Thinkman

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Thinkman ist der Handelsname eines elektrisch betriebenen Scharlataneriegeräts, das ein "Hören über die Haut", ein "Lernen im Schlaf", "Lernen über die Haut" (Skinlearning) und Mentaltraining ermöglichen soll. Erfinder des "Mentalwellness"-Geräts ist Josua Kohberg, Geschäftsführer der Coburger Kosys Vertrieb GmbH,[1] die das Gerät vertreibt. Unter anderem sollen die wissenschaftlich unbelegten Wundereigenschaften durch eine Hemisphärensynchronisation zustande kommen. Auf mögliche unerwünschte Wirkungen/Nebenwirkungen (etwa epileptische Anfälle) geht der Hersteller in seiner Werbung nicht erkennbar ein. Beworben wird der Thinkman mit pseudowissenschaftlichen Redewendungen. Fachliteratur die eine Anwendung im vom Hersteller gemeinten Sinne befürwortet, lässt sich aktuell (2012) nicht in wissenschaftlichen Datenbanken auffinden.

Der Thinkman wird als Weiterentwicklung des sehr ähnlichen Neurophone von Gillis Patrick Flanagan bezeichnet. Ähnliche Versprechungen wie für den Thinkman findet man auch bei anderen Anbietern auf dem Alternativmedizinmarkt, z.B. für das Gerät VitalWave.

Behauptungen zur Funktion

Das batteriebetriebene Kleingerät soll über Hautelektroden "biokompatible Ultraschallfrequenzen" im Frequenzbereich 30 kHz bis 144 kHz der Hautoberfläche zuführen. Auch lasse sich rosa Rauschen hinzumischen. Über eine Anschlussbuchse für einen CD- oder MP3-Player soll mit den Audiosignalen das Ultraschallsignal moduliert werden (außer beim billigsten Modell "thinkman lite"). Je nach gewählter Frequenz sollen sich verschiedene Zustände sowie ein "Wohlgefühl" oder "Harmonie" einstellen. Mit 43 kHz werde eine entspannte Aufmerksamkeit und mit 96 kHz ein "konzentrierter Focus" erreicht. Die Durchblutung werde angeregt und die Puls- und Atemfrequenz gesenkt. Mit einer dritten Einstellung, einem im Bereich von 30 kHz bis 144 kHz hin und her pendelnden Signal, könne ein "Ausgleich des gesamten Körpersystems" bewirkt werden. Durch das hinzugefügte rosa Rauschen[2], das als "Stimulation des Nervensystems unter Verwendung aller hörbaren Frequenzen" bezeichnet wird, komme es innerhalb einiger Minuten zur "Gehirnhälftensynchronisation". Kohberg beruft sich in seinem unwissenschaftlichen Erklärungsversuch auch auf Alfred Tomatis. Das rosa Rauschen führe außerdem "zu einer deutlich beschleunigten Regeneration, zur Förderung der Selbstheilungskräfte, einer Steigerung der Konzentration und zu einer höheren Aufnahmefähigkeit."

Die Ultraschallschwingungen werden nach Ansicht von Kohberg vom Sacculus, einem Teil des Gleichgewichtsorgans im Innenohr, aufgenommen. Eine solche Wahrnuehmung von Ultraschall ist durch Knochenleitung tatsächlich möglich.[3][4] Der Thinkman nutze aber nicht nur den Schädelknochen zur Schallübertragung, sondern "Haut, Körperflüssigkeiten und Knochengerüst". Außerdem sind die "Schwingungsgeber" (isolierte) Elektroden und nicht z.B. piezoelektrische Schwingungsgeber, so dass von einer Schallleitung keine Rede sein kann.

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Vermarktung

Der Thinkman kostet je nach Ausführung zwischen 590 Euro und 1.590 Euro. Intensiv beworben wurde das Gerät u.a. von der Esoterik-Zeitschrift Zeitenschrift, bei der man den Thinkmann auch bestellen kann. In einem Artikel zum Thinkman wird auch auf Bodo Köhler und sein System 37 verwiesen, ein Scharlatanerieprodukt, das ebenfalls von der Firma Kosys vetrieben wird.[5] Von Rüdiger Dahlke wird ein "Anwenderbericht" aus dem Jahr 2000 präsentiert. Mit seiner "Mehrplatzanlage", mit der er "bis zu hundert Seminarteilnehmer synchron mit den entsprechenden Frequenzen versorgen" könne, habe Dahlke festgestellt, "daß die Teilnehmer nach einer Gruppenmeditation unter Einsatz des Thinkman tiefer in Entspannung kommen", ferner gäbe es "Hinweise auf die harmonisierende Wirkung des Thinkmans", usw.

Inzwischen existiert ein Nachfolgemodell "neoos®2", welches auf der gleichen völlig unplausiblen und immer noch nicht belegten Funktionalität basiert, aber mit imaginären "integrierten Darm- und Wobbelfrequenzen"[6] aufwartet, welche einer nicht näher beschriebenen Gesundheitsprävention dienen sollen. Auch diese Gerät ist sehr kostspielig und bewegt sich im Bereich von 990 € bis 1646 €.[7] Beworben wird das Gerät auch wieder von Rüdiger Dahlke, der mit Preisnachlässen von 600 €, aufgrund seiner guten Beziehung zu Kohberg, Kunden in die Falle locken möchte.[8]

Verwendung als Lernhilfe

Behauptet wird, dass in Phasen der Harmonie das Lernen leichter falle. Entsprechend wird das Gerät für Schulkinder und ihre Eltern beworben. Das liest sich beispielsweise so:

Mit der Technik des thinkman® lernen Sie die Sprache spielerisch leicht und entspannt mit passivem "Hören über die Haut" und "Lernen im Schlaf".

Oder:

Lernen wie im Schlaf - Nutzen Sie Ihre Haut als Lernorgan. Mit dem thinkman lernen Sie wirklich, wenn Sie möchten, im Schlaf. Denn der thinkman gibt über die Schwingungsgeber, welche Sie z.B. am Handgelenk mittels eines Armbands anbringen, die Informationen über Ihre Haut an Ihr Unterbewusstsein weiter.

Oder:

Der thinkman® ermöglicht es, hörbare – also akustische – Informationen in Ultraschall-Wellen umzuwandeln. Diese Lerninhalte können Sie nun unbewusst (subliminal) über die Haut wahrnehmen und extrem schnell im Langzeitgedächtnis speichern und wieder abrufen. Entscheidend ist hierbei die Wiederholungsrate, mit der Sie die Informationen wahrnehmen. Mit dem thinkman® können Sie bis zu 10.000 Wiederholungen in der Stunde erreichen und sich gleichzeitig mit anderen Dingen beschäftigen. Sie sparen 50 – 70 Prozent der Lernzeit ein! Einen Englischkurs mit 2.500 Vokabeln können Sie z.B. in 3 Monaten abschließen.

Quellennachweise

  1. KOSYS Vertrieb GmbH, Geschäftsführer Josua Kohberg, KOSYS Unternehmensgruppe, Cortendorfer Straße 37, D-96450 Coburg
  2. Rosa Rauschen, auch als 1/f-Rauschen bezeichnet, ist ein Rauschsignal, dessen Amplitude(ndichte) umgekehrt proportional zur Frequenz ist. Verglichen mit weißem Rauschen, dessen Amplitude bei allen Frequenzen gleich ist (innerhalb eines gewissen Frequenzbereichs), klingt rosa Rauschen dementsprechend etwas "dumpfer".
  3. Lenhardt ML, Skellett R, Wang P, Clarke AM: Human ultrasonic speech perception. Science. 1991 Jul 5;253(5015):82-5
  4. Kiyoshi Fujimoto, Seiji Nakagawa, Mitsuo Tonoike: Nonlinear explanation for bone-conducted ultrasonic hearing. Hearing Res. 204 (2005) 210–215
  5. http://www.zeitenschrift.com/magazin/57-klang.ihtml
  6. kosys.de/neoos/
  7. shop.kosys.de/neoos/
  8. www.dahlke.at/images/newsletter/DAHLKEInfoNeoos.html