Klinoptilolith

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Klinoptilolith (Klinoptilolith-Zeolith, englisch: Clinoptilolite) ist die Sammelbezeichnung für eine Gruppe nicht näher spezifizierter Minerale aus der Gruppe der Zeolithe (aus dem griechischen zeein für „sieden“ und lithos für „Stein“), die als Nahrungsergänzungsmittel zu hohen Preisen beworben werden, obwohl beispielsweise in Deutschland Zeolith nicht als Nahrungsergänzungsmittel verkauft werden darf. Zeolithe bestehen aus einer mikroporösen Gerüststruktur aus AlO4-- und SiO4-Tetraedern, sie können Wasser und andere niedermolekulare Stoffe aufnehmen und beim Erhitzen wieder abgeben, ohne dass ihre Kristallstruktur dabei zerstört wird.

Zeolithe sind resistent gegenüber Säuren und Laugen und thermisch stabil bis 450 °C. Das Mineral ist nicht wasserlöslich.

Zeolith ist in Japan seit 1996 als Lebensmittelzusatzstoff zugelassen. Klinoptilolith ist seit Jahren in Russland als Nahrungsergänzungsmittel verbreitet. Weltweit wurden etwa 40 Patente mit Bezug auf Zeolithe angemeldet.

Als Nahrungsergänzungsmittel ist Klinoptilolith nach der Novel-Food-Verordnung nicht zugelassen. Klinoptilolith wurde im Dezember 2011 vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) unter der Schnellwarnungsnummer „2011/1849“ als nicht zugelassene neuartige Lebensmittelzutat in Nahrungsergänzungsmitteln erfasst.

Vorkommen

Klinoptilolith bildet sich durch chemische Wandlung aus vulkanischen Ablagerungen wie Tuffen oder vulkanischen Gläsern. Es kann sich auch als Mineral in vulkanischen Hohlräumen bilden, dies macht aber nur einen Bruchteil der in Lagerstätten nutzbaren Vorkommen aus.

Verwendung

Produkt Asphamin

Klinoptilolith wird, wie viele Zeolithe, als Ionenaustauscher zur Wasserenthärtung verwendet. Ebenso als Chelatbildner und EDTA-Ersatzstoff [2], als Trockenmittel oder in sogenannten selbstkühlenden Bierfässern. Des Weiteren wird es in großen Mengen bei der Herstellung von Waschmitteln durch die Industrie benötigt, wo es ebenfalls der Enthärtung des Wassers dient. Zeolithe finden aber auch in industriellen Katalysatoren Verwendung und werden in Wärmespeicherheizungen verbaut.

Klinoptilolith ist unter der Nummer E567 (Bindemittel, Fließhilfsstoffe und Gerinnungshilfsstoffe / Futtermittelverordnung) als Futtermittel für Schweine, Kaninchen und Geflügel zugelassen. [1] Eine neuere Anwendung findet sich im Straßenbau, wo Zeolithe zur Herstellung von Niedrigtemperatur-Asphalt eingesetzt werden (Asphalte des Typs Aspha Min). Ferner wird Klinoptilolith in Aquarien und bei Katzenstreu eingesetzt.

Klinoptilolith als Nahrungsergänzungsmittel

Klinoptilolith soll laut Werbung den Verdauungsapparat passieren, ohne selbst resorbiert zu werden. Dabei komme es (analog zu Aktivkohle) zur selektiven Adsorption (als Aufsaugen bezeichnet) von angenommenen oder tatsächlichen Giften, die sodann auf natürlichem Wege entsorgt und entschlackt würden. Dadurch soll auch der Verdauungsapparat gereinigt und die Leber entlastet werden. Angeblich werden durch das Zeolith schädliche durch unschädliche Elemente, die aus der Struktur des Minerals stammen, ausgetauscht. Der Austausch solle auch durch die Darmwand hindurch funktionieren.

Nebenwirkungen seien nicht zu erwarten, heißt es weiter, wobei von den Anbietern meist nicht auf mögliche Interaktionen mit Arzneimitteln oder bestimmten Produkten des eigenen Angebots (etwa Glycin) verwiesen wird. Der chemisch verwandte SiO2-Staub (kristallines SiO2) und weitere Silikate können jedoch als Feinstaub toxisch wirken und zur Silikose führen. Dies gilt auch für eingeatmete Zeolithstäube in Bergwerken. Auch können Zeolithe Verunreinigungen mit Schwermetallen aufweisen.

Bei schweren Krankheiten wie der Multiplen Sklerose, Parkinson und Alzheimer komme es zur Linderung. Drogenabhängige hätten ebenso Vorteile beim Entzug zu erwarten. Verwunderlich ist seine Bewerbung mit der Angst vor Elektrosmog: Klinoptilolith-Zeolith soll vor Radiotoxinen, Funkwellen und Elektrosmog schützen, wobei besonders auf russische Forscher Bezug genommen wird. Auch soll es - der Werbung nach - gegen Krebs wirksam sein (laut Hersteller Natural Cellular Defense). Andererseits ist das chemisch verwandte Zeolith Erionit ein bekannter Auslöser für Mesotheliome sowie möglicher weiterer Tumore.[2][3]

Klinoptilolith wird auch in Gramm-Mengen als Vulkanmineral angeboten. Klinoptilolith-Zeolith ist Hauptbestandteil von Sanolith forte Vitaltrunk. Im Großhandel kosten 25 kg gemahlenes Klinoptilolith 34,40 Euro (etwa 1.000-mal günstiger als bei Froximun).

Analog verwendete Substanzen sind Montmorillonit, Bentonit, kolloidales Siliziumdioxid und auch bestimmte chemisch verwandte Tonerden.

Vom ZDF (WISO) befragte Experten verneinten im Jahr 2008 die angeblichen Vorzüge des Klinoptilolith zur angestrebten Entschlackung. Der Ernährungsexperte Georg Wechsler aus München sprach den Entschlackungsmethoden generell eine wissenschaftliche Wirksamkeit ab, die Methoden hätten keinen gesundheitlichen Nutzen. Das arznei-telegramm (a-t), vertreten durch Wolfgang Becker-Brüser, sieht den Sinn in Geschäftsinteressen. Klinoptilolith (in Form des im Fernsehen präsentierten Froximun-Präparates) sei letztendlich sinnlos.[4]

Klinoptilolith wird innerhalb der EU als Medizinprodukt vertrieben und mit wissenschaftlich unbelegten Heilwirkungen verknüpft. Als Nahrungsergänzungsmittel ist er aufgrund der Novel-Food-Verordnung nicht zugelassen. Klinoptilolith wurde daher im Dezember 2011 vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) unter der Schnellwarnungsnummer „2011/1849“ als nicht zugelassene neuartige Lebensmittelzutat in Nahrungsergänzungsmitteln erfasst.[5]

Das Verwaltungsgericht Würzburg hat die Klage einer bayrischen Firma, ihr Produkt Detox-Forte („Klinoptilolith“) als Nahrungsmittel vertreiben zu dürfen, abgewiesen. Die Firma wollte sich damit gegen ein Verbot des Inverkehrbringes ihres Produktes durch das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit durchsetzen.[6]

Aufwertung und Elektrosmogschutz durch Prof. em. Karl Hecht

Klinoptilolith-Experte Prof. Karl Hecht

In seinem Buch[7] bewirbt Karl Hecht die Urmineralie Klinoptilolith zur Korrektur einer weltweit angenommenen Störung des Elektrolythaushalts, die Auslöser von psychonervalen Störungen, Schlafstörungen und einer verbreiteten Schwächung des Immunsystems sei. Hecht beruft sich dabei sogar auf die Bibel: [...] Da nahm Gott der Herr Ton von der Erde, formte daraus den Menschen und blies ihm den Lebensatem in die Nase. So wurde der Mensch ein lebendes Wesen“ (1. Mose Genesis, 2,7) [...]

Auszug aus einem Vortrag von Hecht aus dem Jahre 2005: Nach meinen eigenen mehrjährigen Erkenntnissen und denen der russischen Wissenschaftler, die wir (meine Frau und ich) in einem Buch „Naturmineralien, Regulation und Gesundheit“, welches zu der Frühjahrsbuchmesse 2005 erscheinen wird, zusammengefasst haben, kann der Natur Klinoptilolith Zeolith als ein Sanogenesestabilisator wirken und einen anderen möglichen Schutzfaktor gegen EMF Strahlung bieten. Entsprechende Studien, die von den Sendeanlagenbetreibern finanziert und von unabhängigen Forschungsgruppen durchgeführt werden müssen, sind dazu in Deutschland noch erforderlich [...] Mit den Mineralien soll lediglich versucht werden, die durch EMF Strahlung verursachten Leiden der Menschen zu lindern [...]

Auch in der Esoterikzeitschrift Raum & Zeit findet sich die Hecht'sche Werbung für Klinoptilolith wieder.[8] In dem genannten Artikel erklärt sich Hecht als Anhänger des umstrittenen Dunkelfeld-Testverfahren nach Günther Enderlein sowie der Auswertbarkeit der Geldrollenbildung. Beide alternativmedizinisch-diagnostischen Verfahren spielen wissenschaftlich gesehen wegen fehlender Eignung keine Rolle und sind als nicht validiert anzusehen.

Der von Hecht postulierte Effekt gegen ionisierende Strahlen bezieht sich offenbar auf die Klinoptilolith-Affinität bestimmter Radionuklide, in der Hoffnung, diese durch Bindung an Klinoptilolith eliminieren zu können. Konsequenterweise müsste dann aber die Einnahme ab der Geburt erfolgen und dürfte lebenslang nie unterbrochen werden. Denn: was soll bei den bekannterweise jahrelangen Latenzzeiten von Krebs eine gelegentliche kurmäßige Anwendung erst im Erwachsenenalter? Sie würde das Risiko, an Krebs zu erkranken, nur minimal beeinflussen (unterstellt, der postulierte Effekte träte ein). Im Falle von Strahlenunfällen sähe die Sachlage günstiger aus. Aber in diesem Falle müsste jeweils eruiert werden, welche Isotope vorherrschen und ob sie an diese Substanz in ausreichender Weise binden. Eingeatmete Radionuklide, über die Haut aufgenommene radioaktive Substanzen und die Gammastrahlung würden sowieso nicht beeinflusst.

Siehe auch

und Lnc-2010 von Uwe Behnken

Literatur

  • Elmore AR: Final report on the safety assessment of aluminum silicate, calcium silicate, magnesium aluminum silicate, magnesium silicate, magnesium trisilicate, sodium magnesium silicate, zirconium silicate, attapulgite, bentonite, Fuller's earth, hectorite, kaolin, lithium magnesium silicate, lithium magnesium sodium silicate, montmorillonite, pyrophyllite, and zeolite. Int J Toxicol. 2003;22 Suppl 1:37-102.
  • Pharmazeutische Zeitung Nr. 08/2001, AMK 20. Februar 2001

Weblinks

Quellennachweise

  1. Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit: Bindemittel, Fließhilfsstoffe und Gerinnungshilfsstoffe, PDF-Datei
  2. Baris B, Demir AU, Shehu V, Karakoca Y, et al. Environmental fibrous zeolite (erionite) exposure and malignant tumors other than mesothelioma. J Environ Pathol Toxicol Oncol 1996;15:183–189
  3. Pylev LN, Krivosheeva LV, Bostashvili RG, Possible carcinogenic hazard of zeolite-clinoptilolite Gig Tr Prof Zabol. 1984 Mar;(3):48-51.
  4. ZDF-Sendung WISO: Entschlackungsmittel, vom 21. Juli 2008
  5. Pharmazeutische Zeitung online: Klinoptilolith. Heilmittel oder Humbug?
  6. [1] VG Würzburg · Urteil vom 23. April 2014 · Az. W 6 K 13.596, OpenJur
  7. Hecht K: Naturmineralien, Regulation, Gesundheit. Kompendium. Urmineral Silizium, Natur-Klinoptilolith-Zeolith, Montmorillonit und andere Naturwirkstoffe. Antworten auf aktuelle Fragen zum wissenschaftlichen therapeutischen Handeln. (Buch). Schibri-Verlag 2008.
  8. Hecht K: Raum & Zeit 152/2008