Herbalife international

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Herbalife international ist ein US-amerikanisches Unternehmen, das Diätprodukte, Kosmetika und Infomaterialien mittels MLM anbietet.

Unternehmen

Herbalife wurde im Februar 1980 von Unternehmer Mark Hughes gegründet und begann mit dem Vertrieb von Nahrungsergänzungsmitteln in den USA. 1982 erwirtschaftete das Unternehmen einen Umsatz von zwei Millionen Dollar und expandierte nach Kanada. 1986 ging Herbalife an die Börse. Der Gründer Mark Hughes starb im Jahre 2000 im Alter von 44 Jahren.

Der Jahresumsatz von Herbalife betrueg im Jahr 2006 nach gesetzlicher Rechnungslegungs-Vorschrift US-GAAP netto US$ 1,885 Milliarden, davon US$ 1,627 Milliarden aus dem Produkteverkauf.[1]

Produkte

Herbalife verkauft Produkte zur Gewichtskontrolle, Nahrungsergänzungsmittel, Körperpflege, Anti Aging und Wellness.

Die Produkte von Herbalife können laut Herstellerangabe dem persönlichen Bedarf entsprechend zusammengestellt werden und „zur Gewichtskontrolle bzw. zu einer ausgewogenen Ernährung beitragen“. Die Produkte können zeitweise oder aber zur langfristigen Ernährung eingesetzt werden.

Zur Gewichtkontrolle werden die Formula-Produkte 1–4 eingesetzt. Formula-1-Instant-Getränk® ist ein diätetisches Lebensmittel, das der Diätverordnung §14a entspricht. Pro Mahlzeit werden zwei Esslöffel Pulver (26 g) mit 250 ml Magermilch angerührt. Ein Shake soll eine Mahlzeit ersetzen. Formula 2, ein Ballaststoffpräparat in Form von Presslingen, enthält Haferspelzkleie, Apfelessig, eine Kräutermischung und Papayapulver. Es soll nach Angabe des Herstellers die notwendige Ballaststoffmenge zuführen und das Hungergefühl dämpfen. Formula 3 ist ein Vitaminpräparat mit Vitaminen der B-Gruppe, Vitamin A, C und E sowie Calcium. Formula 4 enthält „ausgesuchte Samen, Wurzeln und Kräuter“. Weiterhin sind Bestandteile von Artischocke, Hopfen, Ingwer und Senf enthalten sowie Vitamin C. Formula 1–4 sollen täglich verzehrt werden, Formula 2 zur Dämpfung des Hungers jeweils vor den Mahlzeiten.[2]

Zur Nahrungsergänzung bietet die Firma Herbalife die verschiedensten Produkte an: Coenzym Q10, Aloe, ein Fischöl-Konzentrat, einen „Zellaktivator“, VegetACE sowie Produkte zur eiweißreichen Ernährung der Produktserie Thermojetics.[2]

Herbalife-Produkte werden mit dem Siegel des Mark Hughes Cellular & Molecular Nutrition Laboratory am Zentrum für menschliche Ernährung an der University of California, Los Angeles versehen. Diese Universitätsabteilung wird von Herbalife gesponsert und soll sich u.a. mit der Bestätigung eines positiven Wertes von industriellen Nachfolgeprodukten von Sojaproteinen, dazu zählt Herbalife, für die menschliche Ernährung befassen.

Vertrieb

Das Vertriebssystem von Herbalife besteht aus weltweit „über 1.600.000 selbständigen Beratern“, die in einem Multi-Level-Marketing-System organisiert sind.[1] Allerdings ist nur ein kleiner Teil davon wirklich als Wiederverkäufer tätig und erreicht den Mindestumsatz, um überhaupt auf der untersten Stufe des Marketingplans (Supervisor) aufgenommen zu werden, während der Großteil die Produkte lediglich für den Eigenbedarf kauft. Per Ende Juni 2007 waren 368.062 Personen auf Stufe Supervisor oder höher. Das Unternehmen ist in 64 Ländern präsent. Größter Absatzmarkt sind die USA vor Mexiko mit je knapp 20 Prozent Anteil am Gesamtumsatz.

Da die Produkte von Herbalife Verbrauchsprodukte sind, sind als Zielgruppe vor allem Daueranwender gesucht. Ziel des Geschäftes ist die langfristige Nutzung durch die Kunden, was nach Firmenangabe auch darin begründet ist, dass ein Ergebnis oder Resultat der Nutzung in der Regel erst nach einer längeren Anwendung eintreten kann. Die erste Aufgabe eines Herbalife-Partners ist dementsprechend der Aufbau eines persönlichen Kundenstammes. Der Wiederverkäufer gewinnt neue Interessenten für die Produkte, durch Einzel- oder Gruppenpräsentationen sollen die Interessenten zu Käufern werden. In der Praxis gibt es sehr unterschiedlich große Kundenstämme. Nach Angaben von Herbalife ist eine Zahl von 20-50 Belieferungen pro Monat bei einem entsprechenden Zeitaufwand und Kreis von Dauerbeziehern realistisch.

Kritik

Überhöhte Versprechungen

Zur Anwerbung neuer Mitglieder argumentieren viele Networker mit den angeblich hohen Verdienstmöglichkeiten.

Das Herbalife-eigene Dokument Statement of Average Gross Compensation of U.S. Supervisors in 2005 [3] zeigt allerdings, dass die Verteilung der Vergütungen extrem pyramidenförmig ausfällt und rund 86% aller vergütungsberechtigten Herbalife-Berater im Gesamtjahr 2005 durchschnittlich US$ 472 ausbezahlt bekamen, während nur gerade 1,6 % der Berater einen Betrag erhalten haben, der mindestens dem Einkommen eines gut bezahlten Vollzeitjobs entspricht. Aus dem Dokument geht hervor, dass nur etwa 25% aller in den USA angemeldeten Herbalife-Berater mindestens auf der untersten Stufe im Marketingplan sind. Dieser Prozentsatz entspricht ziemlich genau der weltweiten Quote, 368.062 auf rund 1,6 Millionen Angemeldete.

Von diesen 25% erreichen allerdings lediglich 42,4% den Mindestumsatz, um überhaupt vergütungsberechtigt zu sein. 85,8% dieser vergütungsberechtigten Herbalife-Berater befinden sich auf der untersten Stufe des Marketingplans (Stufe Supervisor) und erhielten 2005 durchschnittlich US$ 472 im Jahr. Weitere 8,2% der vergütungsberechtigten Herbalife-Berater befinden sich auf der zweituntersten Stufe des Marketingplans (Stufe World Team) und erhielten 2005 durchschnittliche Auszahlungen von US$ 4.683.

Auf der obersten Stufe des Marketingplans (Chairman's Club) befanden sich per Ende Juni 2007 weltweit lediglich 31 Personen und auf der zweitobersten Stufe (President's Team) weltweit 1.031.[4]

Überteuerte Produkte

In einem Test verschiedener Formula-Produkte der Zeitschrift Ökotest (2/2002) gehört Herbalife zu den teuersten Produkten. Daher haben einige Verbraucherzentralen Herbalife-Produkte bei ihren Tests als überteuert und, wie fast alle Formula-Diäten, für nicht empfehlenswert befunden.[5] Ein weiterer Hinweis, dass die Produkte von Herbalife extrem überteuert sind, geht aus den Zahlen aus dem offiziell beglaubigten und von der US-Börsenaufsichtsbehörde SEC eingereichten Geschäftsbericht hervor[1]: So lagen die Gesamteinnahmen im Jahr 2006 bei US$ 1,885 Milliarden, der Warenaufwand allerdings bei nur US$ 380 Millionen, was eine Bruttomarge von 80% ergibt bzw. eine Verfünffachung des Einstandspreises. Diese extrem hohe Bruttomarge liegt weit über derjenigen anderer Konsumgüterfirmen. So beträgt die Bruttomarge beim direkten Branchenkonkurrenten NBTY Inc. (Nature’s Bounty[6]), der zugleich auch einer der drei Hauptlieferanten von Herbalife ist, lediglich 47%.[7]

Die beiden mit Abstand größten Aufwandsposten von Herbalife sind die Beratervergütungen (US$ 675 Millionen) und die Vertriebs-, Allgemein- und Administrationskosten (US$ 573 Millionen), die zusammen rund 66% des gesamten Umsatzes verschlingen. Wie dem Geschäftsbericht zu entnehmen ist, betreibt Herbalife keine eigene Forschung und Entwicklung und gibt auch praktisch nichts dafür aus. Auch stellt Herbalife keinerlei Produkte selbst her (mit Ausnahme für den chinesischen Markt), sondern kauft sämtliche Produkte als Fertigprodukte von Drittfirmen ein. Die laut Aussage von Herbalife drei größten Lieferanten sind Nature’s Bounty, Fine Foods und PharmaChem Labs. Diese liefern rund 40% aller von Herbalife vertriebenen Produkte.

Rolle des Gründers Mark Hughes

Eine Geschäftsbiographie des Gründers Mark Hughes findet sich auf den meisten Herbalife-Webseiten. Aus seiner Biographie - er habe als 18-Jähriger miterlebt, wie seine Mutter an einer schädlichen Abmagerungskur gestorben sei - wird seine Motivation abgeleitet, allen Übergewichtigen durch die Entwicklung und den Vertrieb der Herbalifeprodukte zu helfen. Das Bild des Mannes, dessen Mission es war, „das Leben der Leute durch gesunde Ernährung zu verbessern" (Originalton Herbalife), passt nicht zur persönlichen Tragik, die der gerichtsmedizinische Bericht über die Autopsie von Mark Hughes erahnen lässt: Mark Hughes starb als Chief Executive Officer von Herbalife am 21. Mai 2000 im Alter von gerade 44 Jahren nach einem mehrtägigen Alkoholexzess bei bestehender Alkoholabhängigkeit, mit einem Blutalkoholpegel von 2,1 Promille und einer toxischen Konzentration von Antidepressiva.[8]

Risiken und gesundheitliche Folgen

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung kam zu dem Schluss, dass die Lösung von Gewichtsproblemen nicht in Diätprodukten allein, sondern vielmehr in langfristig veränderten Ernährungsgewohnheiten hin zu einer fettreduzierten und kohlenhydratreichen ausgewogenen Mischkost, gepaart mit ausreichend Bewegung, zu finden sei. [9]

Es gibt darüber hinaus sehr starke Hinweise, dass Herbalifeprodukte zur Gewichtsreduktion ein fulminantes Leberversagen verursachen können, das eine Lebertransplantation notwendig machen und tödlich verlaufen kann.[10][11][12][13][14]

In Israel sollen mindestens 22 Menschen teilweise lebensbedrohliche Leberschäden davongetragen haben, nachdem sie zwischen 1998 und 2004 Nahrungsergänzungsmittel des US-Konzerns eingenommen hatten. Zwei Betroffene benötigten ein neues Organ, einer verstarb an den Folgen der Transplantation.[15][16]

Angesichts des Jahresumsatzes von 1,9 Milliarden US-Dollar netto im Jahr 2006 könnte die Zahl von 22 Leberschäden gering erscheinen. Von einer erheblichen Dunkelziffer ist jedoch auszugehen: Die israelischen Autoren hinterfragten in Kliniken lediglich Ereignisse des Jahres 2004 und in der Schweiz wurde konkret nach „toxischer Hepatitis durch Kräutermittel, insbesondere Herbalife” gefragt, was bereits eine entsprechende Verdachtsdiagnose voraussetzt. Dabei dürfte die Diagnose nicht häufig gestellt werden, da Nahrungsergänzungsmittel wie Herbalife durch die übliche Medikamentenanamnese oft nicht erfasst werden. Ärzte fragen nicht konkret und insistierend genug nach, und Verbraucher erachten die überwiegend als pflanzlich deklarierten Mittel als „natürlichen” Beitrag zur Ernährung und daher nicht als erwähnenswert. Auch sind die Anwender meist vom Nutzen und der Unbedenklichkeit der Präparate, die sie sich für teures Geld leisten, überzeugt. So nehmen einige nach Abklingen der Leberbeschwerden gegen ärztlichen Rat erneut Herbalifeprodukte ein; bei fünf Patienten hatte dies erneut eine Leberschädigung zur Folge.[17]

Auch aus Island kommen Hinweise auf Hepatitis in Verbindung mit Herbalifeprodukten bei sechs Personen. Trotz der klaren Zuordnung der Nebenwirkungen zu Herbalife blieben Fragen offen. Die Patienten konsumierten zwischen 3 und 17 verschiedene Herbalifeprodukte, meist gegen Übergewicht. Auf Anfragen weigerte sich die Firma Herbalife, die Zusammensetzung der Präparate, die möglicherweise international unterschiedlich ist, zu deklarieren. [17]

Bei Verdacht auf Leberschaden oder Verschlimmerung einer vorbestehenden Lebererkrankung sollte die Anwendung daher sofort beendet werden. Vor dem Hintergrund der möglichen Gefährdung ist anzumerken, dass in der anerkannten medizinischen Datenbank PubMed keinerlei Studien zu einer positiven Wirkung der Präparate verzeichnet sind.[18]

Weblinks

Quellenverzeichnis

  1. 1,0 1,1 1,2 SEC-Filing 10-K, beglaubigter Geschäftsbericht Herbalife
  2. 2,0 2,1 http://www.dge.de/modules.php?name=News&file=article&sid=326
  3. Herbalife eigenes Dokument "Statement of Average Gross Compensation of U.S. Supervisors in 2005"
  4. Herbalife Ltd, Presse Communique zum Halbjahresbericht 2007
  5. z.B.: Konsument, Heft 11/2003: Formula- Diäten. Was ist von Herbalife-Produkten zu halten?
  6. Nature's Bounty Produkte Homepage
  7. NBTY Inc. Corporate Homepage
  8. Death and Denial at Herbalife Heller,Matthew: "The Untold Story of Mark Hughes' public image, Secret Vice and Tragic Destiny" Los Angeles Times. 18/02/2001
  9. Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V.: "Das Geschäft mit den überflüssigen Pfunden". DGE-aktuell 12/2002 (vom 10. Dezember 2002)
  10. Journal of Hepatology 2007; 47: 444-446: 'Association between consumption of Herbalife nutritional supplements and acute hepatotoxicity.'
  11. Journal of Hepatology 2007; 47: 521-526: 'Herbal does not mean innocous. Ten cases of severe hepatotoxity associated with Herbalife products' PMID 17692989 PMID 17692988
  12. Prof. Dr. med. Jürg Reichen in 'Viszerale Medizin' der Universität Bern: 'Herbalife Produkte als Ursache fulminanten Leberversagens.'
  13. Læknablaðið März 2010; S. 167-172: 'Lifrarskaði tengdur notkun á Herbalife'
  14. http://www.medicalforum.ch/pdf/pdf_d/2005/2005-43/2005-43-171.PDF
  15. FOCUS vom 20.01.2008: „Herbalife“ Krank statt schlank
  16. http://www.g-o.de/wissen-aktuell-12256-2010-09-14.html
  17. 17,0 17,1 http://www.arznei-telegramm.de/register/B4775BB.pdf
  18. arznei-telegramm 2008; 39, Nr. 1
Dieser Text ist teilweise oder vollständig der deutschen Wikipedia entnommen