Gottfried Glöckner

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Gottfried Glöckner ist ein deutscher Landwirt und Landwirtschaftsmeister aus dem hessischen Wölfersheim, der durch seine Behauptungen dass eine eigene Milchkuhherde durch die Verfütterung von gentechnisch verändertem bt-Mais (bt176 Syngenta) geschädigt wurde, überregionale Aufmerksamkeit zuteil wurde. Berichtet wurde vom SWR-Fernsehen (Report Mainz vom 8. Dezember 2003) und 2004 in Der Spiegel. Wegen des Verdachts, dass die Verfütterung von bt-Mais die Ursache der Gesundheitsschäden und des Verendens einiger Tiere gewesen sei, verklagte Glöckner die Firma Syngenta. Glöckner ist auch mit Gilles-Éric Séralini Co-Autor eines Artikels, der sich mit den Erkrankungen bei seiner Herde befasst. Aktuell tritt Glöckner als Vortragsredner zum Thema Gentechnik auf.

1997 erteilte die EU-Kommission die Genehmigung für das Inverkehrbringen des Bt-176 Genmaises, wodurch dieser angebaut und an die Tiere verfüttert werden durfte. Nach 10 Jahren lief die Genehmigung aus. Es wurde (anders als bei MON810) keine Verlängerung beantragt. Das Robert-Koch-Institut hatte 2000 ein Ruhen der Genehmigung verfügt. Davon blieb jedoch der Anbau zu Versuchs- und Forschungszwecken ausgeschlossen. Bt-176 darf daher seit März 2000 nicht mehr landwirtschaftlich angebaut werden.

Weltweit wurde der gleiche gentechnisch veränderte Mais bt176 jahrelang auf Feldern angebaut und auch verfüttert, ohne dass vergleichbare Fälle auftraten. Insbsondere in den USA und Spanien wurde dieser Maistyp großflächig angebaut und als Futterpflanze genutzt. Bei einem Fütterungsversuch der TU München in Grub wurde bei 18 Kühen jeweils Bt-Mais (allerdings nicht bt176) und herkömmlich gezüchtetem Mais verfüttert. Bei Herden zeigten die gleiche Milchleistung.

Glöckners Vermutungen einer Schädigung seiner Herde durch gentechnisch veränderten Mais fand nicht nur Resonanz bei Gegner der Gentechnik, sondern auch bei fragwürdigen Projekten wie Alpenparlament oder einem Querdenken Kongress von Michael Vogt.

zeitlicher Ablauf der Geschehenisse

Ab 1997 baute Glöckner gentechnisch veränderten Mais der Firma Syngenta auf seinen Feldern an und mischte ihn zu 50% mit herkömmlichen (konventionellen) Mais zu eigenem Silomais. Der Mais mit dem Namen Bt-176 produziert ein Bakteriengift, das die Larven des schädlichen Maiszünslers tötet. Glöckner verfütterte den Mais ab 1998 seinen Milchkühen. In den ersten zwei Jahren gab es damit keine Probleme. Es zeigte sich eine Milchleistung von über 8000 Litern pro Kuh, was den Betrieb zu den leistungsstarken Betrieben der Region machte. Im März 2000 hielt Landwirt Glöckner einen Vortrag bei der Firma Syngenta bei dem er über die positiven Erfolge mit dem bt-Mais vortrug.

Im gleichen Jahr 2000 kam es - laut öffentlich einsehbarem Urteil - zu "tätlichen Auseinandersetzungen" zwischen Glöckner und seiner Ehefrau, die sich dann von ihm trennte. Beiden hatten zuvor zusammen den Betrieb bewirtschaftet, der von den Eltern der Ehefrau von Glöckner vererbt worden war.

Im Frühling 2001, vier Jahre nach Erstverfütterung, und ein Drivierteljahr nach Trennung der Eheleute, begannen Milchkühe krank zu werden. Einige Kühe produzierten einen grauen, zähen und kleisterartigen Durchfall. Nach Zufütterung von Heu normalisierte sich der Kot, aber die Milchleistung nahm ab. Bei einigen Kühen traten Ödeme und Blutgefäßerweiterungen am Euter auf, die Euterhaut war spröde. Bei einem Tier bildete sich ein zweiter Strichkanal am Euter, durch den Milch vertropfte. Die Konsistenz der Milch war verändert. Es kam zu Flockenbildung und Blutmilch, der Milchzellgehalt stieg auf 300 000/ml an. 2001 sank die jährliche Milchleistung gegenüber dem Stand von 1999 von 8.045 kg pro Kuh und dem Stand des Jahres 2000 von 8.165 kg pro Kuh auf einen Wert von 7.125 kg pro Kuh.

Am 13.12.2004 stellte Gottfried Glöckner die Milchproduktion des Hofs vollständig ein, nachdem er von Anfang 2001 bis Dezember 2004 55 Kühe mehr als üblich mangels Rentabilität ersetzt hatte. Er gab die verbliebenen Kühe mit Ausnahme von fünf zur weiteren Beobachtung zurückbleibenden Tieren, zum Schlachthof. Die Einstellung des Milchbetriebs ist auch im Zusammenhang mit Schulden zu sehen, die Glöckner bei einem Futtermittellieferanten hatte. Der Betrieb war offenbar defizitär, und das so genannte Milchgeld wurde durch den Futterlieferanten gepfändet.

Untersuchungen und Untersuchungsergebnisse

Laut dem deutschen Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit wurde im Jahr 2002 Glöckners Fütterung untersucht. Es stellt sich heraus, dass die Grassilage war von schlechter Qualität war. Die Kühe waren übergewichtig und schlecht mit Mineralstoffen versorgt. Es fanden sich Clostridien (Erreger des gefährlichen Botulismus) im Darm einer toten Kuh.

Das Robert Koch Instituts erstellte einen Bericht, der auf www.biosicherheit.de veröffentlicht ist. Die Wissenschaftler vom RKI stellten fest, dass die Verfütterung von Bt-Mais nicht die Ursache für den Tod der Milchkühe zwischen 1997 und 2002 war. Im Bericht heisst es:

..Im April 2002 wurden auf dem Hof Proben der Bt-Maissilage und des Bt-Körnermais aus den Jahren 2000 und 2001 untersucht, aber auch andere in dem Betrieb verwendete Futtermittel wie Grassilage und ein Milchleistungsfutter. Dieses hatte Glöckner an seine Kühe verfüttert, kurz bevor die ersten gesundheitlichen Probleme auftraten.
In ihrem Bericht bemängelten die Sachverständigen eine unzureichende Futtermittelqualität und Fehler bei der Zusammensetzung der Futterrationen, die nach ihrer Meinung zu erheblichen gesundheitlichen Störungen bei den Milchkühen führen können. Im Einzelnen werden aufgeführt:
erhöhte Werte bestimmter Pilzgifte (Mykotoxine ) im Milchleistungsfutter und in der Maissilage,
geringe Futtermittelqualität der verwendeten Grassilage,
weitreichende Futtermittelumstellungen in zu kurzen Zeiträumen sowie mangelnde Mineralstoffversorgung bei hochtragenden und frisch abgekalbten Kühen,
deutliche Überfütterung (ca. 25 Prozent Energieüberschuss und bis zu 42 Prozent Proteinüberschuss) und daraus resultierendes Übergewicht, das gerade bei der Milchkuhfütterung u.a. zu Stoffwechselstörungen und Geburtsschwierigkeiten führen kann.
Zwei der verstorbenen Kühe wurden auf den Erreger der Botulismus-Krankheit, Clostridium botulinum, untersucht - in beiden wurde er im Darm gefunden. Diese Krankheit kann in ganzen Herden grassieren und innerhalb von Wochen und Monaten zum Tod führen. Auch bei drei von fünf noch lebenden Tieren konnte eine Infektion nachgewiesen werden.“

Glöckner ließ in verschiedenen Labors Untersuchungen vornehmen, um andere Todesursachen wie z. b. Botulismus und Listeriose auszuschließen. Nach Angaben von Glöckner hätte es keine Hinweise für die genannten Infektionskrankheiten gegeben.

der Seralini / Glöckner Artikel

(folgt)

Prozesse

Glöckner verklagte die Firma Syngenta auf 700.000 € Schadenersatz. Diese Klage wurde am 23. 11. 2007 vom Gießener Landgericht abgewiesen. Er ging daraufhin in Berufung. Diese wurde am 6. 2. 2009 am Oberlandesgericht in Frankfurt ( Aktenzeichen 2 U 128/07) verhandelt. Die Berufung wurde ebenfalls abgewiesen. Glöckner unterlag weil er in den beiden Gerichtsverfahren nichts vorgetrug, das einen Zusammenhang mit dem Bt-Mais und der Erkrankung seiner Tiere nachweist. Daher musste sein Antrag auf Schadensersatz abgelehnt werden. Es wurde kein Vergleich geschlossen.

In der Urteilsbegründung heißt es:

..enthalten die vom Kläger zusammengestellten wissenschaftlichen Dokumentationen Bedenken, die mit der streitgegenständlichen Problematik nichts gemein haben.

Glöckner behauptet inzwischen von Syngenta einen Schadensersatz erhalten zu haben. Ein Artikel in Der Spiegel von 2004 (also vor den Prozessen) befasst sich auch mit dieser Frage. Demnach wäre Glöckner anfangs ein glühender Anhänger der Gentechnik in der Landwirtschaft gewesen und hätte sich auch Auseinandersetzungen mit Gegnern der Gentechnik geliefert. (Zitat Der Spiegel)

Aus diesem Grund habe sich Syngenta verpflichtet gefühlt, Glöckner zu helfen, als die Kühe starben und sein Betrieb in Schwierigkeiten geriet. Untersuchungen wurden mitfinanziert, "rund 42 000 Euro haben wir ihm überwiesen", sagt Jachmann, er macht eine kurze Pause, setzt das Glas Wasser wieder auf den Tisch, und beendet den Satz: "Natürlich ist das kein Schuldanerkenntnis.. [..]..Heute ist Glöckner wieder unangreifbar, wie vor dem Tod seiner Kühe. Die Welt ist wieder berechenbar, nur mit umgekehrtem Vorzeichen. Die Gentechnik ist nicht gut, sondern böse. Experten sind nicht verlässlich, sie lügen. Glöckner ist wieder ein perfekter Verbündeter, diesmal von Greenpeace. In gewisser Weise hat er sich nicht bewegt, ist er sich treu geblieben..“"[1]

Quellennachweise