HHO

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Yull Brown
typischer Buchtitel der Autors Ulrich F. Sackstedt

HHO (auch Browns Gas, Browngas, Brown's Gas, Braun Gas, Oxyhydrogen, Hydroxygas, Green Gas, Rhode's Gas, Dirty Hydrogen oder Watergas) ist ein gasförmiges explosives Gemisch von Wasserstoff und Sauerstoff, welches üblicherweise auch als Knallgas bezeichnet wird. In pseudowissenschaftlich orientierten Kreisen werden dem Gasgemisch besondere Eigenschaften nachgesagt, wobei die herkömmliche Bezeichnung Knallgas zugunsten von Browns Gas oder HHO vermieden wird. Der Name Browns Gas geht auf den australischen Elektrotechniker und Erfinder Yull Brown (1922 als Ilya Velbov, Bulgarien - 1998) zurück, der seit den 1960er Jahren verschiedene Geräte zur Elektrolyse und zum Schweißen mit Knallgas konstruiert hat.[1] Yull Brown wird häufig ein Doktor- oder Professorentitel angedichtet.

Eigenschaften

Kommerzielle (seriöse) Elektrolyse-Geräte zur Wasserstoffgewinnung

Knallgas kann aus elektrischer Energie durch Elektrolyse von Wasser gewonnen werden. Im Prinzip wird dabei einfach elektrischer Strom durch Wasser geleitet, dem eine geringe Menge einer Säure oder Lauge hinzugegeben werden muss, um eine ausreichende elektrische Leitfähigkeit herzustellen. Bei extrem hohen Temperaturen über 2500 Grad C kann aus Wasser direkt Knallgas entstehen.

Knallgas ist explosiv. Bei Zündung bildet sich aus Wasserstoff und Sauerstoff wieder Wasser (plus etwas Wasserstoffperoxid). Um zünden zu können, muss in Luft unter atmosphärischem Druck der Volumenanteil des Wasserstoffs zwischen 4 und 77% liegen. Die heftigste Reaktion entsteht bei einem Verhältnis von zwei Wasserstoffanteilen zu einem Sauerstoffanteil.

Behauptete Wundereigenschaften

Elektrolyse-Einbaukit fürs Auto zum "Benzin sparen"

In einigen pseudowissenschaftlichen Kreisen wird das Wasserstoff-Sauerstoff-Gemisch, sobald es die Bezeichnung Browns Gas oder HHO trägt, zu einem Gas mit besonderen Eigenschaften. Oft wird zum Beispiel behauptet, dass der Energieinhalt erheblich größer als der von normalem Knallgas ist. Dafür fehlt aber jegliche seriöse Begründung.

HHO ist auch Thema bei Anhängern der Freien Energie. Diese sind der irrigen Auffassung, dass durch die Verbrennung von Knallgas mehr Energie freigesetzt werde, als zu deren Erzeugung notwendig sei.[2] Daher eigne sich eine kombinierte Wasserzerlegung (Elektrolyse) mit anschließender Knallgasreaktion als eigenständige Energiequelle. In Untersuchungen, die dazu in den USA durchgeführt wurden, konnte gezeigt werden, dass eine derartige Wasserelektrolyse an Bord von Automobilen mit Wasserstoffverbrennung keinen Sinn macht, weil sich der Treibstoffverbrauch erhöht und nicht, wie behauptet, gesenkt wird.[3][4][5] [6]

Einige betrügerische Wasserauto-Konzepte basieren auf diesem Prinzip. Mit den angebotenen Anlagen soll sich ein Auto zwar noch nicht vollständig auf Wasserbetrieb umrüsten lassen, aber es könne erheblich Benzin eingespart werden. Unter Bezeichnungen wie HHO Fuel Saver oder Hydroxy Booster werden dazu von verschiedenen Firmen vor allem in den USA Elektrolyseapparate verkauft, die von Strom aus dem Bordnetz, also aus der Autobatterie, gespeist werden. (siehe Beispiel Francesco Fucilla) Das erzeugte Knallgas wird als Zusatztreibstoff dem Fahrzeugmotor zugeführt. Ein deutscher Anbieter für derartige Produkte ist die Jülicher Clean World Energies GmbH.

Wie schon von Brown selbst wird Browns Gas von seinen Protagonisten auch als besonders geeignet zum Schweißen angesehen. Es handelt sich damit um das bekannte Wasserstoff-Schweißen, das aber wegen der Vorteile des Schweißens mit Azetylengas und erst recht der elektrischen Schweißverfahren mit Schutzgas (Wolfram-Inertgasschweißen, WIG-Schweißen) oder mit Aktivgas (MAG-Schweißen) kaum praktische Bedeutung hat.

Mit Browns Gas soll sogar die hypothetische Transmutation von Atomen möglich sein, was sich zur Dekontamination radioaktiver Abfälle nutzen lasse.[7] Mit Hilfe einer Browns-Gas-Flamme müssten dazu die radioaktiven Substanzen mit Metallen verschmolzen werden, wodurch die Radioaktivität um 95% abnehme.[8]

Verschwörungstheorien

Im Zusammenhang mit den behaupteten außergewöhnlichen Eigenschaften von HHO ist oft zu lesen, dass die kombinierte Elektrolyse und Verbrennung so einfach und genial sei, dass bislang niemand auf die Idee gekommen ist, Knallgas als Lösung des weltweiten Energiemangels zu verwenden. Behauptet wird also, dass das Prinzip zu einfach sei, um kommerziell verwertbar zu sein. Dass die Verwendung von HHO sich nicht durchgesetzt habe, liege nicht an den ungünstigen energetischen Wirkungsgraden, sondern an Widerständen mächtiger Konzerne, die im Rahmen einer Verschwörung den Einsatz behindern würden. Entwickler und Privatforscher in Sachen HHO müssten daher meist im Geheimen forschen und entwickeln.

Ökonomie und Energiebilanz

Zur Zeit (2011) ist es am ökonomischsten, Wasserstoff aus Erdöl oder Erdgas und Sauerstoff aus der Luft zu gewinnen, anstatt eine Elektrolyse einzusetzen.

  • Der energetische Wirkungsgrad der Elektrolyse von Wasser zur Erzeugung von Wasserstoff und Sauerstoff liegt bei 57%[9], es fällt also Verlustwärme an. Spezielle große Elektrolysegeräte können allerdings durchaus 70% bis 80% erreichen, wenn mit hohen Temperaturen und hohen Kaliumhydroxidbeimischungen gearbeitet wird. Derzeit wird an der Hochtemperatur-Wasserdampf-Elektrolyse (bei 800–1000°C) an Festelektrolyten geforscht. Zur Herstellung von 1 m3 Wasserstoff wird bei modernen Anlagen eine Stromenergie von 4,3–4,9 kWh benötigt.
  • Der Wirkungsgrad der Knallgasreaktion ist ebenfalls nicht 100%, sondern liegt bei ebenfalls nur etwa 70%.
  • Bei der Umwandlung der freiwerdenden Knallgas-Energie in mechanische Energie durch einen Ottomotor zeigt sich ein energetischer Wirkungsgrad von nur etwa 30%. Hinzu kämen noch Probleme durch eine höhere Verbrennungstemperatur von Knallgas gegenüber Benzin oder Dieselkraftstoff und damit verbunden eine höhere Emission von Stickoxiden.[10]
  • Bei den Konstruktionen zum "Energiesparen" beim Auto verschlechtert sich der Wirkungsgrad nochmals, da die elektrische Energie für die Elektrolyse verlustbehaftet über den Motor und die Lichtmaschine aus Benzin erzeugt wird. Nennenswerte Mengen Knallgas lassen sich wegen der geringen zur Verfügung stehenden elektrischen Energie auf diese Weise auch nicht erzeugen. Eine Speicherung in Druckbehältern o.ä., um bei Bedarf mehr Gas zur Verfügung zu haben, würde weitere Verluste mit sich bringen.

Anderssprachige Psiram-Artikel

Weblinks

Quellenangaben

  1. U.S. Patent 4,014,777. Mar 29, 1977
  2. Zitat HHO-Forum: Der Einsatz um Wasserstoff zu erzeugen ist erheblich geringer, als die Energie die bei der Reaktion entsteht. Man muss nur die richtige Reaktion anstoßen und dann entsprechend nutzen.
  3. Popular Mechanics, Artikel Water-Powered Cars: Hydrogen Electrolyzer Mod Can't Up MPGs
  4. Greenville News Looking Out 4 You: Water 4 Gas Fails to Boost Mileage
  5. Hydrogen conversion claims put to the test
  6. http://www.consumeraffairs.com/news04/2008/07/water4gas.html Consumer Affairs Water4gas
  7. http://pacenet.homestead.com/Transmutation.html
  8. Marco Bischof, Thorsten Ludwig, Andreas Manthey (2005): Zukunftstechnologien für nachhaltige Entwicklung: Unkonventionelle Ansätze zur Energiegewinnung und Aktivierung biologischer Prozesse. Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung BMZ, Forschungsbericht E 5001-15, Berlin. Zu dieser Studie siehe auch: Deutsche Vereinigung für Raumenergie
  9. http://de.wikipedia.org/wiki/Wasserstoffherstellung#Elektrolyse_von_Wasser
  10. http://de.wikipedia.org/wiki/Wasserstoffwirtschaft