Boguslaw Jelen

Aus Psiram
Wechseln zu: Navigation, Suche

Boguslaw Jelen ist ein polnischer Arzt und Erfinder eines umstrittenen Präparates zur Behandlung der HIV-Infektion und von AIDS. Jelen soll als Gynäkologe und Neurologe im polnischen Kurort Bad Polzin (Polczyn Zdroj) gearbeitet haben, nach anderen Angaben soll er aus Pilzno stammen.

Jelen ist nicht mit dem Krakauer Ökonomen gleichen Namens zu verwechseln.

Das Anti-HIV-Präparat

Jelen ließ 2004 ein Substanzgemisch ohne eigenständige Bezeichnung/Namen zur HIV-Behandlung patentieren.[1] Nach Angaben aus dem Patent soll das Substanzengemisch die Replikation (Vermehrung) des HIV-1 und des HIV-2 in CD4-positiven Lymphozyten (T-Helferzellen) hemmen. Nach anderen Angaben soll es hingegen einen unterstellten Einfluss von HIV auf den Progesteronhaushalt (Progesteron ist ein Hormon) beeinflussen können.

Im Patent sind Angaben zu den Inhaltsstoffen zu finden. Als Inhaltsstoffe werden dabei zehn Substanzen angegeben, die teilweise pflanzlicher Herkunft sind. Außerdem führt es zwei Jod-Verbindungen, eine verschreibungspflichtige Substanz sowie einen Chelatbildner und Schwermetalle auf. Das Patent macht nicht plausibel, warum diese sämtlich seit langem bekannten Substanzen die Virenreplikation der HI-Viren hemmen sollen.

  • Allocryptopin (1 - 10 mg). Allocryptonin(e) ist ein Alkaloid des Schöllkrauts oder verschiedener Mohnarten (übrigens auch im umstrittenen und ebenfalls nicht zugelassenen Mittel Ukrain enthalten).
  • Nimodipin (20 - 100 mg). Nimodipin ist ein Calciumkanalblocker aus der Gruppe der Dihydropyridine. Wegen ausgeprägter Nebenwirkungen (Blutdrucksenkung, Ödembildung, Übelkeit, GI-Symptome sowie Möglichkeit von Zwischenfällen bei Asthma- oder Infarktpatienten) eine verschreibungspflichtige Substanz.
  • Kaliumiodid (120 - 560 mg)
  • Kaliumiodat (30 - 140 mg)
  • Inulin (125 - 375 mg). Inulin ist ein Gemisch von Polysacchariden aus Fructosemolekülen mit einem Glucoserest.
  • Silber (0,1 - 0,5 mg)
  • Zink (10 - 20 mg)
  • Chrom (0,05  - 0,2 mg)
  • Orotsäure (150 - 500 mg). Die Orotsäure ist ein Pyrimidin-Derivat und Zwischenprodukt der Biosynthese des Uridinmonophosphats (UMP).
  • Desferrin (100 - 300 mg). Desferrin (Deferoxamine mesylate, Deferoxaminum, Deferrioxamine, Desferrioxamine, Desferrioxamine B, Deferoxamin, DFO, DFOA, DFOM, Deferrioxamine B, Deferoxamide B oder Desferal) ist eine Substanz, die aus Streptomyces pilosus gewonnen wird. Desferrin ist ein Chelatbilner.

Als weitere mögliche Inhaltsstoffe werden Triterpen Taraxasterol und B-Sitosterol genannt. Letzeres ist das β-Sitosterin, ein Phytosterin mit Ähnlichkeit zum Cholesterin.

Das Präparat wurde in der Schweiz von einer Firma namens Excyton-Excymer GMBH[2] (vormals im Mitbesitz der "Spirt Avert AG-Gruppe" sowie "Venture Capital Zentralschweiz AG" in Luzern) hergestellt, bei der Jelen selbst auch von 2004 bis 2006 Gesellschafter war. Die Firma residiert an der Anschrift der Akupunkturärztin Grazyna Clavadetscher, die auch Gesellschafterin ist. Nach Angaben aus dem Internet zu schließen, muss das Präparat zu einem relativ hohen Preis angeboten worden sein. Eine Zulassung als Arzneimittel wurde nie erlangt. Laut Angaben des Erfinders habe er selbst Versuche an 11 HIV-positiven Patienten durchgeführt und dabei positive Resultate festgestellt. So seien Patienten durch die Behandlung sogar "HIV-negativ" geworden, behauptet Jelen. Die auch im Internet verbreiteten Berichte über angebliche Behandlungserfolge, die die jahrzehntelangen und Milliarden teuren Medikamentenentwicklungen der Vergangenheit zu übertrumpfen scheinen, führten zu einem Interesse seitens HIV-positiver Personen. Auch nahm sich die Esoterikzeitschrift Zeitenschrift der Gerüchte um das Präparat an und veröffentlichte unter dem Aufmacher HIV müsste kein Problem mehr sein eine Art Jubelartikel um das weder zugelassene noch in Studien erprobte Mittel, zu dem jegliche Fachliteratur unbekannt ist.[3] In der unseriösen Zeitenschrift behauptete der Autor Benjamin Seiler, dass der Erfinder einen ungenannten "Wirkstoff" (offenbar war das Gemisch gemeint) entwickelt habe, "der das Aidsvirus nachweislich vernichtet und die "Aufnahme über den Darm" hemme, ohne den Körper gleichzeitig zu vergiften." Berichtet wurde, dass das Präparat über Darmeinläufe zugeführt werden soll. Gleichzeitig suggerierte der Artikel der Zeitenschrift im Sinne einer Verschwörungstheorie, dass "niemand" am Präparat ein Interesse habe. Auch habe eine ominöse "Rockefeller-Stiftung" Einfluss genommen, um die Verbreitung des Mittels zu behindern. Ferner sei ein bestimmter Computer von unbekannten Tätern gestohlen worden, auf dem sich ausgerechnet angebliche positive Versuchsergebnisse befunden haben sollen.

Der Kölner Heilpraktiker Wilfried Bales machte selbst Versuche an HIV-positiven Patienten, wie er auf seiner Webseite im Internet behauptet. Demnach habe er zunächst Jelen in der Schweiz aufgesucht, bevor er das nicht als Arzneimittel zugelassene Präparat an sechs Patienten ausprobierte. Bales erwähnt, dass dabei mit Wissen von behandelnden HIV-Schwerpunktärzten die bisherige Kombi-Medikation abgesetzt wurde. Nach dem Bericht von Bales, der als Heilpraktiker keine HIV-Infektion behandeln darf, sei es zu einer Verschlechterung des Zustands der Patienten gekommen und die bisherige Kombi-Therapie habe wieder aufgenommen werden müssen. Der Erfinder Jelen habe vermutet, dass seine Therapie nicht funktionierte, weil "ein falsches Gefäß" zum Darmeinlauf benutzt worden sei und homosexuelle Patienten ohnehin anders auf das Mittel reagierten als seine eigenen HIV-Patienten mit Drogenmissbrauchshintergrund.

Quellennachweise

  1. United States Patent Application US 2003 0203045 A1, WO/2004/066954 vom 12. August 2004 (Anmeldung 29. Januar 2003), A pharmaceutical mixture and a method of its production of a therapeutic composition for blocking the HIV-1 and HIV-2 virus replication in the CD4+ cells of the human immune system in all stages of that viral infection, and in AIDS for the treatment of HIV in a patient in need of such treatment. Volltext
  2. EXCYTON-EXCYMER GMBH, Am Dürrbach 1, CH-6390 Engelberg
  3. Benjamin Seiler: HIV müsste kein Problem mehr sein, Zeitenschrift 58/2008, http://www.zeitenschrift.com/magazin/58-aids.ihtml