GeoWave-Welle

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Anwendung im Krankenhaus

GeoWave-Welle ist eine Deckendekoration aus Wellblech der Salzburger Firma Geowave-Research Forschung und Handel GmbH[1], die laut Hersteller allein durch ihr Vorhandensein eine erhebliche gesundheitsfördernde Wirkung habe. Die Adresse der "Geowave-Research Forschung und Handel GmbH" ist identisch mit der eines privaten "Institut für Grenzfragen des Lebens" (Hacker AG)[2] des Salzburger Biologen Gerhard W. Hacker. Hacker hat in der Vergangenheit mehrfach versucht, dem Produkt GeoWave-Welle in Studien eine Wirksamkeit zu attestieren.

Aufbau

Aufbau[3]

Die Welle besteht aus Aluminium-Wellblech mit rund 3 cm Wellenabstand und 1 cm Wellenhöhe. Das Blech ist in Form eines unsymmetrischen Ovals geschnitten, wobei wichtig sei, dass das Verhältnis der beiden Radien dem goldenen Schnitt (ca. 1,618) entspricht. Das Gebilde ist keine flache Blechplatte, sondern seinerseits als Welle geformt. Es sind mehrere Größen erhältlich. Für das Modell B (57 x 35 cm, "Wirkungskreis" 12 m) werden Preise von knapp 1.000 € genannt. Ausführungen mit Chrom- oder Goldoberfläche sind rund 15% teurer.

Behauptete Gesundheitseffekte

Geowavewelle2.jpg

Laut Werbung sei die "High-Tech-Konstruktion" in der Lage, "belastende Felder" aus der Natur auszugleichen. Gemeint sind damit geopathische Störzonen im Sinne der wissenschaftlich unbekannten Erdstrahlen. Aber auch gegen Elektrosmog sei die GeoWave-Welle wirksam. Folgen des Erwerbs seien: Gesunder Schlaf, beschleunigte Genesung, "mehr Konzentration und Erfolg", mehr Leistung am Arbeitsplatz, mehr Erholung zu Hause, verbessertes Wohlbefinden, verbesserte sportliche Leistungen sowie Wirkungen gegen frühzeitiges Altern. Die Wirkung sei bis zu vier Stockwerke unterhalb des Anbringungsortes vorhanden.

Weil sich mit der Geowave-Welle angeblich die "Persönlichkeit eines Menschen sehr viel positiver entwickeln"' könne, wird auch mit der Anbringung im Kinderzimmer geworben. "Schulstress wird leichter abgebaut", behauptet der Hersteller und deutet ebenso beleglos an, dass das Blech einen positiven Einfluss auf den "Drang, ständig und falsch zu essen (und damit das Problem der zunehmenden Fettleibigkeit), aber auch gestörtes Sozialverhalten, gesteigerte Aggressionen und Vandalismus" habe.

Der ehemalige ärztliche Direktor des Landeskrankenhauses Salzburg, Hofrat Primar Univ.-Prof. Dr. med.-univ. Gernot Pauser, gab bekannt, dass in den Salzburger Landeskliniken "zur Verminderung von Einflüssen stressender Zonen und für ein besseres Wohlbefinden unserer Patienten" über 150 Geowave-Wellen montiert wurden.

In Kuhställen in Oklahoma habe sich durch Geowave-Wellen die Gesundheit der Kühe verbessert und die Milchleistung innerhalb von 70 Tagen um über 50% erhöht. Belege für einen ursächlichen Zusammenhang mit der Deckendekoration werden allerdings nicht präsentiert.[4] Von der Universität Wisconsin sei die Geowave-Welle als "Agricultural Product of the Year 2010" ausgezeichnet worden. Bestätigen lässt sich das nicht; von der Auszeichnung ist ausschließlich in der Geowave-Werbung die Rede.

Pseudowissenschaftliche Untersuchungen

Laut Werbung ist die Wirkung "wissenschaftlich belegt"

Geowave gibt an,[5] dass der Wiener Krankenanstaltenverbund KAV, das Amt für Umweltschutz des Magistrats Salzburg, die Technische Direktion der Salzburger Landeskliniken[6], das Land Salzburg selbst und das Salzburger Institut für Sportmedizin 2003[7] eine Untersuchung über die positive Wirkung der Welle durchgeführt hätten. Nachgewiesen seien die angeblichen Wunderwirkungen durch die Herzfrequenzvariabilität[8] und die wissenschaftsferne Gasentladungsvisualisationstechnik (GDV), eine Weiterentwicklung der Kirlian-Fotografie. Es ist von "professionellen" Wünschelrutengängern die Rede, die zuvor angebliche "geopathogene Zonen" identifiziert hatten. Die Geowave-Welle hätte zu einer signifikanten Vergrößerung einer "area of glow" beim GDV-Verfahren geführt, was als Erfolg für eine gelungene Harmonisierung angesehen wird, da von den Wünschelrutengängern die als geopathogen gemuteten Zonen der Räume zu einer Verkleinerung der "area of glow" geführt hatten.

Um einen wissenschaftlichen Anstrich der Geowave-Welle bemüht sich vor allem der Salzburger Biologe Gerhard W. Hacker. Hacker betreibt in Hallein (bei Salzburg) ein privates "Institut für Grenzfragen des Lebens" (Hacker AG).[9] Die Adresse des Instituts stimmt mit der der "Geowave-Research Forschung und Handel GmbH" überein, welche die Geowave-Produkte vertreibt.

Im November 2009 warnte die Österreichische Arbeiterkammer (AK) in Niederösterreich vor den unseriösen Geschäftsmethoden der Firma Energiezentrum Goldburg aus Hallwang[10], das Geowave-Wellen an Privathaushalte verkauft. Die AK weist darauf hin, dass bei einer Überprüfung der Welle an der Technischen Universität Graz keinerlei Wirkung festgestellt werden konnte.[11] Die Firma Geowave gab an, dass ihr die Goldburg-Produkte nicht bekannt seien, deutet aber an, dass der Erfinder und Rechte-Inhaber der Geowave-Welle Adolf Wiebecke damit zu tun habe.[12] Tatsächlich beruft sich das Energiezentrum Goldburg[13] auf Wiebecke.

Im April 2012 warnte die AK erneut vor dem esoterischen Produkt,[14] nachdem sich zahlreiche unzufriedene Kunden gemeldet hatten[15] und die Firma Goldburg mehr als 450.000 Euro an unzufriedene Kunden zurückzahlen musste, die auch nach längerer Zeit keine Wirkung der Welle gespürt hatten. Es kam 2012 zu einer Demonstration von 150 Mitarbeitern der Firma Goldburg vor dem Sitz der AK.[16]

Weitere Produkte des Herstellers

Für den Markt der sog. Wasserbelebung wird der Geospring Wasseraktivierer angeboten, ein Gerät, das in die Wasserleitung eingefügt wird und durch "Verwirbelung, Magnete und Informationsträger" das Leitungswasser "energetisiere" und es in die Lage versetze, "neue Informationen aufzunehmen". Vergleichbare Erzeugnisse sind beispielsweise der Grander-Wasserbeleber, Aqua-4D und der Rayo-Aqua Wasseraktivator.

Im Lieferprogramm der Geowave-Research ist ferner ein Aufkleber namens Holosave für Mobiltelefone, der eine angebliche gesundheitsschädliche Wirkung von Mobilfunkstrahlung neutralisieren könne. Eine positive Wirkung sei wie bei der Welle mittels GDV sowie durch "Computer-Bioresonanz" nachgewiesen worden. Das Holosave ähnelt stark Scharlatanerieprodukten wie Neutralizer, Gabriel-Chip, AlphaPrevent, usw. (siehe auch: Elektrosmog-Schutzprodukte).

Geowave-Erfinder Adolf Wiebecke hat außerdem einige themenverwandte Erfindungen veröffentlicht, die nicht kommerziell umgesetzt wurden, beispielsweise einen Schuh mit elektrisch leitfähiger Sohle und einem Magneten "am Endpunkt des Nieren-Meridians", der einen positiven Einfluss auf die Gesundheit haben sollte, ferner eine ähnlich einem Heizkörper aufgebaute Vorrichtung, die von "energetisiertem" Wasser durchflossen werden und dadurch schädliche "Strahlungen oder Felder" beeinflussen sollte. 2009 wurde Wiebecke ein Gebrauchsmusterschutz für eine Geowave-Welle mit eingebauten Leuchtdioden "für den Einsatz in der Lichttherapie" erteilt.[17]

Quellennachweise

  1. GEOWAVE-RESEARCH Forschung und Handel GmbH, Lacknerweg 5, A-5400 Hallein. Inhaber ist der Steuerberater Walter Antosch, er hält 90% der Gesellschafteranteile. Die Anschrift der Firma ist mit der seiner Kanzlei identisch. Bis Ende 2008 existierte an dieser Adresse außerdem die WTV Wassertechnologie Produktions und Vertriebs GmbH der Familie Antosch (Geschäftsführer: Heinrich Antosch), die Wasserbelebungsprodukte für die "physikalische Wasseraktivierung nach dem Umkristallisations-, Verwirbelungs- und Informationsübertragungsprinzip" verkaufte. Auch das Institut für Grenzfragen des Lebens Dr. Hacker KG des Geowave-Fürsprechers Gerhard W. Hacker hat hier seinen Sitz.
  2. Institut für Grenzfragen des Lebens Dr. Hacker KG, Lacknerweg 5, A-5400 Hallein bei Salzburg, Austria
  3. Gebrauchsmuster AT 006 780 U1: Vorrichtung zur Beeinflussung, Ablenkung und/oder Reflexion terrestrischer und atmosphärischer Strahlungen oder Felder. Gebrauchsmusterinhaber: Wiebecke Adolf, A-5411 Oberalm, Salzburg. Beginn der Schutzdauer: 15.03.2004. Auch veröffentlicht als DE 20 2004 021 212 U1, US 2006/076521 A1, WO 2004/073793 A1
  4. http://www.med-grenzfragen.eu/html/geopathie.htm Aufruf am 17. Januar 2010
  5. http://www.geowave.at/german/geowave/wissenschaft.html
  6. Hacker GW, Pawlak E, Pauser G, Tichy G, Jell H, Posch G, Kraibacher G, Aigner A, Hutter J., Biomedical evidence of influence of geopathic zones on the human body: scientifically traceable effects and ways of harmonization. Forsch Komplementarmed Klass Naturheilkd. 2005 Dec;12(6):315-27. Epub 2005 Dec 22.
  7. A. Aigner, H. Jell, A. Wiebecke, G. Hacker (2004): Leistungsfähigkeit, Herzfrequenz und arterielle Laktatkonzentration während einer Fahrradergeometrie auf einer neutralen bzw. geopathogenen Zone mit und ohne Aktivierung eines Abschirmgerätes. Österreichisches Journal für Sportmedizin 34(1), 18-22 PDF
  8. Claus Holler, Hermann Jell, Manfred Piberger, Gabriele Posch, Adolf Wiebecke, Alfred Aigner (2003): Der Einfluss von geopathogenen Störzonen auf das autonome Nervensystem. Nachweis mittels EKG und Möglichkeiten zu deren Ausgleich. PDF (neben der Messung der sog. Herzfrequenzvariabilität wurde hier auch von Kinesiologie und Holopathie Gebrauch gemacht)
  9. Institut für Grenzfragen des Lebens Dr. Hacker KG, Lacknerweg 5, A-5400 Hallein bei Salzburg, Austria
  10. Energiezentrum GOLDBURG Austria, HESA GmbH, Mayrwiesstraße 20, A-5300 Hallwang
  11. Neues "Wundermittel" gegen Elektrosmog. ORF, 12.11.2009
  12. Geowave News, Ausgabe 3, Februar 2010: "Es ist noch anzumerken, dass sich Herr Adolf Wiebecke, der Finder der GeoWave®-Welle, als Gesellschafter der GEOWAVE-RESEARCH GmbH Ende 2008 zurückgezogen hat. Er fungiert für die GEOWAVE-RESEARCH GmbH zur Zeit nur als Lizenzgeber."
  13. Energiezentrum GOLDBURG Austria, HESA GmbH, Mayrwiesstraße 20, A-5300 Hallwang. Geschäftsführer und alleiniger Gesellschafter: Herbert Salchert
  14. http://vorarlberg.orf.at/news/stories/2524302/
  15. http://vorarlberg.orf.at/news/stories/2524652/
  16. http://salzburg.orf.at/news/stories/2524630/
  17. AT 010565 U1: Vorrichtung für den Einsatz in der Lichttherapie. Veröffentlichungsdatum: 15.06.2009