Vorläufer der Germanischen Neuen Medizin

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Die Germanische Neue Medizin (GNM) nach Ryke Geerd Hamer wurde im Jahre 1981 scheinbar "aus dem Nichts" und sozusagen per "Geistesblitz" und traumhaften Eingebungen erfunden und sodann weiterentwickelt. Sie soll Hamer in Träumen durch seinen verstorbenen Sohn Dirk bestätigt worden sein und seiner Meinung nach habe sie keine Vorgänger.[1]

Bei genauerer Betrachtung zeigt sich jedoch, dass die GNM auf Hypothesen und Annahmen anderer Autoren aus der Zeit vor 1981 fußt, die Hamer jedoch selbst nicht benennt. Das Gesamtkonstrukt der (Germanischen) Neuen Medizin inklusive der unhaltbaren, pseudowissenschaftlichen und teilweise absurden Hypothesen geht jedoch auf Hamer allein zurück.

Verfahren und Lehren zur Frage einer Psychogenese bei Krebs

Wilhelm Reich
Michel Moirot
  • Hippokrates von Kos (460 v.Chr.-377 v.Chr.) entwickelt das Konzept des "malignen (genannt karkinoma) oder benignen Tumors" und äußerte den Verdacht, dass Krebs in Zusammenhang mit psychischen Ereignissen stehen könnte.
  • Galenos von Pergamon (Galēn, lat. Claudius Galenus 129 n.Chr.-216) glaubte ebenfalls an einen derartigen Zusammenhang, insbesondere bei "melancholischen Frauen".
  • Der flämische Arzt Johan Baptista van Helmont (1579-1644) formulierte Thesen einer idea morbi oder imago morbi, einer Idee einer Krankheit, die letztendlich im Menschen zur Entstehung von Krankheiten führe.
  • Die Amerikanerin Mary Baker Eddy (gest. 1910) sah die Wahrheit der rein psychogenen Krankheitsentstehung bei ihrer Christian Science. Sie lehnte die damalige wissenschaftliche Medizin ab.
  • Calligaris Methode nach Giuseppe Calligaris zu Beginn des 20. Jahrhunderts.
  • Der Engländer Edward Bach (Erfinder der Bachblüten) glaubte ebenfalls an eine ausschließliche Entstehung von Krankheit durch die Psyche. In seinem bekanntesten Buch Heilen Sie sich selbst (Heal Thyself) schreibt er: [...] Krankheit wird nie durch anwesende materialistische Methoden kuriert oder ausgerottet, aus dem einfachen Grund, dass Krankheit in ihrem Ursprung nicht materiell ist [...] Krankheit ist im Wesentlichen das Ergebnis des Konflikts zwischen der Seele und dem Verstand und wird nie ausgerottet werden, außer durch geistige und mentale Bemühung [...]
  • Die anthroposophische Medizin nach Rudolf Steiner geht von einer Störung der Wesensglieder als Ursache aller Erkrankungen aus. Steiner schrieb: Denn nehmen Sie einmal an, es gelingt den ahrimanischen Mächten, im menschlichen physischen Körper einen Sieg zu erringen [...] dann verfällt der Mensch durch diesen Sieg der ahrimanischen Mächte in solche Erkrankungen, wie Geschwulstbildungen, Karzinombildungen oder Stoffwechselkrankheiten, wie Diabetes, Zuckerkrankheit.[2]
  • Wilhelm Reich und seine Schrumpfungsbiopathie und Karzinom-Biopathie des Krebses, die auf eine Störung der Pulsation der Reich'schen organismischen Energie und seinen T-Bacilli zurückgehen soll. So schreibt Reich 1948 in seinem Buch 'Der Krebs': [...] Die Krebsgeschwulst ist nur ein Symptom der Krebserkrankung. Daher trifft die lokale Behandlung der Krebsgeschwulst, sei es nun durch Operation, sei es durch Radium-oder Röntgenbestrahlung, nicht die Krebserkrankung als solche, sondern nur eines ihrer sichtbaren Symptome. Auch der Krebstod ist nicht dem Vorhandensein eines oder mehrerer Geschwulste zuzuschreiben. Der Krebstod ist vielmehr der letzte sichtbare Ausdruck der biologischen Allgemeinerkrankung "Krebs", die auf Zerfall des Gesamtorganismus beruht [...]
  • Psycho-Genealogie der französischen Psychologin Anne Ancelin Schützenberger.
  • Michel Moirot. Der französische Arzt Moirot entwickelte in den 1970er Jahren eine Hypothese, nach der als Stress erlebte Situationen etwa 6-7 Monate später Krebs auslösen sollen. Das Krebsleiden selbst sei jedoch durch als positiven Schock empfundene Ereignisse prinzipiell heilbar. Moirots Lehre geriet aufgrund fehlender Nachweise in Vergessenheit.
  • Ansichten von Ronald Grossarth-Maticek zur Krebsentstehung durch anhaltende Konflikte und life-events sowie Entwicklung des hypothetisch gebliebenen typus carcinomatosus (Typ C, cancer prone), eines Menschentyps, der häufiger als sein Umfeld zu Krebs neige und bestimmte psychologisch erfassbare Merkmale aufweise.

Lehren zur postulierten "besonderen Patientenbeziehung"

  • Georg Groddeck (1866 - 1934) als Begründer der Psychosomatik. Die wissenschaftliche Psychosomatik wird von Hamer jedoch vehement abgelehnt.
  • Erich Fromm
  • Die Schule von Palo Alto nach Bozsormenyi Nagy und Anteilen der Lehre von Grégory Bateson.
  • Salutogenese nach Antonovsky und sense of coherence des Soziologen Aaron Antonovsky (1923-1994), die in den 1970er Jahren (also vor 1981) entwickelt wurden und nicht, wie Hamer behauptet, nach ihm. Dies lässt sich anhand des Erscheinungsdatums (1979) des entsprechenden Buches von Antonovsky nachweisen.[3]
  • Ansichten des deutschen Chirurgen Julius Hackethal, der sich jedoch zu Lebzeiten klar von der GNM distanzierte.
  • Therapievorschläge nach Lawrence LeShan.

Verwandte Theorien zur Enstehung von Krebs

Catherine Kousmine

Die Schweizer Ärztin Catherine Kousmine entwickelte lange vor Hamer eine eigene Theorie zur Krebsentstehung. Aus privaten Mäusestudien wollte sie erkannt haben, dass Krebs als eine Art Ausdruck des Körpers zu verstehen sei, sich von giftigen Substanzen zu befreien.[4] Tumoren seien nach Kousmine als eine Form einer körperlichen Abwehr toxischer Substanzen zu verstehen und nicht als ein unkontrolliertes oder unkontrollierbares Phänomen.

Verfahren und Lehren der Vergangenheit, die eine wissenschaftliche Medizin ablehnen

  • Die Amerikanerin Mary Baker Eddy (gest. 1910) sah die Wahrheit der rein psychogenen Krankheitsentstehung bei ihrer "Christian Science". Sie lehnte die damalige wissenschaftliche Medizin ab.
  • Die Ablehnung des Konzeptes der Krankheit (wie von der WHO beschrieben) durch den deutschen rechtsgesinnten Arzt und Hamer-Verehrer Karl Probst, der sich zur Zeit in Bolivien im Exil aufhält.

Anderssprachige Psiram-Artikel

Quellennachweise

  1. Hamer RG: Offener Brief vom 15. Juni 2007. [...] Nehmen Sie doch einfach freundlicherweise zur Kenntnis, daß die Germanische Neue Medizin eine exakte Naturwissenschaft ist. Sie hat keine Vorgänger und sie funktioniert bei Patienten die sterben (wenn sie wieder in die Panik kommen oder Rezidive erleiden) genauso exakt, wie bei Patienten die überleben. Sie funktioniert einfach immer und zwar alle 5 Biologischen Naturgesetze...
  2. Steiner R, GA 218/8/35
  3. Antonovsky A: Health, stress, and coping. New perspectives on mental and physical well-being, San Francisco 1979
  4. Kousmine C: Sauvez votre corps, éditions Robert Laffont, 1987