Lebensfeldstabilisator nach Broers

Der Lebensfeldstabilisator (LFS) ist ein rund 300 Euro teures "hochtechnologisches elektromagnetisches Gerät" (Zitat aus der Werbung), welches mit einer Spule und einer ansteuernden Elektronik im Sinne eines so genannten Elektrosmogschutzgeräts vor elektromagnetischen Feldern schützen soll. Entwickelt wurde es von dem deutschen Esoterik-Autor und Erfinder Dieter Broers. Eine Vorgängerversion war unter der Bezeichnung "Naturfeld-Stabilisator NFS 8" im Handel.

Das kleine, batteriebetriebene Gerät in Anhängerform soll schwache, niederfrequente magnetische Wechselfelder im Bereich der so genannten "Schumann-Frequenz" erzeugen. Technische Daten, insbesondere zur erzeugten Feldstärke, sind nicht bekannt. Aus dem Aufbau und dem Vergleich mit ähnlichen PEMF-Geräten lässt sich aber schließen, dass die Feldstärke höchstens einige µT beträgt.

Behauptungen zur Wirkungsweise

 
Aufbau des Lebensfeldstabilisators (geöffnet, Oberseite der Platine). Bild: Werbung zum Produkt
 
Aufbau des Lebensfeldstabilisators (geöffnet, Unterseite). Bild: Werbung zum Produkt

In der Bedienungsanleitung der Firma ORTUS Marketing & Consulting aus Bad König[1] wird der Lebensfeldstabilisator als "Magnetfeld-Bioresonanzgerät" bezeichnet.[2] Der Erfinder begründet das Konzept des Gerätes damit, dass auf der Erde das natürliche Erdmagnetfeld ständig abnehme sowie gleichzeitig auch die Schumann-Resonanzfrequenz "außerordentlich instabil" sei und "teilweise ganz erheblich von ihren Normwerten" abweiche. Dies führe zu verschiedenen Krankheitsbildern, die zusätzlich noch durch künstlichen Elektrosmog verstärkt würden. Unter anderem seien Strandungen von Walen auf die angeblichen Magnetfeldänderungen zurückzuführen.

Die Behauptung, die Schumann-Frequenzen veränderten sich, entbehrt jeder experimentellen und theoretischen Grundlage. Die Resonanzfrequenzen ergeben sich aus konstanten geometrischen Faktoren wie den Abmessungen der Erde und dem Wert der Lichtgeschwindigkeit. Das Magnetfeld der Erde, das in Mitteleuropa gegenwärtig eine Stärke von etwa 48 µT hat, nimmt derzeit in seiner Intensität tatsächlich ab, allerdings ist in den letzten 100 Jahren eine Abnahme um lediglich 6% dokumentiert. Eine Erklärung, was das mit schwachen magnetischen Wechselfeldern zu tun hat und weshalb durch das Applizieren eines solchen Wechselfeldes angebliche gesundheitliche Störungen verhindert oder kuriert werden sollen, wird nicht gegeben.

Broers beruft sich bei seinem Gerät auch auf die transkranielle Magnetstimulation (TMS), die seit Mitte der 1980er Jahre am Menschen erprobt wird und bei der eine starkstromdurchflossene Spule, direkt am Schädel platziert, Aktionspotenziale im direkt darunter befindlichen Hirngewebe auslösen kann. Diese hat jedoch mit dem Lebensfeldstabilisator nichts zu tun: Bei der TMS kommen nämlich extrem starke Magnetfelder von bis zu 3 Tesla (3 Millionen µT) zum Einsatz, also etwa eine Million mal stärker als das Magnetfeld des Lebensfeldstabilisator-Anhängers.

Gutachten von Klaus Volkamer vom November 2014

Im November 2014 wurde ein Gutachten zum Produkt Lebensfeldstabilisator vom deutschen Chemiker und Esoteriker Klaus Volkamer bekannt. Das Gutachten kursiert im deutschsprachigen Internet und hat den Titel "Feinstofliche Wägeversuche und Messergebnisse mit LFS und LFS - REPOSE"[3] Volkamer will mit einem so genannten "Rollendetektor" und einer Waage (behauptete Auflösung: 0,1 µg) "bioaktive" und gleichzeitig "nicht-elektromagnetische" "feinstoffliche Felder" gemessen haben, die erstaunlicher Weise bei ein- sowie ausgeschaltetem Lebensfeldstabilisator in der gleichen Weise aufgetreten sein sollen:

Mit dem LFS und dem LFS – REPOSE wurden erfolgreich Wägeversuche mit einem für die Detektion feinstofflicher Felder geeigneten „Rollendetektor“ und einer Zweischalenwaage mit einer Auflösung von ±0,1 µg gemacht. Es konnte mit dieser Wägemethode gezeigt werden, das die beiden Geräte sowohl in abgeschaltetem Zustand als auch nach Inbetriebnahme jeweils messbare bioaktive nicht-elektromagnetische feinstoffliche Felder austrahlen.

Als Ursache für die behaupteten Gewichtsunterschiede durch die gemeinten "feinstofflichen Felder" vermutet Volkamer gegenüber seinem Interviewpartner Michael Vogt von Quer-Denken.TV mysteriöse "Massedifferenzen" und nicht simple statische Magnetfelder, die von metallhaltigen Bestandteilen des Lebensfeldstabilisators ausgehen können. Volkamer will mit seiner Technik "Masseänderungen" von 19 bis 230 µg nachgewiesen haben. Weitere Wachstumsversuche von Volkamer an Pflanzen mit dem Broerschen Lebensfeldstabilisator sind nicht aussagekräftig, da sie nicht verblindet und placebokontrolliert durchgeführt und nicht von unabhängiger seite repliziert wurden. Auch die Wägeversuche von Volkamer weisen diesen Mangel auf.

Der von Volkamer genannte geheimnisvolle Rollen-Detektor ist in der wissenschaftlichen Messtechnik unbekannt. Es gibt zu einem "Rollendetektor" oder "Rollen-Detektor" beispielsweise keinen Eintrag in der Wikipedia. Bei dem genannten Detektor handelt es sich um eine Erfindung von Klaus Volkamer. Er beschreibt den Detektor in seiner Veröffentlichung "Die feinstoffliche Erweiterung unseres Weltbildes". Den gleichen "Rollendetektor" setzte Volkamer auch zur (erfolgreichen) Prüfung eines Produkts der Firma NovaVitalis mit dem Namen "aktiviertes Wasser" ein.[4]

Ähnliche Geräte

  • MEDISEND der Advanced Medical Systems GmbH. Die Frequenz des erzeugten magnetischen Wechselfeldes kann auf verschiedene feste Werte zwischen 3 Hz und 33 Hz eingestellt werden. Die Schumann-Frequenz von 7,8 Hz könne "gegen Konzentrationsmangel" und bei "Unaufmerksamkeit" verwendet werden.
  • Bio Medici (auch als "Magnetan" im Handel). Das Produkt soll laut Werbung die "lebenswichtigen Schumann-Wellen" simulieren. Die Feldstärke am Gehäuse betrage maximal 0,5 µT.
  • THORA Life activator. Das 25 Gramm schwere und 395 Euro teure Gerät soll an einer Halskette getragen werden und Pulse mit 7,83 Hz erzeugen. Es wird eine Feldstärke von "43 µTesla pulsierend" in 25 mm Abstand genannt.
  • Eine Bauanleitung für ein "Magnetiseur" genanntes Gerät, das ein schwaches magnetisches Wechselfeld im Bereich einiger Hertz erzeugte und ebenfalls zum Tragen am Körper gedacht war, wurde bereits im Mai 1977 in der Elektronikzeitschrift Elektor vorgestellt. Das Heft stand unter dem Motto "Paranormale Elektronik".

Quellennachweise

  1. ORTUS Marketing & Consulting, Helmertweg 50, D-64732 Bad König
  2. http://lebensfeldstabilisator.de/images/Bedienungsanleitung_LFS.pdf
  3. Gutachten Dr. Klaus Volkamer Frankenthal, Bericht 1
    Feinstofliche Wägeversuche und Messergebnisse mit LFS und LFS - REPOSE".
    "Bericht 2: Feinstofliche Wäge- und Wachstumsversuche sowie Messergebnisse mit dem LFS und dem LFS - REPOSE"
    Dr. Klaus Volkamer, Heidelberger Ring 21, D-6727 Frankenthal
  4. http://quer-denken.tv/files/Messprotokoll_Dr_Volkamer.pdf