Steffen Rabe

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Quelle:[1]

Steffen Rabe (geb. 1964) ist ein in München ansässiger Kinderarzt, früher ein anthroposophischer Arzt, zur Zeit tätig in einem homöopathischen Ärztehaus. Rabe ist Mitglied im Deutschen Zentralverein homöopathischer Ärzte und bietet in seiner Praxis gemäß eigenen Angaben die klassische Homöopathie nach Hahnemann (Einzelmittel-Homöopathie) an.[2]

Verein "Ärzte für eine individuelle Impfentscheidung e.V."

Rabe ist 2. Vorsitzender des eingetragenen Vereins "Ärzte für eine individuelle Impfentscheidung e.V." (Amtsgericht Wetter/Ruhr, VR 385). Ein weiteres Vereinsmitglied ist Martin Hirte.[3][4] Rabe hat im Namen dieses Vereins mehrere Schreiben an Zeitungen und Rundfunkanstalten verfasst, in denen er kritisiert, dass Berichte über Impfungen nicht auf seine, d.h. einseitig impfkritischen Sichtweisen eingegangen sind.[5] In seinen Stellungnahmen als Vereinsmitglied zu verschiedenen Impfungen äußert er Kritik zu Sinn und Sicherheit dieser Impfungen,[6] z.B. HPV-, Windpocken und Schweinegrippe-Impfung.

Zur Masern-Epidemie in Coburg äußert sich Rabe wie folgt, indem er u.a. typische Phrasen von Impfgegnern wiederholt, ohne zu erwähnen, dass sich bei einer hohen Durchimpfungsrate das Masern-Virus gar nicht erst ausbreiten kann und daher seine Äußerungen gegenstandslos wären:

"Die breite Einführung von Impfungen gegen Masern führt zu einer Veränderung, möglicherweise auch zu einer Verschlimmerung von Krankheitsverläufen bei Ungeimpften. Diese Menschen erkranken u. U. später an Masern und sind daher eher in der Gefahr, Komplikationen zu entwickeln. Gerade impfkritische Eltern sollten von Ärzten über diesen Zusammenhang aufgeklärt werden."
"In den vergangenen Jahren haben Geimpfte durch den Kontakt mit Masernerkrankten immer wieder einen neuen Schutz ("Boosterung") erhalten. Im Rahmen der flächendeckenden Impfung gegen Masern ist diese Situation immer weniger gegeben.
Säuglinge von gegen Masern geimpften Müttern haben u. U. einen nur unzureichenden Nestschutz und sind daher nicht sicher gegen Masern geschützt."
"Aus der Sicht namhafter Epidemiologen ist es offen, ob sich die Masern wirklich per Impfung weltweit eliminieren lassen".[7]

Impfgegnerische Äußerungen

Rabe zweifelt die Wirksamkeit von Schutzimpfungen sowie die Empfehlungen der STIKO (Ständige Impfkommission der Bundesrepublik Deutschland) an und plädiert für eine "individuelle" Impfentscheidung.[8]

Er verharmlost schwere Infektionskrankheiten, wie z.B. die Masern, und betreibt Panikmache vor Nebenwirkungen der Schutzimpfungen.[9][10] Von wissenschaftlichen Studien, die nachweisen, dass Impfnebenwirkungen äußerst selten sind, behauptet er, diese seien durch die Pharmaindustrie gefälscht und es gebe tatsächlich viel mehr gravierende Nebenwirkungen,[11] eine Aussage, die allerdings epidemiologisch nicht belegt ist.

Unter anderem behauptet Rabe, dass Impfungen sogar gefährlich seien, z.B. wegen schädlicher Zusatzstoffe (z.B. Thiomersal könne Autismus verursachen)[12]) oder indem er in seiner „Impfaufklärung“ den juristischen Tatbestand der Körperverletzung und Fehlbehandlung im Zusammenhang mit Impfungen aufführt.[13]

Weitere Beispiele sind Behauptungen, wonach Impfungen eine Reihe anderer Krankheiten verursachten, wie z.B. Allergien[14], Autoimmunerkrankungen[15] oder eine generell verminderten Immunabwehr nach einer Impfung (speziell Masern und HIB)[16]. Dabei lässt er unerwähnt, dass in der DDR die Durchimpfungsrate beinahe 100% betrug, die Allergierate hingegen viel niedriger war als in der Bundesrepublik. Eine Tatsache, die sich nicht mit diesen Behauptungen in Einklang bringen lässt.[17][18]

Anstatt auf wirksame Schutzimpfungen setzt Rabe auf den Nestschutz und rät zu einem späteren Impfzeitpunkt, falls die entsprechende Krankheit noch nicht durchgemacht wurde. Hierzu äußert er sich auf seiner Internetseite zwar nicht direkt, zitiert aber selektiv dieser Meinung entsprechende Auszüge aus unterschiedlichen Studien:

"Außer der Art und der Anzahl der verwendeten Impfstoffe scheint auch der Zeitpunkt der Impfung eine wesentliche Rolle für das Auftreten von UAWs zu spielen:
Das Durchführen der DPT-Impfung erst mit 2 Jahren führte in Japan zu einem deutlichen Rückgang der Nebenwirkungen (Noble 1987)."
„Es ist klar, dass das Verschieben der ersten Impfung [gemeint ist hier die Keuchhustenimpfung] bis das Kind 24 Monate alt ist, [...] die meisten der zeitlich assoziierten schweren unerwünschten Nebenwirkungen vermindert.“ (Cherry 1988).
"Die Bedeutung des Impfzeitpunktes und damit der Reife des Immunsystems wird auch daraus erkennbar, dass es bei der „zeitgerechten Impfung“ frühgeborener Kinder (wie auch in Deutschland empfohlen) bei bis zu 20% der geimpften Kinder zu teilweise lebensbedrohlichen Atemstillständen oder Kreislaufproblemen kam (Slack 1999, Sen 2001)."
"Neuere Arbeiten weisen darauf hin, dass das Noch-Vorhandensein mütterlicher Antikörper beim Neugeborenen („Nestschutz“) im Falle einer Impfung gegen die betreffende Erkrankung unter Umständen zu einer allergiefördernden Immunreaktion führt – bestätigten sich diese Ergebnisse, wäre dies ein gewichtiges Argument für einen späteren Impfzeitpunkt (Holt 2003)".[19]

Weiterhin bezeichnet Rabe zwar Masern, Mumps und Röteln nicht direkt als Ursache für einen Entwicklungsschub bei Kindern, aber er lässt diese Frage offen:

"Von impfkritischer Seite wird immer wieder argumentiert, das normale Durchmachen klassischer Kinderkrankheiten wie Masern, Mumps oder Röteln habe für die betroffenen Kinder einen hohen Wert, sei häufig mit einem Entwicklungs- oder Reifungsschub verbunden.
Naturgemäß lassen sich diese Aspekte einer Erkrankung kaum wissenschaftlich fassen, so dass hierzu wenig gesicherte Untersuchungen sondern vor allem Einzelfallberichte und Einzelbeobachtungen vorliegen."

Allerdings zitiert er einige Auszüge aus Veröffentlichungen, darunter auch von Hansueli Albonico, dass einigen Infektionskrankheiten eine präventive Wirkung auf spätere andere Erkrankungen zukomme:

"Auch den „klassischen Kinderkrankheiten“ Masern, Mumps und Röteln kommen offensichtlich eine Reihe positiver Effekte zu:
So haben Erwachsene, die als Kinder Masern erlebten als Erwachsene ein vermindertes Risiko, an Multipler Sklerose zu erkranken" (Albonico 1998).
"Eine hochaktuelle amerikanische Studie zeigt, dass Masernviren die Vermehrung von HIV im Körper hemmen" (Margolis 2005)".
"Das Durchleben von Mumps vermindert bei Frauen signifikant das Risiko, im Erwachsenenalter an Eierstockkrebs zu erkranken" (West 1966, Newhouse 1977).[20]

Rabe scheut auch vor offensichtlichen Falschaussagen nicht zurück. So schreibt er in einem Offenen Brief an den Bayrischen Rundfunk zur Report-Sendung in der ARD Masern auf dem Vormarsch – Behörden machtlos im Kampf gegen Epidemien am 9. Oktober 2006, 21:45 Uhr und der Zeitspiegel-Sendung Lebensgefährlicher Leichtsinn - Wenn Eltern Masern-Impfungen verhindern am 11. Oktober 2006, 21:20 Uhr Folgendes:

"Im Jahre 2004 veröffentlichte das PEI eine vernichtende Analyse unseres Systems der Impfstoffüberwachung, die zu dem Ergebnis kam, wir könnten – aufgrund einer völlig unzureichenden Erfassung von Impfnebenwirkungen – keine Aussagen zur Sicherheit von Impfstoffen machen."[21]

Diese Aussage ist falsch. Im Jahr 2004 veröffentlichte das PEI die Studie „Verdachtsfälle von Impfkomplikationen nach dem Infektionsschutzgesetz und Verdachtsfälle von Nebenwirkungen nach dem Arzneimittelgesetz vom 1.1.2001 bis zum 31.12.2003“[22], in der es auf Seite 1.163 zu der Schlussfolgerung gelangt:

"In der Tat weisen die Meldungen an das PEI darauf hin, dass Impfstoffe zu den sichersten Arzneimitteln gehören."

Da es vom PEI im Jahr 2004 keine weiteren Veröffentlichungen zu diesem Thema gab, hat Rabe hier falsche Aussagen gemacht.

Rabes Äußerungen zu „Masernpartys“

Deutlicher wurde Rabes Kinder gefährdende Einstellung zum Thema Impfen, als er sich im Jahr 2005 im Oberpfalznetz zu den sogenannten Masernpartys äußerte:[23][24]

"Homöopathische Ärzte lehnen Masern-Partys nicht generell ab. Bei Abwägung der möglichen Nebenwirkungen einer Impfung mit den Risiken einer Erkrankung sei eine bewusst herbeigeführte Ansteckung im Alter zwischen etwa drei und acht Jahren "eine Überlegung wert"."

Die willentliche Infizierung eines Menschen mit einer Infektionskrankheit stellt den Straftatbestand einer vorsätzlichen Körperverletzung gem. § 223 StGB dar, möglicherweise, da es sich um eine Beibringung von Gift oder anderen gesundheitsschädlichen Stoffen handelt, auch der gefährlichen Körperverletzung gem. § 224 StGB. Da die Teilnehmer dieser "Masernpartys" meist noch Kinder sind, handelt es sich hier um die Misshandlung von Schutzbefohlenen nach § 225 StGB und bei Eintritt von Folgeschäden, wie z.B. Behinderungen infolge einer Enzephalitis oder SSPE, um eine schwere Körperverletzung nach § 226 StGB, bei Todeseintritt durch die Krankheit um Körperverletzung mit Todesfolge nach § 227 StGB.[25] Rabe stiftet mit seiner Aussage zu diesen Straftaten an.

Rabe ist der Ansicht, dass die derzeitige Impfpolitik für die Zunahme von Masernerkrankungen bei Säuglingen und Erwachsenen mitverantwortlich sei und Impfungen nur einen „Schutz zweiter Klasse“ darstellten. Er rät im Falle einer Masernerkrankung zum völligen Verzicht auf fiebersenkende Mittel und meint, dass die Krankheit mit klassischer Homöopathie in vielen Fällen gut zu behandeln sei.[26]

Siehe auch: Homöopathie

Wuppertaler Manifest

Rabe ist neben Martin Hirte und Stefan Schmidt-Troschke Verfasser des "Wuppertaler Manifests" des Vereins "Ärzte für eine individuelle Impfentscheidung", das auf der "1. nationalen Konferenz für differenziertes Impfen" am 1. bis 2. Oktober 2010 beschlossen wurde und in dem u.a. gefordert wird:[27]

"Auch müssen mögliche langfristige Folgen von Impfprogrammen besser und unabhängig vom Einfluss und den Interessen der Impfstoffhersteller untersucht und bedacht werden. Dabei kommen insbesondere in Betracht:

  • negative Auswirkungen auf die Reifung des Immun- und Nervensystems vor allem junger Säuglinge,
  • der zunehmende Verlust der robusten, durch Auseinandersetzung mit dem jeweiligen Erreger erworbenen Immunität in der Bevölkerung und deren Ersatz durch eine kürzere und weniger kompetente Impf-Immunität,
  • das Verschieben von Krankheiten in komplikationsträchtigere Altersgruppen und die Ausbreitung neuer Erreger oder Erregertypen als Folge großflächiger Eliminations- und Eradikationsprogramme."

In dem Manifest wird außerdem die Fachkompetenz der Ständigen Impfkommission angezweifelt. Im zweiten Anstrich ist erkennbar, dass Rabe eine u.U. schwere Infektionskrankheit besser findet als ihr durch eine Impfung vorzubeugen. Dazu bedient er sich unwahrer Aussagen.

Fazit

Rabe tritt zwar nicht als direkt als Impfgegner auf, jedoch verunsichert er Eltern mit seinen Desinformationen massiv. Er erteilt keine direkten Ratschläge, sondern überlässt den Eltern die Entscheidung selbst. Seine Taktik ist zunächst eine Vielzahl von (scheinbar) wissenschaftlich anmutenden (Teil-)Informationen, die alle einseitig Impfungen als etwas Gefährliches und Überflüssiges darstellen und so geeignet sind, Eltern gegen das Impfen zu manipulieren.

Siehe auch: Impfkritik und Impfgegner

Quellenverzeichnis

  1. http://www.psychophysik.com/h-blog/?p=9538
  2. http://www.homoeopathisches-aerztehaus.de/index.php?option=com_content&view=article&id=12&Itemid=33
  3. http://www.individuelle-impfentscheidung.de/index.php?option=com_content&view=article&id=6&Itemid=3
  4. http://www.individuelle-impfentscheidung.de/index.php?option=com_content&view=article&id=26:impfstoffsicherheit-in-deutschland&catid=1:stellungnahmen&Itemid=13
  5. http://www.individuelle-impfentscheidung.de/index.php?option=com_content&view=category&layout=blog&id=15&Itemid=41
  6. http://www.individuelle-impfentscheidung.de/index.php?option=com_content&view=category&layout=blog&id=1&Itemid=13
  7. http://www.individuelle-impfentscheidung.de/index.php?option=com_content&view=article&id=10:zur-coburger-masernepidemie&catid=1:stellungnahmen&Itemid=13
  8. http://www.impf-info.de/index.php?option=com_content&view=article&id=77:rm&catid=19:rm&Itemid=325
  9. http://www.impf-info.de/index.php?option=com_content&view=article&id=78:unerwhte-arzneiwirkungen-uaw-von-impfstoffen&catid=20:uaw-allgemeines&Itemid=327
  10. http://www.individuelle-impfentscheidung.de/index.php?option=com_content&view=article&id=32:datenbank-impfnebenwirkungen&catid=15:medien&Itemid=41
  11. http://www.impf-info.de/index.php?option=com_content&view=article&id=81:wer-macht-diese-studien&catid=22:uaw-studien&Itemid=329
  12. http://www.impf-info.de/index.php?option=com_content&view=article&id=87:thiomersal&catid=29:inhaltsstoffeadditiva&Itemid=333
  13. http://www.impf-info.de/index.php?option=com_content&view=article&id=89:impfaufklng-juristisches&catid=31:impfaufklngjuristisches&Itemid=336
  14. http://www.impf-info.de/index.php?option=com_content&view=article&id=94:impfungen-und-allergien&catid=35:immunsystemallergien&Itemid=344
  15. http://www.impf-info.de/index.php?option=com_content&view=article&id=93:impfungen-und-autoimmunerkrankungen&catid=36:immunsystemautoimmunerkrankungen&Itemid=343
  16. http://www.impf-info.de/index.php?option=com_content&view=article&id=92:impfungen-und-infektanfigkeit&catid=39:immunsysteminfektanfigkeit&Itemid=342
  17. http://de.wikipedia.org/wiki/Impfung#Unerw.C3.BCnschte_Wirkungen
  18. http://allergieundpollen.ch/File/ahaswiss/ahanews/0304ahanews01_Kinder_Allergien_Impfungen.pdf
  19. http://www.impf-info.de/index.php?option=com_content&view=article&id=95:die-rolle-des-impfzeitpunktes&catid=38:immunsystemimpfzeitpunkt&Itemid=340
  20. http://www.impf-info.de/index.php?option=com_content&view=article&id=97:er-den-mchen-stellenwert-von-kinderkrankheiten&catid=40:immunsystemkinderkrankheiten&Itemid=345
  21. http://www.heilkunst-münchen.de/blog/files/047df3355daf5e77b8e849c10a80c1a8-13.html
  22. Bundesgesundheitsbl - Gesundheitsforsch - Gesundheitsschutz 12 2004
  23. http://www.oberpfalznetz.de/zeitung/726112-100,1,0.html
  24. http://www.medizinrecht-aktuell.de/system/upload/download_92.pdf
  25. http://bundesrecht.juris.de/stgb/BJNR001270871.html#BJNR001270871BJNG005403307
  26. http://www.oberpfalznetz.de/zeitung/726112-100,1,0.html
  27. http://www.anthroposophischeaerzte.de/fileadmin/gaad/PDF/Aktuelles/Impfungen/Wuppertaler_Manifest_Endversion_12.10.10.pdf

Weblinks