Neurolinguistische Programmierung

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Neurolinguistische Programmierung (kurz NLP; auch Neurolinguistisches Programmieren) ist eine außerwissenschaftliche Theorie, die in der akademischen Psychologie nicht anerkannt ist.

Begründer

Ursprünglich erfunden wurde diese angeblich hochwirksame Technik in den 1970er Jahren durch den Linguisten und Psychologen John Grinder (geb. 10. Januar 1940[1] sowie den Psychologen und Mathematiker Richard Bandler (geb. 24. Februar 1950[2]). Sie behaupteten, dass sie führende Psychologen bestimmter Therapierichtungen (z.B. Hypnotherapie, Familientherapie, Gestalttherapie) beobachtet und die diesen Systemen zugrunde liegenden Prinzipien und Techniken herausgearbeitet hätten. Sie veröffentlichten ihre Ansichten in "Die Struktur der Magie" Mitte der 1970er Jahre.

Bandler entwickelte darüber hinaus auch andere Systeme wie das Design Human Engineering (DHE) und das Neuro Hypnotic Repatterning (NHR).[3] Grinder ist ferner Co-Geschäftsführer der Quantum Leap Inc., die er seit 1989 mit seiner Geschäftspartnerin Carmen Bostic St. Clair führt. Grinder und Bostic St. Clair bieten außerdem international Workshops und Seminare zu NLP an.[4]

Umstrittene Technik

Der Kerngedanke der NLP ist, dass der Mensch beim Denken verschiedene (visuelle, auditive, olfaktorische) Repräsentationssysteme benutze und man demzufolge vorrangig unter Zuhilfenahme nur einer Art von Sinneswahrnehmung denke. Welches dieser Systeme benutzt werde, könne man an der Art verwendeter Wörter erkennen. Auch an den Augenbewegungen könne man erkennen, wie jemand denke. Bei dieser Art von psychologischer Technik handelt es sich aber eher um Pseudolinguistik als um Psychotherapie.

Als Beispiel soll das sogenannte Ankern vorgestellt werden. NLP-Therapeut und -Klient konzentrieren sich auf ein Problem und verbinden es dann beispielsweise mit der Bewegung einer Hand, die auf die linke Schulter des Klienten drückt. Der Klient soll sich nun vorstellen, dass er alle zur Problemlösung notwendigen Fähigkeiten besitze und der Therapeut drückt nun die rechte Schulter. Zuletzt drückt der Therapeut beide Schultern, wodurch das Problem integriert werde. Durch diese simple Ablenkungstechnik, die an Pawlow'sche Konditionierungsversuche erinnert, sollen Probleme gelöst werden können.

In NLP-Kreisen ist die Ansicht verbreitet, dass eine Beobachtung von Augenbewegungen es zulasse zu erkennen, ob jemand lügt oder nicht. Sagt ein Mensch die Wahrheit, so soll er aus NLP-Sicht nach links blicken, lügt er, sollen sich seine Augen nach rechts bewegen. Psychologen um Caroline Watt von der Universität Edinburgh und Richard Wiseman von der Universität Hertfordshire haben diese Behauptung im Jahre 2012 überprüft und keinen Hinweis darauf gefunden, dass die Annahme zutrifft[5]. Die Psychologen zeichneten die Augen von Probanden per Video auf, die entweder logen oder Wahres berichteten. Dann wurden die Filme von Kollegen ausgewertet, die über den Inhalt der Studie nicht unterrichtet waren. Es war keine Übereinstimmung zwischen Wahrheitsgehalt einer Aussage und den Augenbewegungen zu ermitteln.

Am häufigsten wird in der NLP-Szene eine Studie von Allen (1982) als Erfolgsnachweis zitiert, in der Personen mit einer Schlangenphobie nach einer NLP-Behandlung häufiger behaupteten, ihre Ängste überwunden zu haben als die Kontrollpersonen. In allen anderen untersuchten Parametern jedoch fand sich kein Unterschied zwischen den Gruppen. Es gibt noch weitere Studien (z.B. Schütz 1996), die Erfolge propagieren. Prüft man diese Studien jedoch kritisch nach (Börderlein 2002), so zeigen sich massive methodische Fehler, die die Studie alles andere als glaubhaft machen.

Die NLP wirkt deshalb scheinbar im Einzelfall, weil sie in einen Gruppenkontext eingebunden ist. NLP bietet den Anhängern eine einfache, technische Lösung und propagiert unbeirrbaren Optimismus, der gelegentlich als positives Denken bezeichnet wird. Die Überbetonung des Individuellen in Verbindung mit der Ansicht, dass alle Probleme nur Missverständnisse zwischen Menschen seien, die jedoch angeblich alle das Gleiche wollen, scheint gerade erfolgsorientierte, selbständige Menschen anzusprechen.

Viele NLP-Anhänger sind z.B. Lehrer, Sozialpädagogen und im Personalsektor beschäftige Personen, die im täglichen Umgang mit Dritten problematischem Verhalten ausgesetzt sind und dieses kontrollieren wollen. Entsprechende Inhalte werden jedoch an der Universität nicht gelehrt, so dass man in der Praxis auf Systeme ausweicht, die wie NLP den Anschein von Wissenschaftlichkeit in Anspruch nehmen. Hier bietet sich die NLP geradezu an, was auch den anhaltenden Erfolg der NLP erklärt, der sich wahrscheinlich auch nicht durch die spektakulären Pleiten diverser 'Motivationstrainer' beeinflussen lässt. Da die NLP primär zur Selbsttäuschung und Verdrängung von Problemen, jedoch nicht zu ihrer Lösung dient, ist auch kein Nutzen dieser Methode erkennbar.

Zu bedenken ist, dass verschiedene Psychogruppen und Sekten sich der NLP als Filterinstrument zur Akquise neuer Anhänger bedienen. Da die NLP eine bestimmte Art von Menschen anspricht, bieten sich Möglichkeiten zur dauerhaften Kundenbindung.

Wissenschaftliche Rezeption

Wissenschaftler bezeichnen NLP als „Pseudowissenschaft“ oder als eine „New-Age-Form“ der Psychotherapie. Das aggressive Marketing von NLP verdrängt zudem die wissenschaftlich fundierten Heilungsmethoden und führt dazu, dass Menschen Zuflucht zu Methoden nehmen, deren Wirksamkeit nicht bewiesen ist und die teilweise sogar mehr Schaden anrichten als zu helfen.[6]

Einige Psychologen sehen in NLP eine klassische Pseudowissenschaft, da sie zwar Elemente und Terminologien etablierter Theorien übernimmt, aber nicht bestrebt sei, Hypothesen bzw. Behauptungen wissenschaftlich zu validieren.[7] NLP erwecke dadurch den Anschein der Wissenschaftlichkeit, ohne ihn einzulösen.

Auch der Begriff NLP wurde von Psychologen mehrfach als pseudowissenschaftlich charakterisiert. Roderique-Davies (2009) äußerte, das Wort "Neuro" in NLP sei "...betrügerisch, da NLP keine Erklärungen auf neuronaler Ebene anbiete und daher argumentiert werden kann, dass sein Gebrauch irrigerweise die Vorstellung wissenschaftlicher Glaubwürdigkeit nährt."[8] Witkowski (2010) meint gleichermaßen, dass NLP auf neuronaler Ebene keine Erklärung bietet und auch keine Ähnlichkeit mit Linguistik oder der Programmierung hat[9]. Eine ähnliche Kritik bringt der experimentelle Psychologe Corballis(1999) hervor: "Der Titel NLP ist ein Schwindel, gestaltet um den Eindruck wissenschaftlicher Seriosität zu wecken."[10]

Die wissenschaftliche Grundlage der NLP ist ausgesprochen dürftig. Es gibt keine verbindende Theorie der NLP-Anbieter, sondern lediglich pseudowissenschaftlich klingende Allgemeinplätze wie "Geist und Körper sind Teile des gleichen kybernetischen Systems und beeinflussen sich wechselseitig". Für die Wirksamkeit der NLP-Methoden gibt es bis heute keine glaubwürdigen Hinweise.

Esoterische Einflüsse

NLP wird ferner auch als Quasi-Religion beschrieben, die in den Bereich Esoterik bzw. den der Human Potential Movements fällt. Zudem sind Bandler und Grinder von der Schamanismus-Auffassung von Carlos Castaneda beeinflusst, so dass sie einige der von Castaneda als angeblich indigen bezeichneten Vorstellungen und Techniken in das NLP integriert haben. Daher findet sich in der Rezeption der NLP auch die Charakterisierung als „Psycho-Schamanismus“.[11] Es ist hervorzuheben, dass es sich bei Castanedas Veröffentlichungen um Fiktion, jedoch nicht um Fach- oder Sachliteratur handelt. Zudem sind einige der von Castaneda als genuin beschriebenen spirituellen Vorstellungen und Techniken konträr zur tatsächlichen Kultur der Yaqui (vgl. z.B. das sogenannte Pirschen oder das Konzept des „Kriegers“).

Literatur

  • Scheich Günther, Waller Klaus: Positives Denken macht krank. Vom Schwindel mit gefährlichen Erfolgsversprechen, Verlag: Eichborn Verlag Ag (1997) ISBN-10: 3821805048

Weblinks

Einzelnachweise

  1. http://en.wikipedia.org/wiki/John_Grinder
  2. http://en.wikipedia.org/wiki/Richard_Bandler
  3. http://en.wikipedia.org/wiki/Richard_Bandler
  4. http://en.wikipedia.org/wiki/John_Grinder
  5. PLoS One, Bd. 7, S. e40259, 2012
  6. Lilienfeld, S.O.: Our Raisson D’etre. In: The Scientific Review of Mental Health Practice. 1(1), 2002, S. 20
  7. Helmut Lukesch in: Zeitschrift für Pädagogische Psychologie/German Journal of Educational Psychology 2000; 2/3; 59–62
  8. http://jarhe.research.glam.ac.uk/media/files/documents/2009-07-17/JARHE_V1.2_Jul09_Web_pp57-63.pdf
  9. Witkowski "Thirty-Five Years of Research on Neuro-Linguistic Programming. NLP Research Data Base. State of the Art or Pseudoscientific Decoration?" Polish Psychological Bulletin 2010, vol 41 (2), 58–66 pp. 65.
  10. Corballis, MC., "Are we in our right minds?" In Sala, S., (ed.) (1999), Mind Myths: Exploring Popular Assumptions About the Mind and Brain Publisher: Wiley, John & Sons. ISBN 0-471-98303-9 (pp. 25–41), Seite 41
  11. http://en.wikipedia.org/wiki/Neuro-linguistic_programming#NLP_as_quasi-religion

siehe auch