Metabolic Typing

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Metabolic-Typing (deutsch Stoffwechseltypisierung) ist die pseudomedizinische Lehre vom individuellen Stoffwechseltyp, nach der jeder Mensch einen unterschiedlichen Bedarf an Eiweiß, Kohlenhydraten, Fett und Mikronährstoffen hat. Aus der Kenntnis des Typs werden dann Diätempfehlungen abgeleitet. Eine wissenschaftliche Grundlage hat die Lehre nicht, d.h. es gibt keinen wissenschaftlichen Nachweis für die Existenz bestimmter Stoffwechseltypen.

Metabolic Typing wurde in den 1960er Jahren von dem amerikanischen Arzt William Donald Kelley (1925-2005) entwickelt und vom ihm als Mittel gegen Krebs propagiert.[1] Bekannt wurde die Lehre vor allem durch das 2000 erschienene Buch The Metabolic Typing Diet des Geschäftsmanns William Linz Wolcott. Wolcott hat 1987 die Firma Healthexcel gegründet, die Kurse und andere Produkte zum Metabolic Typing anbietet. Inzwischen gibt es zahlreiche Anbieter im deutschsprachigen Raum, wobei Metabolic Typing überwiegend als Methode zum Abnehmen verstanden wird.

Bestimmung des Stoffwechseltyps

Der wichtigste Punkt der Lehre ist, zunächst den Stoffwechseltyp zu ermitteln. In der klassischen Form geschieht das anhand eines Fragebogens [2][3]. Dabei handelt es sich um einen Multiple-Choice-Test mit ca. 200 Fragen zu körperlichen Merkmalen und Ernährungsvorlieben. Ein Drittel der Fragen ist psychologischer Art (z.B. Frage 11, Strebsamkeit: Ich bin A nicht strebsam, B nur durchschnittlich strebsam, C eher sehr strebsam). Auf welche Weise die Antworten ausgewertet werden, ist unklar, der Preis dafür liegt meist zwischen 100 und 250 Euro.

Eine weitere Methode basiert auf der Kinesiologie. Der Klient muss zu testende Lebensmittel, die sich in Gefäßen befinden, in die Hand nehmen oder sie werden ihm an die Brust gehalten. Anhand der gefühlten Muskelspannung wird geschlussfolgert, ob das jeweilige Lebensmittel für den Klienten geeignet ist, woraus dann auf nicht näher erklärte Weise der Stoffwechseltyp ermittelt wird.

Das Horisan-System

Horisan01.jpg

Vor allem durch die Firma Horisan aus Bocholt wurde eine technisierte Methode zur Bestimmung des Stoffwechseltyps bekannt. Sie wird dort "Metabolic-Check" genannt und mit einem speziellen Testgerät vorgenommen, das von Horisan patentiert wurde und unter der Bezeichnung EVA 3000 vermarktet wird. EVA ist die Abkürzung für Ernährungsverträglichkeitsanalyse. Mit dem Gerät würden mittels Bio-Feedback "direkt am Patienten ohne Blutabnahme in wenigen Minuten" folgende Parameter ermittelt:

  • Welcher Ernährungstyp liegt vor im Autonomen Nervensystem?
  • Welcher Ernährungstyp liegt vor im Verbrennungssystem?
  • Welches ist der dominante Stoffwechseltyp?
  • Welcher Drüsentyp liegt vor?
  • Welche Nahrungsmittel führen zu Übergewicht?
  • Wie kann Übergewicht abgebaut oder verhindert werden?
  • Welche Sportarten sind für Sie gut geeignet?
  • Welche Nahrungsmittel verbessern die Energie; welche rauben Energie?
  • Wieviel Kohlenhydrate, Eiweiß und Fett benötigt der Organismus pro Mahlzeit?
  • Wie groß ist die aktuelle Stärke-Verträglichkeit?
  • Bestehen Unverträglichkeiten auf Grundnahrungsmittel wie z.B. Weizen, Gluten oder Milch?
  • wie wirken sich z.B. Kaffee, Zigaretten und Zucker aus?
  • Welche Nahrungsergänzungsmittel unterstützen den Körper, welche schaden?

Daraufhin könnten "sehr umfangreiche individuelle Ernährungsempfehlungen [...] sofort ausgedruckt und dem Klienten mitgegeben werden." Da die Methode schmerzlos sei, "können damit auch Kinder sehr gut gemessen werden."

EVA 3000

Zeichnung aus der Patentschrift

Die öffentlich zugänglichen Informationen zur Funktionsweise des Gerätes sind dürftig. Einige Einzelheiten kann man allerdings der Patentschrift [4][5] entnehmen. Danach handelt es sich im Wesentlichen um einen elektronischen Signalgenerator, dessen Ausgangssignal dem Klienten über eine Manschette am Arm zugeführt wird. Das erwähnte Biofeedback ist nicht Bestandteil des Gerätes. D.h. die Reaktion des Klienten auf das Signal wird nicht vom Gerät erfasst, sondern mit "Verfahren wie Kinesiologie, Physioenergetik, RAC, Biotensor oder EAV [...] durch einen den Test durchführenden Arzt oder Heilpraktiker", also mit höchst subjektiven Methoden. Das Resultat der Typbestimmung wird damit trotz des Objektivität suggerierenden Gerätes von der behandelnden Person bestimmt.

Im Einzelnen besteht das EVA 3000 aus einem Rauschgenerator, für dessen Bandbreite ein Bereich von einigen Hz bis etwa 600 kHz angegeben wird. Das Rauschsignal wird mit einem oder mehreren Signalen moduliert [6], die von "Proben" ausgehen, die in das Gerät eingebaut sind. Bevor das so erzeugte Signal zum Klienten gelangt, kann es über einen weiteren, einfacher aufgebauten Modulator mit einer "biologisch neutralen Frequenz" von etwa 2000 Hz gepulst, also ein- und ausgeschaltet werden. Wozu das dienen soll, wird nicht gesagt. Das Ausgangssignal soll eine Spannung von 200 bis 300 mV haben. Da die Verbindung zum Klienten aber allem Anschein nach einpolig ausgeführt ist (es wird nichts über eine zweite Elektrode innerhalb der Armmanschette oder an anderer Stelle mitgeteilt), hat diese Angabe wenig Sinn.

Als Probesubstanzen kämen Kohlenhydrate, Eiweiße, Fette, Enzyme usw. in Betracht, und zwar vorzugsweise in homöopathischer Verdünnung. Warum beispielsweise eine Fettprobe ein elektrisches Signal abgeben soll, welcher Art dieses Signal ist und wie es abgegriffen wird, ist Geheimnis des Herstellers. Vergleichbare unsinnige Vorstellungen finden sich indes auch bei anderen pseudomedizinischen Verfahren, vor allem in der Radionik sowie bei davon inspirierten Erfindungen wie dem Timewaver-Gerät.

Quellennachweise und Anmerkungen

  1. http://www.drkelley.com/CANLIVER55.html W.D.Kelley (1998): One answer to cancer
  2. http://www.metabolictyp.ch/images/Metabolic_Fragebogen.pdf
  3. http://www.metabolic-typing.at/FBOest.pdf
  4. DE 10145249: Testgerät und Verfahren zur Erzeugung eines Testsignals für eine Lebensmittelanalyse. Anmeldetag 13.09.2001. Als Erfinder sind der Bocholter Arzt und Heilpraktiker Klaus-Dieter Holzrichter und der Konstrukteur pseudomedizinischer Apparate Dieter Jossner angegeben.
  5. EP 1291652. Anmeldetag 07.08.2002
  6. Aufhebens wird von den Erfindern darum gemacht, dass für die Modulatorschaltung ein Dual-Gate Mosfet eingesetzt ist (ein Transistortyp, der in Radioempfängern als sog. Mischer teilweise für diesen Zweck benutzt wird). Das ist aber ein belangloses Detail, da solche Schaltungen, die zwei Spannungen mit mehr oder weniger großer Genauigkeit multiplizieren, in der Analogelektronik auch mit anderen Komponenten realisiert werden können, z.B. mit besserer Genauigkeit und Reproduzierbarkeit mit entsprechenden integrierten Schaltkreisen.

Weblinks