Wasserfilter

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Wasserfilter zur Trinkwasserbehandlung werden vielfach zur Vorbeugung vor Erkrankungen, die aufgrund angeblich oder tatsächlich giftiger oder krebserregender Stoffe im Leitungswasser entstehen, angeboten.

Trinkwasserqualität in Deutschland

Probleme der Aufrechterhaltung der Trinkwasserqualität haben in den letzten Jahrzehnten zugenommen und wurden auch den Verbrauchern in steigendem Maße bekannt. Nach Botzenhart und Schweinsberg (1995) nehmen Verbraucher in Deutschland die Gefährdung durch chemische Inhaltsstoffe im Trinkwasser meist eher als ernster wahr als die Bedrohung durch (bakterielle) Krankheitserreger. Besonders werden gesundheitliche Spätfolgen durch die langfristige Einnahme niedriger Giftdosen befürchtet.[1]

Das Trinkwasser kann in seltenen Fällen mit verschiedenen gesundheitsschädlichen Substanzen belastet sein:

Aluminiumverbindungen werden bei der Wasseraufbereitung als Flockungsmittel eingesetzt. Gemäß Trinkwasserverordnung liegt der Grenzwert für Aluminium bei 0,2 mg/l. Die meisten Wasserwerke geben an, dass dieser Grenzwert eingehalten wird.[2]

Arsen stammt aus arsenhaltigen geologischen Formationen und aus anthropogenen Quellen. Es ist nachweislich krebserzeugend. Aufgrund des epidemiologisch gesicherten Nachweises, dass Arsen in Konzentrationen von 0,040 mg/l ein Zusatzrisiko für Bronchial-, Blasen- und Hautkrebs ist, wurde der Trinkwasserwert in den letzten Jahren auf 0,010 mg/l abgesenkt.[3] Trotzdem besteht auch bei diesem Wert weiterhin ein Langzeitrisiko.

Asbest kann, wenn es eingeatmet wird, zu Mesotheliomen und Bronchialkarzinomen führen und wurde deshalb als Dämmmaterial verboten. Es gibt bis heute keine Nachweise, dass es bei oraler Aufnahme zu Krebs führt. Der Grenzwert für Trinkwasser liegt laut deutscher Trinkwasserverordnung bei 0,01 mg/l. Asbestfasern stammen aus den Asbestzementrohren der Hauptleitungen,[4] von denen es 1992 in der BRD noch 31.126 km Rohrleitungen gab (23,5% des Gesamtnetzes). Eine Neuverlegung solcher Rohre ist nicht mehr erlaubt. Gefährlich kann dies sein, wenn asbestfaserhaltiges Leitungswasser in Luftbefeuchtern, Klimaanlagen, in der Sauna oder auch zum heißen Duschen und Baden verwendet wird, denn dann vernebelt das Wasser und feine, asbestfasterhaltige Wassertröpfchen können eingeatmet werden.

Blei ist toxisch, kann zu Blutbildveränderungen und Schäden des sich entwickelnden Nervensystems führen. Bei Kindern ist eine Belastung ab 0,010 mg Blei/Liter gefährlich. Der Grenzwert von Blei im Trinkwasser beträgt 0,1 mg/l.[2] Eine Bleibelastung des Trinkwassers ist dort zu erwarten, wo sich noch Wasserleitungen aus Blei in der Hausinstallation befinden, was nunmehr aber nur noch eine Ausnahme sein dürfte.

Nitrat ist in zunehmender Menge im Trinkwasser enthalten. Ursächlich dafür ist die steigende Verwendung von Gülle- und Intensivdünger in der Landwirtschaft. Der Trinkwassergrenzwert liegt bei 50 mg/l, wobei bereits ab 10 mg/dl eine steigende Krebsgefahr dokumentiert ist. Nitrat wird durch die bakterielle Mund- und Darmflora in Nitrit umgewandelt, was wiederum zu krebserzeugenden N-Nitrosaminen führen kann. Der durchschnittliche Nitratgehalt im Trinkwasser beträgt je nach Wasserwerk um die 20-25 mg/l. Der Grenzwert von Nitrit im Trinkwasser beträgt 0,5 mg/l.[2]

Pestizide werden durch ihre Abbauprodukte für das Grundwasser gefährlich. Die unter dem Begriff PSBM zusammengefassten 35 Einzelsubstanzen dürfen nach derzeitiger EU-Regulation nur bis zu einer Menge von 0,1 Mikrogramm/Liter im Trinkwasser enthalten sein. Eine lückenlose Überwachung findet aber aus Kostengründen derzeit nicht statt.

Trihalogenmethane werden zur Desinfektion des Wassers eingesetzt. Nach ihrem Zerfall setzen sie Chlor frei. Metaanalysen aus den USA zeigen, dass mit Chlor desinfiziertes Trinkwasser ein erhöhtes Risiko für Blasen- und Rektumkarzinome nach sich zieht, wobei hier auch eine Begleitbelastung mit Arsen eine Rolle spielt. In den USA ist das Trinkwasser deutlich stärker chloriert als in Europa. In Deutschland liegt der Grenzwert bei 0,5 Mikrogramm/ml, wobei Konzentrationen bis zum Zehnfachen gemessen werden, wenn das Leitungswasser weite Strecken transportiert wird und das zugesetzte Trihalogenmethan deshalb vollumfänglich zerfallen kann.

Die Zufuhr gesundheitsförderlicher Substanzen erfolgt demgegenüber nicht. So ist Fluorid im deutschen Trinkwasser flächendeckend deutlich unter dem zur Kariesprophylaxe notwendigen Maß von 0,7-1,2 mg/l vorhanden. Obwohl man in skandinavischen Ländern, in denen eine Trinkwasserfluoridisierung vorgenommen wurde, keine Zunahme der anfänglich befürchteten Fluoridvergiftungserscheinungen (beginnend ab 5-50 mg/kg Körpergewicht) und gleichzeitig eine drastische Reduktion der Karies registrierte, wird in Deutschland und anderen EU-Staaten weiterhin die ineffiziente Verabreichung fluoridhaltiger Zahnpasten oder die Zufuhr fluoridisierten Speisesalzes propagiert.

Kalk im Leitungswasser stellt kein gesundheitliches, aber ein wirtschaftliches Problem dar. Ein hoher Kalkgehalt kann zu Ablagerungen in Heizelementen führen und damit den Energiebedarf steigern, die Lebensdauer von Haushaltsgeräten (Waschmaschinen, Durchlauferhitzern, Kaffeeautomaten) senken und den Verbrauch an Reinigungsmitteln erhöhen. Hier können Wasser-Enthärtungsanlagen sinnvoll sein, die aber aus medizinischer Sicht fragwürdig sind, denn das aus ihnen stammende Wasser ist kalkarm, dafür natriumreich. Man sollte also hier nur jene Kreisläufe entkalken, die gezielt für Haushaltsgeräte notwendig sind, oder seinen Mineralienbedarf durch Mineralwässer decken.

Filtersysteme

Prinzipiell gibt es zur Wasserfilterung folgende Systeme:

  • Filter aus loser oder gepresster Aktivkohle sollen Schadstoffe wie Herbizide und Pestizide herausholen. Sie sind sehr teuer und der Filter muss alle 4-5 Jahre gewechselt werden.
  • Ionenaustauscher können zusätzlich Nitrate und Schwermetalle filtern, da viele im Wasser gelöste Stoffe elektrisch geladen sind. Ionenaustauscher ziehen diese an, binden sie und geben dafür Kochsalz ab. Der Erfolg ist die Steigerung des Natriumgehalts des Trinkwassers, was für Kleinkinder und Bluthochdruckpatienten nicht positiv ist.
  • Umkehrosmose ist ein Verfahren, bei dem Wasser unter hohem Druck durch eine halbdurchlässige Kunststoffmembran gepresst wird, die Salze und andere Fremdstoffe zurückhält. Der Nachteil solcher Filter ist die bakterielle Keimbildung bei nachlässiger Pflege sowie ein hoher Wasserverbrauch, da pro Liter gefilterten Wassers mehrere Liter Wasser verbraucht werden.
  • Wasserenthärter sind Geräte, die vor allem Kalk elektromagnetisch aus dem Wasser ziehen sollen. Die Stiftung Warentest prüfte im Januar 2000 dreizehn dieser Geräte auf die Fähigkeit, Kalk aus dem Wasser zu entfernen und bewertete zehn als mangelhaft sowie drei als befriedigend.[5] Zu einem ähnlichen Ergebnis kam der Deutsche Verein des Gas- und Wasserfaches, der nur wenigen Geräten eine hygienische Unbedenklichkeit bescheinigte.

Der Brita-Baby-Wasserfilter

Die Firma Brita aus Taunusstein stellt seit vielen Jahren Wasserfilter her und setzt damit Millionen um. In den frühen 1990ern wurde u.a. mit der Behauptung geworben, mit diesem Filter könne der Verbraucher das Leitungswasser zusätzlich reinigen und seine Gesundheit fördern. Diese Behauptungen waren unzutreffend, da Untersuchungen verschiedener Institutionen wie des Katalyse-Instituts 1994 zeigten, dass diese Filter bakterielle Brutstätten waren und das gefilterte Wasser hygienisch weitaus schlechter war als Leitungswasser. Der Berliner Hygiene-Professor Franz Daschner kritisierte das Taunussteiner Unternehmen bereits 1993. Er äußerte, dass sich krankheitsverursachende Bakterien und Schimmelpilze einnisten können und das Wasser, das oben hygienisch sauber hineingegeben werde, nicht selten hygienisch schlechter wieder herauskomme.

Als dieses im März 1994 in der TV-Sendung "Schreinemakers live" einer breiten Öffentlichkeit zugänglich wurde, brach der Umsatz von Brita innerhalb kürzester Zeit um 40% ein. Der Firmeninhaber versuchte, einstweilige Verfügungen gegen zwei Kritiker (Katalyse-Institut, Kölner Wasserwerke) zu erwirken, die diesen untersagen sollten, ihre berechtigten Behauptungen weiter zu verbreiten. Dem Antrag wurde nicht stattgegeben, da das Gericht die vorgelegten Gutachten so bewertete, dass Brita befürchten musste, das Eilverfahren zu verlieren. Brita ging nicht mehr in die Hauptverhandlung und zog zwei Tage vor der mündlichen Verhandlung im Mai 1994 den Baby-Filter vom Markt.[6] Demzufolge war die Behauptung der Kritiker, dass der Brita-Babywasserfilter gesundheitlich nicht unbedenklich war, korrekt.

Testergebnisse

Laut der Zeitschrift Öko-Test konnte der Brita-Baby-Wasserfilter zwar wie versprochen Nitrat, Chlor, Pestizide, Kupfer und Blei aus dem Trinkwasser herausfiltern, doch wurde Nitrit in erheblichem Umfang eingetragen. Laut Trinkwasserverordnung darf Leitungswasser nicht mehr als 100 Mikrogramm/l enthalten, in dem Filtrat waren jedoch 250 Mikrogramm/l enthalten, was darauf schließen ließ, dass der Filter selbst das Nitrit abgab. Die festgestellte Verkeimung überraschte die Firma nicht. Sie spielte das Risiko mit zwei Argumenten herunter: Es handele sich nur um harmlose Wasserbakterien und außerdem müsse das Wasser vor dem Trinken abgekocht werden.[7]

Professor Henning Rueden vom Hygieneinstitut der FU Berlin untersuchte damals Brita-Filter und stellte fest, dass das Wasser im Gerät nach 12 Stunden mehr als 10.000 Keime pro Milliliter Filterwasser enthielt. Bereits vor Inbetriebnahme waren die unteren Filterkartuschen an den Außenflächen ausnahmslos mit Pilzen kontaminiert. Nach einem Durchlauf von 60 Litern entsprach das filtrierte Wasser nicht mehr den Richtlinien der Trinkwasserverordnung von 100 KBE/ml.[8]

Im Jahr 2000 kam die Stiftung Warentest zu dem Ergebnis, dass die meisten Wasserfilter nur eine beschränkte Wirkung haben, einzelne Problemstoffe gar nicht oder nur unzuverlässig entfernen und sogar andere Substanzen an das Trinkwasser abgeben können. Zudem besteht das Risiko, dass sich im Filter bakterielle Keime und Schimmelpilze ansiedeln. Einen ausreichenden Schutz vor Bakterien, die sich bereits im Trinkwasser befinden, bieten die Filter hingegen nicht.[9] Als Reaktion auf diesbezügliche Kritik versetzte der Hersteller den Filter mit Silber, das zum Abtöten von Bakterien dient. Allerdings kann damit auch eine Kontamination des Wassers mit Silber nicht ausgeschlossen werden.[10]

Mittlerweile bewirbt die Firma Brita ihre Produkte nicht mehr so marktschreierisch wie noch vor zehn Jahren. Als Vorteile des Produkte werden aufgeführt: "Die Reduktion der Karbonathärte (Kalk) des Leitungswassers verbessert den Geschmack von Getränken: Tee und Kaffee sowie Speisen entfalten ihr volles Aroma, der unansehnliche Film auf Tee kann nicht mehr entstehen. Außerdem verkalken Haushaltsgeräte nicht mehr so schnell". Interessanterweise empfiehlt die Firma den kombinierten Wasserfilter-Wasserkocher Brita Acclario. Er filtert das Wasser und kocht es sicherheitshalber ab - die einzige vernünftige Methode, bakteriell kontaminiertes Filterwasser hygienisch so aufzubereiten, dass es keine direkte Gesundheitsgefahr darstellt.

Im Jahre 1998 warnte F. Daschner im Arznei-Telegramm unter Bezugnahme auf eine im Auftrag des damaligen Bundesministeriums für Gesundheit durchgeführte Untersuchung vor Tischgeräten zur Wasserfiltration, die mit Ionenaustauschern und Aktivkohle sowie einem an den Wasserhahn anzuschließenden Mikrofilter betrieben werden.[11] Die von den Herstellern behauptete Verringerung des Blei- und Kupfergehaltes nehme mit der Zeit ab und auch der Nitratgehalt werde nur mit begrenzter Leistungsfähigkeit gesenkt. Nach 4-7 Tagen sei die Filterfunktion erschöpft. In einigen Haushaltsfiltern seien bedenklich hohe Keimkonzentrationen (bis 100.000 Keime pro Milliliter) gefunden worden, wohingegen laut Trinkwasserverordnung dieser Wert nur 100 Keime/ml betragen dürfe. Ein Kartuschenwechsel spätestens alle 10-14 Tage sei unumgänglich. Aus hygienischer Sicht wurde empfohlen, auf Haushaltsfilter zu verzichten.

Fragwürdige Strukturvertriebe

Die Diskussion um die potentiellen Gesundheitsgefahren von Wasserfiltern und deren geringe Wirksamkeit beeinflusste das Marketing nicht besonders intensiv. Weiterhin verkaufen Multi-Level-Marketing-Firmen wie Sanacell Standgeräte wie Multi Pure Trinkwasser-Filter Seimeiba und Arkanum zu erheblichen Preisen. Die Geräte werden in typisch esoterischem Jargon angepriesen und bieten angeblich alles in einem: Allerbeste Wasserkristall-Struktur (vergleiche Wasserkristalle), biologisch rechtsdrehend, Löschung von Schadstoffinformationen (vergleiche Lösung von Allergien durch Bioresonanz), natürlich positive Informationen, Reinigung von chemischen Substanzen, keine Nachverkeimung, Kalkreduktion. Dabei wird mit pseudowissenschaftlichen Argumenten die angebliche Wirksamkeit dieser Geräte suggeriert. Dieselbe Firma bietet microcystinbelastete Afa-Algen an.

Im Internet finden sich zahlreiche weitere Anbieter von Wasserfiltern bzw. Tischgeräten zur Wasserfilterung. Deren Wirksamkeit ist zweifelhaft, ihr gesundheitlicher Nutzen bis heute unbewiesen. Dem Verbraucher ist zu raten, sich eine aktuelle Analyse seines Trinkwassers fertigen zu lassen, diese mit den Angaben seines Wasserwerkes zu vergleichen und eventuell seinen Trinkwasserbedarf durch ebenfalls nachweislich genau geprüftes Mineralwasser zu decken. Bei einschlägigen Discountern gibt es natrium- und nitratarme Mineralwässer zu günstigen Preisen, deren Qualität mit der des Leitungswassers mithält.

Quellennachweise

  1. Botzenhart K, Schweinsberg F: Probleme der chemischen Trinkwasserqualität. Dt Ärztebl 94: 38-42, 1997
  2. 2,0 2,1 2,2 http://www.trinkwasseranalyse.net/trinkwasserqualitaet/trinkwassergrenzwerte/trinkwassergrenzwerte_im_trinkwasser.php
  3. Entfernung von Arsen bei der Wasseraufbereitung Mitteilung des DVGW-Fachausschusses „Wasseraufbereitung“, Wasser-Information Nr. 47, Ausgabe 5/95
  4. Merkblatt Nr. 1.8/7 des Bayerischen Landesamtes für Umwelt Stand: November 2010
  5. Stiftung Warentest Physikalische Wasserbehandler: Ein Schlag ins Wasser 16. Dezember 2000
  6. Affäre: Im Trüben gefischt Focus, 6. Februar 1995
  7. Ökotest, Sonderheft 21: Essen, Trinken 1997 (S. 9621) vom 11. November 1996
  8. Rueden, H.: Wasserfiilrer: Neues Testergebnis Deutsches Ärzteblatt 1994; 91(17): A-1178
  9. Stiftung Warentest: Wasserfilter: Meist überflüssig 19. Dezember 2000
  10. Beurteilung der Gesamtumweltexposition von Silberionen aus Biozid-Produkten, Studie des Umweltbundesamtes, Forschungsbericht 360 04 020, 2008 UBA-FB 001212
  11. arznei-telegramm: Cave Haushaltsfilter a-t 1998; Nr. 10: 93