Friedrich Bernhard Marby

Aus Psiram
Wechseln zu: Navigation, Suche
Friedrich Bernhard Marby

Der Astrologe und Runenforscher Friedrich Bernhard Marby (1882, Aurich - 1966, Stuttgart)[1] lernte in Hannover während seiner Ausbildung zum Schriftsetzer über deutschnationale Kreise okkult-germanophiles und ariosophisches Gedankengut kennen und versenkte sich fortan immer tiefer in entsprechende Literatur. Er beschäftigte sich stark mit Runen, die er intensiv "erforschte", angeregt durch Werke des Ariosophen und Runenverehrers Guido von List[2]. Marby schreibt: "Es gelang mir die Wiederentdeckung der Methode, nach der wir die Runen unserer germanischen Vorfahren wieder zu raunen im Stande sind, indem wir die Runen-Zeichen in Körperstellung und Körperbewegung nachahmen und dabei den Namen der betreffenden Rune raunen, sprechen, singen oder hinausrufen! [...] Der rettende Weg, die allezeit wirksame Methode der Selbsthilfe in jeglicher Not war gefunden!"

Er beschäftigte sich auch mit Phrenologie (Kopfformkunde), Chirologie und Astrologie. Nach kurzem Aufenthalt in Hamburg kam Marby 1917 als Redakteur und Herausgeber an die Württembergische Zeitung nach Stuttgart. Ab 1924 verlegte er die Zeitschrift "Der eigene Weg" im Selbstverlag, ab 1931 Herausgabe der Marby-Runen-Bücherei, 1933 kam noch eine Buchdruckerei dazu.

Zwischen 1928 und 1930 hielt sich Marby zur Ahnenforschung mehrfach in Dänemark und Schweden (Burg Mörby) auf[3], wo nach eigenen Angaben auch familiäre Wurzeln lagen, um sich noch ausgiebiger der Runenforschung widmen zu können. 1931 Gründung des "Internationalen Bundes der Runenforscher (IBdR)" und des "Bundes der Deutschen Runenforscher (BdDR)".

1935 veranlassten Marbys Runenforschungen den "völkischen" Esoteriker und SS-Gruppenführer Karl Maria Wiligut (Pseudonym Weisthor, persönlicher Berater von Heinrich Himmler) zu eimem Brief an seinen Dienstherrn Himmler, in dem er forderte, man möge doch etwas gegen die Runengymnastik des Siegfried Adolf Kummer und des Marby unternehmen[4], der als "antinazistischer Okkultist" bezeichnet wurde. Seine Schriften wurden daraufhin beschlagnahmt und ihm jede weitere Vortrags- und Verlegertätigkeit mit der Begründung untersagt, dies sei schädlich für Staat und Volksgesundheit.

Marby nahm Darlehen in großer Höhe bei seinen Anhängern auf, die er nicht zurückzahlen konnte. So wurde Marby Anfang 1938 wegen Betrugs und Bankrotts zu einer Gefängnisstrafe von 10 Monaten und 14 Tagen verurteilt[5]. Hierzu wurde Marby zunächst für 2 Monate in das kleine Konzentrationslager Welzheim bei Stuttgart eingewiesen, anschließend für weitere sieben Monate nach Flossenbürg. Anschließend wurde er jedoch nicht freigelassen, sondern in das KZ Dachau überführt, aus dem er am 29. April 1945 befreit wurde, wie Wedemeyer-Kolwe berichtet (S. 413[6])[7]. Im Vergleich zu anderen Häftlingen hatte Marby dennoch Glück, denn er wurde als so genannter "Vorzugshäftling" für Küchendienste eingesetzt.

Seinen Lebensunterhalt bestritt Marby nach Kriegsende hauptsächlich durch astrologische Beratungen, Vorträge und Kurse. Einige seiner astrologischen Werke entstanden zu dieser Zeit, wurden jedoch zu seinen Lebzeiten nicht mehr in Buchform veröffentlicht.

Politische Einordnung

Dass Marby ein ausgesprochener Rassist war und nationalem und völkischem Gedankengut sehr aufgeschlossen gegenüberstand, offenbart sich, wenn er selbst schreibt: "Die germanischen Runen und ihre Anwendung enthalten den Einweihungs-Weg der Menschen germanischen Blutes! - Menschen anderer Rassen haben ihre eigenen Einweihungs-Wege. [...] Jegliche Kultur auf unserer Erde ist entstanden aus der Wirkung der Runen-Übungen der germanischen Völker. [...] Dabei dürfen die Angehörigen anderer Rassen sich nicht zurückgesetzt fühlen. Sie haben ja ihre eigenen Übungen, ihre eigenen Tänze und Einweihungs-Einrichtungen. Sie sollen diese nur pflegen, uns aber nicht zumuten, daß wir ihre Tänze mitmachen. Denn diese wirken auf uns verderblich ein." Nach Ende des 2. Weltkriegs versuchte Marby dennoch, seinen Bund der Runenforscher als die "Widerstandsgruppe Marby" darzustellen, um dadurch Entschädigung für seine Haft im Konzentrationslager zu erlangen. Dies wurde jedoch von den Gerichten zurückgewiesen, die der Ansicht waren, er habe durch seine Runengymnastik "dem Nationalsozialismus sogar Vorschub geleistet".[6]

Es verwundert kaum, dass Marbys Runenwerke auch heute noch, gerade in neonazistischen Kreisen, große Aufmerksamkeit finden.

Astrologie

In den astrologischen Werken Marbys kommt seine rassistische Gesinnung praktisch nicht zum Ausdruck, vermutlich weil sie nach 1945 erschienen, wenngleich Menschenbild und Anschauungen Marbys doch im Hintergrund spürbar sind.[8]

Er kann im astrologischen Umfeld als unbedeutend angesehen werden, da er aufgrund seiner rassistischen Ader und Vergangenheit in diesen Kreisen kein gern gesehener Gast war.

Werke (Auswahl Astrologie)

  • Runen Kalender Der Runen- und Priester Astrologie. Astrologisches Vierteljahresbuch Juli- September 1930. Stuttgart Marby Velag 1930
  • Sonne und Planeten im Tierkreis - Eine Studie über Wirken und Bedeutung aller 360 Grade. 256 Seiten. Spieth Verlag Stuttgart 1975 ISBN 3880930031
  • Astrologische Namensdeutung. Name, Wesensart und Schicksal. 264 Seiten. Berlin Spieth Verlag 1996
  • Geheim-Systeme der Astrologie: Sphärische und galaktische Astrologie - die Astrologie der Milchstrasse. Spieth Verlag Berlin. Angekündigtes Erscheinen 2007.

Quellen

  1. Biografie aus:
    seinen Memoiren veröffentlicht auf der Homepage des Spieth Verlags,
    Kurzbiographie bei Siegfried Schmid
    Biographie von Eduard Gugenberger.
  2. Goodrich-Clarke, Nicholas: The occult roots of Nazism. The Aquarian Press, Wellingborough (GB) 1985, S. 160
  3. Nicholas Goodrich-Clarke: The occult roots of Nazism. The Aquarian Press, Wellingborough (GB) 1985, S. 161, entsprechend den Angaben aus Sonne und Planeten im Tierkreis von Marby, Stuttgart 1975.
  4. Information aus einer Buchbeschreibung von Marby
  5. ZENIT, 9. Jahrgang, Februar 1938, Heft 3, S. 44
  6. 6,0 6,1 Bernd Wedemeyer-Kolwe: "Der neue Mensch": Körperkultur im Kaiserreich und in der Weimarer Republik. Königshausen & Neumann, 2004 ISBN 3826027728 Online bei Google Books
  7. Die immer wieder kolportierte Legende, Marby sei "99 Monate" im KZ gewesen, kann somit als widerlegt gelten. 99 Monate entsprächen mehr als 8 Jahren; damit hätte Marby bereits Anfang 1937 ins KZ eingeweisen worden sein müssen.
  8. So in der Einleitung Marbys zu seinem Werk Sonne und Planeten im Tierkreis. Spieth Verlag, Stuttgart 1975