House of Numbers

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DVD
Filmautor Brent W. Leung

House of Numbers – Die AIDS-Verschwörung ist ein Propagandavideo zur Leugnung des Zusammenhangs zwischen HIV-Infektion und AIDS-Erkrankung des aus Kanada stammenden Filmemachers Brent W. Leung aus dem Jahr 2009. Filmautor Leung beschreibt seinen Film selbst als eine "objektive Untersuchung" der Hypothese, dass das HI-Virus AIDS verursache.

Interessant an dem Film ist auch der Umstand, dass bis heute nicht bekannt ist, wer ihn finanzierte. Eine deutsche Version ist als DVD im Kopp-Verlag erhältlich.

Film "House of Numbers"

Der Name des Films (Haus der Zahlen) leitet sich aus Leungs Ansicht ab, dass statistische Zahlen zur HIV-Infektion und AIDS-Kranken durch eine internationale Verschwörung fingiert und manipuliert seien. Eine Diskussion zum Zustandekommen der WHO-Zahlen unterbleibt jedoch. Nach Leungs Meinung werde die Bedeutung der weltweiten Armut unterbewertet, da diese der eigentliche Grund für die AIDS-Todesfälle sei. Auch (ältere) AIDS-Medikamente wie AZT seien seiner Laienmeinung nach einer der Gründe für den Tod von HIV-Infizierten. Des Weiteren lässt der Filmemacher durchblicken, dass er Zweifel daran habe, ob es das HI-Virus überhaupt gebe.

Im Film sind Interviews mit verschiedenen Forschern (darunter Luc Montagnier), "AIDS denialists" und ausgesuchten AIDS-Patienten zu finden. Mehrere im Film interviewte Personen erklärten nach Veröffentlichung, unter falschen Angaben zum Interview bewogen worden zu sein und dass der Film selbst Pseudowissenschaft fördere.[1] 18 im Film interviewte Wissenschaftler erklärten inzwischen, dass ihre Antworten im Sinne derart "zurecht geschnitten" worden seien, dass sie zu Leungs Absichten passten. So habe er damit den falschen Eindruck erwecken wollen, dass die Wissenschafts-Community über AIDS uneins sei. Zwei Interviewte, Neil Constantine und Robin Weiss, nennen Beispiele dafür, wie ihre Aussagen von Leung ganz offensichtlich falsch wiedergegeben worden seien.[2]

Interviewpartner Christine Maggiore

Christine Maggiore mit Tochter

Eine der interviewten Personen ist Christine Joy Maggiore, eine HIV-positive Frau und bis zu ihrem AIDS-Tod bekannte HIV/AIDS-Leugnerin. Maggiore war Gründerin der Organisation "Alive & Well AIDS Alternatives" (zuvor "HEAL-LA"). Diese Organisation riet insbesondere HIV-positiven werdenden Müttern ab, vor der Niederkunft antiretrovirale Mittel zu nehmen, die eine vertikale Infektion des Kindes verhindern. Sie war Autorin des Buchs "What If Everything You Thought You Knew about AIDS Was Wrong?". Ihre eigene dreijährige Tochter Eliza Jane Scovill starb an unbehandeltem AIDS.[3] Maggiore hatte zuvor ihr Kind mit dem HI-Virus infiziert, eine antiretrovirale Therapie und einen HIV-Test des Kindes lehnte sie ab. Ihr Sohn hingegen ist HIV-negativ getestet worden. Maggiore wurde auch dafür kritisiert, eigene Kinder gestillt zu haben, da bekanntlich auch über die Muttermilch das HI-Virus übertragen werden kann. Christine Maggiore starb am 27. Dezember 2008 ebenfalls an AIDS, und zwar ein halbes Jahr bevor der Film "House of Numbers" am 21. Juni 2009 herauskam. Dieser Umstand wird im Film nur im Abspann in kleiner Schrift schriftlich erwähnt, unter der falschen Angabe, dass sie nicht an AIDS gestorben sei, sondern an einer anderen Ursache. Maggiore starb an einer Lungenentzündung sowie weiteren, typischen Begleiterkrankungen von AIDS. Ihre Ansichten werden auch auf Seiten der Germanischen Neuen Medizin verbreitet.[4]

Rezeption

Der Film wurde allgemein kritisch bewertet. Insbesondere wurde Leungs Behauptung zurückgewiesen, er habe sich dem Thema aus "objektiver Sicht" genähert. Mehrfach wurde der Film als ein Mix aus AIDS-Leugnung und Verschwörungstheorien bezeichnet. In diesem Sinne äußerte sich die renommierte Fachzeitschrift "The Lancet".[5] In der New York Times war von einem "weaselly support pamphlet for AIDS denialists" die Rede.[6] Das "The Wall Street Journal" nannte den Inhalt Verschwörungstheorien von "Personen, die die Wahrheit hinter einfach allem wüssten".[7] Autor und Arzt Ben Goldacre schrieb in "The Guardian", dass der Film "House of Numbers" eine "AIDS-denialist Propaganda" sei.[8] Die Zeitung "Portland Oregonian" kritisierte Leung als "not being entirely honest with viewers," und prangerte den Film wegen "selective editing, anomalies and anecdotes, unsupported conclusions... and suppression of inconvenient facts." an.[9]

Weblinks

Quellennachweise

  1. Catsoulis, Jeanette: Artikel "AIDS Seen From a Different Angle" in der "New York Times" vom 4.9.2009. [1]
  2. http://www.aidstruth.org/features/2009/constantine-and-weiss
  3. Diagnose nach Autopsie: Pneumocystis pneumonia in the setting of advanced AIDS
  4. http://www.neue-medizin.com/intermag.htm
  5. Burki T (2009). "House of Numbers". Lancet Infect Dis 9 (12): 735. doi:10.1016/S1473-3099(09)70316-0. [2]
  6. Catsoulis, Jeanette: Artikel "AIDS Seen From a Different Angle" in der "New York Times" vom 4.9.2009. [3]
  7. David Aaronovitch, "A Conspiracy-Theory Theory. How to fend off the people who insist they know the 'real story' behind everything", "The Wall Street Journal", 21.12.2009. [4]
  8. Ben Goldacre: "House of Numbers". The Guardian, 26.9.2009. [5]
  9. 'House of Numbers' blurs facts on HIV, Portland Oregonian, Hall, Stan, January 21, 2010.