Braune Ökologie

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Braune Ökologie (rechte Ökologie) sind rechte Umweltschutzströmungen, die eine Verbindung rechtsextremen Gedankengutes mit Ideen des Umweltschutzes darstellen, mit dem Ergebnis einer Art "Blut-und-Boden"-Ideologie. Die braune Ökologie verfolgt einen biologistischen Gesellschaftsansatz, der seine Berechtigung vor allem daraus ableitet, dass er die Menschen auf die Stufe von Tieren (beispielsweise "der Stärkere überlebt") reduziert, deren gesellschaftliches Verhalten hauptsächlich durch naturwissenschaftliche Gesetzmäßigkeiten erklärbar sei (siehe auch Tierrechte). Auf dieser Basis werden auch rassistische und sozialdarwinistische Inhalte der rechtsradikalen Bewegung erklärt.

Begriff

Der Begriff "Ökologie" (griechisch οἶκος oikos ‚Haus‘, ‚Haushalt‘ und λόγος logos ‚Lehre‘; also ‚Lehre vom Haushalt‘) bezeichnet eine Wissenschaft als Teildisziplin der Biologie, die sich mit den Beziehungen der Lebewesen untereinander und mit ihrer unbelebten Umwelt beschäftigt.

Gleichzeitig wird der Begriff im Allgemeinvokabular oft mit allem gleichgesetzt, was in irgendeiner Art und Weise mehr oder weniger mit Umweltschutz zu tun hat oder damit assoziiert wird. In diesem Sinne ist auch "Braune Ökologie" zu verstehen. Mit der wissenschaftlichen Ökologie hat sie nichts gemeinsam.

Ideen und Inhalte

Das Weltbild der Braunen Ökologie beinhaltet vor allem konservative Aspekte des Natur- und Umweltschutzes im Sinne des Heimatschutzes, Bodenständigkeit, Ökologismus und Neophobie, eingebettet in rechtes Gedankengut. Atomkraft, Gentechnik und industrielle Landwirtschaft werden abgelehnt. Gemeinsamkeiten mit braunesoterischen Vorstellungen sind in Form spiritualistischer bzw. mystischer Inhalte vorhanden. Charakteristischerweise sind auch viele Anhänger der braunen Ökologie Biobauern.

Braunökologisch Gesinnte geben sich vordergründig nicht durch Äußerungen rechter Gesinnung zu erkennen. Sie versuchen, Umweltverbände und Bürgerinitiativen zu unterwandern und zu instrumentalisieren.

Aktivitäten

Braunökologische "völkische Siedler" lassen sich in Mecklenburg-Vorpommern in "Artamanenhöfen" nieder, um diese nach ihren Vorstellungen ökologisch zu bewirtschaften, aber auch, um sie zu Versammlungsorten und Operationsbasen zu machen. Die Idee der Artamanenbewegung, zu der auch SS-Chef Heinrich Himmler und Auschwitz-Kommandant Rudolf Höß gehörten, stammt aus den 1920er Jahren.[1][2]

Entstehung

Ursprünge braunökologischer Weltanschauungen finden sich unter anderem in der Romantik des 18. und frühen 19. Jahrhunderts, als die Bewegungen des Natur- und Heimatschutzes entstanden. Als ein weiterer Ursprung ist die Artamanen-Bewegung der Weimarer Republik, eine Jugendorganisation im deutschnationalen Flügel der Deutschen Jugendbewegung und radikal-völkischen Siedlungsbund, zu sehen. Während der Zeit des Nationalsozialismus waren völkische Ideen von Blut und Boden populär, die sich auch mit Inhalten wie Natur- und Tierschutz sowie kleinbäuerlicher Wirtschaftsweise, Siedlerwesen, biologisch-dynamischer Landwirtschaft u.a. beschäftigten. Vertreter waren beispielsweise Walther Darré und Heinrich Himmler, Reichsführer der SS, der u.a. die Mineraldüngung von Feldern ablehnte.

Im Konzentrationslager Dachau wurde 1942 ein "Kräutergarten" angelegt, mit dessen Erträgen unter anderem die Firma Weleda beliefert wurde. Hier wurde auch die biologisch-dynamische Anbauweise praktiziert und Versuche an Häftlingen, die an Tuberkulose erkrankt waren, mit homöopathischen Mitteln vorgenommen.[3] Der Kräutergarten war ein Projekt der Deutschen Versuchsanstalt für Ernährung und Verpflegung GmbH, einer zur Amtsgruppe W des SS-Wirtschafts- und Verwaltungsamtes des Reichsführers SS gehörenden Forschungsanstalt.

Als sich in den 1970er Jahren die Umweltbewegung politisch formierte, waren dort auch Rechtskonservative und ehemalige NSDAP-Mitglieder involviert, wie zum Beispiel August Haußleiter, einer der drei ersten Sprecher der Grünen und ehemaliger Berichterstatter in antisemitischen Schriften sowie der Öko-Landwirt Baldur Springmann, ehemaliges Mitglied der SA, SS und NSDAP, der zusammen mit Herbert Gruhl die konservative Ökologisch-Demokratische Partei (ÖDP) gründete. Springmann wird eine Vordenkerrolle für die braune Ökologie zugeschrieben, weil er wichtige Stichworte für eine Verbindung von Umwelt- und Einwanderungspolitik geliefert habe. Die Grüne Partei distanzierte sich bereits zeitig von solchen Mitgliedern, sodass diese dort keinen großen Einfluss erreichten. Auch die rechtsextreme NPD hat das Thema Umwelt für sich besetzt und macht damit Politik[1], um unter dem Deckmantel der Ökologie rechtsradikales Gedankengut zu verbreiten. Slogans der NPD sind dabei zum Beispiel: "Deutsche Landschaften sind Kulturlandschaften." und "Umweltschutz = Heimatschutz".[4]

Literatur

Links

Quellenverzeichnis

  1. 1,0 1,1 Matthias Meisner: Rechtsextremismus Wie Neonazis die Ökoszene ausnutzen Der Tagesspiegel 2. Februar 2012
  2. Siedlungsprojekt in Mecklenburg-Vorpommern: Wohnen und Leben in Nazi-Tradition Netz-gegen-Nazis.de 1. September 2010
  3. Rudolf Stumberger: Himmlers Bioladen. Die SS betrieb bizarre Pseudowissenschaft und baute im KZ Dachau ökologische Nahrungsmittel an Jüdische Allgemeine, online-Ausgabe vom 5. April 2012
  4. Christian Pfaffinger: Neonazi-Strategie - Braune Bio-Kameradschaft Spiegel online 3. April 2012, abgerufen am 27. August 2012