Tierkinesiologie

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Tierkinesiologie ist die alternativtierheilkundliche Variante der Kinesiologie, die nach Angaben der Heilpraktikerin und Esoterikbuchautorin Rosina Sonnenschmidt auf sie zurückginge. Anhänger der Kinesiologie behaupten, die Muskelspannung eines Tieres als Patient liefere genaue Auskunft über dessen körperliche und seelische Befindlichkeit.

Da bei Tieren der Muskeltest wegen mangelnder Kooperationsbereitschaft meist nicht praktikabel ist, wurde die Surrogat-Methode erfunden und damit ein weiteres esoterisches Element in die Kinesiologie eingeführt. Man bedient sich hierbei einer Surrogat-Person (häufig der Besitzer des Tieres), die das Tier wenn möglich berührt und dadurch "energetisch" eine Einheit mit ihm bilde. Dabei sollen "Informationen" auf die Person übergehen und der Muskeltest kann an ihr vorgenommen werden statt unmittelbar am Tier.

Vielen Tierkinesiologen zufolge ist es auch möglich, das Tier ohne dessen Anwesenheit und nur mit Hilfe der Surrogat-Person zu untersuchen, so wie es in der so genannten Tierkommunikation auf telepathischem Wege möglich sein soll. Es muss lediglich Material wie Haare, Federn, Kot, Blut oder ein Foto des Tieres vorhanden sein. Auf diese Weise sollen nach Vorstellungen der "Tierkinesiologen" auch solche Tiere kinesiologisch "untersucht" werden, die schlecht zu transportieren sind, z.B. Fische oder Zooelefanten.

Zur pseudotierheilkundlichen Tierkinesiologie existiert (Stand 2013) kein wissenschaftlicher Nachweis einer Eignung oder Wirksamkeit. Mit einem kinesiologischen Test können keinerlei valide klinische Befunde erhoben und keine medizinischen Diagnosen gestellt werden, weshalb er eine Untersuchung durch einen Veterinärmediziner nicht ersetzen kann. Die von diesem Personenkreis vorgebrachten angeblichen Belege sind methodisch fehlerhaft. Wissenschaftliche Tests an menschlichen Probanden zeigen keine über die Zufallswahrscheinlichkeit hinausgehende diagnostische Trefferquote. Wird ein Proband durch mehrere Kinesiologen untersucht, kommen diese zudem zu voneinander abweichenden Diagnosen.[1]

Der Wissenschaftsjournalist und Tierrechtler Colin Goldner beschreibt in seinem Buch "Vorsicht Tierheilpraktiker" neben den zweifelhaften Ausbildungsinhalten den geringen Ausbildungsaufwand von Tierkinesiologen. Ausbildungen oder Fachfortbildungen zum "professionellen Tierkinesiologen" werden häufig im zeitlichen Umfang von nur sechs bis acht Seminartagen angeboten.[2] Goldner warnt unter Rückbezug auf die Stiftung Warentest vor der Tierkinesiologie, da diese das Risiko berge, dass kranke Tiere als gesund und gesunde als krank diagnostiziert werden. Generell weist Goldner darauf hin, dass Tierheilpraktiker eine gänzlich ungeschützte Bezeichnung ohne jedes vorgeschriebene Prüfungsverfahren ist. Tierkinesiologie könne von jedermann ohne Ausbildung und Prüfung auch kommerziell ausgeübt werden.

Wings-Tierkinesiologie

Rosina Sonnenschmidt vermarktet eine spezielle Tierkinesiologie namens Wings (Wings-Tierkinesiologie), d.h. es werden dazu Ausbildungen angeboten und Lizenzen vergeben. Eine Besonderheit von Wings soll ein "radionischer Energietest" sein. Sonnenschmidt ist Inhaberin einer Wort-Bild-Marke WINGS.

Weitere Varianten

  • Tier-Psychokinesiologie auf Basis der Psychokinesiologie von Dietrich Klinghardt.
  • "Kinesiologie for Animals-Konzept"
  • EBCA-Kinesiologie & Kommunikation für Mensch, Tier und Natur
  • Animan-Kinesiologie

Quellennachweise

  1. Edzard Ernst (2005): Komplementärmedizinische Diagnoseverfahren. In: Deutsches Ärzteblatt, 2005; 102(44): A-3034 / B-2560 / C-2410 online
  2. Colin Goldner: Vorsicht Tierheilpraktiker! Alibri Verlag 2006, ISBN 978-3-86569-004-3, S. 161.