Miracle Mineral Supplement: Unterschied zwischen den Versionen

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==Scharlatanerie mit MMS bei Krebskranken==
 
==Scharlatanerie mit MMS bei Krebskranken==
2009 wurde eine australische Quacksalberin namens Jill Newlands aus Mackay (Queensland/Australien) zu einer Geldstrafe von 12000 australischen Dollars verurteilt, weil sie Patienten mit Brustkrebs  unter nicht strerilen Bedingungen MMS-Infusionen in ihrem ‘treatment centre’ legte. Um nicht aufzufallen, führte sie ihre Behandlungen in ihrer eigenen Garage durch und forderte zur Geheimhaltung auf. Der Fall konnte dennoch genau nachvollzogen werden, weil die Behandlung mit versteckter Videokamera durch die undercover Ermittelerin Loretta Marron gefilmt werden konnte, die selbst zuvor durch eine medizinische akzeptierte Behandlung eine eigene Brustkrebserkrankung überstand. Die behandelte Patientin namens Maria Worth erlitt nach der MMS-Infusion ein lebensbedrohliches Blutgerinnsel und mußte im Krankenhaus Toowoomba Hospital behandelt werden. Sie hatte für die nutzlose und gefährliche Behandlung 2000 australische Dollar bezahlt für Ausgangsmaterial mit einem Wert von etwa 25 Dollar<ref> http://atheistage.org/?p=829</ref><ref> http://archive.i2p.com.au/?page=site/article&id=1270</ref><ref> http://atheistage.org/?p=901</ref>.
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2009 wurde eine australische Quacksalberin ohne Zulassung für medizinische Behandlungen namens Jillian Margaret Newlands aus Mackay (Queensland/Australien) zu einer Geldstrafe von 12000 australischen Dollars verurteilt<ref>http://scepticsbook.com/2009/04/23/quack-fined-12000-ordered-to-stop-selling-fake-cancer-treatment/</ref>, weil sie Patienten mit Brustkrebs  unter nicht strerilen Bedingungen MMS-Infusionen in ihrem ‘treatment centre’ legte. Um nicht aufzufallen, führte sie ihre Behandlungen in ihrer eigenen Garage durch und forderte zur Geheimhaltung auf. Der Fall konnte dennoch genau nachvollzogen werden, weil die Behandlung mit versteckter Videokamera durch die undercover Ermittelerin Loretta Marron gefilmt werden konnte, die selbst zuvor durch eine medizinische akzeptierte Behandlung eine eigene Brustkrebserkrankung überstand. Die behandelte Patientin namens Maria Worth erlitt nach der MMS-Infusion ein lebensbedrohliches Blutgerinnsel und mußte im Krankenhaus Toowoomba Hospital behandelt werden. Sie hatte für die nutzlose und gefährliche Behandlung 2000 australische Dollar bezahlt für Ausgangsmaterial mit einem Wert von etwa 25 Dollar<ref> http://atheistage.org/?p=829</ref><ref> http://archive.i2p.com.au/?page=site/article&id=1270</ref><ref> http://atheistage.org/?p=901</ref>.
  
 
==Literatur==
 
==Literatur==

Version vom 16. Juni 2009, 11:19 Uhr

MMS bei eBay
Efinder Humble

Miracle Mineral Supplement (MMS bzw. aktivierter Sauerstoff oder Vitamin O2) ist der Handelsname eines Nahrungsergänzungsmittels mit sogenanntem aktiviertem Sauerstoff bzw. Natriumchlorit (welches das Desinfektionsmittel Chlordioxid freisetzt). Es wurde von einem amerikanischen Ingenieur namens Jim Humble erfunden. Von Humble ist keinerlei Qualifikation auf dem Gesundheitsgebiet bekannt.

Zu Miracle Mineral Supplement ist keinerlei wissenschaftliche Studie bekannt, die zeigen würde, dass es als geeignetes Mittel zur Behandlung schwerer Krankheiten geeignet sei. Befürworter von MMS verweisen dagegen auf angeblich erfolgreiche Menschenversuche an Gefangenen in einem Gefängnis im afrikanischen Malawi, die das Desinfektionsmittel einnehmen mussten [1][2], und auch in Uganda seien erfolgreich Menschenversuche bei AIDS unternommen worden. MMS wird völlig unkritisch und verantwortungslos in verschiedenen deutschsprachigen Esoterikzeitschriften wie NEXUS Magazin, Zeitenschrift und dem Mobiwell Verlag (Thomas Kirschner) sowie bei Lnc-2010 beworben.

Um das Produkt trotz fehlenden Eignungsnachweises beeindruckbaren Käufern als Krankheitskiller plausibler zu machen, müssen die üblichen Verschwörungstheorien um staatliche Unterdrückung her. Im Falle des MMS hätten sich sogar die international operierenden Bilderberger abgesprochen, das rettende Mittel zu unterdrücken, um damit einen Beitrag zu einem weltweiten Bevölkerungsreduktionsprogramm zu leisten. Damit ist ein weiteres Kriterium der Zehn Indizien für Quacksalberei erfüllt.

MMS

Gefahr.jpg
Aetzend.jpg
Artikel aus GPSP

MMS soll das toxische und umweltgefährdende Chlordioxid als Wirkstoff enthalten, bzw. Natriumchlorit, das zu Chlordioxid dissoziiert. Zitronensaft soll zugesetzt sein. Dieses Mittel hätte antibiotische Eigenschaften und sei nach Humble der effektivste Krankheitskiller überhaupt. Chlordioxid ist bei Zimmertemperatur ein gelb-rötliches explosives und stechend riechendes Gas. Dass das Desinfektionsmittel Chlordioxid tatsächlich Keime abtöten kann, ist unbestritten. Es wird deshalb in der Trinkwasserdesinfektion zur sogenannten Chlorierung eingesetzt, kann dem Wasser in Schwimmbädern einen charakteristischen Geruch verleihen und führt gelegentlich zu geröteten Augen. Chlordioxid wird auch in der Papierindustrie zur Bleichung von Papier eingesetzt und ist ein Konservierungsstoff für Lebensmittel, importierte und mit Chlordioxid belastete amerikanische Hähnchen waren Thema der EU-Kommission [3] und ihr Import wurde mit Auflagen erlaubt, nachdem sie 1997 als unappetitlich angesehen wurden. Geplant ist die Vermarktung der Chemiehühnchen mit dem Aufkleber "chlorbehandelt aus den USA".

Niemand käme wohl auf die Idee, etwa Domestos zu trinken, um damit eine bakterielle oder virale Infektion zu behandeln. Wie auch bei kolloidalem Silber sind geringe Konzentrationen zwar gesundheitlich unbedenklich, aber therapeutisch völlig unwirksam. Bei höheren Konzentrationen können zwar prinzipiell Erreger im Körper Schaden erleiden, allerdings zu Lasten der eigenen Gesundheit.

Chlordioxid als Ausgangsstoff ist ein oxidierendes Biozid und gehört zu den höherwertigen Sauerstoffverbindungen des Chlor. Von den oxidierenden Bioziden ist Chlordioxid das selektivste Oxidationsmittel. Chlordioxid reagiert nur mit reduzierten Schwefelverbindungen, den sekundären und tertiären Aminen und anderen stark reduzierten und reaktionsfreudigen organischen Substanzen.

Natriumchlorit ist ein sehr reaktionsfähiger brandfördernder Feststoff. Die Substanz reagiert heftig mit brennbaren Stoffen, so dass er diese z.T. ohne weitere Zündquelle zur Entzündung bringen und einen bestehenden Brand erheblich fördern kann. Von Natriumchlorit gehen akute und chronische Gesundheitsgefahren aus. Chlorite wirken noch stärker methämoglobinbildend als Chlorate und sind ausgesprochene Blutgifte. Da Chlordioxid keine bekannte Rolle im menschlichen Stoffwechsel spielt und keine entsprechende Mangelkrankheit bekannt ist, ist das angebliche Vitamin O2 als ein Pseudovitamin anzusehen.

Während üblicherweise Nahrungsergänzungsmittel als Antioxidantien gepriesen werden, die gegen freie Radikale wirksam seien, sind nun also starke Oxidantien an der Reihe, die auf wundersame Weise gezielt nur schädliche Erreger schädigen sollen, ohne körpereigene harmlose Bakterien oder Körperzellen an sich zu treffen.

Die Zeitschrift GPSP (Gute Pillen - Schlechte Pillen) wertete MMS als ein Prudukt, das Kriterien der Quacksalberei erfülle [4].

Vermarktung

MMS wird über MLM, aber auch über eBay mit (nach NEM-Verordnung verbotenen) gesundheitsbezogenen Versprechungen angeboten. Dabei handelt es sich dann um Natriumchlorit (NaClO2) sowie um Bauanleitungen zur gefährlichen Selbstherstellung.

Erfahrungsberichte von Anwendern

[...] das alles lässt sich noch aushalten. (ich hoffe, dass meine sexuelle fehlfunktion nur vorübergehend ist.) aber die übelkeit und vor allem die magenschmerzen und im bauchbereich, verbunden mit ständigem aufstoßen, die auch meinen schlaf behindern, sind wirklich schlimm. also ich weiß nicht genau, wie ich es jetzt handhaben werde [...] [5].

[...] habe mich gerade erst angemeldet um alle vor der Tinktur zu warnen. Ich habe gestern eine Tinktur aus 50 Tropfen MMS und 250 Tropfen Weinessig angesetzt und problemlos, ohne Hautprobleme zu bekommen, nach ca. 10 Minuten angewendet. Es hieß, dass sich eine solche Tinktur problemlos drei Tage halte. Heute morgen habe ich das Gläschen mit der Tinktur geöffnet und es hat mich fast vom Stuhl gehauen. Die Dämpfe waren so stark, dass mir das Zeug fast aus der Hand gefallen wäre und ich einen Teil verschüttet habe. Es war jetzt sattgelb! Augen haben getränt, Nase ist gelaufen... Zum Glück war eine viertel Stunde später alles wieder o.k.. Habe alles sofort weggeschüttet [...] [6].

[...] Also - ich nehme MMS jetzt seit 5 Tagen, ich stelle dabei sehr heftige Reaktionen meines Körpers fest, (15 Tropfen Morgens auf nüchternen Magen, 15 Tropfen am Abend nach dem Essen) dazu gehören unter anderem, Durchfall - Kopfschmerz - und zu meiner großen Überraschung - ein heftiger Schnupfen, die Nase läuft ständig [...] [7].

Scharlatanerie mit MMS bei Krebskranken

2009 wurde eine australische Quacksalberin ohne Zulassung für medizinische Behandlungen namens Jillian Margaret Newlands aus Mackay (Queensland/Australien) zu einer Geldstrafe von 12000 australischen Dollars verurteilt[8], weil sie Patienten mit Brustkrebs unter nicht strerilen Bedingungen MMS-Infusionen in ihrem ‘treatment centre’ legte. Um nicht aufzufallen, führte sie ihre Behandlungen in ihrer eigenen Garage durch und forderte zur Geheimhaltung auf. Der Fall konnte dennoch genau nachvollzogen werden, weil die Behandlung mit versteckter Videokamera durch die undercover Ermittelerin Loretta Marron gefilmt werden konnte, die selbst zuvor durch eine medizinische akzeptierte Behandlung eine eigene Brustkrebserkrankung überstand. Die behandelte Patientin namens Maria Worth erlitt nach der MMS-Infusion ein lebensbedrohliches Blutgerinnsel und mußte im Krankenhaus Toowoomba Hospital behandelt werden. Sie hatte für die nutzlose und gefährliche Behandlung 2000 australische Dollar bezahlt für Ausgangsmaterial mit einem Wert von etwa 25 Dollar[9][10][11].

Literatur

  • Gute Pillen - schlechte Pillen. Nr. 5 (Sept./Okt. 2008): Aufgespießt - Miracle Mineral Supplement. Herausgeber: Verbraucherzeitschrift für Medikamente in Deutschland, arznei-telegramm, DER ARZNEIMITTELBRIEF, Pharma-Brief und Arzneiverordnung in der Praxis (AVP).

Weblinks

Quellennachweise