Erwin Thoma

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Erwin Thoma bei AZK des Schweizer Sektenführers Ivo Sasek im August 2018

Erwin Thoma (geb. 14. Februar 1962 in Bruck an der Großglocknerstraße) ist ein österreichischer Forst- und Betriebswirt und Holzunternehmer, der als Unternehmer und Autor auf dem Gebiet „Baumwissen und Holzinnovation“ tätig ist. Aktueller Wohnort ist Goldegg im Pongau. "Baumversteher" Thoma[1] ist mit seiner Thoma-Holz GmbH Anbieter von Häusern in Holzbauweise. Für das Jahr 2015 gibt Thoma für seine Firma einen Umsatz von 20 Millionen Euro an. Die Zahl der Beschäftigten soll bei 140 liegen.[2][3]

Thoma tritt auch als Befürworter außerwissenschaftlicher Überzeugungen auf. So bewirbt er beispielsweise so genanntes Mondholz, das seiner Meinung nach eine bessere Stabilität, Haltbarkeit, Schädlingsresistenz und Feuerbeständigkeit aufweise. Thoma ist Anhänger einer Mondholzvariante, bei der Bäume im Winter bei abnehmendem Mond gefällt werden. Tatsächlich gibt es keine einheitliche Empfehlung, wie Mondholz gewonnen werden soll. Diesbezügliche Bauernregeln und Mondkalender widersprechen sich. Eine Holzgewinnung im Winter hat generell Vorteile, die sich jedoch in keiner Weise auf einen wie auch immer gearteten Mondeinfluss beziehen. Im Winter geschlagenes Holz ist durch seinen geringeren Wassergehalt leichter in der Trocknungsführung (kein Transpirationssog).

Thoma gelang, es Fördermittel für eine wissenschaftliche Untersuchung von Mondholz zu erhalten. Die Untersuchungen waren jedoch nicht erfolgreich. Nach Angaben der TU Dresden sind anekdotenhafte Berichte und Behauptungen über Mondholz "Volksglaube", und dieser spreche "romantische Bedürfnisse nach Ursprünglichkeit" bei Kunden an.[4] Nach Angaben des Unternehmers Thoma sei massives Holz auch gegen so genannten Elektrosmog wirksam und eigne sich zur "Abhörsicherheit". Das Vorhandensein von Türen und Fenstern in Holzgebäuden lässt Thoma außer Acht. "Thoma PUR Holz" weist andererseits bei großer Schichtdicke bei einigen Holzarten eine hohe Dämpfung hochfrequenter elektromagnetischer Wellen in fensterlosen Wänden auf.[5] Angaben zu einem schadstofffreien Hausbau nach Thoma beziehen sich in der Werbung zumeist auf das Baumaterial Holz. Elektrische Leitungen, Fenster oder weitere Einbauten müssen im Einzelfall stets berücksichtigt werden.

Seit langem bekannte Angaben aus der Biologie zu über Pflanzenhormone vermittelten Wirkungen von Pflanzen und Bäumen werden von Thoma in an Laien gerichteten Texten mystifiziert und als eine Art Geheimnis präsentiert. Thoma verbreitet auch in der Werbung, dass seine Häuser erdbebensicher seien und keine Heizung benötigten. So heißt es bei KenFM: "Thoma baut Häuser auch in der Alpenregion mit ihren klirrenden Wintern. Trotzdem kommen seine Gebäude OHNE Heizung aus."

Thoma verbreitet als Medizinlaie und Holzunternehmer auch Behauptungen zu angeblich gesundheitsfördernden Eigenschaften von Holzprodukten wie Tannenwipfelsirup oder Lindenblütentee:

"Wussten Sie, dass die Inhaltsstoffe des Holzes von jedem persönlich als Schutz gegen Zivilisationskrankheiten eingesetzt werden können ..."

Er beruft sich dabei unter anderem auf Bauernregeln und mittelalterliche Vorstellungen von Paracelsus (Theophrastus Bombastus Aureolus Philippus von Hohenheim, 1493-1541)) und Hildegard von Bingen (1098-1179). Bestimmte Holzarten sollen nach Thoma auch „seelische Botschaften“ vermitteln können. Bäume seien demnach auch als Lebewesen mit eigener Seele anzusehen. In Jahresringen gefällter Bäume zeige sich nach Thoma eine ansonsten nicht näher definierte "Energie" aus der Baumvergangenheit, welche auf einem esoterischen Wege auf Menschen einwirken könne und ausschließlich positive Effekte habe.

Seine Ansichten wurden in der Vergangenheit insbesondere in Medien und Veranstaltungen der Trutherszene verbreitet. Zu nennen sind beispielsweise Querdenken TV von Michael Vogt (2017: Der mit den Bäumen spricht), Ken FM von Ken Jebsen und Epoch Times.

Im August 2018 trat Thoma auf der Propagandaveranstaltung AZK des Schweizer Sektenführers Ivo Sasek auf.

Kurzbiographie

Thoma wuchs in Bruck im Bundesland Salzburg auf und wurde zunächst Bergführer, dann Revierförster in der Gemeinde Vomp im Karwendel. Er interessierte sich in der Folge für Holz und Produkte aus Holz.

Werke und Veröffentlichungen

Einige Werke des Holzmillionärs Thoma erschienen in einem Verlag der Firma Red Bull. Kritiker bemängelten unter anderem einen "selbstverliebten", unwissenschaftlichen und deutlich ich-bezogenen Stil des Autors mit werbeähnlichen Formulierungen rund um seine Holz-100-Produkte und sein Unternehmen.

  • ...dich sah ich wachsen: Über das uralte und das neue Leben mit Holz, Wald und Mond. 1996
  • ...und du begleitest mich: Wie Bäume und Hölzer dem Menschen nützen. 1999
  • Für lange Zeit: Leben und Bauen mit Holz. Alte Weisheiten für moderne Technologien. 2003
  • Vollholz-Häuser: Das Baum Prinzip für naturnahes Wohnen. 2008
  • Die geheime Sprache der Bäume - und wie die Wissenschaft sie entschlüsselt. 2012
  • Die sanfte Medizin der Bäume: Gesund leben mit altem und neuem Wissen. 2014 (Co-Autor: Maximilian Moser)
  • Vom historischen Mondholz zum High-Tech Material (PDF), restaurator-im-handwerk.de, 2015
  • Bäume für die Seele: Welches Holz stärkt mich? 2015 (Co-Autorin: Julia Gruber)
  • Holzwunder: Die Rückkehr der Bäume in unser Leben. 2016

Weblinks

Quellennachweise

  1. https://www.sueddeutsche.de/leben/sinn-und-unsinn-baumgefluester-1.3212603
  2. https://www.zeit.de/2016/21/erwin-thoma-holzhaeuser-esoterik-visionaer
  3. https://diepresse.com/home/leben/mensch/1321651/Erwin-Thoma_Der-mit-den-Baeumen-spricht
  4. Von "Mond-Diät" bis "Mondholz" - alles erlaubt? In: Wissenschaftliche Zeitschrift der TU Dresden. 1/2, 2005.
  5. Bayerisches Landesamt für Umwelt (2008), Schirmung elektromagnetischer Wellen im persönlichen Umfeld
    [1]