Milchlüge

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Ankündigung eines Sendebeitrags des NDR zur "Milchlüge"

Die Milchlüge ist eine Verschwörungstheorie, nach der Kuhmilch nicht gesund, sondern sogar schädlich für den Menschen sei. Entsprechende Theorien finden sich manchmal in Aussagen von wenigen Tierschützern, aber auch bei Anhängern einer veganen Ernährung. Dann ist meist von einem "Mythos Milch" die Rede. Auch Anhänger von Max Otto Bruker vertreten diese Ansicht. Ein emsiger Verfechter der Milchlüge ist auch Christian Anders.

Inhalt

Laut Anhänger der Milchlüge-Theorie ist Milch nicht gesund, sondern sogar schädlich. Milch führe dem Körper entgegen Literaturangaben kein Calcium (Kalzium, Ca) zu, sondern entziehe es vielmehr und verursache so einen Calciummangel, der zur Knochenentkalkung, der Osteoporose, führe. 50-70% des Calciums aus der Milch würde durch die Magensäure gebunden werden, sodass es vom Körper nicht aufgenommen werden könne. Zitiert werden auch Berichte über Völker, die traditionell wenig Milch konsumieren, und bei denen die Knochenfrakturrate niedriger sei.

Laut der Milchlüge-Verschwörungstheorie sei in der Milch das Eiweiß Kasein als artfremd aufzufassen. Wegen des hohen Eiweißgehaltes der Milch würde letztlich mehr Calcium ausgeschieden, als durch die Milch zugeführt wurde, was damit zu einer negativen Calcium-Bilanz führe. Dies würde auch zu einer Übersäuerung des Blutes führen. Um dies zu verhindern, würde der Körper als Ausgleich seinen Knochen Calciumphosphat entziehen. Das Endprodukt dieses Vorgangs würde dann durch den Urin ausgeschieden. Der Beweis für die unterstellte extreme Säurebildung würde sich im strengen Ammoniakgeruch in öffentlichen Toiletten finden. Abhilfe verschaffen soll eine basische Ernährung, die zwar in der Alternativmedizin populär ist, für deren Wirksamkeit jedoch keine wissenschaftlichen Beweise vorliegen.

Unterstützer der Milchlüge-VT

Die Milchlügen-Hypothese ist unter Anhängern von Max Otto Bruker akzeptiert. Henning Elsner, Chefarzt des von Bruker gegründeten Krankenhauses Lahnhöhe, wurde in einer für Mai 2012 geplanten Fernsehsendung mit dem Titel "Die Milch Lüge" mit den Worten "ohne Milch geht`s besser" zitiert. Weiter wurde vom NDR verbreitet, daß Milch und Milchprodukte krank machen würden, was aber ansonsten "keiner wisse". Zitat NDR: ..Durch Kuhmilch werden Neurodermitis, Asthma und Diabetes ausgelöst und befördert. Tragisch daran ist, dass die meisten Menschen, die unter solchen Krankheiten leiden, nicht erkennen, dass die Milch Ursache ihrer Erkrankung ist..[1] Die Sendung wurde kurz vor Aussendung abgesetzt.[2][3]

Die Theorie des für den Menschen schädlichen Milchkonsums ist mitunter in Kreisen einer veganen Ernährung zu finden, die, im Gegensatz zur lactovegetabilen Ernährung, Milch ablehnen. Bekennender Verfechter der Theorie ist der österreichische Schlagersänger und Verschwörungstheorethiker Christian Anders. Auch im Zusammenhang mit dem KRR-Projekt Fürstentum Germania wurde die so genannte Milchlüge durch den stellvertreteneden "Fürsten" Jessie Marsson (alias Frank Büntert) neu aufgewärmt. Prinzipiell findet diese typische Verschwörungstheorie anscheinend überall dort Glauben, wo Menschen grundsätzlich wissenschaftsskeptisch sind oder gar davon ausgehen, dass "die Wissenschaft" letztlich nur Schädliches im Schilde führe.

Colin T. Campbell, Professor für Biochemie an der Cornell University Ithaca, New York (USA) vertritt die Ansicht, Kasein sei stark krebserregend (ähnlich wie Aflatoxine) und ursächlich für Typ-1-Diabetes und rät generell vom Verzehr tierischen Eiweißes ab, da durch dieses alle Zivilisationskrankheiten (Krebs, Diabetes, Herzkrankheiten) entstehen sollen. Er plädiert daher zu einer (fast) veganen Ernährungsweise mit einem Verzehranteil tierischer Eiweiße von höchstens 5% an der Gesamtnahrung. Sein Buch "China-Studie"[4] wird daher in Vegetarier- und Veganerkreisen als Beleg für die gesunde Lebensweise herangezogen. Campbells Aussagen über Kasein und generell über tierische Proteine sind jedoch stark umstritten.[5][6]

Auch der esoterisch orientierte Arzt und Autor Rüdiger Dahlke meint: "Wenig schadet unseren Knochen so sehr wie Milch(produkte)." Außerdem fördere Milch "nachweislich die gefährlichsten Herzerkrankungen" sowie Krebs. Leider seien die Menschen jedoch "im Auftrag der Fleisch- und Milchindustrie Jahrzehnte lang vom Gegenteil überzeugt" worden.[7]

Dokumentierte Fakten zu Kuhmilch und menschlicher Gesundheit

Im Körper eines erwachsenen Menschen ist etwa 1 kg Calcium zu finden, 99% davon in Knochen und Zähnen. Die Verbindung Hydroxylapatit (Ca5(PO4)3(OH)) verleiht ihnen Stabilität und Festigkeit. Gleichzeitig dienen die Knochen aber auch als Speicher für Calcium. Bei einem Calciummangel kann ein Teil davon aus den Knochen gelöst und für andere Aufgaben zur Verfügung gestellt werden.

Für Menschen mit Laktoseintoleranz (Milchzucker-Unverträglichkeit) sind Milchprodukte keine geeigneten Lebensmittel. Dies betrifft aber nur etwa 15% der deutschen Bevölkerung. Die primäre Laktoseunverträglichkeit ist genetisch determiniert. In manchen Gebieten der Welt (Beispiel Asien) sind weitaus mehr Menschen von der Milchzuckerunverträglichkeit betroffen. Bei Menschen mit Laktoseintoleranz kann es zu Blähungen durch den unverdauten Milchzucker kommen, da in diesen Fällen Bakterien im Dickdarm den Milchzucker verstoffwechseln. Menschen mit Laktoseintoleranz (beispielsweise Afroamerikaner) können jedoch problemlos ein Glas Milch zu sich nehmen.[8]

Im Unterschied dazu sind Allergien gegen Kuhmilcheiweiß bekannt, die sich bei Kindern meist (60% bis 80%) bis zur Einschulung zurückbildet.

Milch enthält Calcium und vor allem in Käse, einem Folgeprodukt von Milch, ist der Anteil an Calcium sehr hoch. Kuhmilch enthält etwa 100-120 mg Ca/100 ml, in Parmesankäse können bis zu 1,2 Gramm (1.200 mg) Calcium in 100 Gramm enthalten sein.[9] Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt eine tägliche Aufnahme von 1.000 mg (1 Gramm) Calcium für Erwachsene. Diese Menge könne laut DGE mit 150 ml fettarmer Milch oder zwei Käsescheiben erreicht werden. In der Nurses' Health Study zeigte sich jedoch, dass erhöhter Milchkonsum nur bedingt gegen osteoporosebedingte Knochenbrüche vorbeugt. Die Bundesforschungsanstalt für Ernährung und Lebensmittel erklärte 2006, dass "die Vorteile des Milchkonsums [...] die etwaigen Risiken übertreffen." Es sei bewiesen, dass ein ausreichender Milchkonsum Osteoporose, Bluthochdruck, Herzinfarkt und Übergewicht vorbeuge.[10] Eine Untersuchung der Universität Kopenhagen hat ergeben, dass das in der Milch enthaltene Calcium die Fettmenge im Blut nach den Mahlzeiten reduziert. Danach ist die Menge des Blutfettes bei Personen, die Calcium aus Milchprodukten aufnehmen, um 15-19% niedriger als bei Vergleichspersonen, die Calcium über Nahrungsergänzungsmittel mit Calcium aufnehmen.[11] Auch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) tritt der Behauptung entgegen, dass Kuhmilch dem Körper Calcium entziehe statt zuzuführen und empfielt Milch.[12]

Das Eiweiß Kasein ist für den Menschen nicht artfremd. Es stellt 80% der Gesamtproteine in der Milch (2,6% Kasein in Milch). Vor allem für junge Säugetiere (also auch Menschen) stellt Kasein die wichtigste Protein-, Calcium-, und Phospatquelle dar. Auch die menschliche Muttermilch enthält Kasein. In der Kuhmilch kommen drei Formen des Kaseins vor: Alpha-, Beta- und Kappa-Kasein. Das Beta-Kasein tritt dort – je nach Rasse - als Beta-A1 oder als Beta-A2 auf. Beta-A1-Kasein gilt als die mutierte Form des Beta-A2-Kaseins. Danach kann man auch die Kühe in A1-Kühe und A2-Kühe einteilen. Beta-A2-Kühe findet man in Asien, Afrika, Südeuropa und Island. Beta-A1-Kühe gibt es in Australien, Neuseeland, USA und Europa. Die Holsteiner etwa gelten als Hybride. Menschliche Muttermilch und Ziegenmilch enthalten kein Beta-A1-Kasein, sondern die A2-Form. Bei entsprechender Prädisposition steht Beta-A1-Kasein seit Mitte der 1980er Jahre im Verdacht, Typ-1-Diabetes auszulösen. Diese Theorie besagt, dass die körpereigenen Immunzellen Antikörper gegen das Beta-Kasein produzieren, in der Folge werden in diesem Autoimmunprozess die insulinproduzierenden Betazellen der Bauchspeicheldrüse aufgrund ähnlicher Strukturen angegriffen und zerstört.
 Die Studienergebnisse sind aber keineswegs eindeutig.[13]

In berichteten Korrelationen über niedrigere Frakturraten bei Völkern, die wenig Milch konsumieren, wird die oftmals völlig andere Altersstruktur häufig nicht berücksichtigt. Die wissenschaftliche Evidenz bezeugt jedoch einen positiven Effekt des Milchkonsums auf die Knochen und damit eine Senkung der Frakturrate in verschiedenen Ländern.[14][15][16]

Literaturverzeichnis

New-Age-Bücher:

Wissenschaftliche Calciumstudien:

  • Anad, C. (1974): Effect of Protein Intake on Calcium Balance of Young Men Given 500 mg Calcium Daily. Journal of Nutrition 104, 695
  • Hegsted, M. (1981): Urinary Calcium and Calcium Balance in Young Men as Affected by Level of Protein and Phosphorous Intake. Journal of Nutrition 111, 53
  • Walker, R. (1972): Calcium Retention in the Adult Human Male as Affecred by Protein Intake. Journal of Nutrition

Milchlüge-Weblinks

Weblinks

Quellennachweise

  1. Die Milch Lüge - 8.5.2012 EINSPLUS Datum: 08.05.2012 Sender: EINSPLUS Uhrzeit: 17:00 Uhr Info: Wir alle kennen aus der Werbung Leistungssportler mit dem Glas Milch in der Hand oder die wertvolle Milch in der berühmten Kinderschokolade. Dass die Kuhmilch Krankheiten wie Neurodermitis, Asthma und Diabetes auslöst und befördert, erkennen die meisten Menschen nicht. Sogar Ärzte wissen es nicht besser. "45 Min - Die Milch-Lüge" macht sich auf die Recherchereise, um mit dem Mythos Milch aufzuräumen. Die andere Seite dieses "Eiweißbombardements" durch Milch sieht so aus: Durch Kuhmilch werden Neurodermitis, Asthma und Diabetes ausgelöst und befördert. Tragisch daran ist, dass die meisten Menschen, die unter solchen Krankheiten leiden, nicht erkennen, dass die Milch Ursache ihrer Erkrankung ist. Sogar Ärzte sind ihren Patienten nicht behilflich. Entweder wissen sie es nicht besser oder wollen es nicht besser wissen: Die gesunde Milch kann oder darf nicht der Grund für eine Erkrankung sein. Rein biologisch gesehen ist der Mensch gar nicht dazu in der Lage, tierisches Eiweiß problemlos zu verarbeiten. Mit zunehmendem Alter wird diese Fähigkeit immer geringer. Trotzdem funktioniert seit Jahrzehnten der Trick der Industrie mit der Werbung von der gesunden Milch. Es fängt an schon damit an, wenn ein Säugling keine Muttermilch mehr erhält, aus welchen Gründen auch immer. Die synthetischen Präparate führen oft zu Verstopfungen und Hautirritationen. Dann kommt die Gläschen-Kost dazu, die gesundheitlichen Probleme bei den Kleinkindern nehmen zu. Verzweifelte Eltern suchen bei den Kinderärzten Rat und Abhilfe. Leider wissen viele Ärzte nicht, dass Milch die Ursache sein kein. Ratlos bleiben Eltern mit ihren erkrankten Kindern zurück. Der Chefarzt Dr. Henning Elsner vom Krankenhaus Lahnhöhe zum Beispiel findet in puncto Milchgenuss deutliche Worte und meint, "ohne Milch geht`s besser". Mit dieser Meinung steht er nicht allein. Milch und Milchprodukte machen krank, es soll nur keiner wissen. Das ist ganz im Interesse einer immer mehr global agierenden Milchindustrie, die durch ihre Gier nach immer mehr Milchproduktion einen radikalen Strukturwandel auch in der Tierhaltung forciert. Im Mittelpunkt dieser industriellen Ausrichtung stehen aber nicht der Mensch als Konsument oder die Kühe als Milch-Lieferant, sondern der stetig wachsende Profit mit immer mehr und immer neuen, angeblich so gesunden, Milchprodukten. Link: http://www.ndr.de/fernsehen/epg/epg1157_sid-1165295.html
  2. http://blog.gwup.net/2012/05/07/keine-milchluge-im-tv/
  3. http://charismatismus.wordpress.com/2012/05/08/ndr-streicht-kuriosen-doku-film-die-milch-luge-aus-seinem-programm/
  4. http://en.wikipedia.org/wiki/The_China_Study
  5. http://www.cholesterol-and-health.com/China-Study.html
  6. http://www.cholesterol-and-health.com/Campbell-Masterjohn.html
  7. R. Dahlke: Wie Verzicht auf Fleisch und Milch Körper und Seele heilt Lunar Horse web TV, 5. September 2011
  8. Byers KG, Savaiano DA. The myth of increased lactose intolerance in African-Americans. J Am Coll Nutr. 2005 Dec;24 (6 Suppl):569S-73S
  9. Gerlinde Bergmann - Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit
  10. Jaffiol C. Milk and dairy products in the prevention and therapy of obesity, type 2 diabetes and metabolic syndrome. Bull Acad Natl Med. 2008 Apr;192(4):749-58. Académie nationale de médecine.
  11. Agrarisch Dagblad 20. März 2007
  12. http://www.dge.de/modules.php?name=News&file=article&sid=101
  13. http://www.aerzteblatt.de/v4/archiv/artikel.asp?id=54687
  14. Ernährung zur Vorbeuge der Osteoporose, Dr. Stefan Scharla, Deutsche Gesellschaft für Ernährung
  15. Cadogan J, Eastell R, Jones N, Barker ME. Milk intake and bone mineral acquisition in adolescent girls: randomised, controlled intervention trial. BMJ. 1997 Nov 15;315(7118):1255-60.
  16. Du XQ, Greenfield H, Fraser DR, Ge KY, Liu ZH, He W. Milk consumption and bone mineral content in Chinese adolescent girls. Bone. 2002 Mar;30(3):521-8.