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Übersäuerung

3 Byte entfernt, 17:53, 15. Okt. 2010
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[[image:Uebersaeuerung.jpg|thumb]]
Der umgangssprachliche Begriff '''Übersäuerung''' meint eigentlich die medizinische '''Azidose''' und bezeichnet dann einen abnorm niedrigen pH-Wert (*) in Blut oder Gewebe (in diesem Falle Gewebsazidose). Dabei handelt es sich um einen behandlungsbedürftigen Zustand, der typischerweise auf Intensivstationen beobachtet und behandelt wird. Er ist Hinweis auf schwere Grundkrankeiten der Lunge und/oder des Stoffwechsels oder auf Herz-Kreislaufversagen. Abweichend davon wird der Begriff der ''Übersäuerung'' im Umfeld der [[Pseudomedizin]] jedoch ganz anders verstanden und ist eine beliebte Pseudodiagnose oder schlichte Verdachtsdiagnose, die von Hypothesen ausgeht. Derartige Pseudodiagnosen einer angeblichen ''Übersäuerung'' sind dann Begründung für alle möglichen Therapievorschläge. Typischerweise handelt es sich dann auch um angebliche chronische oder ''latente'' (also versteckte) Formen einer Übersäuerung des Körpers. Zum Nachweis einer ''Übersäuerung'' werden dann eine Vielzahl von (meist untauglichen) diagnostischen und pseudodiagnostischen Methoden eingesetzt.
Eine chronische Übersäuerung (gerne auch als ''latente'' Übersäuerung bezeichnet) als Krankheit bzw. Krankheitssfaktor Krankheitsfaktor ist in dieser Form wissenschaftlich nicht anerkannt, da in den genannten Fällen keine messbare pH-Absenkung im Blut nachweisbar ist. Dieses pseudomedizinische Konzept ist als eine Form der [[Krankheitserfindung]] anzusehen.
==Geschichtliches==
Die Vorstellung der Körperübersäuerung hat ihre Wurzeln in der alten Säftelehre der [[Humoralpathologie]]. ''Von allen Zusammensetzungen unserer Körpersäfte wirkt sich die Säure zweifellos am schädlichsten aus'', sagte Hippokrates etwa 400 Jahre vor Christus. Er definierte Krankheit als eine fehlerhafte Mischungen Mischung der Körpersäfte. Im 17. Jahrhundert wurde ein Ungleichgewicht zwischen Säuren und Basen als Krankheitsursache von dem Franzosen Francis de la Boe Sylvius ins Gespräch gebracht. Weitere Anhänger derartiger Überlegungen waren Howard Hay, [[Franz Xaver Mayr-Kur|Franz Xaver Mayr]], Otto Warburg, Are Waerland (Waerland-Kost), Ragnar Berg und Bircher-Brenner. Von Mayr stammt der Ausspruch "Die Säure ist das Zellgift schlechthin", und von Bircher-Brenner stammt das Zitat: ''Wächst der Säureüberschuss so hoch an, dass die Nahrungsbasen nicht mehr hinreichen [...], so gerät der Organismus nach und nach in Säurenot, bis sich schließlich die Acidose, ein Zustand lebensgefährlicher Säurevergiftung, einstellt [...]''. 1927 erschien ein Buch des amerikanischen Arztes Alfred McCann unter dem deutschen Titel ''Kultursiechtum und Säuretod'', in dem ebenfalls die Übersäuerungshypothese vertreten wird. Ein Zitat daraus: ''Wir wissen, daß die Fleischdiät das Blut ansäuert und daß des Menschen einzige Verteidigungsmöglichkeit gegen die Angriffe von Krankheiten auf der normalen Alkalinität des Blutes beruht.'' Weil die Säuren über die Nieren ausgeschieden werden, bezeichnete McCann Fleischesser als "Nierenmörder". Der eigentliche Apostel der Übersäuerungs- und Schlackenhypothesen ist aber wohl Alfred Pischinger mit seinem so genannten System der Grundregulation.
==Azidose in der wissenschaftlichen Medizin==
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