Zeitschrift Zeitpunkt.

Gleichzeitig ist sie Autorin verschiedener Artikel für die auf Esoterik, Pseudowissenschaften und Verschwörungstheorien spezialisierte Zeitschrift Raum und Zeit, die im Ehlers Verlag erscheint. Bei Raum und Zeit veröffentlichte sie beispielsweise einen psychiatriekritischen Artikel zum Fall Gustl Ferdinand Mollath.[1]

Kritik

Bultmanns Engagement als "Whistleblower-Expertin" führte mangels Fachkompetenz auf naturwissenschaftlichem Gebiet auch dazu, dass sie sich mangels Recherchemöglichkeit auch für Personen engagierte, die abwegige Behauptungen aufstellten oder sich lediglich darauf beriefen, "verfolgt" oder nicht beachtet zu werden (Beispiel: George Carlo[2]). Ein weiteres Beispiel dafür ist der Bremer Tropen- und Umweltmediziner Rainer Frentzel-Beyme, für den sich Bultmann einsetzte. Mobilfunkkritiker und "Whistleblower" Frenzel-Beyme verbreitete in seiner Zeitschrift "Umwelt-Medizin-Gesellschaft" 2005 Werbung für das Scharlatanerie-Produkte Bioshield. Er berief sich dabei auf ein Gutachten, das ausgerechnet vom Hersteller des Chips stammte.

Antje Bultmann stellte zwanzig Thesen zur wissenschaftlichen Forschung auf, die [f]ür ein erneuertes Selbstverständnis der Wissenschaft sorgen sollen: [2]. Ihre Forderungen beziehen sich unter anderem darauf, eine in der Wissenschaft ansonsten unbekannte "Wahrheitsfindung" zu betreiben (in der Wissenschaft ist vielmehr die aktuelle Evidenzlage entscheidend, Wahrheit ist dagegen ein Glaubensbegriff). Emotionen und Laien-Erfahrungen sollten stärker anzuerkennen sein als "Wirklichkeiten", Prävention sei Vorrang vor Behandlung zu gewähren (eine Forderung, die das Fehlen von Forschung im alternativmedizinischen Bereich jedoch ausklammert). Auch solle die "abstrakte Fachsprache" aufgegeben werden, da sie nicht zur Präzision und zur Vermeidung von Missverständnissen beitrage, sondern "Profilierung oder Wichtigtuerei" fördere (7). Eine streng wissenschaftliche Objektivität soll zugunsten einer Objektivität aufgegeben werden, die eine Berücksichtigung der Gesamtsituation einschließe. Vor Gericht solle eine substantielle Evidenz durch glaubhafte Hinweise und Erfahrungen an Stelle einer klaren Beweislage ausreichend werden. Auch kann man erkennen, dass Bultmann Primärstudien und Einzelergebnissen einen höheren Stellenwert einräumen und Sekundärquellen (Beispiel Metaanalysen) abgewertet sehen will.

Bultmanns Nähe zu pseudowissenschaftlichen Themen, Verschwörungstheorien und entsprechenden Medien wird durch mindestens 17 von ihr verfasste Artikel bei Raum und Zeit ersichtlich. Raum und Zeit erscheint im Ehlers Verlag, der wie Antje Bultmann in Wolfratshausen ansässig ist. Die deutsche Wikipedia schreibt zu Raum und Zeit: Raum & Zeit ist häufig die erste Zeitschrift, in der wohlwollend und unkritisch über die jeweils aktuellen Verschwörungstheorien berichtet wird. Der Ehlers-Verlag propagierte viele Jahre lang die Scharlataneriemasche des Global Scaling (siehe auch: Hartmut Müller). In einem Artikel bei Raum und Zeit berichtet Wissenschaftsjournalistin Antje Bultmann unkritisch über das Krankheitserfindungskonzept einer ansonsten in der wissenschaftlichen Medizin unbekannten Übersäuerung (nicht zu verwechseln mit der medizinischen Azidose). Sie interviewte dazu den Osnabrücker Heilpraktiker Horst Günther (Autor von "Gesund durch den Umkehrfaktor: Base rein - Säure raus"), der seinen Patienten zu pseudomedizinischen Zwecken Natriumhydrogencarbonat (Backpulver) verabreicht.[3] In ihrem R&Z-Artikel "Dialyse ade? Bikarbonat als Alternative bei Nierenversagen"[4] verwechselt sie als Laiin auch Azidose mit "Übersäuerung".

Bei Nexworld.TV ließ sich Antje Bultmann von Robert Stein interviewen. Das Esoterikprojekt Nexworld kooperiert mit Secret-TV und betreibt Werbung für MMS, Impfkritik und pseudowissenschaftliche Konzepte wie die von Dieter Broers.

Für April 2015 wird Antje Bultmann als Referentin bei einer Promotionsveranstaltung für das Scharlatanerieprodukt MMS in Kassel angegeben, den umstrittenen Spirit of Health Kongress. Auch in den Niederlanden will Bultmann am 2. Mai 2015 bei einem entsprechenden Spirit of Health Kongress auftreten.

Aktivitäten gegen vermeintliche Gefahren durch Mobilfunk

Bultmann, die sich zugleich als elektrosensibel als auch MCS-krank bezeichnet, beteiligte sich journalistisch an einseitig recherchierter Panikmache gegen vermeintliche Gefahren durch so genannten Elektrosmog, speziell durch den Mobilfunk. So ist sie als Nicht-Naturwissenschaftlerin Autorin eines Kapitels "Mutige Wissenschaftler stellen sich gegen die Mobilfunklobby" im Buch "Gesundheitsrisiko Elektrosmog: eine Dokumentation", erschienen im Ehlers-Verlag. Die Studienmanipulationen (Umgehung der technischen Verblindung, automatische Datengeneratoren) im Rahmen der Wiener Reflex-Studien, über die in Medien berichtet wurde, erklärt sie zur Fälschung einer Fälschung. Der Hintergrund einer möglichen Einflussnahme durch die Zigarettenindustrie (die ein Interesse haben kann, von Gefahren des Rauchens abzulenken und auch den Mobilfunk zu richten) wird ignoriert.

Zitate

  • 10. Wissen statt Meinung
    Mancher Wissenschaftler in einer formal höheren Position mit speziellen Expertenwissen neigt dazu, auch Entwicklungen anderer Fachbereiche öffentlich zu bewerten. Er sollte hier Verantwortung übernehmen und sich nur dann öffentlich äußern, wenn er über genügend Faktenwissen und Erfahrung verfügt.
    (Forderung 10)
  • 16. Einfluss der Biographie Wissenschaftler, die vorgeben, „reine Forschung“ zu betreiben, unterliegen einem fundamentalen Irrtum über ihre eigene Person und Position. Ihre Motivation, ihre Vorgehensweisen etc. sind durch ihre Biographie beeinflusst. (Forderung 16)

Werke

Bild: Amazon
  • Bultmann, A., Schmithals, F., "Käufliche Wissenschaft. Experten im Dienst von Industrie und Politik.", München: Droemersche Verlagsanstalt Th. Knaur Nachf., 1994
  • Antje Bultmann, Helden im Schatten der Gesellschaft. Zivilcourage und Whistleblowing. 1. Auflage. Michaels-Verlag, Peiting 2010
  • Antje Bultmann, Whistleblower: Helden des Alltags? In: Hans Herbert von Arnim (Hrsg.): Defizite in Staat und Verwaltung. Beiträge auf der 10. Speyerer Demokratietagung vom 25. und 26. Oktober 2007 an der Deutschen Hochschule für Verwaltungswissenschaften Speyer. Duncker & Humblot, Berlin 2010, S. 47–54.
  • Antje Bultmann, Wissenschaft in der Falle. Zwischen Exzellenzgerangel und Nachhaltigkeitsanspruch. 1. Auflage. VAS Verlag für Akademische Schriften, Frankfurt am Main 2008

Weblinks

Quellennachweise

  1. http://www.raum-und-zeit.com/cms/upload/Newsletter/archiv/Newsletter_Ausgabe_181.pdf
  2. http://www.sciencecorruption.com/ATN167/00244.html
  3. Antje Bultmann "Übersäuert - Basenspritzen für Herz, Gelenke und Muskeln" - Ein Interview mit Horst Günther (HP), Osnabrück, raum&zeit Ausgabe 191/2014 [1]
  4. Antje Bultmann: "Dialyse ade? Bikarbonat als Alternative bei Nierenversagen", raum&zeit 170/2011