Hildegard-Aderlass

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Hildegard Aderlass.jpg

Als Hildegard-Aderlass (Aderlass nach Hildegard von Bingen, Aderlass nach der Hl. Hildegard, Mikro-Aderlass nach Hildegard von Bingen usw.) wird in der Pseudomedizin eine Variante des Aderlasses bezeichnet und dabei Bezug auf die Benediktinerin Hildegard von Bingen (1098-1179) sowie die Humoralpathologie genommen.

Befürworter sehen in der mit Elementen aus der Esoterik und Mondmystik angereicherten Methode einen Weg zur Behandlung von Erkrankungen unterschiedlichster Art. Genannt werden Allergien, Asthma, atopische Dermatitis, Gicht, Asthma, Multiple Sklerose (MS), Bluthochdruck, Unfruchtbarkeit und Polyarthritis (Rheuma). Die Methode soll ausschließlich positive Effekte hervorrufen, "kräftigend" wirken, "entgiftend" sein, Thromboseneigung beseitigen und das Immunsystem stimulieren. Die Methode wird in der Alternativmedizinszene als eine "Umstimmungstherapie chronischer Erkrankungen" oder auch "bluthygienisches Verfahren zur Entgiftung, Immunstimulierung und Regulierung der Körperfunktionen" bezeichnet. Aus Befürwortersicht soll es gelingen, bei dem Aderlass ausschließlich "unreines Blut" dem Körper als "Schwarzgalle" oder vermeintliche Schlacke zu entziehen.

Als ein Verbreiter der Methode wird der österreichische Arzt Ewald Töth genannt, der auch ein spezielles Aderlass-Punktionsbesteck (Laminar-Nadel nach Töth) erfunden haben soll und das Werk "Der Hildegard-Aderlass nach Dr. Ewald Töth: Ein bluthygienisches Verfahren zur Entgiftung und Entsäuerung des Körpers" verfasste. Das Buch erschien 2004 im Licht-Quanten-Verlag.

Methode

Hildegard von Bingen machte Angaben zur Häufigkeit des Aderlasses, zur entnommnen Blutmenge sowie zu weiteren begleitenden Maßnahmen. Männer ab 30 sollten demnach mindestens einmal jährlich zur Ader gelassen werden und dabei "soviel Blut wie ein durstiger Mann in einem Zuge trinken kann" (100-150 ml) verlieren. Frauen sollen nach Ansicht von Hildegard von Bingen mehr "schädliche Säfte" und "krankmachende Fäulnisstoffe" besitzen als Männer und ein- bis zweimal im Jahr etwa die gleiche Blutmenge beim Aderlass verlieren, "weil die Frau in ihrem Körper viel mehr schädliche Säfte und krankmachende Fäulnisstoffe besitzt als der Mann. Würde die Frau nicht von den schädlichen Säften und Fäulnisstoffen gereinigt, würde sie am ganzen Körper anschwellen und sich aufblähen und nicht leben und sterben können."

Der Aderlass nach Hildegard soll aus unbekannten Gründen nur während der ersten sechs Tage nach Vollmond durchgeführt werden. Auch muss das Blut sichtbar "frei fließen", ganz im Gegensatz zu Praktiken einer Blutentnahme in der wissenschaftlichen Medizin.

Nach dem Aderlass soll der Patient sich drei Tage lang "vor den Strahlen des hellen Lichtes der Sonne wie auch vor dem Scheine des brennenden Feuers in acht nehmen, weil während dieser drei Tage das Blut im Menschen durch diese Helligkeit erschüttert wird, bebt und häufig dem Herzen Schaden bringt", heißt es bei Hildegard von Bingen. Heutige Interpretationen sehen auch spezielle Diätvorschriften vor.

Zitate

  • Wenn bei einem Menschen die Gefäße mit Blut überfüllt sind, müssen sie durch ein Aderlass von dem schädlichen Schleim und durch die Verdauung gelieferten Fäulnisstoffen gereinigt werden. (Zitat Hildegard von Bingen).
  • Er soll aber bei abnehmendem Monde zur Ader lassen, am ersten Tag, wenn der Mond anfängt abzunehmen, oder am zweiten, dritten, vierten, fünften und sechsten Tage und dann nicht mehr, weil ein früherer oder späterer Aderlass nicht so viel Nutzen bringen wird. Nicht aderlassen soll man bei zunehmendem Mond, weil solcher Aderlass schädlich ist, da jetzt die mit dem Blut vermischte faulige Flüssigkeit sich nicht leicht von ihm scheiden kann. Bei wachsendem Mond fließen nämlich Blut und zersetzte Flüssigkeit gleichzeitig im Menschen und lassen sich nicht leicht voneinander trennen. Es ist so wie bei einem Strom, der, mit mäßiger Geschwindigkeit in seinem Bette fließend, diese seine Art beibehält. Nimmt aber der Mond ab, dann fängt das Blut mehr an, aufgeregt zu werden und sein Bett zu verlassen, lässt auch faulige Flüssigkeit ausfließen, wie es bei einer großen Überschwemmung der Fall ist, die das Verfaulte in ihr sichtbar macht und den Schaum aus sich auswirft. (Zitat Hildegard von Bingen)

Weblinks