Aleister Crowley

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Aleister Crowley, 1911, mit geweihtem Schwert, dem Buch des Gesetzes sowie Schlangenkrone

Edward Aleister Crowley (12. Oktober 1875, Leamington Spa - 1. Dezember 1947, Hastings) war ein englischer Okkultist, angeblicher Magier, Autor und Poet. Der Exzentriker machte sich außerdem durch Bergsteigerei einen Namen.

Er war angesehenes Mitglied verschiedener Geheimbünde wie dem Hermetic Order of the Golden Dawn. Später leitete er dann den Ordo Templi Orientis (OTO) und gründete den Orden Astrum Argentum. Er schrieb das Buch des Gesetzes namens Liber AL vel Legis und begründete das theosophische System Thelema.

Biografie

1888 kam Crowley in ein katholisches Internat. Dort versuchte man anderthalb Jahre lang, ihn durch strenge Isolation umzuerziehen, nachdem er sexuellen Kontakt zu Mitschülern hatte. 1896, also mit 21 Jahren, hatte Crowley sein so genanntes Schlüsselerlebnis und nannte sich ab sofort nur noch Aleister, da dies ein keltischer Name ist. 1898 war er als Bergsteiger in der Schweiz, wo er Kontakt zum rosenkreuzerisch-freimaurerischen Geheimbund Hermetic Order of The Golden Dawn knüpfte. Er trat diesem bei und erhielt den Namen Perdurabo, welcher Ich werde ausharren bis zum Ende bedeutet. Im selben Jahr veröffentlichte er seinen ersten Gedichtband White Stains mit erotisch-pornografischen Gedichten. Crowley nannte sich den größten Poeten seiner Zeit.

Allan Bennett, Mitglied des Golden Dawn und Freund Crowleys

Ab 1900 sprach Aleister Crowley vermehrt Gälisch, trat als schottischer Edelmann auf und nannte sich Laird Of Boleskine, nachdem er länger mit dem Geheimbündler Allan Bennett (1872-1923) unter einem Dach lebte und auf der Suche nach der perfekten Droge war. Die Mitglieder des Golden Dawn verweigerten ihm den Zugang zum fünften Grad wegen homosexueller Liebschaften und Affären. Nachdem Crowley sich 1900 in Paris beim Gründer des Ordens darüber beschwerte, wurde er dann doch in den fünften Grad aufgenommen. Dies wurde nicht akzeptiert. Der Gründer musste austreten und Crowley lieferte sich angebliche, magische Kämpfe mit Mitbrüdern, nachdem er vergeblich versuchte, sich als Leiter des Londoner Ordens zu profilieren. Bei diesen Kämpfen soll unter anderem sein Mantel in Flammen gestanden haben und Crowley sei fremdbestimmt so zornig geworden, dass Pferde verängstigt weggerannt seien. Wegen dieser inneren Intrigen und dem Druck von außerhalb löste sich der Orden des Golden Dawn 1903 auf.

Im selben Jahr heiratete Crowley die Witwe Rose Edith Kelly. In Ägypten wurde ihm vom 8.-10. April 1904 (angeblich vom ägyptischem Gott Horus) das Buch des Gesetzes, Liber AL vel Legis diktiert. Dieses Buch sollte der Kern seiner Lehren werden. Nach der Niederschrift widmete er sich eher weltlichen Dingen wie der Bergsteigerei. So nahm er 1905 an einer Himalaya-Expedition teil, bei der viele Teilnehmer erforen. Im selben Jahr wurde Crowley Vater. Kelly gebar eine Tochter, welche sie Nuit Ma Ahathoor Hecate Sappho Jezebel Lilith Crowley tauften. Das Kind starb 1906 in Italien. 1909 wurde die Ehe von Crowley und Rose Edith Kelly geschieden.

Ende 1904 kam Crowley in die Freimaurerloge Anglo-Saxon Lodge No 343 in London, in der er am 17. Dezember 1904 zum Meister erhoben wurde. 1907 beendete er seine "Magie-Pause" und gründete den Astrum Argentum (Orden des silbernen Sterns). Zur Sommer- und Wintersommenwende erschien auch ab 1909 auch die Schrift Equinox, welche als offizielle Publikation des Astrum Argentum galt. Ein Jahr später kontaktierte er den Ordo Templi Orientis (OTO), dem Crowley auch bald beitrat. Er änderte das Programm des OTO, indem er Lehren seines Buch des Gesetzes einfließen ließ. 1912 wurde Crowley Leiter des englischsprachigen Zweigs des Ordens.

Während des Ersten Weltkriegs war Crowley in den USA, wo er anti-britische Propaganda verlegte und Staatsbürger der Vereinigten Staaten wurde. Obwohl er später sagte, diese Propaganda sei Satire gewesen, blieb sein Ruf in der Öffentlichkeit schlecht. 1918 wurde er zum zweiten Mal Vater. Die Mutter seiner Tochter Poupee war Leah Hirsing.

1920 gründete er auf Sizilien eine Kommune, die Abtei von Thelema. Sein Buch Diary of a Drug Fiend ("Tagebuch eines Drogennarren") spielt in dieser "Abtei". Dort starb auch seine Tochter, wieder mit zwei Jahren. Dort starb auch Raoul Loveday, dessen Frau Betty May der Presse verriet, ihr Mann sei während eines bizarren, okkulten Rituals verstorben. Loveday habe das Blut einer geopferten Katze getrunken. Die Presse stürzte sich auf die Story, was dazu führte, dass der italienische Faschist Mussolini Crowley 1923 aus Italien ausweisen ließ. Crowley geriet ins Abseits und seine Drogensucht intensivierte sich. 1925 wurde er bei einer okkultistischen Tagung, der Weida-Konferenz, zum Weltheiland ausgerufen. 1929 veröffentlichte er das Buch Magick: In Theory and in Practice. Sein Leben blieb chaotisch und unberechenbar, sein miserabler Ruf ließ ihn keinen Verleger finden. 1930 hatte er eine Ausstellung in Berlin (Galerie Porza).

Stark heroinsüchtig starb Crowley am 1. Dezember 1947 geistig umnachtet und paranoid in einer Pension in Hastings mit 72 Jahren. Seine letzten Worte waren "I'm perplexed" ("ich bin durcheinander"). Die Todesursache lautete: Herzversagen und chronische Bronchitis.

Wirken

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Crowleys Drogen- und Sexsucht führte zu einem negativen Ruf in der Gesellschaft. Auch seine Unberechenbarkeit (auf einer Bergsteigerexpedition hielt Crowley eine geladene Pistole gegen sein Team, da dieses seinen Vorschlag nicht berücksichtigte) war berüchtigt.

Crowley mischt in seinen Schriften östliche und westliche Mystik. Sein Buch des Gesetzes hatte einen kabbalistischen Anstrich in der Tradition des Golden Dawn und sollte alle Religionen hinter sich lassen und sich vor allem gegen das Christentum wenden. Er nannte sich das Große Biest 666 in Anspielung auf das biblische Buch der Offenbarung des Johannes. Das Ziel seiner Magie bestand in der Weiterentwicklung des Individuums, wobei er die Ansicht vertrat, der Geist bringe erst das wahre Wesen des Menschen hervor. Sein zentraler und ziemlich bekannter Sinnspruch lautet Do What Thou Wilt - aus dem altertümlichen Englisch übersetzt bedeutet das: Tu, was du willst. "Tu, was du willst, soll sein das ganze Gesetz. Liebe ist das Gesetz, Liebe unter Willen", schreibt Crowley. Dabei legte Crowley Wert darauf, dass der Mensch zuerst erforschen müsse, worin dieser eigene Wille überhaupt bestehe, um dieses gewollte Handeln ausführen zu können. Das heißt, er wollte keine Regellosigkeit nach dem Motto: "Tu alles, wozu du Lust hast, jederzeit." Dies wurde ihm oft von seinen Gegnern unterstellt. Begriffe, die ihm zu breit gefächert oder unpassend erschienen, änderte er ab. So nannte er die esoterische Magie nicht Magic, sondern Magick (sprich: [mai-chick]).

Crowleys Einfluss ist noch heute in der New Age- und esoterischen Bewegung erkennbar. Trotzdem erhielt sein theosophisches Konzept im Buch des Gesetzes nie die weltumspannende Verbreitung, wie Crowley es hoffte. Am bekanntesten ist noch sein Tarot-Deck Das Buch Toth, welches er 1944 mit der Malerin Lady Frieda Harris veröffentlichte.

Crowley war auch als Medium tätig. Allerdings war er kein Medium zur angeblichen Kommunikation mit Geistern, sondern mit seinem "höheren Selbst" namens Aiwaz. Aiwaz habe ihm in der Gestalt des Harbokrates das Buch des Gesetzes diktiert, wobei die Sätze vom ägyptischen Gott Horus kamen. Crowley wiederum beschrieb Aiwaz einmal als "großen dunklen Mann in den Dreißigern, wohlgebaut, stark und lebhaft, mit dem Gesicht eines grausamen Herrschers und verschleierten Augen, damit ihr Strahl nicht zerstöre, worauf er seinen Blick richtete."

Die esoterischen Ansprüche der 68er und der Hippie-Bewegung führten dazu, dass Mitglieder der Rockbands Led Zeppelin und Black Sabbath bekannten, dass sie sich für Crowley oder seine Schriften interessierten. Der Gitarrist von Led Zeppelin, Jimmy Page, erwarb das Anwesen Boleskine in Schottland, in welchem Crowley zu Beginn des Jahrhunderts seine Beschwörungen ausführte. Auf dem Cover des Albums Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band der Beatles findet sich unter vielen anderen auch ein Bild von Aleister Crowley. Meist dienten diese Bezüge jedoch eher Provokation und Image als echtem Interesse.

Satanismus

Crowley wird häufig als Begründer des modernen Satanismus dargestellt. In seinen Schriften finden sich tatsächlich viele Absätze und Texte, die einen satanischen Bezug haben. All diese Bezüge können jedoch ebenso gut sarkastisch und ironisch gemeint sein, so wie Crowley gerne pornografische Stories mit sakral scheinender Lyrik verdeckte oder seine "magischen Ambitionen" ad absurdum führte. Nach Aussage einer Anwärterin für seine Lehren servierte er ihr "ein Stück Ziegenscheiße auf einem Silbertablett". Daher ist es möglich, dass er auch seine Texte eher aus Lust an der Provokation betont satanisch schrieb.

Crowley distanzierte sich zwar immer wieder völlig von schwarzer Magie und vielen "schwarzen Brüdern", wie es viele im Orden des Golden Dawn und der Theosophie waren. Aber er verkörperte und lebte in Extremen: Täglich veranstaltete er sexualmagische Rituale, die er gewissenhaft dokumentierte. Außerdem nahm Crowley von 1900 bis zu seinem Tod Drogen, meist Heroin, gelegentlich Opium. Dies nannte die Okkultistin Dion Fortune "typische Kennzeichen für schwarzmagische Akte". Dazu liebte es Crowley geradezu, seine Gegner zu verfluchen, sie mit Dämonen zu verfolgen. Ebenfalls folterte und schlachtete er gerne Tiere. Crowley selbst wiederum sah sich als Mystiker, da er aus seiner Sicht der Dinge dies alles nicht als der egoistisch motivierte Mensch Edward Alexander Crowley tat, sondern in seiner Funktion als Magister Templi, einem Meister des Tempels, der jegliche persönliche Motivation völlig überwunden zu haben glaubte und sich deshalb ausschließlich seiner Bestimmung hingeben musste, seinen "wahren Willen" als Prophet und Religionsgründer von Thelema zu erfüllen. So sagte er einmal: "My name is Crowley, because I'm holy."

Crowleys magische Praktiken, der so genannte Pfad zur linken Hand, sind eigentlich so etwas wie eine vulgäre, westliche Form des östlichen Tantrismus. Gängig dafür ist das Wort Sexualmagie. Keusche oder fromme Menschen denken, dass diese Form der Magie vom Satan selbst kommen müsse. Crowley wollte diesen Glauben (wieder mit Sarkasmus) "beweisen", indem er in einer Schrift die Anleitung gab, wie man einen Frosch kreuzigt, den man zuvor Jesus Christus getauft hat.

Der sich offen zum Satanismus bekennende Massenmörder Charles Manson (der die okkulte Hippiekommune Manson Family führte und sie zum Morden animierte) inspirierte sich u.a. an den satanischen Aspekten im Werk Crowleys.

Zitate

  • Eine Unze deiner Praxis wiegt eine Tonne meines Lehrens auf. - Magick without Tears, Letter 20
(Original: An ounce of your practice is worth a ton of my teaching.)
  • Jeder Mann und jede Frau ist ein Stern. - Buch des Gesetzes, Teil I,4
(Original: Every man and every woman is a star.)
  • Makie ist die Kunst und Wissenschaft, auftretende Veränderungen mit der eigenen Willensrichtung in Einklang zu bringen. - Magick in Theory and Practice
(Original: Magick is the science and art of causing change to occur in conformity with will.)
  • Tu, was du willst, soll das ganze Gesetz sein. - Magick without Tears
(Original: Do what thou wilt shall be the whole of the Law.)

Literaturverzeichnis

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Texte von Aleister Crowley

  • Book of the Law (Buch der Gesetze, Liber AL vel Legis)
  • Book 4
  • The Book of Lies
  • The Book of Thoth, auch: The Book of Thoth: A Short Essay on the Tarot of the Egyptians Being the Equinox Volume III No. V
  • Commentaries on the Holy Books and Other Papers: The Equinox Volume IV No. 1
  • The Confessions of Aleister Crowley
  • Konx om Pax - Essays in Light
  • Diary of a Drug Fiend
  • Eight Lectures On Yoga
  • The Equinox of the Gods
  • The Goetia: The Lesser Key of Solomon the King: Clavicula Salomonis Regis
  • The Holy Books of Thelema
  • The Law Is For All: The Authorized Popular Commentary to The Book of the Law
  • Little Essays Toward Truth
  • Magick Without Tears
  • Moonchild
  • Liber 777 and Other Qabalistic Writings of Aleister Crowley
  • Tarot Divination
  • Tao Te Ching: Liber CLXVII: The Equinox: Crowley's take on the Chinese mystical classic
  • World's Tragedy
  • The Scrutinies of Simon Iff

Sekundärliteratur

  • Ralph Tegtmeier: Aleister Crowley. Die tausend Masken des Meisters, Edition Magus, Bad Münstereifel 1992

Weblinks