Orthomolekulare Medizin: Unterschied zwischen den Versionen

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Aktuelle Version vom 26. Januar 2024, 16:10 Uhr

Die orthomolekulare Medizin (griech. ορθός, orthós, richtig; molekular, aus lat. Baustein) ist eine maßgeblich von Linus Pauling beeinflusste pseudomedizinische Methode, in deren Mittelpunkt die Verwendung von hochdosierten Vitaminen und Mineralstoffen zur Vermeidung und Behandlung von Krankheiten steht. Synonym ist auch die Bezeichnung Megavitamine gebräuchlich.

Der medizinische Nachweis der Wirksamkeit konnte bisher nicht erbracht werden. Bei der orthomolekularen Medizin werden in der Regel viel höhere tägliche Vitamindosen empfohlen, als physiologisch notwendig und naturwissenschaftlich und medizinisch zu rechtfertigen ist.

Etliche Studien belegen, dass eine längerfristige hochdosierte Gabe von Vitaminen, wie sie in der orthomolekularen Medizin praktiziert wird, zu ernsthaften Gesundheitsschäden führen und die durchschnittliche Lebenserwartung verkürzen kann.

Theorie

Nach Ansicht der Vertreter der orthomolekularen Medizin führt ein biochemisches Ungleichgewicht im Körper zu Krankheiten. Dieses Ungleichgewicht versucht man durch Einnahme von hoch dosierten Vitaminen, Mineralstoffen, essentiellen Fettsäuren und Aminosäuren in Form von Nahrungsergänzungsmitteln zu beseitigen.

Vertreter der orthomolekularen Medizin sind der Meinung, dass die heutigen Lebensmittel durch Züchtung, Transport, Verarbeitung und Lagerung an lebenswichtigen Inhaltsstoffen verarmt sind, sodass sich allein mit der täglichen, normalen Ernährung der Bedarf nicht decken lasse und somit eine zusätzliche Einnahme dieser Stoffe notwendig sei.

Einige Vitamine wie Vitamin C und E wirken als Antioxidantien. Von der Einnahme hoher Dosen dieser Vitamine verspricht man sich aufgrund der antioxidativen Wirkung einen vorbeugenden Effekt gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs und Erkältungskrankheiten.

Einige Aminosäuren sind Vorläufer körpereigener Transmitter und Hormone (zum Beispiel Tryptophan von Serotonin, Tyrosin von Dopamin und Melatonin und Histidin von Histamin). Einen Mangel dieser Substanzen versucht man mit entsprechenden Präparaten, die diese Aminosäuren enthalten, auszugleichen. Allerdings können solche Mangelzustände, wenn sie denn tatsächlich vorhanden sind, auch dadurch entstehen, dass der Körper die Vorläufersubstanz nicht (richtig) aufnehmen oder umwandeln kann, unabhängig davon, wieviel man davon zu sich nimmt (siehe auch orthomolekulare Psychiatrie.

Anwendungsgebiete

Die orthomolekulare Medizin wird von ihren Befürwortern bei vielfältigen Indikationen empfohlen: zur Vorbeugung gegen Krebs, multiple Sklerose, Arteriosklerose, Altersdiabetes, Osteoporose, Rheuma, grippale Infekten und andere Erkrankungen.

Kritik

Die Grundlagen der orthomolekularen Medizin sind semi- bis pseudowissenschaftliche Annahmen. Vor allem das Geschäft mit Nahrungsergänzungsmitteln profitiert von dieser Form der Therapie.

Die angebliche Mangelversorgung der Bevölkerung entspricht nicht dem Ergebnis anerkannter wissenschaftlicher Studien der Ernährungswissenschaft. So kommt die umfassende Studie der renommierten American Medical Society zur Schlussfolgerung, dass die Annahme einer weitverbreiteten Mangelversorgung der Bevölkerung mit Vitaminen und Mineralstoffen unzutreffend ist, dass die Annahme, viele Krankheiten seien auf ungesunde Ernährung zurückzuführen, falsch ist und dass die Annahme, dass viele Krankheiten durch Supplementierung geheilt werden könnten, irrig ist.[1]

Studien zur Wirksamkeit

Die Wirksamkeit des Konzepts der orthomolekularen Medizin konnte bisher nicht mit naturwissenschaftlichen und medizinischen Studien belegt werden und der zukünftige Nachweis gilt als unwahrscheinlich.

Vitamin A (ß-Carotin )

Singh et al. stellten bei 505 Myokard-Patienten fest, dass eine fett- und kohlenhydratreduzierte, mit Vitamin C, E und ß-Carotin angereicherte Diät den Plasmaspiegel von Vitamin C eine Woche nach Infarkt ansteigen lässt, jedoch sagt dies nichts über eine etwaige kardioprotektive Wirkung aus.[2]

Vitamin B12

Eine der größten Studien mit über 12.000 Patienten konnte innerhalb von sechs Jahren keinen Effekt von Vitamin B12 auf das Neuauftreten von Erkrankungen im Herz-Kreislaufsystem feststellen. Auch auf Krebserkrankungen hatte Vitamin B12 keinen Einfluss. Für die Mehrheit der eingesetzten Stoffe liegen keine anerkannten Doppelblindstudien vor, die Nutzen, Nebenwirkungen und Gefahren dokumentieren und den tatsächlichen Bedarf jedes einzelnen Stoffes zu bestimmen ermöglichen.[3]

Vitamin C

Paulings Behauptung, hohe Dosen Vitamin C schützten vor Erkältung, konnte bislang durch keine wissenschaftliche Studie bestätigt werden.

  • In einer groß angelegten Übersichtsstudie der Cochrane Collaboration fand sich weder auf die Erkältungsdauer noch auf die Erkältungshäufigkeit ein positiver Effekt. Die Autoren sehen eine geringe Berechtigung für eine hochdosierte Vitamin-C-Gabe lediglich bei kurzfristiger, intensiver körperlicher Belastung (z. B. bei Polarforschern oder Marathonläufern).[4]
  • Vorbeugende Wirkungen von Vitaminen auf Herzinfarkte konnten im Tierversuch nicht bestätigt werden. Bellows et al. demonstrierten im placebokontrollierten Versuch an 14 Kaninchen, dass eine 150 mg/kg-Dosis von Vitamin C die Größe des abgestorbenen Herzgewebegebietes nicht verkleinerte. Unter Placebo betrug die Läsion 21% des durch Gefäßverschluss infarzierten Gebietes, bei den mit Vitamin C behandelten Kaninchen lag sie sogar bei 29%.[5]
  • Klinische Studien auf der Basis von 34.486 postmenopausalen Frauen zeigen, dass selbst eine tägliche Vitamin-C-Einnahme von 400 mg keinerlei signifikanten Einfluss auf die Sterblichkeit an koronaren Herzkrankheiten hat.[6]

Vitamin E

Hinsichtlich Vitamin E (a-Tocopherol) gibt es verschiedene Studien, die keinen Vorteil der Nahrungsergänzung mit Vitamin E zeigen konnten:

  • Die Alpha-Tocopherol Beta Carotene Cancer Prevention Study (ATBC) untersuchte männliche Raucher im Alter von 50-69 Jahren und fand 20,2% Infarktereignisse bei einer Vitamin-E-Tagesdosis von 50 mg, die sich nicht signifikant von der Ereignisrate unter Placebo (21,5%) unterschied.[7]
  • Die Cambridge Heart Antioxydant Study (CHAOS) hatte 2.002 Patienten mit koronarer Arteriosklerose zum Untersuchungsgegenstand, die 1,4 Jahre mit 400-800 mg Vitamin E täglich behandelt wurden. In der Studie war die koronare Ereignisrate unter Vitamin-E-Gabe mit 4,0% niedriger als unter Placebo (6,6%), dafür war die Gesamtsterblichkeit unter Placebo (2,7%) deutlich niedriger als unter Vitaminsupplementation (3,5%).[8]
  • Die Gruppo Italiano per lo Studio della Sopravvivenza nell‘Infarto miocardico (GISSI) untersuchte 11.334 Patienten, die in den letzten drei Monaten vor Studienbeginn einen Herzinfarkt erlitten hatten und verfolgte die Patienten 3,5 Jahre lang. Die Patienten erhielten entweder 300 mg Vitamin E oder blieben unbehandelt. Es kam zu 10,1 kardialen Ereignissen unter Verum und zu 10,3% bei Nichtbehandlung. Dieser Unterschied war nicht signifikant.[9]
  • Auch die Heart Outcome Prevention Evaluation Study (HOPE) zeigte auf der Basis von 9.541 kardialen Hochrisikopatienten nach Gabe von 400 mg Vitamin E täglich über 4,5 Jahre keine signifikant unterschiedliche koronare Ereignisrate unter Verum (16,2%) im Vergleich zu mit Placebo (15,5%) behandelten Patienten.[10]

Gefahren und Nebenwirkungen

Die Überdosierung der eingesetzten Vitalstoffe kann zu Gesundheitsschäden führen. Etliche Studien belegen, dass eine längerfristige hochdosierte Gabe von Vitaminen, wie sie in der orthomolekularen Medizin praktiziert wird, zu ernsthaften Gesundheitsschäden führen und die durchschnittliche Lebenserwartung verkürzen kann.[11][12]

Fettlösliche Vitamine wie Vitamin A, Vitamin D und Vitamin K können sich im Körper anreichern und sind daher potenziell schädlich. Vom Körper nicht benötigte wasserlösliche Vitamine werden zwar über die Nieren wieder ausgeschieden, dennoch können auch sie überdosiert werden. Vitamin E reichert sich zwar nicht im Fettgewebe an, in drei Metaanalysen wurde jedoch für Dosierungen von mehr als 400 IE eine erhöhte Sterblichkeit festgestellt,[11][13][14] auch wenn andere Wissenschaftler den Ergebnissen widersprachen.[15][16] Bei hoher Dosierung von Vitamin C ab einem Gramm täglich kommt es zu Durchfall und teilweise zu Koliken. Vitamin C verändert eine Reihe von Hormonspiegeln im Blut, unter anderem die von Östrogen, Schilddrüsenhormonen oder Insulin. Es zerstört Vitamin B12 (…). Es erhöht die Aufnahme von Aluminium, das Knochen und Gehirn schädigen kann, es fördert die Bildung von Nierensteinen, Osteoporose. Außerdem kann Vitamin C den Mineralstoff Eisen in einen Radikalbildner verwandeln und dadurch Cardiomyopathien begünstigen.[17]

Vitamin B6 kann in hohen Dosen zu sensorischen Neuropathien bis hin zu Lähmungserscheinungen in Händen und Füßen führen. Überdosiertes Niacin kann allergieähnliche Reaktionen verursachen, mit Rötung der Haut, Juckreiz und Quaddelbildung. Bei längerfristiger Überdosierung können Gelbsucht und Leberschäden die Folge sein.[18] Überdosen von Vitamin B1 können zu Kopfschmerzen und Schlaflosigkeit führen, im Extremfall auch zu Lungenödemen, Bradykardie und Magen-Darm-Blutungen.[19]

Zusätzliches Vitamin A erhöht bei Personen mit vorbestehenden Risiken wie Rauchen oder Exposition mit Asbestfasern sogar das Risiko, an Krebs zu erkranken. Bei der CARET-Studie, in der man 18.000 Rauchern, früheren Rauchern und Arbeitern aus Asbest-Betrieben täglich 30 mg ß-Carotin und 25.000 IE Retinol verabreichte und die Resultate mit Placebo verglich, stieg die Gesamtsterblichkeit in der Vitamingruppe um 17%. Die Analyse für Bronchialkarzinome ergab sogar eine um 46% erhöhte Sterblichkeit im Vergleich zu Placebo.[20]

Ein bestimmter Teil der Bevölkerung (ca. 10%) reagiert bei hoher Vitamin-C-Zufuhr mit der Bildung von Oxalatnierensteinen. Das Risiko für diese Erkrankung ist durch eine genetische Variante bestimmt, die ansonsten keinerlei negative Bedeutung für den Betroffenen hat. Sie wird nur dann relevant, wenn hohe Vitamin-C-Dosen eingenommen werden.

Rechtliche Situation

In Deutschland haben nur wenige Vitaminpräparate eine Zulassung als Arzneimittel. Die anderen werden als Nahrungsergänzungsmittel verkauft, deren Werbung keine Hinweise auf eine vermeintliche arzneiliche Wirkung enthalten darf[21] und hohe, möglicherweise toxische Dosen sind unzulässig. Nahrungsergänzungsmittel unterliegen nicht dem Arzneimittelgesetz, sondern dem Lebensmittel-, Bedarfsgegenstände- und Futtermittelgesetzbuch.[22]

Viele Patienten kaufen daher Präparate von ausländischen Versandhändlern, die über das Internet erreichbar sind. Die gesetzlichen Krankenkassen tragen die Kosten nicht.

Bekannte Verfechter

Linus Pauling

Der bekannteste Verfechter hochdosierter Vitamindosen (primär Vitamin C) war der zweifache Nobelpreisträger Linus Pauling. Im Jahre 1954 erhielt er gemeinsam mit zwei anderen Forschern den Nobelpreis für Chemie und im Jahre 1962 wurde er mit dem Friedensnobelpreis geehrt. Der am 28. Februar 1901 geborene Linus Pauling war zu seiner Zeit ein bedeutender Forscher, der u.a. die Alpha-Helix-Struktur der DNA mittels Röntgenstrahlen entdeckte.

Ab 1966, im Alter von 65 Jahren, begann er die Ideen des Biochemikers Irwin Stone (1907–1984) zu übernehmen, der in der Gabe großer Dosen von Vitamin C ein Mittel gegen Erkältungen sah. Pauling jedoch ging noch weiter und glaubte, dass man mit Vitamin C auch Krebserkrankungen vorbeugen könne. Er selbst nahm jeden Tag etwa 18 Gramm Vitamin C zu sich und propagierte mit plakativen Formulierungen („Vitamine, Vitamine!“) die Vitamingabe gegen fast jedes medizinisches Problem.[23] Sogar heute noch wird z.B. in England Vitamin-C-Pulver unter dem Namen Linus-Powder verkauft.[24]

Im Jahr 1970 verkündete Pauling in seinem Buch Vitamin C and the Common Cold, das 1972 auch in deutscher Sprache erschien, dass die tägliche Einnahme von 1 g Vitamin C die Häufigkeit von Erkältungen und Schnupfen um bis zu 45% senken könne. In einer weiteren Publikation (Vitamin C, the Common Cold and the Flu) setzte er noch höhere Dosen an. Im Jahre 1979 propagierte er in seinem Buch Vitamin C and Cancer die Behauptung, dass hohe Vitamin-C-Dosen sogar Krebs vorbeugen könnten.

Aufgrund des damals noch hohen wissenschaftlichen Ansehens Paulings initiierte man nach der Publikation seines ersten Buches verschiedene Studien, um die Wirksamkeit einer Vitamin-C-Gabe bei Erkältungen zu untersuchen.[25] In keiner dieser Studien konnte ein Zusammenhang zwischen der Vitamin-C-Einnahme und dem Auftreten bzw. Verschwinden von Erkältungssymptomen gesichert werden. Paulings These überstand den Kontakt mit der klinischen Realität nicht. Pauling starb im Alter von 93 Jahren auf seiner Farm in Big Sur in Kalifornien an Prostatakrebs.[26]

Matthias Rath

Der deutsche Arzt Matthias Rath versteht sich als Erbe der Lehren von Linus Pauling. Nach internen Auseinandersetzungen mit Paulings Erben, die Raths Führungsanspruch nicht anerkennen wollten, zog sich Rath nach Europa zurück, um ein eigenes Therapiesystem - die sogenannte Zellularmedizin - zu propagieren. Nach seiner Ansicht heilen Vitamine nicht nur Erkältungen und Krebs, sondern wirken auch gegen Arteriosklerose und den sich daraus entwickelnden Herzinfarkt sowie gegen AIDS.

Weitere Protagonisten der orthomolekularen Medizin

  • Andreas Noack, deutscher Chemiker und Nahrungsergänzungsmittel-Unternehmer.

Orthomolekulare Psychiatrie

Die kanadischen Ärzte Abram Hoffer und Humphry Osmond gelten als die Begründer der orthomolekularen Psychiatrie. Sie setzten in der sogenannten "Mega-Vitamintherapie" hohe Dosen Niacin (Vitamin B3) zur Behandlung der Schizophrenie ein. Weiterentwickelt wurde die Niacinanwendung von Carl C. Pfeiffer.

Die sogenannte orthomolekulare Psychiatrie ist ein pseudomedizinisches Außenseiterverfahren, das zur Behandlung psychiatrischer Erkrankungen beworben wird. Wie in der OM wird hier auf die Anwendung von hohen Dosen von Vitaminen und Aminosäuren gesetzt. Es gibt keinerlei wissenschaftlichen Nachweis der Eignung dieser Methode, die in der wissenschaftlichen Medizin aufgrund der Wirkungslosigkeit keinen Platz hat. Mehrere Fachverbände weltweit haben sich daher nach Durchsicht der Forschungsergebnisse eindeutig gegen die orthomolekulare Psychiatrie ausgesprochen.

Pfeiffer stellte ein System von "Biotypen der Schizophrenie" mit mehreren Hypothesen auf:

  • Histapenie - niedriger Histaminspiegel mit Kupferüberschuss im Blut
  • Histadelie - hoher Histaminspiegel mit niedrigen Kupferwerten im Blut
  • Hämopyrrollaktamurie (Pyrrolurie)
  • Zerebrale Allergie - einschließlich Glutenallergie
  • Ernährungsbedingte Unterzuckerung (Hypoglykämie)

Diese Biotypologie nach Pfeiffer ist wissenschaftlich nicht anerkannt. Nach dem Tode Pfeiffers 1979 gab es keine weitere Forschung mehr auf diesem Gebiet. Die von Pfeiffer mangelhaft durchgeführten Studien, die seine Annahmen bestätigen sollten, entsprechen nicht heutigen wissenschaftlichen Ansprüchen und seine Ergebnisse konnten später nicht repliziert werden. Eine große Zahl von Placebo-kontrollierten Studien zeigte keinerlei Wirkung der getesteten Vitamine auf die Schizophreniesymptome. Auch ist der Einsatz hochdosierter Vitamingaben riskant.

Die gesetzlichen Krankenkassen tragen die Kosten nicht, da kein Wirksamkeitsnachweis vorliegt.

Umsatz

Der Umsatz in diesem Sektor ist erheblich. Schon im Jahre 1994 betrug der Anteil von E- und B-Kombinations-Vitamin-Präparaten umgerechnet etwa 70 Millionen Euro (Daten des Gesundheitswesens, Nomos Verlag, Baden-Baden, 1995, S.187). Hierbei entfällt jedoch der größte Teil des Umsatzes nicht auf den Medizinsektor, sondern auf andere Sektoren. Der BASF-Konzern in Ludwigshafen, der sein Vitamingeschäft mit dem japanischen Pharmariesen Takeda zusammenlegte, setzte im Sektor Pharma, Nahrungsmittel und Tiernahrung durch den Zusatz von Vitaminen jährlich 500 Millionen Euro um. Takeda steuerte weitere 240 Millionen Euro bei. Der gemeinsame Umsatz entspricht etwa 30% des Weltmarkts für Vitamine, so dass man derzeit von einem weltweiten Umsatz von etwa 2,5 Milliarden Euro jährlich ausgehen kann.

Siehe auch

Literatur

  • Center for Disease Control: Use of Dietary Supplements in the United States, 1988-1994; Vital and Health Statistics, Series 11, No.244, 1999
  • Dykes MHM, Meier P: Ascorbic acid and the common cold. Evaluation of its efficacy and toxicity. J Am Med Assoc, 1073-1079, 1975
  • Karlowski TR, Chalmers TC, Frenkel LD, Kapikian AZ, Lewis TL, Lynch JM: Ascorbic acid for the common cold. A prophylactic and therapeutic trial. J Am Med Assoc, 231, 1038-1042, 1975
  • Carl C. Pfeiffer, Carl C.: Nährstoff-Therapie bei psychischen Störungen. The Golden Pamphlet. Haug-Verlag, Heidelberg 1986. ISBN 3-7760-1062-2
  • Hoffer, Abram, MD: Vitamin B-3 and Schizophrenia: Discovery, Recovery, Controversy. Quarry Press, Kingston, Ontario Canada 1998. ISBN 1-55082-079-6
  • Davidson RA. South Med J. 1984 Feb;77(2):200-3. Complications of megavitamin therapy.
  • Vaughan K, McConaghy N. Aust N Z J Psychiatry. 1999 Feb;33(1):84-8. Megavitamin and dietary treatment in schizophrenia: a randomised, controlled trial.
  • Lipton M and others. Task Force Report on Megavitamin and Orthomolecular Therapy in Psychiatry. Washington D.C., 1973, American Psychiatric Association.
  • Nutrition Committee, Canadian Paediatric Society. Megavitamin and megamineral therapy in childhood. Canadian Medical Association Journal 143:1009­1013, 1990, reaffirmed April 2000.
  • Committee on Nutrition, American Academy of Pediatrics. Megavitamin therapy for childhood psychoses and learning disabilities. Pediatrics 58:910­912, 1976.
  • Arzneimitteltelegramm, 2003; 34: 100-2, 111-3
  • "Prävention mit Antioxidanzien: Schaden überwiegt", Arzneimitteltelegramm, 12/2008

Weblinks

Videos

Anderssprachige Psiram-Artikel

Quellenverzeichnis

  1. [ http://www.idt.mdh.se/kurser/ct3340/archives/ht03/assignment-2d-extra-articles/Alternative%20Medicine.pdf Report 12 of the Council on Scientific Affairs: Alternative medicine.] (PDF; 194 kB) In: American Medical Association. Juni 1997
  2. Singh et al.: Effect of antioxidant-rich foods on plasma ascorbic acid, cardiac enzyme and lipid peroxide levels in patients hospitalized with acute myocardial infarction. J Am Diet Assoc 95, 775-780, 1995
  3. Jane M. Armitage u. a.: Effects of homocysteine-lowering with folic acid plus vitamin B12 vs placebo on mortality and major morbidity in myocardial infarction survivors: a randomized trial. In: JAMA. 303, Nr. 24, 2010, S. 2486–2494
  4. Dykes MHM, Meier P: Ascorbic acid and the common cold. Evaluation of its efficacy and toxicity. J Am Med Assoc, 1073-1079, 1975
  5. Bellows et al.: Do antioxidant vitamin reduce infarct size following acute myocardial ischemia/reperfusion? Cardiovasc Drugs Ther 9, 117-123, 1995
  6. Kushi LH, Folsom AR, Prineas RJ, Mink PJ, Wu Y, Bostick RMM: Dietary antioxidant vitamins and death from coronary heart disease in postmenopausal women. N Engl J Med, 334, 1156-1162, 1996
  7. Alpha-Tocopherol Beta Carotene Cancer Prevention Study
  8. Department of Medizin, Cambridge University Randomised controlled trial of Vitamin E in patients with coronary disease: Cambridge Heart Antioxidant Studien (CHAOS) Lancet, 1996 Mar 23;347(9004):781-6
  9. Dietary Supplementation with n-3 polyunsaturatet fatty acids and vitamin E after myocardial infarction: results of the GISSI-Prevenzione Trial, Gruppo Italiano per lo Studio della Sopravvivenza nellÌnfarto miocardico, Lancet 1999 Aug 7;354(9177):447-55
  10. Sleight; P.: ncbi.nlm.nhi.gov/pubmed/11967789 The HOPE Study (Heart Outcomes Prevention Evaluation) J Renin Angiotensin Aldosteron Syst. 2000 Mar;1(12):18-20)
  11. 11,0 11,1 Goran Bjelakovic u. a.:[ http://jama.ama-assn.org/cgi/content/full/297/8/842 Mortality in randomized trials of antioxidant supplements for primary and secondary prevention: systematic review and meta-analysis.] In: JAMA. 297, Nr. 9, 2007, S. 842–857.
  12. [ http://www.arznei-telegramm.de/html/2008_12/0812123_01.html Prävention mit Antioxidantien: Schaden überwiegt.] In: Arznei-Telegramm. 39 2008, S. 123–124.
  13. Edgar R. Miller u. a.: Meta-Analysis: High-Dosage Vitamin E Supplementation May Increase All-Cause Mortality. In: Annals of Internal Medicine. 142, Nr. 1, 2004.
  14. Yedidia Dotan, Dov Lichtenberg, Ilya Pinchuk: No evidence supports vitamin E indiscriminate supplementation. In: BioFactors. 35, Nr. 6, 2009, S. 469–473
  15. Harri Hemilä: High-Dosage Vitamin E Supplementation and All-Cause Mortality. In: Annals of Internal Medicine. 143, Nr. 2, 2005, S. 156–158 (Kommentar zu dem Artikel von Miller u. a.).
  16. Stacey J. Bell, Gregory T. Grochoski : How safe is vitamin E supplementation? In: Critical Reviews in Food Science and Nutrition. 48, Nr. 8, 2008, S. 760–774.
  17. Udo Pollmer, Susanne Warmuth: Lexikon der populären Ernährungsirrtümer. Piper, München 2002, S. 303.
  18. Udo Pollmer, Susanne Warmuth: Lexikon der populären Ernährungsirrtümer. Piper, München 2002, S. 303.
  19. Udo Pollmer, Susanne Warmuth: Lexikon der populären Ernährungsirrtümer. Piper, München 2002, S. 309.
  20. Omenn GC, Goodman GE, Thornquist MD, Balmes J, Cullen MR, Glass A, Keogh JP, Meyskens FL, Valanis B, Williams JH, Barnhart M, Hammar S: Effects of a combination of beta carotene and vitamin A on lung cancer and cardiovascular disease. N Engl J Med, 334, 1150-1155, 1996
  21. Krebsinformationsdienst des DKFZ: Nahrungsergänzungsmittel: Große Versprechungen, k(l)eine Wirkung?
  22. Bundesinstitut für Risikobewertung: Nahrungsergänzungsmittel. Abgerufen am 25. Februar 2010
  23. Linus Pauling: My Love Affair with Vitamin C. 1992 PDF-Datei
  24. Perutz MF: Linus Pauling 1901-1994. Structural Biology, 1, 667-671, 1994
  25. Chalmers TC: Effects of ascorbic acid on the common cold. An evaluation of the evidence. Am J Med, 58, 532-536, 1975
  26. http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-9288337.html