Festhaltetherapie nach Prekop

Aus Psiram
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Jirina Prekop [1]

Die Festhaltetherapie nach Jirina Prekop ist eine nicht anerkannte und wissenschaftlich nicht belegte Form der Psychotherapie, bei der durch intensives, teils sogar gewaltsames Festhalten gegen den Willen des Kindes Bindungsstörungen aufgelöst werden sollen. Sie soll vor allem bei Menschen mit Verhaltensauffälligkeiten, Autismus, psychischen Störungen und geistiger Behinderung zum Aufbau einer Bindung führen.

Die Methode geht seit 1981 auf die Psychologin tschechischer Herkunft Jirina Prekop (geb. 1929) zurück, die sich wiederum auf die New Yorker Psychologin Martha Welch und Bert Hellinger stützt. Andererseits äußert sich Prekop auch dahingehend, dass es überhaupt keinen Erfinder gebe, sondern "diese Art der Konfliktbewältigung" habe sich ihrer Ansicht nach "während der Evolution" entwickelt, was ein Beleg für "die Weisheit der Schöpfungsgesetze" sei.[2] Prekop vermengt wissenschaftliche Ansätze mit esoterisch-spirituellen Überzeugungen und kreierte daraus ihre eigene Therapieform.

Methode

Die Kinder werden von einer nahen Bezugsperson oder vom Therapeuten in einer festen Umarmung festgehalten, auch gegen den Willen des Kindes. Dabei ist es sogar ausdrücklich erwünscht, dass das betroffene Kind weint, schreit, sich wehrt, weil es dabei seine Aggressionen und Erregungszustände ausleben soll. Dieser Prozess findet ohne zeitliche Beschränkung statt und dauert in der Regel so lange, bis das Kind seine Gegenwehr aufgegeben hat, also sein Wille gebrochen ist. Reicht dabei die Körperkraft des Festhaltenden nicht aus, wird das Kind mit einem sogenannten Festhaltegürtel fixiert.

Das Kind liegt dabei grundsätzlich auf dem Rücken bzw. auf dem Schoß und nimmt die untere Position ein, der Festhaltende fixiert das Kind von oben. „Dies entspricht der systemischen Ordnung die Eltern sind groß, die Kinder sind klein."[3]

Höre im übrigen das Schreien urplötzlich auf, dürfe man keineswegs sofort loslassen: "Es kann sein, daß das Kind einen Fluchtweg in Form von Selbststimulation gefunden hat, zum Beispiel [...] beobachtet es hinter dem Rücken der Mutter seine Finger. Hier sollte der Fluchtweg versperrt werden: Das Kind wird in einer anderen Lage gehalten, das Licht wird gelöscht, es wird mit Küssen auf den Mund an seiner oralen Stimulation gehindert. Der erneute Schreiausbruch ist die richtige Interpretation der Beruhigung."[4]

Äußere das Kind den Wunsch, auf die Toilette zu gehen, dürfe dem keinsfalls entsprochen werden: Es könnte sich um einen "Fluchtversuch" handeln. Prekop: "Das Kind darf, wenn es will, ohne weiteres einnässen. Es darf in dieser "Nestsituation" nach Herzenslust regredieren. Es wird trotz der nassen Hose weiter liebevoll gehalten, als wäre nichts geschehen". Losgelassen wird erst, "wenn das Kind ohne weitere Aufforderung bereit ist, sich innig anzuschmiegen."[4]

Bewertung

Das Festhalten einer Person gegen ihren Willen stellt rechtlich Freiheitsberaubung und Körperverletzung dar und ist damit eine Straftat. Zusätzlich ist diese Prozedur ein Eingriff in die Würde des Menschen, da hier offensichtlich der Wille des Kindes gewaltsam gebrochen wird, und eine Form der körperlichen und psychischen Kindesmisshandlung.

"Wie der Deutsche Kinderschutzbund feststellt, bietet diese "Therapie" die perfekte Maskerade und Rechtfertigung für Gewalt gegen Kinder: Unerträgliche Machtanmaßung kaschiert als therapeutisch notwendige Maßnahme, verklärt gar als "gelebte Liebe" (Prekop) zum Kind".[5] Trotzdem wird die Festhaltetherapie nach wie vor praktiziert, was sich u.a. aus den enormen Verkaufszahlen der Prekop-Bücher (weit über 400.000 verkaufte Exemplare) und der ungebrochenen Nachfrage nach ihren Seminaren und Vorträgen folgern lässt.[6]

Festhaltetherapeuten

Einige Anwender berufen sich darauf, von der "Gesellschaft zur Förderung des Festhaltens als Lebensform und Therapie e.V." (GFH) "anerkannte Festhaltetherapeut/inn/en mit abgeschlossener Ausbildung" zu sein. Vorsitzende des Vereins GFH ist Jirina Prekop. "Ausbildungen" werden beispielsweise von einem "Jirina-Prekop-Zentrum" in 01744 Röthenbach angeboten, ein "Zentrum für Halt und Bindung" aus 85354 Freising bezeichnet sich als "Ausbildungszentrum der GFH", aber auch Einzelpersonen veranstalten "Halteworkshops" und ähnliche Seminare. Häufig wird die Festhaltetherapie in Verbindung mit Familienaufstellungen nach Hellinger praktiziert. In den Eigendarstellungen wird das tatsächliche Vorgehen bei der Festhaltherapie nicht oder verschleiernd dargestellt. Bei einer "Arbeitsgemeinschaft haltgebende Erziehung und Haltetherapie" aus Aachen, die ihre Angebote "Fortbildung Haltgebende Pädagogik" nennt und ausdrücklich auch "für Lehrkräfte an Grund- und Sonderschulen" empfiehlt, heißt es beispielsweise: "In der Haltetherapie gibt es die Möglichkeit, dass ein Elternteil sein Kind solange liebevoll, sicher und fest im Arm hält, bis bei beiden die eher trennenden Gefühle von Angst, Wut, Schmerz, Sorge, Verzweiflung, Eifersucht, Einsamkeit interaktiv ausgedrückt werden."[7] Besonders betont wird stets, dass das Festhalten "liebevoll" sei.

Der Theologe Ralf E.F. Lemke (geb. 1961) aus Dresden progagiert in seiner Einrichtung jipz[8] eine Variante namens besik-Konzept. Das eigentliche Festhalten wird auch hier beschönigend umschrieben, z.B. heißt es: "Wo das Empfinden für den eigenen Körper nicht mehr so gut da ist, braucht es stärkere äußere Reize."[9] Das Kunstwort besik ist seit 2011 eine eingetragene Wortmarke von Lemke. Es sei aus den 3 Wörtern Beziehung, Sicherheit und Körpererleben zusammengesetzt. Lemke ist auch für das Institut für transkulturelle Gesundheitswissenschaften der Europa-Universität Viadrina als Dozent tätig, so 2014 und 2015 im Rahmen eines Wahlpflichtmoduls mit dem Titel "Krankheit als ordnendes Prinzip".

Siehe auch

Bitte beachten Sie auch den Beitrag "Und bist du nicht willig...": Zur Wiederkehr der "Schwarzen Pädagogik" von Claudia Goldner auf der Diskussionsseite.

Literatur und Weblinks

  • Colin Goldner „Die Psychoszene“, Alibri Verlagpattloch Verlag 2000/1997, S. 269
  • Adelheid Müller-Lissner „Und bist du nicht willig“, Der Tagesspiegel , 8.10.2004
  • Wolfgang Jantzen, Wolfgang v. Salzen: Halte-"Therapie": Für wen Halt und für wen Therapie? Entnommen aus: Behindertenpädagogik Heft 2/1988, 155–185
  • K. Grawe, R. Donati, F. Bernauer (1994): Psychotherapie im Wandel: Von der Konfession zur Profession. Göttingen: Hogrefe
  • Prekop, J. (2000): Von der geglückten Verbindung des systembezogenen Ansatzes mit der Festhaltetherapie. In: Weber, G. (Hrsg.): Praxis des Familien-Stellens. Beiträge zu Systemischen Lösungen nach Bert Hellinger. Heidelberg: Carl-Auer-Systeme (3. überarb. Aufl.), 257-265
  • Prekop, J. (2001): Der besondere Weg der Hinbewegung zur Mutter "durch den Bauch". In: Praxis der Systemaufstellung, 2/2001, 19-22

Quellennachweise

  1. Bildquelle: www.prekop-festhalten.de/prekop.html
  2. www.prekop-festhalten.de/prekop.html
  3. Prekop, J. (1988): Der kleine Tyrann: Welchen Halt brauchen Kinder? München: Kösel.
  4. 4,0 4,1 Prekop, J. (1999): Hättest du mich festgehalten...: Grundlagen und Anwendungen der Festhalte-Therapie. München: Goldmann (Mosaik)
  5. http://www.vikas.de/GOLDNERTEXTE/Prekop-Festhaltetherapie.html
  6. Goldner, Colin (Hrsg.) (2003): Der Wille zum Schicksal: Die Heilslehre des Bert Hellinger. Carl-Ueberreuter-Verlag, Wien
  7. http://haltetherapie.de/01ueber.html Aufruf am 26. November 2010
  8. jipz (Jirina-Prekop-Zentrum), Weststraße 1, 01157 Dresden. Die Einrichtung bezeichnet sich auch als "Institut für Familienbildung" und "DISA - Dresdner Institut für Systemisches Arbeiten" und wird vom Verein bewegt e.V. betrieben (vormals jirina-prekop-zentrum e.V, Hartmannsdorfer Straße 1, 01774 Klingenberg, Vorstand: Ralf Lemke, Uwe Reißig, Angelika Meischner).
  9. http://www.jipz.de/das-besik-konzept Aufruf am 25. April 2014