Manfred Spitzer

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Manfred Spitzer (rechts) mit Hagen Grell bei Verschwörungstheorien-Portal NuoViso (NuoFlix, 2016)
kluges Baby lernt schon mit dem Ipotty
Programmierer

Manfred Spitzer (geb. 27. Mai 1958 in Lengfeld (Odenwald) bei Darmstadt) ist ein deutscher Neurowissenschaftler, Psychiater und Sachbuchautor. Er ist Professor für Psychiatrie an der Universität Ulm und seit 1998 ärztlicher Direktor der Psychiatrischen Universitätsklinik in Ulm, an der er auch die Gesamtleitung des 2004 dort eröffneten Transferzentrums für Neurowissenschaften und Lernen (ZNL) innehat, das sich vor allem mit Neurodidaktik beschäftigt.

In seinen Veröffentlichungen, populärwissenschaftlichen Vorträgen und häufigen Auftritten in TV-Talkshows kritisiert Spitzer die Digitalisierung in der Bildung (insbesondere Schulen) mit der Begründung, dass Heranwachsende aufgrund ihrer Gehirnentwicklung mit digitalen Medien noch nicht umgehen oder gar mit oder von ihnen lernen können, und sie darüber hinaus eine gravierende negative gesundheitliche Auswirkung hätten. Dabei stützt er seine Thesen auf Studien, die eine negative Korrelation zwischen schulischen Leistungen und Medienkonsum aufzeigen.[1][2] In diesem Zusammenhang kritisiert er den Begriff der Medienkompetenz.

Manfred Spitzer plädiert er für eine Reduktion der Verwendung digitaler Medien, insbesondere von Smartphones und Laptops im Unterricht.[3][4]

Spitzer begründet seine Theorie zum Lernen u. a. mit dem sogenannten Hermeneutischen Zirkel, nach dem ein Vorwissen nötig ist, um etwas Neues in einer unstrukturierten Umgebung zu lernen.[5][6]

Deswegen sei auch keine Medienkompetenz nötig, sondern im Gegenteil verleite zu unvernünftigem Umgang mit dem Computer oder anderen technischen Geräten. Dies könne zu einer Abhängigkeit (hier Computersucht) führen; Spitzer spricht dabei im Drogenjargon vom „anfixen“.[7][8]

Nach eigenen Angaben nutzt Manfred Spitzer „nahezu täglich“ einen Computer.[9]

Kurzbiographie

Manfred Spitzer studierte Humanmedizin, Philosophie und Psychologie an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Er erwarb ein Diplom in Psychologie, anschließend promovierte er in Medizin (1983) und Philosophie (1985) und habilitierte sich 1989 für das Fach Psychiatrie (Facharzt für Psychiatrie) mit der Arbeit „Was ist Wahn?“[10] Von 1990 bis 1997 war er an der Psychiatrischen Universitätsklinik in Heidelberg als Oberarzt tätig. Im Jahr 1997 wurde Manfred Spitzer auf den neu geschaffenen Lehrstuhl für Psychiatrie der Universität Ulm berufen. Kurze Zeit darauf wurde Spitzer Herausgeber der Fachzeitschrift Nervenheilkunde im Schattauer Verlag. Über die Fachkreise hinaus bekannt wurde Spitzer durch populärwissenschaftliche Vorträge und an Laien gerichtete Bücher.

Im Herbst 2018 wurde er von der AfD als Experte für die Enquete-Kommission „Berufliche Bildung in der digitalen Arbeitswelt“ des Bundestages vorgeschlagen, sagte jedoch ab, weil er nicht mit der AfD in Verbindung gebracht werden wollte.[11]

Werke

  • Der Mensch: Zum Lernen geboren
  • Spitzer, Manfred (2012): Digitale Demenz. Wie wir uns und unsere Kinder um den Verstand bringen. München: Droemer
  • Spitzer, Manfred (2015): Cyberkrank. Wie das digitalisierte Leben unsere Gesundheit ruiniert. München: Droemer
  • Spitzer, Manfred (2015): Über vermeintliche neue Erkenntnisse zu den Risiken und Nebenwirkungen digitaler Informationstechnik. Eine Erwiderung zur Arbeit von Appel und Schreiner (2014). In: Psychologische Rundschau 66, Heft 2, S. 114-119. https:// doi.org/10.1026/0033-3042/a000251
  • Spitzer, Manfred (2018a): Einsamkeit. Die unerkannte Krankheit. München: Droemer
  • Spitzer, Manfred (2018b): Die Smartphone-Epidemie. Klett-Cotta.
  • Computer schaden Kindern mehr, als sie nutzen

Veröffentlichungen (Auswahl)

  • Halluzinationen. Ein Beitrag zur allgemeinen und klinischen Psychopathologie. Springer, Berlin 1988, ISBN 3-540-18611-5
  • Was ist Wahn? Untersuchungen zum Wahnproblem. Springer, Berlin 1989, ISBN 3-540-51072-9
  • Geist im Netz. 1996
  • mit Leo Hermele: Von der Degeneration zur Antizipation – Gedanken zur nicht-Mendelschen Vererbung neuropsychiatrischer Erkrankungen aus historischer und aktueller Sicht. In: Gerhardt Nissen, Frank Badura (Hrsg.): Schriftenreihe der Deutschen Gesellschaft für Geschichte der Nervenheilkunde. Band 2. Würzburg 1996, S. 111–127.
  • Ketchup und das kollektive Unbewusste. Geschichten aus der Nervenheilkunde. Schattauer, Stuttgart 2001, ISBN 3-7945-2115-3.
  • Lernen. Gehirnforschung und die Schule des Lebens. 2002.
  • Musik im Kopf: Hören, Musizieren, Verstehen und Erleben im neuronalen Netzwerk. 2002.
  • Selbstbestimmen. Gehirnforschung und die Frage: Was sollen wir tun? 2004.
  • Frontalhirn an Mandelkern. Letzte Meldungen aus der Nervenheilkunde. 2005.
  • Vorsicht Bildschirm! Elektronische Medien, Gehirnentwicklung, Gesundheit und Gesellschaft. Klett, Stuttgart 2005, ISBN 3-12-010170-2. M. Spitzer, "Vorsicht Bildschirm!", SR2 Kulturradio, Fragen an den Autor, 26. März 2006
  • Gott-Gen und Grossmutterneuron. Geschichten von Gehirnforschung und Gesellschaft. 2006.
  • Mozarts Geistesblitze. Wie unser Gehirn Musik verarbeitet. 2006.
  • Vom Sinn des Lebens. Wege statt Werke. Schattauer, Stuttgart 2007, ISBN 978-3-7945-2563-8.
  • Liebesbriefe und Einkaufszentren. Meditationen im und über den Kopf. Schattauer Verlag, 2008, ISBN 978-3-7945-2627-7.
  • Medizin für die Bildung. Ein Weg aus der Krise. 2010, ISBN 978-3-8274-2677-2.
  • Wie Kinder denken lernen 2010, ISBN 978-3-902533-26-5. (4 Hörbücher, 300 min.)
  • Wie Erwachsene denken und lernen. 2011, ISBN 978-3-902533-38-8. (3 Hörbücher, 210 min.)
  • Nichtstun, Flirten, Küssen und andere Leistungen des Gehirns. Schattauer Verlag, 2011, ISBN 978-3-7945-2856-1.
  • Digitale Demenz. Wie wir uns und unsere Kinder um den Verstand bringen. Droemer Knaur, München 2012, ISBN 978-3-426-27603-7
  • als Hrsg.: Heinz Janisch, Carola Holland: Tom und der König der Tiere (= Leben Lernen. 1). 2012, ISBN 978-3-902533-43-2.
  • als Hrsg.: Heinz Janisch, Susanne Wechdorn: Mein Freund, der Rasenmäher (= Leben Lernen). 2012, ISBN 978-3-902533-45-6.
  • Das (un)soziale Gehirn. Schattauer, Stuttgart 2013, ISBN 978-3-7945-2918-6.
  • Rotkäppchen und der Stress. Schattauer, Stuttgart 2014, ISBN 978-3-7945-2977-3.
  • Cyberkrank! Wie das digitalisierte Leben unsere Gesundheit ruiniert. Droemer, München 2015, ISBN 978-3-426-27608-2.
  • Früher war alles später. Schattauer, Stuttgart 2017, ISBN 978-3-7945-3243-8.
  • Einsamkeit. Die unerkannte Krankheit. Schmerzhaft. Ansteckend. Tödlich. Droemer, München 2018, ISBN 978-3-426-27676-1.
  • Die Smartphone-Epidemie. Gefahren für Gesundheit, Bildung und Gesellschaft. Klett-Cotta, Stuttgart 2018, ISBN 978-3-608-96368-7.

Rezeptionen, Literatur

([1])

  • Appel, Markus/Schreiner, Constanze (2014): Digitale Demenz? Mythen und wissenschaftliche Befundlage zur Auswirkung von Internetnutzung. In: Psychologische Rundschau 65, Heft 1, S. 1-10. https://doi.org/10.1026/0033-3042/a000186
  • Appel, Markus/Schreiner, Constanze (2015): Leben in einer digitalen Welt: Wissenschaftliche Befundlage und problematische Fehlschlüsse. Stellungnahme zur Erwiderung von Spitzer (in diesem Heft). In: Psychologische Rundschau 66, Heft 2, S. 119-123. https://doi.org/10.1026/0033-3042/a000252
  • Stöcker, Christian (2018): Die Methode Spitzer. Online-Quelle: http://www.spiegel.de/ wissenschaft/mensch/manfred-spitzer-ueber-einsamkeit-an-allem-ist-das-internet- schuld-a-1197453.html (22.09.2018) Spitzer, Manfred (2005): Vorsicht Bildschirm! Elektronische Medien, Gehirnentwicklung, Gesundheit und Gesellschaft. 6. Auflage. München: dtv 2009

Weblinks




Quellennachweise

  1. https://www.youtube.com/watch?v=MRrPbNLhEuQ Von der digitalen Demenz zur Smartphone-Pandemie (Manfred Spitzer) |werk=YouTube |hrsg=RPP Institut
  2. http://www.oecd.org/publications/students-computers-and-learning-9789264239555-en.htm titel=Students, Computers and Learning: Making the Connection OECD / PISA |datum=2015-09-14 |seiten=151
  3. https://www.deutschlandfunk.de/digitales-klassenzimmer-psychiater-wenn-kinder-nur-wischen.694.de.html?dram:article_id=412480 Digitales Klassenzimmer - Psychiater: Wenn Kinder nur wischen, haben sie einen Nachteil Deutschlandfunk datum=2018-03-08 Interview mit Psychiater und Hochschullehrer Prof. Manfred Spitzer WLAN im Klassenzimmer macht die Leistung schlechter
  4. Marc Reichwein Star-Psychiater: „Schüler werden besser, wenn man Smartphones verbietet“ DIE WELT 2018-10-25 https://www.welt.de/kultur/literarischewelt/article182738164/Star-Psychiater-Schueler-werden-besser-wenn-man-Smartphones-verbietet.html
  5. https://www.erziehungskunst.de/artikel/die-neuen-lernkiller/ Erziehungskunst – Waldorfpädagogik heute: Die neuen Lernkiller Erziehungskunst |hrsg=Bund der Freien Waldorfschulen e. V. datum=2017-04
  6. Alexandra Grass https://www.wienerzeitung.at/themen_channel/wissen/technologie/402693_Hirne-sind-ganz-schnell-vermuellt.html Der deutsche Neurobiologe Manfred Spitzer über die Computernutzung von Kindern - Hirne sind ganz schnell vermüllt Wiener Zeitung Online datum=2011-10-07
  7. https://www.swp.de/politik/inland/der-geistige-abstieg-20481919.html Der geistige Abstieg 2012-08-15
  8. https://www.haz.de/Hannover/Aus-der-Stadt/Uebersicht/Manfred-Spitzer-warnt-in-Hannover-vor-digitalen-Medien-fuer-Kita-Kinder „Soziale Medien machen unsozial“ Hannoversche Allgemeine
  9. https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.kritik-an-digitalen-medien-dick-dumm-aggressiv-einsam-krank-page1.ac3e64e4-8b7b-49b2-a682-5c391384e5f6.html
  10. Manfred Spitzer: Was ist Wahn? Untersuchungen zum Wahnproblem. Springer-Verlag, Berlin/ New York 1989, ISBN 3-540-51072-9.
  11. Manfred Spitzer gibt der AfD einen Korb, Südwestpresse, 2. Oktober 2018
Dieser Text ist teilweise oder vollständig der deutschen Wikipedia entnommen