Varizenverödung nach Linser

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Die Varizenverödung nach Linser (auch Varizenverödung mit konzentrierter Kochsalzlösung oder biologische Krampfadern-Verödung) ist eine historisch-obsolete Methode aus der Alternativmedizin, die auf Karl Linser (1895-1976, nicht verwandt mit Paul Linser) zurück geht.[1] Die Methode wurde auch als "biologische Krampfadern-Verödung" bekannt. Ziel ist dabei die nicht-chirurgische (konservative) Entfernung der Krampfadern (Varikosen). In den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts entwickelte Karl Linser in seiner Zeit in Tübingen eine sklerosierenden Verödung von Krampfadern mit einer auch als Linsersche Lösung oder Varicophtin bezeichneten hochprozentigen Natriumchloridlösung. Karl Linser setzte dem Kochsalz noch das lokal wirkende Schmerzmittel Procain zu, zur Verhinderung von Krämpfen.[2][3] Bereits zuvor hatte der deutsche Dermatologe Paul Linser das Prinzip der konservativen, sklerosierenden Varizenverödung (mit Quecksilber) angewandet. Dieser soll laut internationaler Literaturangaben ab 1925 ebenfalls konzentrierte Kochsalzlösung (20%) zur Verödung eingesetzt haben[4], die jedoch von seinem Kollegen, dem damaligen Assistenzarzt Karl Linser erprobt wurde.

Die gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland übernehmen die Kosten der Varizenverödung nach Linser nicht. Anwender war unter anderem Max Otto Bruker. Zuletzt machten die Ärzte Sundaro Köster und Berndt Rieger mit einer abgewandelten Methode auf sich aufmerksam.

In Deutschland wird diese Methode von mehreren Heilpraktikern angeboten mit Kosten von rund 400 € - 500 € pro Bein. Auch von manchen Ärzten wird sie als Off-Label-Use und ohne Kostenerstattung durch die Gesetzliche Krankenversicherung angeboten. In der Werbung von Heilpraktikern zu dieser Methode wird diese insbesondere für "dicke" Krampfadern mit grossem Durchmesser beworben. Dabei werden auch völlig unsachliche und schlichtweg falsch Aussagen verbreitet. Für Ärzte ist die Methode kurioser Weise nicht ohne weiteres zugelassen. Die S2 - Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Phlebologie erwähnt die Methode nicht in ihren Therapievorschlägen.[5] Heilpraktiker haben hier einen grösseren Handlungspielraum solange sie keine zulassungspflichtigen Arzneimittel verabreichen.

In der Medizin wurde diese Methode inzwischen verlassen. Grund dafür ist vor allem die oftmals nicht ausreichenden Wirkung, insbesondere bei Venen mit grösserem Durchmesser die sich nach der Therapie wieder "erholen". In diesen Fällen können dann Verwachsungen und Wandschäden entstehen, die nachbehandelt werden müssen. Dabei entsteht ein zusätzliches Throboserisiko. Kochsalz verursacht außerdem starke Schmerzen während der Injektion. Eine folgende chirurgische Entfernung derartig mit konzentrierter Salzlösung vorbehandelter Venen erweist sich häufig als besonders schwierig. Die Kochsalzverödung schnitt im Vergleich von entsprechenden Studien schlechter ab als andere Verfahren, da sich deutlich höhere Komplikationsraten ergeben.

Eine deutsche Heilpraktikerin Susanne K. muss sich laut der NDR-Sendung Panorama (Sendung vom 31. Oktober 2019) und "Der Tagesspiegel"[6] wegen schwerer Nebenwirkungen, die acht Operationen zur Folge hatten, vor Gericht in Berlin verantworten. Die Patientin war Diabetikerin und war mit insgesamt 300 ml Kochsalzlösung behandelt worden. Nach der Behandlung hatten sich zahlreiche Ulcera (offene Beine) entwickelt, diese mussten stationär behandelt werden.

Hinweis: Befürworter der Varizenverödung mit konzentrierter Kochsalzlösung benennen zumeist fälschlich alleine Paul Linser als Erfinder der Methode. Paul Linser war der Einführer des Prinzips einer sklerosierenden Varizenbehandlung, noch vor Karl Linser.

Methode

Dem Patienten werden durch Injektion von konzentrierter Kochsalzlösung (3 bis 10 ml, 22% oder 27%) in Flußrichtung der Venen die Varizen verödet, sodass es zu einer Thrombose mit folgender Nekrose kommt. Anschließend muss für mehrere Wochen ein Kompressionsstrumpf getragen werden. In menschlichen Körperflüssigkeiten liegt die normale Konzentration von Natriumchlorid (Kochsalz) bei 0,9 %. Dies bedeutet dass hier mit der 24 bis 30 fachen Salzkonzentration vorgegangen wird.

Varizenverödung mit Quecksilber nach Paul Linser

Die ab 1911 (Veröffentlichungen 1916 und 1921) praktizierte Krampfaderentfernung mit Quecksilber (Sublimat) wurde in Deutschland von Paul Linser (1871 - 1963, Hautklinik Universität Tübingen) ab etwa 1911 eingeführt.[7][8][9] Er führte die Behandlungen bis 1923 durch.[10] Die Therapie erwies sich jedoch als nierenschädigend.

Siehe auch

Literatur

  • Mitchel P. Goldman, Robert A Weiss: Treatment of Varicose and Telangiectatic Leg Veins, Elsevier Health Sciences, 19 September 2016

Weblinks

Quellennachweise

  1. Wolfgang Hach, Jörg D Gruss, Viola Hach-Wunderle, Michael Jünger: VenenChirurgie: Leitfaden für Gefäßchirurgen, Angiologen, Dermatologen und Phlebologen, Schattauer Verlag, 2007
  2. Linser K., Zur Behandlung der Varizen mit intravenösen Injektionen, Münch Med Wschr 1925; 71: 515
  3. Linser K., Die Behandlung der Krampfadern mit intravarikösen Kochsalzinjektionen, Dermatol Wschr 1925; 81: 1345-1351
  4. Jeanneret, Karatolios: Varicose veins: A critical review of the definition and the therapeutical options, Vasa (2011), 40, pp. 344-358. https://doi.org/10.1024/0301-1526/a000131
  5. http://www.phlebology.de/leitlinien-der-dgp-mainmenu/280-leitlinie-zur-diagnostik-und-therapie-der-krampfadererkrankung#kap08
  6. https://www.tagesspiegel.de/berlin/hochaggressive-therapie-berliner-heilpraktikerin-wegen-koerperverletzung-vor-gericht/24227570.html
  7. Linser P., Ueber die konservative Behandlung der Varicen, Med Klin 1916; 12: 897-898
  8. Linser P (1921) Die Behandlung der Krampfadern mit Sublimateinspritzung und ihre Erfolge. Med Klinik 17: 1445-1446
  9. Linser P., Die Behandlung chronischer Venenentzündungen mit künstlerischer Thrombosierung nach Linser, Münch Med Wschr 1925; 72: 1105-1106
  10. H. O. McPHEETERS, CARL O. RICE: VARICOSE VEINS - COMPLICATIONS, DIRECT AND ASSOCIATED, FOLLOWING THE INJECTION TREATMENT: A REVIEW OF THE LITERATURE, JAMA. 1928;91(15):1090-1094. doi:10.1001/jama.1928.02700150016006