Turbokrebs: Unterschied zwischen den Versionen

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Onkologen empfehlen Krebspatienten ausdrücklich eine Impfung, weil Krebspatienten ''«ein besonders hohes Risiko für einen schweren Verlauf von Covid-19 haben»''.<ref>https://dpa-factchecking.com/germany/220119-99-772008/</ref>
 
Onkologen empfehlen Krebspatienten ausdrücklich eine Impfung, weil Krebspatienten ''«ein besonders hohes Risiko für einen schweren Verlauf von Covid-19 haben»''.<ref>https://dpa-factchecking.com/germany/220119-99-772008/</ref>
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==Turbokrebs und die Evangelische Zeitug (epd)==
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Die "Evangelische Zeitung" veröffentlichte am 4. Oktober 2023 einen Artikel zum Thema "Turbokrebs" (Corona, der „Turbokrebs“ und der Journalismus), zog ihn aber später wieder zurück. Am 15. November 2023 ging die Evangelische Zeitung noch einmal auf das Thema ein:
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:''„Turbokrebs“ und kein Ende<br>Nach wie vor erreichen uns empörte Nachrichten zu einem gelöschten „Turbokrebs“-Artikel. Das Angebot unserer Redaktion: Liefert wissenschaftlich fundierte Fakten, dann können wir reden.<br>Nach Angaben der Bundesärztekammer waren 2022 in Deutschland 421.000 berufstätige Ärzt:innen zugelassen. Drei von Ihnen hatte ein epd-Artikel zitiert und darin einen Zusammenhang zwischen der Corona-Impfung und einem schnellen und tödlichen Verlauf von Krebserkrankungen suggeriert. Die Gegenposition kam schlicht nicht angemessen vor. Wir zogen den Artikel zurück – und es brach ein Sturm der Entrüstung los, der sich bis heute nicht vollständig gelegt hat. Darauf hin haben wir eine Art Wette ausgelobt: Wenn uns irgendjemand eine Quelle zukommen lässt, in der nach gängigen wissenschaftlichen Standards der Zusammenhang zwischen einer Corona-Impfung und dem Verlauf von Krebserkrankungen zukommen lässt, dann berichten wir natürlich darüber.<br>Zwei Arten von Reaktionen erreichen uns bis heute: Wilde Pöbeleien. Verdächtigungen, welche dunklen Mächte uns gezwungen hätten, den Artikel zurückzuziehen. Und immer wieder höfliche, aber bestimmte Einlassungen von Menschen, die wissenschaftliches Denken für sich in Anspruch nehmen – auch viele Professor:innen. Wir versuchen, allen zu antworten. Besonders rätselhaft bleibt die letzte Gruppe. Immer wieder fragen wir: Schickt uns doch einen einzigen echten Beleg für eure Thesen!<br>...Und dann kommen Quellen, die schon beim schnellen Hinsehen den Kriterien nicht entsprechen. Untersuchungen ohne Kontrollgruppe, Artikel aus Zeitschriften ohne normale Qualitätsstandards und immer wieder wilde Spekulationen aus zweifelhaften Internetquellen. Und darauf angesprochen, sagen die Absender: Stimmt – die Quelle ist nicht ausreichend und wir haben auch keine bessere. Interessant aber: Es ändert nichts an der Position der Impfgegner aus den verschiedenen Lagern. Offenbar braucht es keine Belege für ihre Auffassung und auch die Professor:innen sind nicht bereit, ihre Meinung zu ändern, wenn sie widerlegt werden. Frei nach dem bekannten Leitspruch aus dem Marketing: Fakten verwirren.''<ref>https://www.evangelische-zeitung.de/turbokrebs-und-kein-ende</ref>
 
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Version vom 15. November 2023, 23:09 Uhr

Turbokrebs als Thema bei Qpress (Wilfried Kahrs aus Tirschenreuth aka "Wika")
Brief des hamburger Arztes Walter Weber

Turbokrebs (engl. turbo cancer) ist ein in medizinischen Fachkreisen unbekannter Begriff, der sich auf die Hypothese der Existenz sehr plötzlich entstehender sichtbarer Krebserkrankungen bezieht. Befürworter dieser an Laien gerichteten Hypothese unterscheiden zumeist nicht zwischen einem beschleunigten Wachstum einer bereits bestehenden Tumorerkrankung und einer möglichen plötzlichen Neuentstehung und Sichtbarwerdung. Die Kenntnisse aus der Medizin zu den Latenzzeiten bei neuen Krebserkrankungen werden ignoriert. Über die Schuchmaschine Google Scholar für wissenschaftliche Fachliteratur lässt sich im Sommer 2022 kein Hinweis zur Nutzung des Begriffs "Turbokrebs" in der deutschsprachigen Fachliteratur oder "turbo cancer" in der gesamten Literatur finden.

Der Begriff ist in der Szene der Gegner von Schutzmassnahmen gegen das neue Coronavirus, und speziell der Gegner von Schutzimpfungen gegen das Virus entstanden und in dieser populär. Behauptet wird das Auftreten des so genannten Turbokrebs nach einer Corona-Impfung. Da sich Krebs aufgrund der Latenzzeit nicht in kurzer Zeit nach einem auslösenden Ereignis zu einem sichtbaren Tumor entwickeln kann, musste die Hypothese erfunden werden um angebliche plötzlich einsetzende Krebserkrankungen nach Impfung für Laien plausibel zu machen. Seriös zu nennende Belege oder seriöse Literatur wird zum Thema Turbokrebs nicht genannt. Dennoch gibt es auch Ärzte aus dem deutschsprachigen Raum, die sich des Begriffs bedienen.

Der Begriff wurde unkritisch während der Querdenken-Aktion Pathologie-Konferenz 2021 aus dem Umfeld des Vereins Mediziner und Wissenschaftler für Gesundheit, Freiheit und Demokratie e.V. verwendet, der sich gegen staatliche Schutzmaßnahmen gegen das neue Coronavirus und vermittelte Atteste gegen die Maskenpflicht engagiert. Urheber des Begriffs ist ein Rechtsanwalt namens Elmar Becker (Mitglied bei Anwälte für Aufklärung), der den Begriff auf einer Pathologie-Konferenz - Pressekonferenz benutzte, und dabei zugab dass es sich nicht um einen Begriff aus der Medizin handelt:

Turbokrebs, so nenne ich es mal, ist eine Erfindung von mir, ist also nicht unter medizinisch korrekter Bezeichnung segelnd, aber sehr einprägsam, denke ich.

An dieser Pressekonferenz im Dezember 2021 war auch die Pathologin Ute Krüger beteiligt, die an einem Krankenhaus in Kalmar in Schweden tätig ist. Krüger ist von der Existenz des "Turbokrebs" durch Impfungen bei Brustkrebs (Mammakarzinom) überzeugt.

Onkologen empfehlen Krebspatienten ausdrücklich eine Impfung, weil Krebspatienten «ein besonders hohes Risiko für einen schweren Verlauf von Covid-19 haben».[1]

Turbokrebs und die Evangelische Zeitug (epd)

Die "Evangelische Zeitung" veröffentlichte am 4. Oktober 2023 einen Artikel zum Thema "Turbokrebs" (Corona, der „Turbokrebs“ und der Journalismus), zog ihn aber später wieder zurück. Am 15. November 2023 ging die Evangelische Zeitung noch einmal auf das Thema ein:

„Turbokrebs“ und kein Ende
Nach wie vor erreichen uns empörte Nachrichten zu einem gelöschten „Turbokrebs“-Artikel. Das Angebot unserer Redaktion: Liefert wissenschaftlich fundierte Fakten, dann können wir reden.
Nach Angaben der Bundesärztekammer waren 2022 in Deutschland 421.000 berufstätige Ärzt:innen zugelassen. Drei von Ihnen hatte ein epd-Artikel zitiert und darin einen Zusammenhang zwischen der Corona-Impfung und einem schnellen und tödlichen Verlauf von Krebserkrankungen suggeriert. Die Gegenposition kam schlicht nicht angemessen vor. Wir zogen den Artikel zurück – und es brach ein Sturm der Entrüstung los, der sich bis heute nicht vollständig gelegt hat. Darauf hin haben wir eine Art Wette ausgelobt: Wenn uns irgendjemand eine Quelle zukommen lässt, in der nach gängigen wissenschaftlichen Standards der Zusammenhang zwischen einer Corona-Impfung und dem Verlauf von Krebserkrankungen zukommen lässt, dann berichten wir natürlich darüber.
Zwei Arten von Reaktionen erreichen uns bis heute: Wilde Pöbeleien. Verdächtigungen, welche dunklen Mächte uns gezwungen hätten, den Artikel zurückzuziehen. Und immer wieder höfliche, aber bestimmte Einlassungen von Menschen, die wissenschaftliches Denken für sich in Anspruch nehmen – auch viele Professor:innen. Wir versuchen, allen zu antworten. Besonders rätselhaft bleibt die letzte Gruppe. Immer wieder fragen wir: Schickt uns doch einen einzigen echten Beleg für eure Thesen!
...Und dann kommen Quellen, die schon beim schnellen Hinsehen den Kriterien nicht entsprechen. Untersuchungen ohne Kontrollgruppe, Artikel aus Zeitschriften ohne normale Qualitätsstandards und immer wieder wilde Spekulationen aus zweifelhaften Internetquellen. Und darauf angesprochen, sagen die Absender: Stimmt – die Quelle ist nicht ausreichend und wir haben auch keine bessere. Interessant aber: Es ändert nichts an der Position der Impfgegner aus den verschiedenen Lagern. Offenbar braucht es keine Belege für ihre Auffassung und auch die Professor:innen sind nicht bereit, ihre Meinung zu ändern, wenn sie widerlegt werden. Frei nach dem bekannten Leitspruch aus dem Marketing: Fakten verwirren.
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Bilder

Zitate

  • „Es gibt bislang keine aussagekräftigen Hinweise darauf, dass Corona-Impfstoffe die Krebsentstehung fördern beziehungsweise den Verlauf einer Krebserkrankung ungünstig beeinflussen“. (Susanne Weg-Remers, Leiterin des Krebsinformationsdiensts des Deutschen Krebsforschungszentrum)

Weblinks

Quellennachweise