Aloe Vera

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Aloe vera

Aloe Vera ist die Bezeichnung von Presssäften oder Extrakten aus dem Wasserspeichergewebe oder der Blattrinde von Echten Aloe (Aloe vera). Diese werden in großem Umfang als Nahrungsergänzungsmittel oder Wellnessgetränk über Multilevel Marketing Strukturvertriebe an den Kunden gebracht und entsprechend aggressiv beworben. Im Internet kursieren zahlreiche Behauptungen über teils wundersame Wirkungen von Aloe vera, die allerdings jeglicher wissenschaftlicher Basis entbehren.

Deutsche Firmen preisen Aloe Vera Saft als Beitrag zur gesunden Ernährung und zur Gesundheitsstärkung an. Verkauft wird das Produkt legal als Lebensmittel. Im US-Staat Kalifornien ist Aloe Vera auf der Proposition 65 List (“Safe Drinking Water and Toxic Enforcement Act of 1986”). Produkte müssen den Aufkleber "list of chemicals known to the state to cause cancer" tragen.[1]

Herkunft

Basis für Aloe-Produkte ist die in tropischen und subtropischen Regionen der Welt auf Plantagen kultivierte sukkulente Pflanzenart Aloe vera, die aus der Pflanzenfamilie der Affodillgewächse (Asphodelaceae) stammt. Wild wachsende Aloe-Arten sind durch das Washingtoner Artenschutzabkommen vom 3. März 1973 geschützt - ausgenommen davon sind Pflanzenprodukte, die von außerhalb ihres natürlichen Verbreitungsgebietes eingebürgerten oder von künstlich vermehrten Aloen stammen.

Traditionell gilt Aloe in Mesopotamien bereits seit dem 2. vorchristlichen Jahrtausend als medizinisches Mittel und auch in Ägypten wurde Aloesaft bereits 550 v.Chr. zur Behandlung von Hautinfektionen verwendet. In US-amerikanischen Arzneibüchern ist Aloe vera bereits seit 1820 in verschiedenen Zubereitungsformen erwähnt und seit 1920 wird die Pflanze auch kommerziell angebaut.[2] Es werden unterschiedliche Aloe-Zubereitungen verwendet. Das sogenannte Aloe-Gel stammt aus dem Mark der Pflanze, während Aloe-Saft aus den Blättern und der Blattrinde gepresst wird.

Inhaltsstoffe

Aloe-vera-Gel wird aus dem Wasserspeichergewebe der Echten Aloe gewonnen. Es besteht vor allem aus D-Glucose und D-Mannose aufgebauten Polysacchariden, die dem Gel eine schleimige Konsistenz verleihen. Weitere Inhaltsstoffe sind die Einfachzucker Glucose, Mannose, Galactose und Xylose sowie wasserlösliche Vitamine, Aminosäuren, Amylase, alkalische Phosphatase, Lipase, Salicylsäure, Glycoproteine und Aloenine. Das bitter schmeckende und stark abführend wirkende Anthrachinon Aloin befindet sich in der Blattrinde und im Gewebe unmittelbar darunter. Andere in der Aloe enthaltene Anthrachinone sind Aloeemodin und Chrysophanol. Bei sorgfältiger Gewinnung ist Aloe-vera-Gel frei von Aloin.

Anwendungsgebiete und Vermarktung

Aloe-vera-Gel soll äußerlich bei Wunden, geringgradigen Verbrennungen, Hautreizungen, Neurodermitis und Schuppenflechte (Psoriasis) nützlich sein. Zubereitungen zur inneren Anwendung werden aus dem eingedampften Blattsaft der Aloe-Pflanze hergestellt und gegen Verstopfung angewendet. Unbelegten Behauptungen zufolge soll Aloe vera auch gegen Husten, Kopfschmerzen, entzündliche Erkrankungen, rheumatisches Fieber, Allergien, Ulzera, Herzerkrankungen und sogar gegen HIV und Krebs wirksam sein.

Aloe vera ist daneben auch in vielen Kosmetika, Lebensmitteln, Lifestyle-Produkten und Nahrungsergänzungsmitteln enthalten. Bei letzteren erfolgt eine intensive Vermarktung vor allem über Multi-Level-Marketing-Systeme.

Einstufung als Arzneimittel

Aloe-Saft-Produkte werden als Arzneimittel eingestuft, da die arzneiliche, laxierende Wirkung im Vordergrund steht. Anthrachinonfreie Aloe-Produkte sind als neuartiges Lebensmittel (Novel Food) bzw. Nahrungsergänzungsmittel verkehrsfähig und bedürfen keiner Zulassung als Arzneimittel. Solche Aloe-vera-Produkte dürfen nicht mit medizinischen Indikationen beworben werden.

Wirksamkeit

In zahlreichen Studien zeigte sich, dass viele der Aussagen, die zur Wirkung von Aloe vera getroffen werden, nicht zutreffen:[3] Das Arznei-Telegramm fand im Jahr 2002 in einer kritischen Analyse gerade einmal fünf randomisierte klinische Studien zu Aloe vera. Bei der Behandlung von Druckulzera wirkte das Aloe-Gel bei 49 Patienten nicht besser als ein mit Kochsalzlösung getränkter Gaze-Verband. Als Zusatz zur Standard-Wundbehandlung scheint es den Heilungsprozess nach einer weiteren Untersuchung an 40 Patienten sogar zu hemmen.[4]

Aloe-vera-Gel, das vorbeugend bei perkutaner Strahlentherapie bei Krebserkrankungen aufgetragen wurde, zeigte keinerlei Nutzen.[5][6]

Der behauptete Effekt von Aloe-vera-Gel bei der Wundheilung ist als sehr widersprüchlich anzusehen. Die Daten der vorhandenen Studien sind letztlich nicht überzeugend.[7][8][9]

Eine Bestätigung für eine angeblich cholesterin- oder triglyceridsenkende Wirkung von Aloe vera konnte nicht gefunden werden.[10]

Hinweise für direkte antidiabetische (blutzuckersenkende) Effekte von Aloe-Extrakten sind am Menschen bisher nicht belegt. Es sind noch weitere kontrollierte klinische Studien nötig, um eine eindeutige Aussage zur Wirkung von Aloe-vera-Präparaten bei Diabetes abgeben zu können.[11]

Andere Studien zeigten, dass Aloe vera bei bestimmten Indikationen einen Nutzen zeigen kann:[12]

Eine 0,5-prozentige hydrophile Aloe-vera-Creme ist bei Patienten mit Herpes genitalis wirksamer als Placebo.[13]

Das Ergebnis einer ersten Studie zeigt eine Wirksamkeit von Aloe-vera-Gel bei Patienten mit seborrhoischer Dermatitis.[14]

Aloe-vera-Gel könnte bei der Behandlung der Psoriasis (Schuppenflechte) von Vorteil sein. Valide Daten und weitere kontrollierte Studien sind jedoch nötig, um eine eindeutige Aussage machen zu können.[15]

Wissenschaftlich gesichert ist die Wirkung von Aloe vera als Abführmittel durch den abführende Effekt der Anthrachinone (vor allem Aloin) in den Präparaten.[16] Dafür hat Aloe auch die Zulassung und wird als Arzneimittel eingesetzt. Die Verwendung als Abführmittel lässt sich jedoch wegen des kanzerogenen und genotoxischen Potenzials bei länger dauernder Anwendung nicht mehr rechtfertigen, zumal besser verträgliche Alternativen für die Therapie von Verstopfungen verfügbar sind.

Nebenwirkungen

Die auf dem Markt befindlichen Aloe-vera-Präparate sind hinsichtlich der Qualität und Stoffgehalte sehr unterschiedlich, da die jeweiligen Produkte nach unterschiedlichen Verfahren hergestellt werden. Ein befriedigender Vergleich dieser Produkte ist daher kaum möglich.

Hauptsächliche Nebenwirkungen von Aloe-Vera-Cremes oder Gels sind Hautreizungen. Vor allem bei Aloe-haltigen Cremes sind Allergien möglich.

Risiken ergeben sich vor allem bei Überdosierung, bei der es zu Vergiftungserscheinungen kommen kann. Diese äußern sich in krampfartigen Schmerzen und schweren Durchfällen, die zu lebensgefährlichen Elektrolyt- und Wasserverlusten führen können. Auch über Nierenschäden wurde berichtet.

Die Einnahme von Aloe-vera-Produkten als Abführmittel ist auch aus einem anderen Grund gesundheitlich nicht unbedenklich: Das möglicherweise in den Aloe-vera-Produkten enthaltene Aloin und andere Anthrachinone können bei Langzeitanwendung Veränderungen der Darmschleimhaut im Sinne von Krebsvorstufen verursachen.

Gesundheitsdrinks, die Aloe Vera enthalten, können je nach Herstellungsverfahren in unterschiedlichem Maße Aloin enthalten. Der unterschiedliche Gehalt von Aloin in den verschiedenen Aloesäften resultiert daher, dass während der Produktion nicht sauber zwischen dem Mark und den Rinden der Blätter getrennt wird. Das Mark der Blätter, das Aloe-Gel, enthält wenig bis kein Aloin, während die Blattrinde besonders reich an Aloin sein kann. Es kann also gleichzeitig Produkte geben, die aloinhaltig oder nicht aloinhaltig sind. Ebenfalls ist es möglich, dass der Saft des gleichen Herstellers chargenabhängig mit Aloin belastet ist, während andere Chargen keine Belastung aufweisen. Insofern ist die Zufuhr von Aloin nicht kalkulierbar.

Durch den unkalkulierbaren Gehalt an Aloin kann bei schwangeren Frauen die Gefahr von Fehlgeburten steigen. In Deutschland müssen jedoch weder die Beipackzettel von Aloe-Produkten noch entsprechende Lebensmittel einen Warnhinweis vor möglichen Nebenwirkungen enthalten.[17]

Weblinks

Siehe auch

Quellenverzeichnis

  1. The National Toxicology Program (NTP) conducted a two-year carcinogenicity study on a substance identified as “nondecolorized whole leaf extract of Aloe barbadensis Miller5,” an unpurified aloe material. Chemical analysis of this material detected the aloin content was between 10,000 – 13,000 mg/L, indicating it was an unfiltered or unpurified aloe vera material (non-decolorized). The results of the NTP oral consumption study concluded that there was “clear evidence of carcinogenicity” in the rats, but not in the mice, after oral exposure to the aloe material for the animals’ lifetime. Based on the conclusions of this study, the International Agency for Research on Cancer (IASC) issued a classification of “possibly carcinogenic to humans (Class 2B)” specific to the aloe material that was utilized in the NTP testing. The IARC classification prompted the State of California to propose the addition of this substance to the Prop 65 list via the “Labor Code” listing mechanism.
  2. Hadley SK, Petry JJ: Medicinal herbs: a primer for primary care. Hospital Practice, June 15th, 105-123, 1999
  3. W. Brodschelm: Aloe vera auf dem Prüfstand, Pharmazeutische Zeitung, 4. Ausgabe 2004
  4. Arznei-Telegramm: Aloe vera - was ist dran? AT, 33, 65, 2002
  5. Williams, M. S., et al., Phase III double-blind evaluation of an aloe vera gel as a prophylactic agent for radiation-induced skin toxicity. International Journal of Radiation Oncology, Biology, Physics 36 (1996) 345 - 9.
  6. Heggie, S., et al., A Phase III study on the efficacy of topical aloe vera gel on irradiated breast tissue. Cancer Nursing 25 (2002) 442 – 51
  7. Schmidt, J. M., Greenspoon J. S., Aloe vera dermal wound gel is associated with a delay in wound healing. Obstetrics & Gynecology 78 (1991) 115 - 7.
  8. Thomas, D. R., et al., Acemannan hydrogel dressing versus saline dressing for pressure ulcers. A randomized, controlled trial. Adv Wound Care. 1998 Oct. 11 (6) 273 - 6.
  9. Fulton, J. E., The stimulation of postdermabrasion wound healing with stabilized aloe vera gel-polyethylene oxide dressing. J Dermatol Surg Oncol. 1990 May, 16 (5) 460 - 7.
  10. Vogler, B. K., Ernst E., [www.jr2.ox.ac.uk/bandolier/booth/alternat/AT125.html Aloe vera: a systematic review of its clinical effectiveness.] British Journal of General Practice 49 (1999) 823 - 828
  11. Kemper, K. J., Chiou, V., [www.mcp.edu/herbal/aloe/aloe.pdf Aloe Vera]
  12. W. Brodschelm: Aloe vera auf dem Prüfstand, Pharmazeutische Zeitung, 4. Ausgabe 2004
  13. Syed, T. A., et al., Management of genital herpes in men with 0.5% Aloe vera extract in a hydrophilic cream: A placebo-controlled double-blind study. Journal of Dermatological Treatment 8 (1997) 99 - 102
  14. Vardy, D. A., et al., A double-blind, placebo-controlled trial of an Aloe vera (A. barbadensis) emulsion in the treatment of seborrheic dermatitis. Journal of Dermatological Treatment 10 (1999) 7 – 11
  15. Syed, T. A., et al., Management of psoriasis with Aloe vera extract in a hydrophilic cream: a placebo-controlled, double-blind study., Tropical Medicine & International Health 4 (1996) 505 - 9
  16. Odes HS, Madar Z: A double-blind trial of a Celandin, Aloevera and Psyllium laxative preparation in adult patients with constipation. Digestion, 49, 65-71, 1991
  17. Arznei-Telegramm: Warnhinweis. Pflanzliche Arzneimittel: Hinweise auf Krebsrisiko fehlen im Beipackzettel. AT Nr.8, 82, 1996