Cannabis-Öl

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Werbung für Cannabisöl zur Heilung von Krebs (Bild: David Dees und David Icke über twitter 2016)
CBD-Öl als vermeintliches Wundermittel von Mehmed Oz gegen das SARS-2 CoV-2 Coronavirus im Jahr 2020. Der Hersteller wurde von der Aufsichtsbehörde FDA aufgefordert die Werbung einzustellen

Cannabis-Öl (auch Haschischöl, Haschöl oder THC-Öl, engl. Cannabis oil, hash oil, hemp oil, CBD oil, im pseudomedizinischen Bereich auch "Rick Simpson Oil") ist ein THC- und cannabidiolhaltiges Extrakt aus dem Harz der weiblichen Blütenstände der Pflanze Hanf. Es ist zu unterscheiden vom in Bioläden erhältlichen Hanföl, das aus den Samen des Hanfs (Cannabis sativa), und dem ätherischen Hanföl, das durch Destillation aus Blättern und Blüten des Hanfs gewonnen wird. Das hier thematisierte THC-haltige Haschischöl wird auch in den Massenmedien mit Hanföl verwechselt, so von der Zeitschrift Focus, die über behauptete Wunderwirkungen von Hanföl gegen Krebs berichtete.[1]

Das Cannabis-Öl kann durch flüssiges Butan oder (überkritisches) CO2 aus dem Pflanzenmaterial extrahiert werden. Diese Verfahren sind aufwändig und nicht ungefährlich, werden daher meist von professionellen Anbietern genutzt. Bei von Laien hergestellten Cannabis-Ölen wird eine breite Vielfalt von Lösungsmitteln eingesetzt, die nach Herstellung teilweise im Endprodukt verbleiben, da sie sich nicht komplett abdampfen lassen. So finden zum Beispiel iso-Propylalkohol, Chloroform, Diethylether, giftiges Methanol, Dichlormethan oder auch der Pinselreiniger Terpentinöl Anwendung. Das pflanzliche Rohmaterial wird oftmals ein paar Tage in das Lösungsmittel eingelegt und anschließend nur abgesiebt (Mazeration).

Auf Grund des hohen THC-Gehalts von 5-41% unterliegt das Cannabis-Öl den Bestimmungen des Betäubungsmittelgesetzes. Auch in den Niederlanden wird der Besitz kleiner Mengen strafrechtlich verfolgt.

Hanfextrakte wurden seit tausenden von Jahren zur Behandlung von Krankheiten eingesetzt.

Enthusiastische und gleichzeitig unkritische Behauptungen zur Wirksamkeit von (insbesondere inhalierten) Extrakten der Hanfpflanze sind in einem Zusammenhang mit Bemühungen zu sehen, so genannte "weiche Drogen" wie Marihuana zu legalisieren.

Cannabis-Öl als Krebsheilmittel

Im englisch- und deutschsprachigen Internet finden sich zahlreiche Berichte über unkonventionelle Anwendungen von Cannabis-Öl und angebliche Wunderheilungen bei unterschiedlichsten Krebserkrankungen. Ausgangspunkt sind sowohl wissenschaftliche Studienarbeiten und Tierversuche zur möglichen Wirksamkeit von THC auf Krebszellen, andererseits beruft man sich jedoch auch auf Berichte einiger weniger überzeugter Anhänger einer Anwendung von Cannabis-Öl zur Abtötung von Krebszellen, zumeist medizinische Laien. Aber auch Zeitschriften aus dem Umfeld der Alternativmedizin berichten unkritisch und ohne Bezug zur tatsächlichen aktuellen Studienlage über das Antikrebswundermittel Cannabis-Öl. Als Beispiel kann ein Artikel von Nexus genannt werden.[2]

Von der Diskussion über eine mögliche krebshemmende oder krebszellenabtötende Wirkung von THC abzugrenzen ist die Diskussion eines möglichen Einsatzes THC-haltiger Substanzen zur Bekämpfung von Schmerzen, hier von Tumorschmerzen zur Verbesserung der Lebensqualität von Krebspatienten (quality of life), ohne jdoch ihre Prognose (outcome) dabei zu beeinflussen. Auffällig ist dabei, dass auf Seiten einer Anhängerschaft nicht zwischen Hanföl (ohne nennenswertes THC) und dem THC-haltigen Haschischöl (Cannabis-Öl) unterschieden wird, obwohl gleichzeitig THC als die krebshemmende oder krebsabtötende Substanz bezeichnet wird.

Auftrieb für Cannabisöl-Anwendungen bei Krebs waren anekdotisch berichtete Meldungen über angebliche Wunderheilungen durch den Kanadier Rick Simpson, der sich aktuell (2016) in Zagreb (Kroatien) aufhält. Daher wird das Cannabis-Öl in diesem Zusammenhang auch als "Rick Simpson Oil" bezeichnet.

Ein regelmäßiger inhalativer Cannabiskonsum erhöht selbst aber das Risiko für Lungenkrebs.[3]

Aktuelle Studienlage

Gegenwärtig (Stand Oktober 2014) liegen in den entsprechenden Datenbanken (z.B. NIH) nur die Ergebnisse aus einer einzigen wissenschaftlichen Studie beim Menschen über Anwendungen von Cannabis oder Cannabinoiden bei Krebserkrankungen vor. In einer Studie aus Spanien wird über die THC-Behandlung von neun Patienten mit einem Glioblastoma multiforme berichtet. Bei acht Patienten konnte eine gewisse Wirkung beobachtet werden, bei einem Patienten kam es zu keiner Wirkung. Alle Patienten verstarben jedoch innerhalb eines Jahres (Mean survival was 24 weeks), so wie es auch in vergleichbaren Fällen zu erwarten gewesen wäre.[4]

Dagegen liegen mehrere Ergebnisse aus Studien beim Menschen vor, die die Untersuchung des Einflusses von Cannabinoiden zur Behandlung von Nebenwirkungen konventioneller Chemotherapien zum Ziel hatten. Wissenschaftliche Studien zu Wirkungen gegen Krebs wurden in der Vergangenheit an Versuchstieren durchgeführt. Die Studienergebnisse lassen sich jedoch bekanntlich nur bedingt auf den Menschen übertragen. Dies gilt insbesondere für inhaliertes (gerauchtes) Cannabis. Bei den "in vitro" (im Reagenzglas) durchgeführten Experimente an Krebszellen, die Anlass für Hoffnungen geben, wurden teilweise mit so hohen THC-Konzentrationen eingesetzt, dass im Vergleich dazu ein Mensch ca. 1.000 Haschischtüten pro Tag rauchen müsste, was sich aus gesundheitlichen und finanziellen Gründen verbietet.

Am versprechendsten scheinen die Wirkungen von THC und Cannabidiol an den Cannabinoid-Rezeptoren CB1 und CB2 von Krebszellen zu sein; in den meisten Studien werden hier die Interaktionen untersucht. Aber es gibt auch Berichte über unerwünschte Wirkungen von Cannabioiden auf Krebszellen. So können hohe THC-Konzentrationen Schäden an Blutgefäßen bewirken. Unter gewissen Bedingungen können die Substanzen auch ein Krebswachstum fördern.[5] Eine Aktivierung des CB2-Rezeptors soll es dabei dem Immunsystem erschweren, Tumorzellen zu erkennen und zu zerstören. Auch gibt es Berichte über eine (auch von der zytotoxischen Chemotherapie her bekannte) sich entwickelnde Resistenz gegen Cannabinoide.[6]

Oral (über den Mund) eingenommenes Delta-9-THC hat sich als effektiv erwiesen gegen Erbrechen und Übelkeit, ausgelöst durch eine cytotoxische Chemotherapie bei Krebs. Auch liegen Studien mit unterschiedlichen Ergebnissen zu inhaliertem Cannabis zur Behandlung von Übelkeit und Erbrechen vor. Allerdings ist es gegenwärtig (2014) noch unklar, ob inhaliertes Cannabis tatsächlich geeignet ist, Übelkeit und Erbrechen effektiv zu lindern.

Obwohl Cannabinoide in Tierversuchsstudien ein gewisses antitumorales Potential gezeigt haben[7], gab es in den USA nur wenige Versuche, diese bei menschlichem Krebs einzusetzen.[8]

Stellungnahmen und Empfehlungen von Aufsichtsbehörden und Fachgesellschaften

Die US-amerikanische Gesundheitsaufsichtsbehörde FDA sieht keinen Anlass, Hanfpflanzenextrakte (Cannabinoide) für irgendeinen Behandlungsansatz einzusetzen (Stand 2014). Zitat: ..The U.S. Food and Drug Administration has not approved Cannabis as a treatment for cancer or any other medical condition..

Das US-amerikanische National Cancer Institute bestätigt, dass Cannabisextrakte in Reagenzglasversuchen außerhalb des menschlichen Körpers einen krebszellenabtötenden Effekt zeigen und einen Einfluss auf das Immunsystem haben. Dennoch gibt es nach Kenntnis des NCI keinen Beleg dafür, dass eingenommene Cannabinoide einen Effekt auf das Immunsystem ausüben, der geeignet sei, dem Körper zu helfen, sich gegen Krebs zur Wehr zu setzen (Zitat: ..Cannabis has been shown to kill cancer cells in the laboratory and to affect the immune system. However, there is no evidence that Cannabis' effects on the immune system help the body fight cancer..).[9]

Die "American Cancer Society" schreibt zum Thema: (Zitat von Oktober 2014) ..More recently, scientists reported that THC and other cannabinoids such as CBD (cannabidiol) slow growth and/or cause death in certain types of cancer cells growing in laboratory dishes. Some animal studies also suggest certain cannabinoids may slow growth and reduce spread of some forms of cancer. However, these substances have not been tested in humans to find out if they can lower cancer risk. There is no available scientific evidence from controlled studies in humans that cannabinoids can cure or treat cancer..[10]

Die englische Cancer Research UK schreibt zum Thema auf ihrer Webseite über eine "Irreführung von Patienten": ..But claims that this body of preclinical research is solid “proof” that cannabis or cannabinoids can cure cancer is highly misleading to patients and their families, and builds a false picture of the state of progress in this area..[11]

Die Sachsenanhaltinische Krebsgesellschaft teilt auf ihren Webseiten mit, dass .. Nach guter Studienlage ... Cannabis-Produkte bei chronischen Schmerzen Krebsbetroffener.. helfen würden. Weiter ist zu lesen: .. Aktuell müssen Kranke häufig langwierig mit Behörden, Ärzten und Kassen um die Nutzung von ‪‎Cannabis‬-Medizin und die Übernahme der Kosten kämpfen. In Sachsen-Anhalt, aber auch im gesamten Bundesgebiet, dürfen derzeit nur wenige Patienten Cannabis aus der ‪‎Apotheke‬ beziehen. Kranke, die sich selber mit Cannabis versorgen, werden derzeit sogar strafrechtlich verfolgt.

In den USA im Handel erhältliche Arzneimittel, die Cannabinoide enthalten, sind Dronabinol (halbsynthetisches Tetrahydrocannabinol und Betäubungsmittel, in Deutschland als Fertigarznei nicht zugelassen) und Nabilon (seit 1991 nicht mehr auf dem deutschen Markt). Diese Mittel haben eine Zulassung zur Behandlung von bestimmten Symptomen und Nebenwirkungen einer konventionellen Krebstherapie und sind verkehrs- und verschreibungsfähige Rezeptursubstanzen. [12] Dronabinol (Tetrahydrocannabinol THC), ist ein Wirkstoff aus der Gruppe der Cannabinoide. In der Schweiz ist eine medizinische Anwendung mit einer Ausnahmebewilligung des Bundesamts für Gesundheit möglich. Der Wirkstoff wird vorwiegend in Form einer Lösung verabreicht und kann unter anderem gegen Schmerzen, Spastik, Appetitlosigkeit und Übelkeit infolge schwerer Erkrankungen eingesetzt werden. Zu den möglichen unerwünschten Wirkungen gehören psychotrope Effekte, Verdauungsbeschwerden und Herz-Kreislaufstörungen.

Literatur

Weblinks

Blogartikel

Quellennachweise

  1. http://www.focus.de/gesundheit/news/angebliche-wunderheilung-mann-behauptet-dass-hanfoel-ihn-vom-krebs-befreit-hat_id_4070520.html
  2. Cannabis-Öl heilt Krebs: Ein Wissenschaftler spricht aus eigener Erfahrung, Nexus-Magazin, 22. Januar 2013
  3. Callaghan, R. C. et al.: Marijuana use and risk of lung cancer: a 40-year cohort study. Cancer Causes and Control, Onlinevorabveröffentlichung Juli 2013, 10.1007/s10552-013-0259-0
  4. M Guzmán, M J Duarte, C Blázquez, J Ravina, M C Rosa, I Galve-Roperh, C Sánchez, G Velasco and L González-Feria, A pilot clinical study of Δ9-tetrahydrocannabinol in patients with recurrent glioblastoma multiforme, British Journal of Cancer (2006) 95, 197–203. doi:10.1038/sj.bjc.6603236 www.bjcancer.com 27. Juni 2006
  5. http://scienceblog.cancerresearchuk.org/2012/07/25/cannabis-cannabinoids-and-cancer-the-evidence-so-far/
  6. Lorente M1, Torres S, Salazar M, Carracedo A, Hernández-Tiedra S, Rodríguez-Fornés F, García-Taboada E, Meléndez B, Mollejo M, Campos-Martín Y, Lakatosh SA, Barcia J, Guzmán M, Velasco G., Stimulation of the midkine/ALK axis renders glioma cells resistant to cannabinoid antitumoral action., Cell Death Differ. 2011 Jun;18(6):959-73. doi: 10.1038/cdd.2010.170. Epub 2011 Jan 14
  7. Cannabis (marihuana, marijuana) and the cannabinoids, Februar 2013
  8. Bowles DW, O'Bryant CL, Camidge DR, Jimeno, The intersection between cannabis and cancer in the United States, Critical reviews in oncology/hematology, Juli 2012, Vol 83, 1, Seiten 1–10. pmid=22019199, doi=10.1016/j.critrevonc.2011.09.008
  9. http://www.cancer.gov/cancertopics/pdq/cam/cannabis/patient
  10. http://www.cancer.org/treatment/treatmentsandsideeffects/complementaryandalternativemedicine/herbsvitaminsandminerals/marijuana
  11. http://scienceblog.cancerresearchuk.org/2012/07/25/cannabis-cannabinoids-and-cancer-the-evidence-so-far/
  12. Pflegewiki: [1] Dronabinol