Falun Gong

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Falun Gong ist eine religiös-weltanschauliche Sekte, die aus der taoistischen Disziplin des Qi (die „Lebenskraft“ betreffend) stammt und um 1992 entstanden sein soll.[1] Erfinder des Falun Gong ist Li Hongzhi. Falun Gong gibt seit 2005 in Deutschland die Zeitschrift „Die neue Epoche“ heraus, die 2007 in "The Epoch Times Deutschland" umbenannt wurde.[2] Nach Angaben der Bewegung soll es in über 60 Ländern Praktizierende geben. In Deutschland gibt es etwa 1.000 bis 2.000, in der Schweiz 500 bis 1.000 Personen, die Falun Gong praktizieren. In Taiwan gibt es schätzungsweise 300.000 Praktizierende.[3]

Glaubensgegenstand

In der asiatischen Meditation existieren unterschiedliche Qi Gong-Techniken. Mit Hilfe verschiedener ritueller, körperlicher oder geistiger Übungen (Bewegung, Atmung und Meditation) soll das Qi im Gleichgewicht zwischen Yin und Yang gehalten werden.

Im Gegensatz zu den anderen Qi Gong-Techniken hat Li Hongzhi einen großen theoretischen Überbau geschaffen, dessen Ziel die „Vollendung der körperlichen und geistigen Fähigkeiten zur Beseitigung der Dämon-Natur und Kräftigung der Budda-Natur“ ist.

Zentrum der Lehre sind die drei Gebote, die "höchsten Eigenschaften des Universums": Wahrhaftigkeit (Zhen), Barmherzigkeit (Shan) und Nachsicht (Ren). Durch ein Leben nach diesen Geboten und das Ausführen der fünf Übungen soll der Schüler die "Buddha-Natur" erreichen.

Zur Vollendung schreibt Li Hongzhi: "Wenn man noch einen Schritt weiter geht, existiert gar nichts mehr. Der Körper des Praktizierenden wird rein, weiß und durchsichtig".[4]

Der Name Falun Gong soll andeuten, dass er sich in der Tradition der Lehre bewegt, doch der Erfinder der Lehre selbst nennt seinen Weg eine „höhere Art des Qi Gong“. Daher auch der zweite Name, Falun Dafa, den die Bewegung inzwischen vorzieht. Das Dafa oder Fa ist im Buddhismus das „Große Gebot“ oder das „Buddha-Gebot“. Allein der „Meister“ kann dieses Gebot lehren, sagt Li. „Kein anderer Mensch ist in der Lage, das Fa zu erklären“, schreibt Li in seinem Buch „Falun Gong – Der Weg zur Vollendung“.

Mittelpunkt der Vorstellungen ist das Falun: „Das Falun ist ein sich drehendes intelligentes Wesen von hoher energetischer Substanz. Das von mir im Unterbauchbereich des Praktizierenden eingesetzte Falun dreht sich täglich ununterbrochen 24 Stunden lang, um ihm automatisch zu helfen“, schreibt Li. Man bekomme das Falun auch, wenn man eifrig die Übungen vollziehe oder intensiv die Bücher Lis lese.

Die fünf Übungen des Falun Gong sind im einzelnen:

1. Buddha streckt 1.000 Hände aus (Fo Zhan Qian Shou Fa): Der Körper wird gestreckt und entspannt.
2. Gebotsrad-Pfahlstellung (Falun Zhuang Fa): Die Arme werden in vier verschiedenen Positionen kreisförmig für eine längere Zeit hochgehalten.
3. Verbinden von Himmel und Erde (Guan Tong Liang Ji Fa): Die Arme werden ab- und aufwärts bewegt. Dadurch soll das Qi des Körpers mit dem des Kosmos vermischt werden.
4. Gebotsrad-Himmelskreis (Falun Zhoutian Fa): Man streicht mit den Handflächen an bestimmten Linien nahe der Körperoberfläche entlang. Dies soll die Energie im Körper zum Fließen bringen.
5. Verstärkung der übernatürlichen Kräfte (Shentong Jiachi Fa): Im Lotossitz werden Armbewegungen und Meditation ausgeführt.[5]

Entgegen der Behauptung Lis, keine Religion geschaffen zu haben, ist davon auszugehen, dass es sich bei Falun Gong um eine religiös-weltanschauliche Sekte handelt, weil er sich selbst eine zentrale „Erlöserfunktion“ im religiösen Sinne zuschreibt, die allein zur Erleuchtung führe.

Weiterhin sind die Vorstellungen des Falun Gong mit einer gefährlich simplen Schwarzweißsicht auf das soziale Leben, mit offener Verachtung für alle Nicht-Anhänger und mit Diskriminierung von Randgruppen, etwa von Homosexuellen, verbunden. Der buddhistische Dachverband Chinas, sicher nicht einer Kooperation mit dem chinesischem Regime verdächtig, hat darum Falun Gong bereits in eine Reihe mit Organisationen wie den Sonnentemplern oder der Aum-Sekte gestellt. Trotzdem findet Li nicht nur in China, sondern auch in den USA immer mehr Anhänger.

Geschichte

Falung Gong soll um 1992 entstanden sein[6]. Der Erfinder Li ging um diese Zeit mit seinen Vorstellungen an die Öffentlichkeit und gründete die „Falun Dafa Research Society“ in Peking. 1996 schloss ihn der chinesische Qi Gong-Dachverband aus. Li Hongzhi lebt seit 1998 zurückgezogen in New York im Exil und gilt in China als Staatsfeind.

Umgang mit Abtrünnigen und Kritikern

Über abweichende Meinungen vom „wahren Weg“ schreibt Li Hongzhi folgendes: „Wenn du unüberlegt Dinge anderer, die andere Informationen tragen, annimmst und sie in unseren Kultivierungsweg mischst, zerstörst du dadurch die Dinge unserer Schule.“ Li äußerte, dass jede Änderung der von ihm erfundenen Übungen gefährlich sein könne und fügt gleich noch eine subtile Drohung hinzu: "Manche Leute wollen sogar das Fa oder die Übungsbewegungen ändern, um es als ihr Eigenes [...] zu erklären. [...] Auch die kleinste Veränderung gehört zu den größten Sünden." [...] "Wisst ihr: In diesen Jahren sind manche Schüler plötzlich gestorben. Einige darunter sind deshalb gestorben, weil sie eben so etwas gemacht haben», schreibt er in „Falun Fofa - Essenzielles für weitere Fortschritte“.

Seine Schüler werden zu Propagandazwecken gegen jeden eingespannt, der Li Hongzhi und Falun Gong nicht in ihrem Sinne darstellt. Aus einer Mitteilung der deutschen Falun Dafa-Gesellschaft: „Wir möchten sie darauf hinweisen, dass im Buchhandel ein Buch mit dem Titel »Das Lebensgeheimnis nach Falun Gong« erschienen ist. In diesem Buch wurden die Lehre und die Übungen des Falun Gong verändert. [...] Dadurch ist nicht auszuschließen, dass das Ausüben nach der Beschreibung in diesem Buch zu gesundheitlichen Schäden führen kann.

Kritiker dieser totalitären Sekte werden diffamiert, z.B. zum Handlanger des Regimes in China erklärt oder mit Gerichtsprozessen überhäuft.[7][8][9]

Verfolgung in China

Da der Sektenführer auch die Verhältnisse im modernen China (Habgier, Geiz und Vergnügungslust) scharf kritisierte, zog er den Unmut der chinesischen Regierung auf sich. Außerdem führte die permanente Ausübung von Meditationstechniken zu einem weitgehenden Rückzug der Praktizierenden aus Staat, Gesellschaft und Arbeitstätigkeit, so dass fast deren gesamtes Leben in den Dienst von Falun Gong gestellt wird und sie somit nicht mehr für die Gesellschaft erreichbar sind. Daher befürchtet die chinesische Parteiführung, dass die Falun Gong-Bewegung von charismatischen Meistern politisch genutzt werden könnte.[10] Falun Gong wurde 1999 in China verboten. Es kam zu Verhaftungen und Menschenrechtsverletzungen, wie Folterungen und Verschleppungen in Arbeitslager.[11]

Allerdings muss angemerkt werden, dass Li und seine Anhängerschaft die Menschenrechtsverletzungen an den Sektenanhängern in China instrumentalisieren, um eine kritische Auseinandersetzung mit der Sekte zu unterbinden.[12]

Angesichts der brutalen Verfolgung von Falun Gong wird übersehen, dass die Sekte selbst keinesfalls aufklärerisch im demokratisch-pluralistischen Sinn ist. Falun Gong vertritt eine totalitäre Ideologie mit einem ausgeprägten Führerkult und birgt zumindest für labile Menschen potenzielle Gefahren.[13]

Weblinks

Quellenverzeichnis

  1. http://www.religio.de/dialog/400/23_16-24.htm
  2. http://www.agpf.de/Falun.htm#Falun-gg-Heberer#Falun-gg-Heberer
  3. http://de.wikipedia.org/wiki/Falun_Gong
  4. http://www.netzeitung.de/politik/ausland/137135.html
  5. http://de.wikipedia.org/wiki/Falun_Gong
  6. http://www.religio.de/dialog/400/23_16-24.htm
  7. http://www.agpf.de/Falun-Presse.htm
  8. http://www.agpf.de/Falun.htm#Falun-gg-Heberer#Falun-gg-Heberer
  9. http://www.agpf.de/Falun.htm#Prozess2
  10. http://www.religio.de/dialog/400/23_16-24.htm
  11. http://www.zeit.de/2001/16/200116_falun.xml
  12. http://www.welt.de/print-welt/article463049/China_will_auch_nach_aussen_eine_gute_Figur_machen.html
  13. http://www.agpf.de/Falun-Presse.htm