HeartMath

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emwave-Gerät

HeartMath (früherer Name: Quick Coherence), in Deutschland auch Herzintelligenz, ist der Name einer dem Bereich Wellness und Biofeedback zuzuordnenden pseudomedizinischen Methode mit New Age- und Esoterikelementen, die aus den USA stammt.

HeartMath soll mit einer "Freeze-Frame-Technik", Visualisierungen und einer Atemtechnik helfen, Ärger und Stress in "positive Energie" umzuwandeln. Eine Verwandtschaft mit der Methode des Biofeedback ist erkennbar. Befürworter weisen im Rahmen der Methode dem menschlichen Herzen bestimmte Eigenschaften zu, die ansonsten in der wissenschaftlichen Medizin unbekannt sind. Die Methode beinhaltet großflächige Darstellungen einer üblichen EKG-Kurve sowie der Herzfrequenzvariabilität (HRV) und Interpretationen der HRV, die wissenschaftlich nicht belegt sind. Zur Erfassung der HRV wird von HeartMath ein eigenes Gerät eingesetzt, das emWave. Das Gerät ist auch in einer tragbaren Version und einer PC-basierten Version erhältlich. Das tragbare emWave-Gerät soll unterwegs Stress abbauen helfen, indem eine "Kohärenz" herbeigeführt werde.

Erfinder von HeartMath ist der Musiker und Hobbypsychologe Doc Childre, der 1991 im kalifornischen Boulder Creek die Firma Institute of HeartMath gründete und auch Inhaber der Firma Quantum Intech Inc. ist. Mitgründer sind Howard Martin, Rollin McCraty und Deborah Rozman. Durch Werbung mit Artikeln und in Vorträgen wirkt auch der Esoterik-Autor Gregg Braden an der Verbreitung von HeartMath mit.

Zu ihren Aufgaben gibt das HeartMath Institute an:

..innovative research on the interconnectivity between human consciousness and Earth’s energetic systems as well as between people and other living systems. There is evidence that Earth’s magnetic fields help to synchronize, energize and support the interconnection of all living systems..

Vermarktung

Wie bei vielen ähnlichen Methoden müssen Anwender zuvor eine kostenpflichtige Lizenz zum Trainer erwerben. Nach Angaben von HeartMath sollen ihre Trainer mittlerweile in mehr als 500 Schulen unterrichten. Die Methode werde auf 35 Stützpunkten der US-Armee und in Konzernen wie Shell, Motorola oder Hewlett-Packard praktiziert.

In Europa wird die Methode hauptsächlich von den Niederlanden aus durch die Firma HeartMath Benelux von Robert Erdbrink verbreitet sowie durch Kees Blase, der aber inzwischen eine eigene "HartFocus methodiek" bzw. ein "HRV-Biofeedback" entwickelt hat, eine Methode, die von HeartMath inspiriert sei. Die deutsche Niederlassung ist die HeartMath Deutschland GmbH aus Saarbrücken; Geschäftsführer ist der Betriebswirt und Heilpraktiker Reiner Krutti. Der erste "in Deutschland praktizierende Arzt, der lizensierter 1:1 Provider der HeartMath® Methode ist", sei der Allgemeinmediziner und Anthroposoph Markus Peters aus Bordesholm. Unter dem Namen Herzintelligenz wird HeartMath außerdem durch den VAK Verlag aus Kirchzarten bei Freiburg verbreitet.[1] Der Verlag bietet Ausbildungen zum "HeartMath Coach" mit Reiner Krutti als Seminarleiter an und verkauft auch die emWave-Geräte. Einige von Childres Büchern zur Methode sind im VAK-Verlag und im Verlag Herder auf Deutsch erschienen.

HeartMath und Freeze Framer sind Wortmarken des Institute Of HeartMath, EmWave ist eine Wortmarke von Quantum Intech, Inc., Quick Coherence ist eine Wortmarke von Doc Childre. Herzintelligenz ist eine Marke des VAK Verlags.

Doc Childre

Doc Childre

Doc Lew Childre ist kein Arzt, sein Vater ließ ihn mit dem "middle name" Doc eintragen. Er arbeitete zunächst bei der amerikanischen National Guard und gründete später ein Tonstudio. Privatstudien über eigene Erkrankungen, die er auf Stress zurückführte, mündeten in die Entwicklung seiner Methode und führten zur Gründung des eigenen Instituts. Zuvor hatte Childre als Komponist in seinem Tonstudio IHM Research Center funktionelle Entspannungsmusik (Designer Music) komponiert. Ein von Childre realisiertes Musikstück war "Heart Zones" mit beabsichtigter Wirkung auf das Herz und Entspannungszustände. Ein zweites Musikstück war "Speed of Balance – A Musical Adventure for Mental and Emotional Regeneration". Die Musik sollte direkte gesundheitsrelevante Wirkungen erzeugen, das Immunsystem anregen und den Titer eines Vorläuferhormons (DHEA), dem in der Nahrungsergänzungsmittelindustrie eine große Bedeutung beigemessen wird, anheben.[2] Eine Webseite des Internetauftritts von HeartMath, die auf die Kompositionen von Childre eingeht, wurde inzwischen entfernt.[3]

Childre ist Autor von mindestens einem Dutzend Büchern über seine Methode, viele mit der Psychologin Deborah Rozman als Ko-Autorin.[4] Rozman ist Migründerin von Childres Institute of HeartMath und Geschäftsführerin von Quantum Intech, Inc.

Herzkohärenz

In von HeartMath genannter Literatur wird nicht auf das emWave-Gerät eingegangen, sondern in der Regel auf andere Themen wie etwa die HRV. Ob HeartMath überhaupt Erfinder und Entwickler des emWave ist, bleibt unklar. Möglicherweise handelt es sich um ein Gerät des Herstellers StressEraser. Es gibt zur Zeit mehrere Geräte auf dem Markt, die eine so genannte Herzkohärenz ermöglichen sollen (z.B. Thought Technology, Nexus oder Heart Tuner). Im englischsprachigen Internet sind öffentlich ausgetragene Auseinandersetzungen der jeweiligen Erfinder und Vermarkter zu beobachten, darunter Mitarbeiter von HeartMath und Personen wie etwa "Jenseitsforscher" Gary E. Schwartz. Gerade über die Frage, was unter der anzustrebenden Herzkohärenz zu verstehen sei, gehen die Meinungen auseinander. Einerseits soll es Ziel sein, im Frequenzspektrum der Herzfrequenz (berechnet durch Fouriertransformation des gemessenen Pulses) möglichst einen einzigen peak zu erzeugen, also die Pulsfrequenz konstant zu halten. Andere Geräteanbieter verstehen unter dem gleichen Begriff eine Art Synchronisation zwischen Pulsfrequenz und Atemfrequenz, was gesundheitliche Vorteile habe. Wieder andere Vorschläge beziehen sich auf ein anzustrebendes Gleichgewicht zwischen nierderfrequenten und höherfrequenten Anteilen des Signalspektrums.

Eine ältere Version einer therapeutischen HRV-Kohärenz stammt von dem Russen Evgeny Vaschillo aus St. Petersburg. Mitte der 80er Jahre wollte er mit seiner Methode russischen olympischen Athleten zu mehr Leistungsfähigkeit verhelfen. Seine Methode wurde in den USA vom Physiologen Paul Lehrer bekannt gemacht.

Außerwissenschaftliche Annahmen zur Funktion des menschlichen Herzens

Vorstellungen über eine in der Biologie und Medizin unbekannte hypothetische drahtlose Herzkommunikation (Bild: HeartMath)
Von HeartMath gezeigte Abbildung zu chaotischer und kohärenter HRV
Darstellung des behaupteten Einflusses des Herzens auf das Erdmagnetfeld (Bild: HeartMath)

Glaubt man den Angaben der HeartMath-Befürworter, so hätte das menschliche Herz Eigenschaften, die in der wissenschaftlichen Medizin und Kardiologie völlig unbekannt sind. So könne das Herz Energiewellen aussenden, die eine ordnende und steuernde Funktion auf sämtliche anderen Organe inklusive des Hirns ausübten. Auch habe das Herz ein eigenes Gedächtnis, eigene Gefühle und eine eigene Intelligenz. Zitat HeartMath:

"Most of us have been taught in school that the heart is constantly responding to “orders” sent by the brain in the form of neural signals. However, it is not as commonly known that the heart actually sends more signals to the brain than the brain sends to the heart! Moreover, these heart signals have a significant effect on brain function-influencing emotional processing as well as higher cognitive faculties such as attention, perception, memory, and problem-solving. In other words, not only does the heart respond to the brain, but the brain continuously responds to the heart."

Das Herz sende elektromagnetische Wellen aus, die stärker als die des Gehirns seien. Diese Wellen seien so stark, dass sie zu einem anderen Menschen bis zu einem Abstand von 1,5 m "übertragen" werden könnten. Der tastbare Puls des Menschen sei in Wirklichkeit nicht durch die Pumpfunktion des Herzens und Druckwellen verursacht, sondern durch elektromagnetische Wellen des Herzens. 2004 will das HeartMath-Institut herausgefunden haben, dass das menschliche Herz parapsychologische und hellseherische Fähigkeiten habe und zukünftige Ereignisse voraussehen könne. Sieben Sekunden, bevor ein bestimmtes Ereignis eintreffe, reagiere bereits das EKG auf das spätere Ereignis. Bei weiteren Behauptungen von HeartMath wird auf Rupert Sheldrake und seine Vorstellungen eines Morphogenetischen Feldes Bezug genommen. Auch wird in Vorträgen die Hypothese verbreitet, dass gleichzeitig von einer großen Menschenmenge ausgeübte HeartMath Übungen zu einer Veränderungen des gesamten Erdmagnetfeldes führen würden.

Das HeartMath-Konzept orientiert sich stark an der Herzfrequenzvariabilität (HRV), also an der Art und Weise, wie sich die Herzfrequenz über die Zeit verhält. So wird behauptet, dass es ganz bestimmte optimale HRV-Werte für bestimmte Situationen des menschlichen Lebens gebe. In diesem Zusammenhang werden als optimal angesehene HRV-Zustände als "kohärent" bezeichnet: Ein Zustand, der im therapeutischen Sinne anzustreben sei. Stress führe beispielsweise zu chaotischen HRV-Veränderungen, während Glücksmomente zu kohärenter HRV führten. Für diese Annahmen fehlt ein wissenschaftlich zu nennender Beleg. Obwohl die HRV ein einfacher, preiswerter und unblutig zu bestimmender Parameter der Herzfunktion ist, wird sie aufgrund der geringen Aussagekraft in der Kardiologie nicht routinemäßig benutzt.

Das Wochenmagazin Focus befasste sich in einem Artikel mit der Methode HeartMath und übernahm im Wesentlichen dabei die Angaben des HeartMath Institute. Allerdings befragten die Autoren Kardiologen zu den Aussagen des "Stressforschers Doc Childre". Der von Focus zitierte Thomas Ischinger, Kardiologe am Städtischen Krankenhaus München-Bogenhausen, sieht in den Angaben von Childre eine "Aufwertung des Herzens". Das Organ sei eine effektive Pumpe, die Blut durch unseren Körper drückt und auf Signale des Hirns reagiert. Die Kommunikation zwischen Herz und Hirn gehe "zweifellos" primär vom Hirn aus, "nicht umgekehrt". Dies wird auch von Hannelore Weber geteilt, Professorin für Psychologie an der Ernst-Moritz-Arndt-Universität in Greifswald: "Mit dem Herzen kann man nicht denken. Aber Gedanken steuern körperliche Reaktionen."[5]

Methode

Das HeartMath-Übungsprogramm gegen Stress und Ärger basiert auf fünf Schritten. Anwender sollen lernen, sich auf ihr Herz zu konzentrieren und dessen "Intelligenz" zu nutzen.

  1. Bei eigener Stresserkennung solle eine kurze Auszeit folgen.
  2. Visualisierung der Herzgegend und Atemübung ("Konzentrieren Sie sich auf Ihre Mitte, stellen Sie sich vor, mit dem Herzen zu atmen und Energie hineinfließen zu lassen").
  3. Visualisierung positiv empfundener Erfahrungen der Vergangenheit.
  4. Aufmerksamkeitslenkung auf die Herzgegend.
  5. "Hören Sie auf die Antwort des Herzens".

Ein von der deutschen HeartMath-Vertretung in Saarbrücken angebotenes HeartMath emWave2-Programm "Stopping Emotional Eating", welches helfen soll, "emotionale Essmuster" zu "durchbrechen, kostet 11.898,81 Euro zzgl. Versandkosten.

Zitat aus der Werbung

  • Create a coherent state in about a minute with the simple, but powerful steps of the Quick Coherence Technique. Using the power of your heart to balance thoughts and emotions, you can achieve energy, mental clarity, and feel better fast anywhere…Find a feeling of ease and inner harmony that’s reflected in more balanced heart rhythms, facilitating brain function and more access to higher intelligence. (Werbung zur Vorgängermethode Quick Coherenz Technique)

Siehe auch

Quellennachweise

  1. http://www.herzintelligenz.de/
  2. http://wearelove-starchild.blogspot.de/2009/04/science-of-heart-ihm-research.html
  3. http://www.heartmath.org/research/science-of-the-heart-music-research.html
  4. Beispiel: Doc Childre, Deborah Rozman: Transforming Stress: The HeartMath Solution for Relieving Worry, Fatigue, and Tension. New Harbinger Publications, Oakland/California 2005
  5. http://www.focus.de/gesundheit/news/stress-mit-der-klugheit-des-herzens_aid_215096.html