Heinz-Ludwig Sänger

Heinz Ludwig Sänger

Heinz-Ludwig Sänger (geb. 18. Dezember 1928, verst. 4. Mai 2010) war ein deutscher Biologe und emeritierter Professor des Max-Planck-Instituts für Biochemie in 82152 Martinsried[1][2] und AIDS-Leugner, der mit seiner Ehefrau, der Heilpraktikerin und Homöopathin Ulrike Thein[3], in Berg am Starnberger See lebte.

1978 erhielt Sänger den Robert-Koch-Preis.[4] Vor seiner Emeritierung Ende 1996 war Sänger zuletzt Direktor der ehemaligen Abteilung Viroidforschung des Max-Planck-Institutes für Biochemie in Martinsried bei München. Er beschäftigte sich vornehmlich mit pflanzenpathogenen Viren und Viroiden, jedoch nicht mit menschenpathogenen Erregern. Laut eigener Aussage habe er sich bis 1997 auch nicht für AIDS interessiert.

Sänger als AIDS-Leugner

Zeugenaussage von W. Zimmer

Sänger galt seit etwa 1997, also nach seiner Emeritierung, als AIDS denialist und zweifelte sowohl an der Existenz des HI-Virus als auch an einem Zusammenhang mit der Infektionskrankheit AIDS. Dass sich Sänger kritisch mit AIDS beschäftigte, geht der Zeugenaussage eines Wolfgang_Zimmer zufolge auf Aktivitäten von Stefan Lanka zurück. Zimmer habe am 6. Oktober 1999 einer Veranstaltung des Vereins Deutsche Volksgesundheitsbewegung e.V. in Augsburg beigewohnt, auf der der Impfgegner und AIDS-Leugner Stefan Lanka als Vortragsredner auftrat. Anwesend sei auch Sänger gewesen. Dieser habe am Ende des Vortrags das Wort ergriffen und verkündet, 16 Jahre lang an die Existenz des HI-Virus geglaubt zu haben, und erst seit seiner Kenntnis der Veröffentlichungen des "Virologen Dr. Lanka" sei ihm klar geworden, dass es keine Beweisgrundlagen zur Isolierung von HIV gebe. Allerdings sind Sängers Äußerungen zum HI-Virus und zu AIDS nicht wissenschaftlich publiziert, sondern finden sich in Zeitungsleserbriefen (Süddeutsche Zeitung[5]), Buchvorworten und auf Internetseiten von vereinnahmenden Anhängern der Germanischen Neuen Medizin. Auch sind Faxe an die HIV-Leugner Michael Leitner und Jan-Philipp Hein bekannt. Sänger schrieb für Leitners Buch Mythos HIV das Vorwort, in dem er behauptete:

Das Buch "Mythos HIV" ist eine fundierte, auch für Laien verständliche Bestandsaufnahme der Widersprüche, welche die AIDS-Forschung in 20 Jahren produziert hat. Tatsächlich gibt es keine wissenschaftliche Veröffentlichung, in der die Existenz des "AIDS-Virus" HIV schlüssig nachgewiesen worden wäre. Arbeiten, in denen solche Nachweise behauptet werden, basieren auf ausgeprägtem Wunschdenken seitens der beteiligten Wissenschaftler. Die HIV-Tests reagieren auf über 70 Krankheiten positiv. Das Schlimmste an der AIDS-Forschung aber sind die Medikamente, die sie hervorgebracht hat. Ein großer Teil der AIDS-Patienten stirbt gerade an den Wirkungen dieser Medikamente.

Kurz gefasst glaubte Sänger, dass das HI-Virus nie "nach den Kriterien der klassischen Virologie" isoliert, gereinigt und charakterisiert worden sei.[6] Angaben aus der Fachliteratur zu AIDS seien auf stark ausgeprägtes Wunschdenken, Zwang zur schnellen Publikation und zweifelhafte Daten auch aus etablierten und einflussreichen Laboratorien zurückzuführen. Da das HIV seiner Meinung nach nicht nachgewiesen sei, seien weder dessen Nukleinsäure noch Proteine isoliert und charakterisiert und HIV-Tests unspezifisch und zeigten nur zelluläre Bestandteile auf. Der HIV-Nachweis sowohl mit Hilfe der Polymerase-Kettenreaktion (PCR) als auch die Protein-orientierten HIV-Nachweise (ELISA und Western blot) seien völlig unzuverlässig. Ärztliche Befunde "HIV-positiv" seien willkürlich. AIDS sei hingegen eine reine "Summations-Erkrankung", bei der neben einer ererbten Prädisposition und durchgemachten Einzelerkrankungen (z.B. Tuberkulose, Hepatitis, Syphilis, Herpes-Infektionen, Mononucleose etc.) auch die Therapie eine Rolle spiele. Es werde eine Kombination extrem toxischer und gesetzlich nicht kontrollierter Medikamente einer "Pharmamedizin" eingesetzt, die genau jenes Symptombild erzeuge, für das man AIDS halte. Auch Impfungen könnten zu AIDS führen, da diese zu einer "Störung der Selbstheilungskräfte" führten und das Immunsystem schädigten. HIV-bezogene Therapien etwa mit AZT und Protease-Hemmern verstärkten die durch Ärzte verursachten Schädigungen weiter. Einzig eine so genannte "ganzheitlich orientierte Therapie" sei bei AIDS möglich. Bei seinen Angaben zum HI-Virus widersprach er Angaben des AIDS-Dissidenten Peter Duesberg, der die Existenz und Isolation des HI-Virus nicht bestreitet. Laut Sänger sollen auch das Hepatitis-Virus C und die "Hepatitis Viren D, E, F, G" nicht existieren.

Quellennachweise

  1. http://www.mpg.de/pdf/jahrbuch_2002/jahrbuch2002_063_090.pdf
  2. http://mnphys.biochem.mpg.de/en/institute/organization/index.html
  3. http://www.ulrike-thein.de/html_public/erstehilfe.htm
  4. http://www.robert-koch-stiftung.de/pt_ein.html
  5. Saenger13.jpg Saenger23.jpg Saenger33.jpg
  6. Aus einem Brief an die Süddeutsche Zeitung 2000