Vril-Gesellschaft

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Die Vril-Gesellschaft ist angeblich eine 1921 entstandene Nachfolgeorganisation eines im Jahre 1919 von Karl Haushofer gegründeten Ordens namens Brüder des Lichts. Ob die Vril-Gesellschaft je existiert hat, ist nicht bekannt. In die Vril-Gesellschaft sollen später Mitglieder anderer Organisationen hinzugekommen sein, wie die 1917 aus dem Germanenorden hervorgegangene Templer-Neugründung Die Herren vom schwarzen Stein (DHVSS) und die Schwarze Sonne der Thule- und SS-Elite.

Hintergrund

Als Ursprung des Begriffs Vril gilt der Roman The Coming Race des Schotten Edward Bulwer-Lytton, der 1871 erschien. Darin wird von einem Forscher berichtet, der unter der Erdoberfläche auf die hochentwickelte Rasse der Vril-Ya stößt. Diese verfügen über eine mystische Kraft namens Vril (abgeleitet vom lateinischen virilis = männlich, kraftvoll). Spätere Rezeptionen des Werks übersahen häufig, dass Bulwer-Lytton mit diesem satirisch intendierten Roman vor den Folgen des aufkommenden Sozialdarwinismus und der beginnenden Frauenbewegung warnen wollte.[1]

Vril-Gesellschaften

Der Begriff des Vril wurde in der Folgezeit von okkulten und esoterischen Autoren mit Konzepten wie Lebenskraft und Naturkraft verbunden. In diesem Kontext wurden auch Berichte über "Vril-Gesellschaften" verbreitet, die sich der Erforschung dieses Phänomens widmeten. Der Wahrheitsgehalt dieser Berichte ist aber zweifelhaft.

Eine besondere Rolle soll das Zagreber Medium Maria Orsic (auch: Orsitsch, geb. 1895, Todesdatum unbekannt) gespielt haben, das angeblich über ein Channeling telepathisch Nachrichten einer Templergeheimschrift mit technischen Angaben zum Bau einer Flugmaschine erhielt. Die geheimnisvoll erhaltenen Botschaften kamen vom Sonnensystem Aldebaran, in dem zwei angeblich bewohnte Planeten existierten, auf denen ein Herrenvolk von "lichten Gottmenschen" (Arier) leben sollte. Des Weiteren existierten dort auch verschiedene andere menschliche Rassen, die sich durch "negative Mutationen" aus diesen Gottmenschen entwickelt haben sollen. Diese seien anderer (dunkler) Hautfarbe und sollen eine geringere "geistige Entwicklungsstufe" haben. Die Herrenrasse der lichten Gottmenschen habe dann vor etwa 500 Millionen Jahren damit begonnen, andere erdähnliche Planeten zu kolonisieren. So sollen sie mit speziellen Fluggeräten die 68 Lichtjahre überwunden haben, in Mesopotamien auf der Erde gelandet sein und den historischen Sumerern entsprechen. Die sumerische Sprache sei nicht nur Aldebaranisch, sondern soll auch Ähnlichkeiten zur deutschen Sprache aufweisen. Orsitsch hatte Kontakte zu Rudolf von Sebottendorf, dem Gründer der Thule-Gesellschaft.[2]

Der deutsche Raumfahrtingenieur Willy Ley (1906 - 1969), der vor den Nationalsozialisten in die USA floh, berichtete in 1947 einem Artikel mit dem Titel Pseudoscience in Naziland über eine angebliche Vril-Gesellschaft, welche sich der Erforschung der geheimnisvollen Kraft gewidmet habe. Tatsächlich waren in den 1930er Jahren einige kleinere Schriften in Deutschland erschienen, die von einer realen Existenz der Vril-Kraft ausgingen. In den 1960er Jahren wurde die Legende um die Vril-Gesellschaften und ihre Bedeutung für den Nationalsozialismus von den okkultistischen Autoren Louis Pauwels und Jacques Bergier in ihrem Buch Le matin de magiciens. Introduction de realisme fantastique weiter ausgeschmückt. Himmler und viele andere führende Nationalsozialisten wurden von ihnen mit dem Vril-Kult in Verbindung gebracht. In den 1960er Jahren wurde diese Version noch um die Erfindung von "Reichsflugscheiben" durch die Vril-Forscher und die Entdeckung der freien Energie ergänzt. Seriöse Historiker konnten die Existenz einer Vril-Gesellschaft im Deutschland der 1920er und 30er Jahre nie eindeutig nachweisen.[3]

Vril in der Flasche

Trivia

Aufgrund des großen Erfolges von Bulwer-Lyttons Roman wurde der Begriff Vril im späten 19. Jahrhundert in Großbritannien sprichwörtlich für geheime Kräfte verwendet. Der Markennname des heute noch vertriebenen Rindfleischextrakts Bovril, der 1886 in Großbritannien auf den Markt kam, setzt sich aus dem lateinischen Bos für Rind und Vril zusammen.

Quellennachweise

  1. Frenschkowski, Marco: Die Geheimbünde. Eine kulturgeschichtliche Analyse. Wiesbaden 2007, 169.
  2. Goodrick-Clarke, Nicholas: Black Sun. Aryan Cults, Esoteric Nazism and the Politics of Identity. New York, London 2002, 165-167.
  3. Frenschkowski, Marco: Die Geheimbünde. Eine kulturgeschichtliche Analyse. Wiesbaden 2007, 170-172.