Im deutschsprachigen Internet werden Spekulationen über angebliche Fälle von Kindesmissbrauch durch Politiker präsentiert, die aufgrund fehlender Belege und Widersprüchen als Kindesmissbrauch-Fakes bezeichnet werden können und von tatsächlichen derartigen Fällen, wie beispielsweise dem Marc-Dutroux-Fall, zu unterscheiden sind. Derartige Fake-Geschichten sind meist an weitere Gerüchte oder Angaben aus der rechtsextremen oder Antisemitenszene gekoppelt. Häufig werden bei diesen Spekulationen auch angebliche satanische Riten ins Gespräch gebracht, mit Anspielungen auf Täterkreise aus Freimaurerei oder heutiger Illuminaten. Im englischen Sprachraum ist der entsprechende Begriff Satanic Ritual Abuse (SRA) geläufig.

Das Thema des Kindesmissbrauchs und Einzelheiten über die bekannten Verbrechen des Kinderschänders Marc Dutroux wecken bei Lesern starke Gefühle des Mitleides mit den Opfern, aber auch der Solidarität mit den couragierten Aufklärern. Offenbar wird bei den hier thematisierten Verschwörungstheorien um vermeintliche Kindesmisshandlungen versucht, die Leser für weitergehende Anschuldigungen jenseits des Themas anzusprechen. Gleichzeitig werden beim Leser starke Aversionen und de facto Hass auf die vermeintlichen Verbrecher und Drahtzieher geweckt, die übergangslos auch für politische Ziele genutzt werden können. Der deutsche Verfassungsschutz in Schleswig-Hostein warnte 2011 vor einer "Propagandafalle" Rechtsgesinnter mit dem Thema Kindesmissbrauch, und bezog sich dabei auf den Fall des Neonazi Dennis Grube, der bei Facebook eine entsprechende Aktion startete.[1]

Beispiele sind absurde Behauptungen seitens des deutschen Holocaustleugners Iwan Wanja Götz, oder beleglos gebliebene Angaben einer Janett Seemann oder eines Alex Jones. In allen Fällen kam es aufgrund der Spekulationen zu keinerlei bekannt gewordenen Reaktionen seitens der Staatsanwaltschaften oder Ermittlungsbehörden. Äußerungen des ehemaligen Sprechers des gescheiterten KRR-Projekts Fürstentum Germania namens Jessie Marsson-Dumanch und seiner Ritter der Menschlichkeit zu angeblichen Kinderschänderringen von Politikern sind mit großer Zurückhaltung anzusehen. Bewusst.TV interviewte dazu Marsson. In seinen Erzählungen [1] tauchen so gut wie nie nachprüfbare Fakten oder Namen auf. Ortsnamen werden mit Absicht undeutlich und "vernuschelt" ausgesprochen. Die wenigen Angaben, die nachprüfbar sind (Datumsangaben, beruflicher Werdegang), erwiesen sich als nicht übereinstimmend mit anderen von ihm gemachten Angaben bzw. mit recherchierbaren Fakten.

Siehe auch

Literatur

  • Scharfetter C: Opfer des Satanskultes. Kausalattribution in autobiographischer Narration. Krankenhauspsychiatrie 2000; 11(4): Seiten 128-133. DOI: 10.1055/s-2000-11349
  • Bauch, W. (1999). Satanismus und Polizei. Probleme der Ermittlungsarbeit. In: Berliner Dialog 17, 2-1999.
  • Busch, H. (2004). Sexualisierte Gewalt in religiösen Kontexten. Materialdienst der EZW 7/2004
  • Fröhling, U. (1996). Vater unser in der Hölle. Ein Tatsachenbericht. Seelze-Velber: Kallmeyer`sche Verlagsbuchhandlung.
  • Loftus, E.F. (1998). Falsche Erinnerungen. In: Spektrum der Wissenschaft. Januar 1998 (S. 62-67).
  • Schetsche, M. (2003). "Entführungen durch Außerirdische" - ein integratives Modell zur Erklärung eines Phantom-Phänomens". http://www.igpp.de/german/eks/integratives_modell_abduktion.pdf
  • Tölle, R. (1997). Persönlichkeitsvervielfältigung? Die sogenannte multiple Persönlichkeit oder dissoziative Identitätsstörung. In: Deutsches Ärzteblatt 94, Heft 27, 4. Juli 1997.

Weblinks