Religiöser Wahn

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Religiöser Wahn (engl. religious delusion) ist die Bezeichnung für eine psychiatrische Erkrankung, die durch Wahnvorstellungen religiösen Inhalts gekennzeichnet ist. Dieser spezifische Wahn kann beispielsweise im Rahmen einer Schizophrenie vorkommen. Der religiöse Wahn kann auch mit Wahnvorstellungen anderer Art (z.B. Größenwahn) kombiniert sein.

Nach Karl Jaspers gibt es drei Wahnkriterien:

  • unvergleichliche subjektive Gewissheit,
  • Unkorrigierbarkeit
  • Unmöglichkeit des Inhalts

In der Psychiatrie wird das dritte Kriterium heute dahingehend spezifiziert, dass sich der Wahninhalt außerhalb des kulturimmanenten Erfahrungshorizonts befinden muss. Bei afrikanischen Naturreligionen beispielsweise sind Geister und Verhexungen Teil dieses Erfahrungshorizontes, so dass das "Symptom" dort eine andere Dimension als in Mitteleuropa hat.

Da religiöse Glaubensinhalte und Dogmen einerseits und Wahnvorstellungen im Rahmen des religiösen Wahns gleichermaßen unbeirrbar vertreten und in beiden Fällen irreale und mit der Alltagserfahrung nicht vereinbare Überzeugungen (Jenseitskontakt mit Gott einerseits, "unbefleckte Empfängnis" andererseits) vertreten werden können, ergeben sich mitunter besondere Schwierigkeiten einer Abgrenzung.

Abgrenzung zwischen religiösem Glauben und religiösem Wahn

Aus psychiatrischer Sicht werden Beobachtungen zur Selbsteinschätzung des Betroffenen mit einbezogen. Die völlige Fixierung auf die Wahninhalte, völlige Resistenz kritischer Reflexion und monotone, litaneihafte Wiederholungen als Monolog können Hinweise zur Erkennung einer derartigen Psychose geben. Der religiöse Wahns tritt nicht selten zu Zeiten familiärer Spannungen oder belastender Lebensereignisse auf.

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