Tony Agpaoa

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Antonio (Tony) Agpaoa (geb. 2. Juni 1939, gest. 1982) war ein philippinischer Geschäftsmann und Geistheiler aus Baguio und ein bekannter Anwender der so genannten Psychochirurgie, bei der Kunden vorgegaukelt wird, dass zu Heilungszwecken ein chirurgischer Eingriff vorgenommen werde. In Wirklichkeit wird dieser Eingriff nur mit Kunstgriffen und Tricks vorgetäuscht. Neben seinen Wunderfähigkeiten zu Geistheil-Operationen soll Agpaoa auch brennbare Gegenstände allein durch das Fixieren mit den Augen in Brand gesetzt haben. Seine Aktivitäten als Anbieter alternativmedizinischer Scheinbehandlungen und Empfänger von darauf bezogenen Spenden führten zu einer Verurteilung wegen Betruges. Seine Scheineingriffe konnten mehrmals als Täuschung entlarvt werden.

Agpaoa soll sich nach eigenen Aussagen an nur von ihm sichtbaren Auren seiner Kunden orientiert und damit Erkrankungen erspürt haben. Wie viele andere Psychochirurgen berief sich Agpaoa auch auf Hilfsgeister, in seinem Falle Protector genannt.

Agpaoa gehörte ursprünglich der spiritistischen Unio Espiritista Cristiana de Filipinas an, die ihn jedoch ausschloss, als bekannt wurde, dass er für seine Psycho-Operationen Geld nahm.

Agpaoa starb 1982, während er einem Hahnenkampf beiwohnte.

Kommerzielle Aktivitäten

Agpaoa gründete nach dem Ausschluss aus der UECF die Firma Philippine Spiritual Church of Science and Revelation, Incorporated und brachte es als Betreiber eines Friseursalons, eines Nachtclubs, eines Reisebüros und eines Schneiderateliers zu Wohlstand. Weitere Einkünfte erzielte er aus der Zucht von Kampfhähnen und den Einnahmen seines 5-Sterne Hotels Diplomat Hotel in Banguio City, dessen Wert auf mehrere Millionen Dollar geschätzt wurde. Anteile an dem Hotel hatte auch die deutsche Heilpraktikerin Sigrun Seutemann, die in Deutschland für Nachschub an Agpaoa-Kunden sorgte. Das Hotel wurde hauptsächlich für ausländische Kunden von Agpaoa genutzt und ist heute nur noch eine verfallene Ruine.

Kriminalgeschichte

In den USA wurde Agpaoa im Oktober 1967 von eigenen Kunden wegen Betruges verklagt und zu einer Geldstrafe von 25.000 Dollar verurteilt. Er flüchtete daraufhin zurück auf die Philippinen. Versuche, ihn dort zu verurteilen, misslangen hingegen.

Rummel um Agpaoa in Deutschland

Im Jahre 1967 machte der amerikanische Esoteriker Harold Sherman mit “Wonder Healers of the Philippines” auf Agpaoa aufmerksam, was zu einem Ansturm von Hilfesuchenden aus den USA führte und Agpaoa berühmt machte. Agpaoa wurde ab dem Beginn der siebziger Jahre durch Berichte der Presse und des Fernsehens auch in Deutschland bekannt.

Im Mai 1971 flogen Reporter der deutschen Illustrierten "Stern" und "Neue Revue" mit einer Gruppe von 19 Patienten, dem Parapsychologen Hans Bender aus Freiburg und dem Hamburger Internisten Wartenberg auf die Philippinen zu Tony Agpaoa nach Baguio. Die Gruppe blieb rund zwei Wochen auf den Philippinen und sah bei Agpaoa eine Reihe von Behandlungen. Kurze Zeit nach der Rückkehr dieser Gruppe erschien in der "Neuen Revue" ein unkritischer Bericht über Tony Agpaoa. Der "Stern" veröffentlichte dagegen einen kritischen Bericht über "den Heiland mit den flinken Fingern".[1] Agpaoa wurde als "genialer Taschenspieler" entlarvt, der mit künstlichen Folien offene Wunden imitiere und mit einem Zweikomponenten-Farbstoff Blut vortäusche. Als Beweis wurde ein Farbphoto gezeigt, auf dem die Trickfolie zu sehen war.[2]

Die Illustriertenberichte über philippinischen Heiler weckten auch das Interesse des deutschen Fernsehens. Unmittelbar nach Erscheinen des Berichtes im "Stern" machte sich am 10. Juli 1971 eine Reportergruppe unter Immo Vogel für die ARD-Sendung "Report" auf die Reise zu Tony Agpaoa und zog dabei den auf den Philippinen tätigen deutschen Arzt Lothar Lissner zu Rate.

Am 2. August 1971 wurde der Bericht über Agpaoa und seine Tricks mit Folien in der Sendung "Report" ausgestrahlt. Zitat: "Die folgenden Aufnahmen zeigen, die Bauchöffnungen sind Täuschungen. Geschickte Täuschungen allerdings. Er spannt eine Art Folie über die Bauchdecke. Bei genauem Hinsehen wird deutlich, wie ihm das Folienmaterial, das die Öffnungen darstellen soll, aus den Fingern gleitet! Hier deutlich sichtbar unterhalb des Zeigefingernagels!" Nach Agpaoas Ansicht handele es sich bei der Folie um paranormal gebildetes Ektoplasma. Schlusskommentar des Report-Fernsehberichtes vom 2. August 1971: "Seit heute ist wieder eine deutsche Gruppe bei Agpaoa. Wiederum schieben Schwerkranke notwendige Operationen auf mit Hoffnung auf einen Wunderheiler!" Am 9. August 1971 brachte das "Gesundheitsmagazin" des ZDF ebenfalls einen aufklärenden Filmbericht über Agpaoa.

Filmmaterial über Agpaoas Operationen findet sich auch beim Institut für den Wissenschaftlichen Film in Göttingen.

In einem Falle konnte durch eine in der Schweiz durchgeführte Analyse nachgewiesen werden, dass Agpaoa Schafsblut einsetzte, um seine Kunden und Untersucher zu täuschen. Eine Nachweis von Agpaoas Täuschungen findet sich auch in einer Veröffentlichung von Stanley Krippner.[3] Der amerikanische Zauberkünstler James Randi fand zudem heraus, dass sich Agpaoa in den USA (San Francisco) einem tatsächlichen chirurgischen Eingriff wegen einer Blinddarmentzündung unterzog[4] und stellte die naheliegende Frage, warum sich Agpaoa nicht stattdessen psycho-chirurgischen Kollegen anvertraute.

Literatur

  • Krippner, Stanley. “Psychic Healing in the Philippines” in “Humanistic Psychology” vol. 16, 4. (1976).
  • Chesi, Gert. Faith Healers in the Philippines. Perlinger Verlag, Österreich 1981.
  • Jensen, Bernard. Tony: The Miraculous Spiritual Healer at Work. Escondido, 1966.
  • Sherman, Harold. Wonder Healers of the Philippines. Los Angeles: DeVorss, 1967.
  • Valentine, Tom. Psychic Surgery. Chicago: Henry Regnery, 1973.

Quellennachweise

  1. Stern Nr. 29 vom 11. Juli 1971
  2. Stern 29/1971, S. 28
  3. *Krippner, Stanley. “Psychic Healing in the Philippines” in “Humanistic Psychology” vol. 16, 4. (1976).
  4. Randi J: FlimFlam Buffalo, N.Y.: Prometheus Books, 1982