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| − | '''Kinesio-Taping''' (Kinesio-Taping nach Kenzo Kase, auch Physio-Taping, Aku-Taping, Medi-Taping oder MTC) ist eine Behandlungsmethode, bei der einzig buntfarbene Pflaster (so genannte ''tapes'') bzw elastische Baumwollstreifen zur Anwendung kommen, die unter mechanischem Zug auf die Haut geklebt werden um gesundheitlich relevante Wunderwirkungen zu entfalten, oder sportliche Leistungen zu fördern. | + | '''Kinesio-Taping''' (Kinesio-Taping nach Kenzo Kase, auch Physio-Taping, Aku-Taping, Medi-Taping oder MTC) ist eine Behandlungsmethode, bei der einzig buntfarbene Pflaster (so genannte ''tapes'') bzw elastische Baumwollstreifen zur Anwendung kommen, die unter mechanischem Zug auf die Haut geklebt werden um gesundheitlich relevante Wunderwirkungen zu entfalten, oder sportliche Leistungen zu fördern. Eine wissenschaftliche Metastudie, die im April 2026 im British Medical Journal (BMJ) erschien, zeigte dass der therapeutische Nutzen von Kinesiotapes fraglich ist, von möglichen [[Placebo]]effekten abgesehen.<ref>Mo Q, Deng Z, Zheng J, et alEffectiveness and clinical relevance of kinesio taping in musculoskeletal disorders: an overview of systematic reviews and evidence mappingBMJ Evidence-Based Medicine Published Online First: 31 March 2026. doi: 10.1136/bmjebm-2025-114067</ref> |
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| | + | Kinesiotapes sollen Schmerzen lindern und die Beweglichkeit verbessern. Ihre Wirksamkeit ist aber umstritten. Eine neue Studie gibt den Skeptikern recht. |
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| | + | Wer über Nackenverspannungen, eine Muskelzerrung oder einen Tennisarm klagt, hört nicht selten den Rat: Lass dich doch tapen! Gemeint ist damit eine Behandlungsform, die ihre Ursprünge in Japan hat und seit einigen Jahren auch in Deutschland große Popularität genießt. Die bunten elastischen Klebestreifen, sogenannte Kinesiotapes, finden sowohl im Amateur- als auch im Leistungssport Anwendung. Sie sollen verschiedenste Muskel- und Gelenkbeschwerden lindern. In der Regel werden sie von Physiotherapeuten oder Sportmedizinern angebracht – zumindest von jenen, die der Methode einen Nutzen zuschreiben. |
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| | + | Aus wissenschaftlicher Sicht gibt es dazu kaum Anlass. |
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| | + | Wie sollen Kinesiotapes wirken? |
| | + | Die Idee hinter dem Tapen ist einfach: Durch die leichte Spannung der Klebestreifen soll die Haut leicht angehoben werden. Dadurch sollen Sinnesrezeptoren stimuliert, die Durchblutung verbessert und Schmerzen gelindert werden. Zugleich sollen Muskeln und Gelenke wieder beweglicher werden. |
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| | + | Die Methode wurde in den 1970er-Jahren vom Chiropraktiker Kenzo Kase entwickelt. Seither hat sie sich weltweit verbreitet. Auch die Forschung interessiert sich bereits seit Jahrzehnten für das Verfahren. Inzwischen liegen mehrere Hundert Untersuchungen und zahlreiche Übersichtsstudien zu dessen Nutzen bei verschiedenen Beschwerden des Bewegungsapparates vor. |
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| | + | Umfangreiche Analyse der Studienlage |
| | + | Für die aktuelle Metaanalyse wertete das Forschungsteam 128 Übersichtsarbeiten aus. Diese wiederum beruhen auf Daten von insgesamt 15.812 Testpersonen. Der Fokus lag auf den Effekten des Tapings bei 29 unterschiedlichen Erkrankungen des Bewegungsapparates, darunter: |
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| | + | Kniearthrose |
| | + | chronische Rückenschmerzen |
| | + | der sogenannte Tennisarm |
| | + | Entzündungen der Fußsohle (Plantarfasziitis) |
| | + | Die meisten Studien beschäftigten sich mit Beschwerden der unteren Extremitäten, also der Beine und Füße. Besonders ging es dabei um den Einfluss auf die Stärke der Schmerzen. |
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| | + | Unsichere Hinweise auf kurzfristige Effekte |
| | + | Bei einem Großteil (78 Prozent) der analysierten Übersichtsarbeiten stellten die Forscher methodische Schwächen fest. Die Auswertung lieferte zwar Hinweise darauf, dass das Taping kurzfristig gegen die Schmerzen helfen und die Funktionsfähigkeit des betroffenen Körperteils verbessern könnte. Die Aussagekraft der Evidenz dafür beurteilt das Team allerdings als "sehr niedrig". |
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| | + | Für einen mittelfristigen oder gar langfristigen Nutzen fanden die Wissenschaftler hingegen keine überzeugenden Belege. Weder bei Schmerzen noch bei Beweglichkeit, Muskelkraft oder funktionellen Einschränkungen ließen sich nennenswerte Verbesserungen nachweisen. |
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| | + | Symbol für das Nutzen von Künstlicher Intelligenz |
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| | + | Helfen bunte Pflaster gegen Schmerzen? |
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| | + | Warum helfen die Tapes manchen? |
| | + | Manche Menschen schwören auf die Tapes, weil sie bei ihnen scheinbar zuverlässig wirken. Ein möglicher Grund dafür ist der sogenannte Placebo-Effekt. Zudem verlaufen die Beschwerden, die mit Erkrankungen des Bewegungsapparates einhergehen, häufig in Wellen oder Schwankungen. Verbessern sich die Symptome, führen Patientinnen und Patienten dies mitunter fälschlicherweise auf das Tape zurück, obwohl die Linderung auch ohne Behandlung vorübergehend eingetreten wäre. |
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| | + | Die gute Nachricht: Wenngleich der therapeutische Nutzen von Kinesiotapes fraglich ist, birgt das Verfahren immerhin wenige Risiken. Nebenwirkungen sind zwar möglich, unter anderem kann es zu Hautreizungen oder Juckreiz kommen. Derartige Beschwerden verlaufen aber mild und treten generell selten auf. |
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| | ==Allgemeines== | | ==Allgemeines== |
| | Die beim Kinesio-Taping eingesetzten Pflaster sollen auf nicht genau erläuterte Weise ein "neurologisches und zirkulatorisches System" günstig beeinflussen können. Zudem sollen die Tapes zu einer "24-stündigen lymphatischen und zirkulatorischen Massage" führen. Teilweise wird seitens der Anwender und Verkäufer von Kinesio-Tapes die Wirkungsweise auch einfach als mit "einer Bindegewebsmassage gleichzusetzen" erklärt, wonach die feste Haftung des Tapes eine dauernde Verschiebung der Oberhaut gegen das Unterhautgewebe bewirke. Durch den Druck und die Reizung von Rezeptoren in der Haut sollen zudem körpereigene Endorphine erzeugt werden, welche das Schmerzempfinden reduzieren sollen. Die Anwendungsdauer erstreckt sich meist über 3-4 Wochen. | | Die beim Kinesio-Taping eingesetzten Pflaster sollen auf nicht genau erläuterte Weise ein "neurologisches und zirkulatorisches System" günstig beeinflussen können. Zudem sollen die Tapes zu einer "24-stündigen lymphatischen und zirkulatorischen Massage" führen. Teilweise wird seitens der Anwender und Verkäufer von Kinesio-Tapes die Wirkungsweise auch einfach als mit "einer Bindegewebsmassage gleichzusetzen" erklärt, wonach die feste Haftung des Tapes eine dauernde Verschiebung der Oberhaut gegen das Unterhautgewebe bewirke. Durch den Druck und die Reizung von Rezeptoren in der Haut sollen zudem körpereigene Endorphine erzeugt werden, welche das Schmerzempfinden reduzieren sollen. Die Anwendungsdauer erstreckt sich meist über 3-4 Wochen. |